Robert Frank

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Robert Frank (* 9. November 1924 in Zürich, Schweiz) ist ein schweizerisch-amerikanischer Fotograf, Filmregisseur und Kameramann. Mit seinem Fotobuch The Americans (1958) revolutionierte Frank die Ästhetik des Fotobuchs,[1] es zählt daher zu den einflussreichsten Fotobänden des 20. Jahrhunderts.[2] Ein Jahr darauf erweiterte Frank diesen Stil auf Dokumentarfilme, was auch als der Beginn des independent film gilt.[3] Später folgten experimentelle Fotomontagen. Frank hat nach Juri Steiner „einen völlig eigenständigen, subjektiven und sozialkritischen Stil einer poetisch-dokumentarischen Fotografie entwickelt, die die Amerikaner als «snapshot aesthetic» bezeichnen.“[4]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robert Frank wurde 1924 als Sohn des Innenarchitekten Hermann Frank aus Frankfurt und der Schweizerin Rosa Zucker aus Basel geboren. Der wegen seiner jüdischen Herkunft nach dem Reichsbürgergesetz staatenlos gewordene Vater beantragte 1941 für seine Söhne die Schweizer Staatsbürgerschaft, die Robert Frank aber erst 1945 erhielt. Er besuchte in Zürich von 1931 bis 1937 die Primarschule im Schulhaus Gabler und von 1937 bis 1940 die Sekundarschule im Schulhaus Lavater. 1940 absolvierte er ein Welschlandjahr am Institut Jomini in Payerne, von Januar 1941 bis März 1942 absolvierte er eine freie Ausbildung beim Fotografen und Grafiker Hermann Segesser in Zürich. Von August 1942 bis September 1944 war er zunächst Lehrling, danach Angestellter im Studio von Michael Wolgensinger in Zürich, von Dezember 1944 bis Juni 1945 Assistent von Victor Bouverat in Genf.

Zwischen 1941 und 1947 arbeitete Robert Frank als Fotograf in Zürich und Genf und war unter anderem für die Standbilder in verschiedenen Schweizer Filmen zuständig. Anschließend reiste er nach New York, dort stellte er seine Fotomappe Alexei Brodowitsch vor, dem bekannten künstlerischen Leiter der Modezeitschrift Harper’s Bazaar. Brodowitsch erkannte dessen Talent und stellte ihn im selben Jahr als Assistenzfotograf ein.[5]

Bei Auslandsreisen im Auftrag seiner Arbeitgeber in den Jahren von 1948 bis 1954 unter anderem durch Peru, Bolivien, Spanien, Italien, Südfrankreich, England und Wales traf Robert Frank die Fotografen und Bildjournalisten Elliott Erwitt, Edward Steichen und Walker Evans. In dieser Zeit arbeitete er für Magazine wie Life, McCall’s, Look, Charm, Vogue und Fortune.

Ab 1953 begann Frank in New York mit Edward Steichen Werke für die Ausstellung Post-War European Photographers am Museum of Modern Art und für The Family of Man ausfindig zu machen und auszuwählen.

1954 bewarb er sich um ein Guggenheim-Stipendium, das ihm 1955 auch gewährt wurde. Er plante eine großangelegte Bildreportage über die Vereinigten Staaten zu fotografieren. Bis 1957 reiste er deswegen durch die Staaten und machte 28.000 Fotos, von denen er nur 83 Abzüge zu seinem Buch Die Amerikaner auswählte und zusammenstellte. Da er keinen US-Verleger für sein Buchprojekt fand, war es der Offenheit des französischen Verlegers Robert Delpire zu verdanken, dass sein Werk veröffentlicht werden konnte, wenn auch mit vielen Texten versehen.[6] Zurück in New York wurde er auf Jack Kerouac aufmerksam, dem Schriftsteller der Beat Generation. Er traf ihn auf einer Party, zeigte ihm seine Fotos und bat ihn um das Vorwort zu Die Amerikaner. In der Folge wurde Frank ein Teil des Kreises um Kerouac und Allen Ginsberg.

Ab 1959 begann Robert Frank Filme zu machen. Sein erstes Werk ‘‘Pull My Daisy’’ greift eine Szene aus Kerouacs nie vollendetem Theaterstück ‘‘The Beat Generation’’ auf und wurde in einer Privatwohnung mit Freunden als Schauspielern gedreht. In den nächsten Jahrzehnten drehte Frank über 30 Filme, alle unabhängig und ohne Budget produziert. Richard Linklater meinte: Wäre Frank nicht schon als einflussreicher Fotograf bekannt geworden, wäre er als Erfinder des Independent-Film berühmt.[6] 1972 erhielt er den Auftrag, einen Dokumentarfilm über eine Rolling Stones-Tournee zu machen. Das Resultat – Cocksucker Blues – wurde von der Band wegen seines unbarmherzigen Realismus' jedoch nur für einzelne Vorführungen in Anwesenheit des Regisseurs freigegeben.[7] Ein Bootleg kursierte in Künstlerkreisen und wurde zum Thema in Don DeLillos Roman Underworld.

Frank heiratete in erster Ehe die Tänzerin und Künstlerin Mary Lockspeiser, mit der er zwei Kinder hatte; er verliess sie 1969.[6] Eine zweite Ehe schloss er 1975 mit der Bildhauerin June Leaf, einer Freundin von Mary[6]; das Paar siedelte sich bereits 1971 in Mabou auf der Kap-Breton-Insel in der kanadischen Provinz Nova Scotia an.[8] Ab 1972 widmet er sich auch wieder der Fotografie. 1974 kam seine Tochter Andrea mit 20 Jahren bei einem Flugzeugabsturz in Guatemala ums Leben.[9] Sein Sohn Pablo brachte sich 1994 nach mehreren Jahren Erkrankung an Schizophrenie als auch an Krebs in einem psychiatrischen Krankenhaus um.[6] 1995 gründete Robert Frank die Andrea Frank Foundation, um Künstler zu unterstützen.[10] Frank lebt abwechselnd in Mabou (Nova Scotia) und in New York City.

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fotobände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorwort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1959: Pull My Daisy (mit Alfred Leslie)
  • 1961: The Sin of Jesus
  • 1963: O.K. End Here
  • 1965/68: Me And My Brother
  • 1969: Conversations in Vermont
  • 1969: Life-Raft Earth
  • 1971: About Me: A Musical
  • 1972: Cocksucker Blues
  • 1975: Keep Busy (Mit Rudy Wurlitzer)
  • 1980: Life Dances On
  • 1981: Energy and How to Get It (Mit Rudy Wurlitzer und Gary Hill)
  • 1983: This Song For Jack
  • 1985: Home Improvements
  • 1987: Candy Mountain (Mit Rudy Wurlitzer)
  • 1989: Hunter
  • 1990: C’est vrai! (One Hour)
  • 1992: Last Supper
  • 1994: Moving Pictures
  • 2002: Paper Route
  • 2004, 2008: True Story

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nicholas Dawidoff: Robert Frank. Das Leben des Schweizer Jahrhundertfotografen. Der Mann, der Amerika entdeckte. Das Magazin, Tamedia, Zürich, 18. Juli 2015, S. 8–21.
  • Sarah Greenough, Philip Brookman (Hrsg.): Robert Frank. Moving out. Scalo, Zürich 1994, ISBN 3-9803851-5-9.
  • Sarah Greenough: Looking In: Robert Frank’s The Americans, Expanded Edition. National Gallery Of Art, Washington; Steidl, Göttingen 2009, ISBN 978-3-86521-806-3.

Filme über Robert Frank[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Blicke in die Seele Amerikas – Der Fotograf Robert Frank. (OT: Don’t Blink – Robert Frank.) Dokumentarfilm, USA, 2015, Fernsehfassung: 52 Min., Kinoversion: 82 Min., Buch und Regie: Laura Israel, Produktion: Vega Film, Charlotte Street Films, Assemblage Films, arte France, deutschsprachige Erstausstrahlung: 11. Juli 2017, Inhaltsangabe von ARD, Filmseite. Trailer (1:45)
  • Leaving Home, Coming Home: A Portrait of Robert Frank. Dokumentarfilm, Großbritannien, 2004, 48:48 Min., Buch und Regie: Gerald Fox, Produktion: Granada Production, London Weekend Television (LWT), Reihe: The South Bank Show, Inhaltsangabe mit online-Video.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lexika

Fotos

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Künstler / Robert Frank. In: Steidl Verlag, 2017, aufgerufen am 10. Juli 2017.
  2. Sean O'Hagan: Robert Frank at 90: the photographer who revealed America won't look back. In: The Guardian, 7. November 2014.
  3. Nicholas Dawidoff: A Mesmerizing Marathon of Robert Frank’s Movies. In: The New Yorker, 12. Juli 2016: „Critics, including Manohla Dargis, of the Times, and younger filmmakers, such as Richard Linklater and Jim Jarmusch, consider Frank the godfather of independent American personal cinema.“
  4. Juri Steiner: Frank, Robert. In: Sikart, 2011.
  5. Tom Hägler: Robert Frank – der Poet der Fotografie wird 90. In: SRF, 9. November 2014.
  6. a b c d e Nicholas Dawidoff: The Man Who Saw America. In: The New York Times, 2. Juli 2015, mit Bildern im Grossformat.
  7. Bill Wyman: Lost and Found: Classic Rock Shows on YouTube. In: The New Yorker. 25. Oktober 2013; abgerufen am 10. Juli 2017.
      Richard Brody: “Cocksucker Blues”: Robert Frank’s Suppressed Rolling Stones Documentary Comes to Film Forum. In: The New Yorker, 20. Juli 2016.
  8. Nicholas Dawidoff: Der Mann, der Amerika entdeckte. In: Das Magazin, Tamedia, Zürich, 18. Juli 2015, S. 8–21.
  9. Sean O'Hagan: The big empty. In: The Guardian, 24. Oktober 2004.
  10. Andrea Frank Foundation. In: findthecompany.com, aufgerufen am 11. Juli 2017; vgl. Stiftungsseite: Andrea Frank Foundation.
  11. Grosser Designpreis der Schweizerischen Eidgenossenschaft. In: Stiftung Ernst Scheidegger. Abgerufen am 10. Juli 2017.
  12. Robert Frank • New York. In: swisspressaward.ch, 2012, aufgerufen am 10. Juli 2017.
  13. Freddy Langer: Diese bestimmte Zivilisation. Die bedeutendste Reise der Fotografiegeschichte. In: FAZ, 5. Februar 2015, Seite R6, mit Fotostrecke.
  14. a b Exhibitions > Robert Frank: Photos. In: Art Institute of Chicago, 1961 / 2017.
  15. Ausstellungen 1976. In: Kunsthaus Zürich.
  16. Robert Frank. The Americans. In: Jan Kesner Gallery, October 21 to November 25, 1989.
  17. Robert Frank: Storylines. In: Tate Gallery of Modern Art, 2004–2005.
  18. Robert Frank – Storylines. In: Fotomuseum Winterthur, 2005.
  19. sl: Robert Frank im Museum Folkwang Essen. In: Ruhr-Guide, 22. April 2008.
  20. Looking In: Robert Frank's The Americans. In: National Gallery of Art, 2009.
  21. Robert Frank. Die Filme. In: C/O Berlin, 2009.
  22. Photographs From The Collections Of Fotomuseum Winterthur And Fotostiftung Schweiz, Switzerland. Abgerufen am 7. November 2014 (eng).
      Victoria Belikova: Geschichtenerzähler. (Memento vom 31. Oktober 2012 im Internet Archive). In: Globe-M, 27. Oktober 2012.
  23. Sabine Buchwald: Die anarchische Kraft des Fotografen. In der Akademie der Bildenden Künste sind Robert Franks Bilder als gigantische Wandzeitung zu sehen. Der Katalog dazu ist eine besondere SZ. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 270, 24. November 2014, Seite R4, Artikelanfang.
    Alex Rühle: Schönheit für den Augenblick. In: SZ, 20. November 2014, (PDF; 42 kB).
  24. Der Mann, der die Amerikaner sah. Was draußen ist, ist immer anders – Fotografien und Filme von Robert Frank in einer etwas anderen Werkschau. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 9. April 2015, S. 38, Artikelanfang.
  25. Robert Frank in America. In: Stanford University, 2014/15.
  26. 360°-Panorama der Ausstellung. In: Halle 14, Leipzig. Abgerufen am 10. Juli 2017.
  27. Robert Frank: Books and Films. 1947–2016. In: Museum der Moderne Salzburg.
  28. Robert Frank. Books and Films 1947–2016. In: Kunsthalle Ziegelhütte / Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell, 2016.