Robert Fuchs (Komponist)

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Robert Fuchs (Komponist)

Robert Fuchs (* 15. Februar 1847 in Frauental an der Laßnitz, Steiermark; † 19. Februar 1927 in Wien) war ein österreichischer Komponist und Musikpädagoge der Romantik.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robert Fuchs war jüngstes von dreizehn (oder zwölf[1]) Kindern eines Schullehrers der Werksschule der Messingfabrik[1] in der kleinen weststeirischen Gemeinde Frauental an der Laßnitz. Seine Schulzeit verbrachte er an der Volksschule in Zeierling (Ortsteil von Frauental), in St. Peter im Sulmtal, an der Hauptschule in Marburg und an der Unterrealschule in Graz. Ersten Musikunterricht (Klavier, Geige und Orgel) erhielt er mit acht Jahren bei Martin Bischof, einem Onkel von Hans Kloepfer. Mit 15 Jahren schrieb er sein erstes Klavierstück.[1] Dem Willen seines Vaters folgend absolvierte er eine Ausbildung am Lehrerseminar in Graz, in dieser Stadt hatte er auch seine ersten öffentlichen Auftritte als Organist. Er legte die Prüfung zum Volksschullehrer ab. Danach ging er 1865 nach Wien, um am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde bei Felix Otto Dessoff Komposition zu studieren. 1866 war er Organist an der Piaristenkirche.[1]

Er studierte auch bei Anton Bruckner. Als Abschlusswerk seines Studiums präsentierte er 1867 eine Sinfonie. Von 1875 bis 1912 war er Professor für Theorie am Wiener Konservatorium.

Grab von Robert Fuchs auf dem Wiener Zentralfriedhof

Von 1901 an bis zu seinem Tod verbrachte Fuchs die Sommermonate in Admont in der Villa seines Freundes Anton Mayr, der eine persönlich gehaltene Biografie über ihn verfasste.[2] Dem Admonter Abt Oswin Schlammadinger widmete Fuchs seine Messe G-dur, op. 108.

Berühmte Schüler waren Leo Fall, Franz Haböck, Richard Heuberger, Erich Wolfgang Korngold, Gustav Mahler, Erkki Melartin, Franz Schmidt, Franz Schreker, Jean Sibelius, Robert Stolz, Richard Strauss, Hugo Wolf, Alexander von Zemlinsky und der Zoologe Paul Kammerer. 1881 wurde ihm der Beethovenpreis für sein Klavierkonzert verliehen. In den Jahren 1894 bis 1905 war er außerdem Organist der Wiener Hofmusikkapelle. Er starb vier Tage nach seinem 80. Geburtstag, angeblich an den Folgen der Anstrengungen seiner Geburtstagsfeier. Er ist auf dem Wiener Zentralfriedhof (33E-3-5) in einem ehrenhalber gewidmeten Grab beigesetzt.

Im Jahr 1934 wurde in Wien-Penzing (14. Bezirk) die Robert-Fuchs-Gasse nach ihm benannt. In Frauental gibt es den „Robert Fuchs-Chor“ und eine nach ihm benannte Parkanlage.[1]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robert Fuchs schrieb im Laufe seines Lebens zwei Opern („Die Königsbraut“, 1889 und „Die Teufelsglocke“, 1893), drei Sinfonien, fünf Orchesterserenaden, vier Streichquartette, ein Klavierkonzert, drei Klaviersonaten, zwei Cellosonaten, eine Violasonate, eine Kontrabasssonate, sechs Violinsonaten, Klaviertrios und Streichtrios. Außerdem verfasste er Stücke für Orgel, Lieder, Kirchenmusik, Kammermusik und andere Stücke für verschiedenste Besetzungen. Die erste seiner fünf Serenaden schrieb er im Jahr 1874, mit der er berühmt wurde und die ihm zu seinem Spitznamen „Serenaden-Fuchs“ verhalf. Johannes Brahms lobte und förderte Robert Fuchs. Mit den beiden Sinfonien aus den Jahren 1886 und 1887 konnte er seine Popularität festigen, während er mit seinen beiden Opern bei weitem nicht so erfolgreich war.

Nachruhm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute wird Fuchs nur noch selten gespielt. Er galt manchen als Brahms-Epigone.

Nach dem Tod von Brahms im Jahre 1897 wurde Gustav Mahler als Kapellmeister und Direktor der Hofoper berufen. Bald wurde ein progressiverer Musikgeschmack in Wien stilbildend.[3]

Der Brahmskreis galt zunehmend als konservative, historisch überholte Gruppe. Fuchs hielt an seinem Personalstil fest. Fuchs war sehr bescheiden; es mangelte ihm an Selbstbewusstsein. Dies hielt ihn davon ab, sich bei Verlagen, Künstlern, Orchestern und Institutionen für die Verbreitung seiner Werke einzusetzen.[4]

Sein Nachruhm litt unter einem Bonmot: Nach einer Aufführung wandte sich der Dirigent Joseph Hellmesberger senior – in Anspielung auf das Kinderlied Fuchs, du hast die Gans gestohlen –: „Fuchs, die hast du ganz gestohlen“.[5] Tatsächlich bezieht es sich auf den letzten Satz seiner 5. Serenade, in dem er ausgiebig Motive aus der „Fledermaus“ von Johann Strauss (Sohn) verarbeitete. Da Fuchs dieses Werk aber anlässlich des 50. Dirigentenjubiläums seines Freundes komponiert hat, liegt hier kein Plagiat, sondern eine Hommage an den „Walzerkönig“ vor.

Eine Ersteinspielung seines Klavierkonzerts auf Schallplatte bzw. CD erschien erst 2003.[4]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orchesterwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Symphonien
    • Symphonie in h-Moll („Conservatoriumsarbeit“, 1867)
    • Symphonie Nr. 1 C-Dur, op. 37 – 1885 bei Fritz Simrock in Berlin erschienen
    • Symphonie Nr. 2 Es-Dur, op. 45
    • Symphonie Nr. 3 E-Dur, op. 79
    • Symphonie in g-Moll (Entwurf)
  • Serenaden
    • Serenade für Streichorchester Nr. 1 D-Dur, op. 9
    • Serenade für Streichorchester Nr. 2 C-Dur, op. 14
    • Serenade für Streichorchester Nr. 3 e-Moll, op. 21
    • Serenade für Streichorchester und zwei Hörner, Nr. 4 g-Moll, op. 51
    • Serenade für kleines Orchester Nr. 5 D-Dur, op. 53
  • „Des Meeres und der Liebe Wellen“, Ouvertüre op. 59
  • Andante grazioso & Capriccio für Streichorchester, op. 63
  • Klavierkonzert b-Moll, op. 27 (1880/81) „Beethoven-Preis“

Vokalwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Opern
    • Die Königsbraut, in 3 Akten, op. 46 (1889) (Librettist: Ignaz Schnitzer) uraufgeführt in Wien
    • Die Teufelsglocke, in 3 Akten (ohne Opus-Nummer) (1891) (Librettist: Bernhard Buchbinder)
  • Chorwerke
    • Messe G-dur, op. 108 (mit Orgel)
    • Messe d-Moll, op. 116 (a cappella)
    • Messe F-Dur, ohne Opus-Nummer (mit Orchester)

Kammermusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Quintette
    • Quintett für Klarinette und Streichquartett Es-Dur, op. 102
  • Quartette
    • Streichquartett Nr. 1 E-Dur, op. 58
    • Streichquartett Nr. 2 a-Moll, op. 62
    • Streichquartett Nr. 3 C-Dur, op. 71
    • Streichquartett Nr. 4 A-Dur, op. 106
    • Klavierquartett Nr. 1 g-Moll, op. 15
    • Klavierquartett Nr. 2 h-Moll, op. 75
  • Trios
    • Trio fis-Moll für Violine, Viola und Klavier, op. 115
    • Sieben Fantasiestücke für Violine, Viola und Klavier, op. 57
    • Streichtrio A-Dur, op. 94
    • Klaviertrio C-Dur, op. 22
    • Klaviertrio B-Dur, op. 72
    • Terzette für zwei Violinen und Viola op. 61, Nr. 1 A-dur und Nr. 2 D-dur
    • Terzett für zwei Violinen und Viola in cis-Moll, op. 107
  • Duos
    • Zwei Violinen
      • Zwanzig Duos, op. 55
    • Violine und Viola
      • Zwölf Duette, op. 60
    • Violine und Klavier
      • Violinsonate Nr. 1 fis-Moll, op. 20
      • Violinsonate Nr. 2 D-Dur, op. 33
      • Violinsonate Nr. 3 d-Moll, op. 68
      • Violinsonate Nr. 4 E-Dur, op. 77
      • Violinsonate Nr. 5 A-Dur, op. 95
      • Violinsonate Nr. 6 g-Moll, op. 103
      • Zehn Fantasiestücke für Violine und Klavier, op. 74
      • Sieben Intermezzi für Violine und Klavier, op. 82
    • Viola und Klavier
      • Violasonate d-Moll, op. 86
      • Sechs Fantasiestücke für Viola und Klavier, op. 117
    • Violoncello und Klavier
      • Cellosonate Nr. 1 d-Moll, op. 29
      • Cellosonate Nr. 2 es-Moll, op. 83
      • Sieben Fantasiestücke für Violoncello und Klavier, op. 78
    • Kontrabass und Klavier
      • Kontrabasssonate B-Dur, op. 97
      • Drei Stücke für Kontrabass und Klavier, op. 96

Solowerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Orgel
    • Fantasie C-Dur, op. 87
    • Fantasie e-Moll, op. 91
    • Fantasie Des-Dur, op. 101
    • Variationen und Fuge
  • Klavier
    • Klaviersonate Nr. 1 Ges-Dur, op. 19 (1877)
    • Klaviersonate Nr. 2 g-Moll, op. 88 (1910)
    • Klaviersonate Nr. 3 Des-Dur, op. 109 (1919)
    • Drei Stücke op. 5
    • Ländliche Szenen op. 8
    • Improvisationen op. 11
    • Capricietti op. 12
    • Scherzo f-Moll op. 23
    • 12 Etüden op. 31
    • Jugendklänge op. 32
    • Präludien op. 34
    • 20 phantastische Skizzen op. 49
    • 10 Fugen op. 76 (1905)
    • 9 Fantasiestücke op. 89
    • Zwölf Walzer, op. 110
    • Tautropfen, dreizehn Stücke für Klavier, op. 112
  • Klavier zu 4 Händen
    • Frühlingsstimmen. 12 Stücke, op. 1
    • 5 Stücke op. 4
    • 6 Stücke op. 7
    • 7 Variationen d-Moll op. 10
    • Walzer op. 25
    • In der Dämmerstunde, 10 Skizzen op. 38 – 1885 bei Fritz Simrock in Berlin erschienen
    • 20 Wiener Walzer op. 42 (1896)
    • Miniaturen op. 44 (1887)
    • 7 Traumbilder op. 48
    • 12 Ländler op. 50 (1890)
    • Walzer op. 90 (1910)
    • Miniaturen op. 93
  • Harfe
    • Fantasie, op. 85

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Symphonien Nr. 1 & 2, WDR Sinfonieorchester, Karl-Heinz Steffens. cpo 2015.
  • Klavierkonzert op. 27 und Serenade Nr. 5, Franz Vorraber, Orchestre Philharmonique du Luxembourg, Alun Francis. cpo 2003.[6]
  • Streichquartette op. 58, op. 62, op. 106 und op. 71, Minguet Quartett. Musikproduktion Dabringhaus und Grimm 2000/2001.
  • Symphonien Nr. 1 & 2, Mährische Philharmonie, Manfred Müssauer. Thorofon 1996.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Robert Fuchs (Komponist) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Geboren in: Frauental-St. Stefan-Wies. In: Wochenzeitung Weststeirische Rundschau. 5. März 2021, 94. Jahrgang, S. 10.
  2. Anton Mayr: Erinnerungen an Robert Fuchs. Graz: Leuschner Lubensky, 1934.
  3. als Beispiele dafür, wie deutlich sich der Musikgeschmack in den Jahren nach 1897 wandelte, seien drei Werke genannt: die Enigma-Variationen (uraufgeführt im Juni 1899 in London), Anton Bruckners 9. Sinfonie (uraufgeführt im Februar 1903 in Wien) und Mahlers 3. Sinfonie (uraufgeführt im Juni 1902).
  4. a b Hartmut Wecker (2003): Begleittext zu Hyperion Records CDA 67354 (Piano: en:Martin Roscoe, BBC Scottish Symphony Orchestra)
  5. Werner Hennig: Zwischen Götterspeise und Ochsenmenuett – Musikeranekdoten. Verlag Neue Musik, Berlin 1973, S. 59.
  6. Hörproben
  7. Hörproben