Robert Crumbach

Robert Crumbach (* 3. November 1962 in Heerlen, Niederlande) ist ein deutscher Arbeitsrichter, Gewerkschafter und Politiker (parteilos, zuvor BSW und SPD). Er ist seit 2024 stellvertretender Ministerpräsident und Minister der Finanzen und für Europa des Landes Brandenburg im Kabinett Woidke IV. Er war von Mai 2024 bis Juli 2025 Landesvorsitzender des BSW Brandenburg und von September bis Dezember 2024 Fraktionsvorsitzender der BSW-Fraktion im Landtag Brandenburg.
Leben und Beruf
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Robert Crumbach ist in der niederländischen Stadt Heerlen nahe Aachen geboren und wuchs in Rheinland-Pfalz auf. Er absolvierte 1982 das Abitur am Gymnasium Konz[1] und studierte von 1982 bis 1988 Rechtswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Universität Trier. Von 1988 bis 1991 war er im juristischen Vorbereitungsdienst tätig.[2] Ab 1991 war er als Arbeitsrichter zunächst am Arbeitsgericht Frankfurt (Oder), seit 1998 am Arbeitsgericht Potsdam tätig.[3] Mit dessen Schließung wurde er zum 1. Januar 2023 an das Arbeitsgericht Brandenburg an der Havel versetzt.[4] Er arbeitete im Rahmen von Abordnungen bzw. Zuweisungen als Referatsleiter im brandenburgischen Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen und als Mitarbeiter der SPD-Landtagsfraktion in Potsdam.[3]
Crumbach lebt in Potsdam und war mit der Sozialwissenschaftlerin Christine Färber (1964–2018) verheiratet; aus der Ehe stammen zwei Kinder.
Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Robert Crumbach war 41 Jahre lang Mitglied der SPD.[5] Er ist in der Gewerkschaft Ver.di aktiv und setzte sich gegen die Schließung von Arbeitsgerichten ein.[6] 2014 unterlag er als Kandidat der SPD bei der Wahl zum Landrat im Landkreis Stade[3] mit 30,2 Prozent dem CDU-Kandidaten Michael Roesberg (55,62 Prozent).[7]
Crumbach trat 2024 aus der SPD aus und wechselte zum neu gegründeten Bündnis Sahra Wagenknecht. Er wurde am 28. April 2024 in Schwedt[8] zum Landesvorsitzenden des BSW Brandenburg und am 25. Mai 2024 zum Spitzenkandidaten für die Wahl am 22. September 2024 gewählt.[9] Über die Landesliste gelangte er in den Landtag Brandenburg.[10] Am 25. September 2024 wurde er von der BSW-Fraktion einstimmig zum Fraktionsvorsitzenden gewählt.[11] Aufgrund seiner Ernennung zum Minister folgte ihm als Fraktionsvorsitzender Niels-Olaf Lüders. Bei der Wahl zum Landesvorstand des BSW Brandenburg am 12. Juli 2025 trat Crumbach nicht erneut als Landesvorsitzender an.[12]
Am 11. Dezember 2024 wurde Crumbach zum stellvertretenden Ministerpräsidenten und Minister der Finanzen und für Europa des Landes Brandenburg im Kabinett Woidke IV ernannt.[13]
Am 5. Januar 2026 gab Crumbach seinen Austritt aus der Partei BSW und der BSW-Fraktion im Landtag bekannt. Er begründete diesen Schritt mit dem Verhalten der Fraktion, die zuletzt vermehrt „Oppositionspolitik aus der Regierung heraus“ zu betreiben versucht habe. Er wolle vorbehaltlich einer abweichenden Entscheidung von Ministerpräsident Dietmar Woidke parteilos im Amt des Finanzministers verbleiben. Gleichzeitig beantragte Crumbach seine Aufnahme in die SPD-Fraktion, die am nächsten Tag erfolgte.[14][15][16]
Positionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Außenpolitik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Crumbach fordert eine Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland und zur Beendigung des Russisch-Ukrainischen Krieges sofortige diplomatische Initiativen unter Einbeziehung Russlands.[9] Er lehnt ein Ende der Aussetzung der Wehrpflicht und weitere Aufrüstung ab.[17]
Umgang mit der AfD
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Crumbach schloss eine Koalition mit der AfD aus, will aber mit Anträgen der AfD umgehen „wie mit allen anderen Anträgen“.[18] Er lehnt Diskussionen über Brandmauern in den Parlamenten ab, denn sie nützten lediglich der AfD.[17] Ein Parteiverbot sei „das völlig falsche Mittel“, um die AfD zu stellen. Einen Entschließungsantrag der AfD im brandenburgischen Landtag zum Messeranschlag in Solingen kommentierte er, dass bestimmte Äußerungen von Vertretern der AfD relevant in einem Verbotsverfahren sein könnten. In dem Antrag hatte die AfD unter anderem ein „Betretungsverbot öffentlicher Veranstaltungen für Asylantragsteller, Asylberechtigte, ukrainische Kriegsflüchtlinge sowie vollziehbar ausreisepflichtige, geduldete und subsidiär schutzberechtigte Ausländer“ gefordert. Das erinnere Crumbach – und das sei von der AfD gewollt – an die Nürnberger Gesetze.[19]
Weiteres
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Crumbach spricht sich für eine „Ostquote“ in Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft aus, um die Unterrepräsentation von Ostdeutschen in Führungspositionen zu bekämpfen.[20]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Minister der Finanzen und für Europa. 7. Januar 2025, abgerufen am 6. April 2025.
- ↑ Eintrag Robert Crumbach. In: landtag.brandenburg.de. 11. Dezember 2024, abgerufen am 11. Dezember 2024.
- ↑ a b c Björn Carstens: Robert Crumbach heißt Roesbergs Gegenkandidat. In: Kreiszeitung Wochenblatt. 26. November 2013, abgerufen am 11. September 2024.
- ↑ Robert Crumbach zum Brandenburger BSW-Vorsitzenden gewählt. In: rbb.de. Rundfunk Berlin Brandenburg, 26. Mai 2024, abgerufen am 11. September 2024.
- ↑ Lisa Caspari: "Schlechten Menschen geht es immer gut". In: Die Zeit, 18. September 2024, abgerufen am 22. September 2024.
- ↑ Gewerkschafter protestieren gegen Arbeitsgerichtsreform. In: Süddeutsche Zeitung. 2. Mai 2021, abgerufen am 11. September 2024.
- ↑ Hauptzusammenstellung der Ergebnisse Landratswahl 25.05.2014. In: landkreis-stade.de. Kreiswahlausschusses, Landkreis Stade, 28. Mai 2014, abgerufen am 11. September 2024.
- ↑ Benjamin Lassiwe: BSW-Gründung in Schwedt: 36 Mitglieder, 13 Prozent. In: Nordkurier, 25. Mai 2024, abgerufen am 22. September 2024.
- ↑ a b Lisa Caspari: Robert Crumbach: "Möglicherweise kann Brandenburg Vermittler nach Russland schicken". In: Die Zeit. 26. Mai 2024, abgerufen am 11. September 2024.
- ↑ Brandenburg-Wahl: Woidke verliert sein Direktmandat in Spree-Neiße I mit sieben Stimmen. In: rbb24.de. 22. September 2024, abgerufen am 23. September 2024.
- ↑ Nach Landtagswahl: Robert Crumbach zum Brandenburger BSW-Fraktionsvorsitzenden gewählt. In: rbb24 Brandenburg aktuell. 25. September 2024, abgerufen am 25. September 2024.
- ↑ Thomas Vorreyer: BSW Brandenburg: Neue Landeschefin Benda hält zur Koalition mit SPD - Selbstkritik von Crumbach. 13. Juli 2025, abgerufen am 14. Juli 2025.
- ↑ Landesregierung Brandenburg im Überblick. Abgerufen am 11. Dezember 2024.
- ↑ rbb24.de: Brandenburger Finanzminister Crumbach verkündet Austritt aus BSW. 5. Januar 2026, abgerufen am 5. Januar 2026.
- ↑ Marc Röhrig: Brandenburgs Vizeministerpräsident Crumbach tritt aus BSW aus. In: Der Spiegel. 5. Januar 2026, abgerufen am 5. Januar 2026.
- ↑ SPD-Fraktion in Brandenburg nimmt Ex-BSW-Mann Crumbach auf. In: welt.de. 6. Januar 2026, abgerufen am 6. Januar 2026.
- ↑ a b Der Spitzenkandidat des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) in Brandenburg will zur Not auch mit der AfD. In: ad-hoc-news.de. Abgerufen am 11. September 2024.
- ↑ Benjamin Lassiwe: Vor der Landtagswahl: Brandenburger BSW will doch kein AfD-Verbot mehr. In: Der Tagesspiegel. Abgerufen am 11. September 2024.
- ↑ Friederike Haupt: BSW in Brandenburg will doch kein AfD-Verbot. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 10. September 2024, abgerufen am 11. September 2024.
- ↑ BSW-Spitzenkandidat Robert Crumbach. In: radioeins.de. 10. September 2024, ehemals im (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 11. September 2024. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Crumbach, Robert |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Arbeitsrichter und Politiker (BSW, zuvor SPD) |
| GEBURTSDATUM | 3. November 1962 |
| GEBURTSORT | Heerlen, Niederlande |
- Finanzminister (Brandenburg)
- Politiker (21. Jahrhundert)
- Minister für Europaangelegenheiten (Brandenburg)
- Parteivorsitzender (Brandenburg)
- Landesvorsitzender des BSW
- SPD-Mitglied
- Fraktionsvorsitzender (Brandenburg)
- Richter (Amtsgericht)
- Richter (Arbeitsgericht)
- Ver.di-Funktionär
- Person (Potsdam)
- Deutscher
- Geboren 1962
- Mann