Robert Bly

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Bly am "Poetry Out Loud" Festival, Minnesota, 2009

Robert Bly (* 23. Dezember 1926 in Madison, Minnesota, USA) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller und Protagonist der US-amerikanischen Männerbewegung, deren mythopoetische Ausprägung er vertritt.

Leben[Bearbeiten]

Robert Bly wurde als Sohn von Jacob and Alice Bly geboren. Die Familie hatte norwegische Wurzeln. Nach seinem Highschool-Abschluss trat er 1944 in die Navy ein, wo er zwei Jahre verbrachte. Danach war er ein Jahr am St. Olaf College in Northfield in Minnesota, um anschließend an die Harvard Universität zu gehen. Bly graduierte 1950 und hielt sich die nächsten Jahre in New York auf. Anfang 1954 schrieb er sich für zwei Jahre für einen Schriftsteller-Workshop an der University of Iowa ein.

1956 erhielt er ein Fulbright- Stipendium, das ihm ermöglichte nach Norwegen zu gehen, um norwegische Lyrik ins Englische zu übersetzen. Hier kam er nicht nur in Kontakt mit seinen Verwandten, sondern traf auf Autoren, wie Pablo Neruda, Georg Trakl oder Gunnar Ekelöf und Tomas Tranströmer, die in den USA kaum bekannt waren. In der Folge gründete er ein Literaturmagazin, in dem Übersetzungen dieser Autoren, sowie junger amerikanischer Lyriker, veröffentlicht werden sollten.[1] Bly war von 1955 bis zur Scheidung im Jahr 1979 mit der amerikanischen Schriftstellerin Carol Bly verheiratet.[2] Seit 1980 ist er mit Ruth Ray verheiratet.

Werk[Bearbeiten]

Blys frühe Lyrik, gesammelt 1962 in dem Band Silence in the Snowy Fields hatte beträchtlichen Einfluss auf die amerikanische Lyrik der nächsten zwei Jahrzehnte.[3] Mit dem 1967 erschienenen Gedichtband Light Around the Body gewann er den National Book Award. Das erzielte Preisgeld stiftete er der 1966 ins Leben gerufenen Antikriegs-Bewegung American Writers Against the Vietnam War, deren Mitbegründer er war. Während der 1970er Jahre publizierte Bly elf Bände mit Lyrik, Essays und Übersetzungen. Weitere Publikationen folgten in den kommenden Jahren.

Bekannt wurde Bly auch in Europa mit seinem Buch Eisenhans: Ein Buch über Männer, in dem er das gleichnamige Märchen der Brüder Grimm psychologisch analysiert und Wege für Männer zum Umgang mit ihrer Männlichkeit aufzeigt. Bereits einleitend distanziert sich Bly von der Interpretation, es sei seine Absicht, „Männer wieder zu den herrischen Verhaltensweisen anzuhalten, die zu einer jahrhundertelangen Unterdrückung der Frauen und ihrer weiblichen Werte geführt haben.“[4] In der Beschäftigung mit alten Mythen sucht Bly nach männlichen Archetypen, die er als notwendige Wesensbestandteile einer balancierten Männlichkeit ansieht. Bly betont die Wichtigkeit männlicher Bezugspersonen für heranwachsende Knaben und sieht in der vaterlosen Gesellschaft eines der zentralen gesellschaftlichen Probleme. Robert Bly leitet Workshops für Männer zusammen mit James Hillman und solche für Frauen und Männer mit Marion Woodman. Zusammen mit seiner Frau gibt er Workshops für Europäische Märchen.[1]

2000 erhielt Robert Bly den McKnight Foundation's Distinguished Artist Award und 2002 den Maurice English Poetry Award. Er publizierte mehr als 40 Ausgaben mit Lyrik, fungierte als Herausgeber von vielen anderen Werken und besorgte Übersetzungen von vielen Sprachen, wie Norwegisch, Deutsch, Spanisch und andere ins Englische. Die University of Minnesota kaufte 2006 Blys Archiv. In ihm befinden sich mehr als 80.000 Seiten handgeschriebener Manuskripte, Notizbücher, Audio- und Videobänder und die Korrespondenz mit vielen zeitgenössischen Schriftstellern. 2008 wurde Bly mit dem Titel Erster Dichter Minnesotas geehrt.[5]

Kritik[Bearbeiten]

Der Autor des Klassikers Das Kind in uns John Bradshaw greift Robert Blys Thesen aus seiner persönlichen Erfahrung der eigenen Vaterlosigkeit als sehr wichtig auf. Durch den Mangel an männlichen Bezugspersonen und Vorbilder könnten Jungen keine „gesunde Männlichkeit“ entwickeln.

Bly wird häufig eine antifeministische Einstellung vorgeworfen und von Soziologen und Geschlechterforschern wird kritisiert, dass er männliches Verhalten nur als biologisch vorgegebenes annehme und andere Optionen als das traditionelle Männerbild ausschließe. Mit seinem positiven Bezug auf den König, den Krieger und den wilden Mann werde männliches Dominanzverhalten und männliche Gewalt gerechtfertigt. Zudem sei es für eine kritische Männerarbeit nicht genug, sich nur mit der männlichen Selbstwahrnehmung zu beschäftigen, statt vielmehr einen konstruktiven Dialog zwischen Männern und Frauen aufzunehmen.

Dagegen verteidigt Bly seinen wilden Mann als grundlegend verschieden vom Barbaren, der seine Gewalt unkontrolliert nach außen richte. Die männliche Selbstfindung schaffe überhaupt erst die Voraussetzung für einen echten Dialog gleichberechtigter Partner.

Werke[Bearbeiten]

In den 1970er Jahren veröffentlichte Bly 11 Gedichtbände, in denen er die Kraft der Mythen betonte.

Gedichte

  • The Night Abraham Called to the Stars (HarperCollins, 2001)
  • Snowbanks North of the House (1999)
  • What Have I Ever Lost by Dying? Collected Prose Poems (1992)
  • Loving a Woman in Two Worlds (1987)
  • Mirabai Versions (1984)
  • This Body is Made of Camphor and Gopherwood (1977)
  • The Light Around the Body (1967) - gewann den National Book Award

Anthologien

  • The Soul Is Here for Its Own Joy: Sacred Poems from Many Cultures (Ecco Press, 1995)
  • Leaping Poetry (1975)
  • The Rag and Bon Shop of the Heart: Poems for Men (1992)
  • News of the Universe (1980)
  • A Poetry Reading Against the Vietnam War (1967).

Übersetzungen

  • Lorca and Jiminez: Selected Poems (Beacon Press, 1997)
  • Machado's Times Alone: Selected Poems (1983)
  • The Kabir Book (1977)
  • Friends, You Drank Some Darkness: Three Swedish Poets, Martinson, Ekeloef, and Transtromer (1975)
  • Neruda and Vallejo, Selected Poems (1971)

Nonfiction

  • The Sibling Society (Addison-Wesley, 1996)
  • The Spirit Boy and the Insatiable Soul (1994)
  • Iron John: A Book about Men (1990) (dt. 1991: Eisenhans: Ein Buch über Männer)
  • Talking All Morning: Collected Conversations and Interviews (1980).
  • The Sibling Society (1996)
  • The Maiden King. The Reunion of Masculine and Feminine (1998)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Website von Robert Bly
  2. siehe enWP Carla Bly
  3. Gioia, Mason, Schoerke (Hrsg.), Twentieth-Century American Poetics
  4. Robert Bly: Eisenhans. Ein Buch über Männer. Taschenbuchausgabe 1993, Berlin: Knaur, S. 10
  5. New York Times vom 1. März 2008