Robert Hammerstiel

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Robert Hammerstiel (* 18. Februar 1933 in Vršac, deutsch Werschetz, Königreich Jugoslawien) ist ein österreichischer Maler, Grafiker und Holzschneider. Hammerstiel findet durch zahlreiche Auszeichnungen internationale Anerkennung.

Prof. Robert Hammerstiel, österreichischer Maler, in seinem Atelier in Pottschach (Ternitz)

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robert Hammerstiel lebte als Kind im serbischen Viertel von Werschetz. Die Familie war banatdeutsch, sein Vater hatte eine kleine Bäckerei, er wäre aber lieber Maler gewesen und malte neben seinem Beruf Schilder, Aufschlagkarten und vor allem Ikonen.[1]

Im November 1944 wurde Robert Hammerstiel mit seinem Bruder Alfred und seiner Mutter (der Vater war beim Militär) interniert. Er war in folgenden Lagern Zichydorf (= Plandiste), Setschanfeld (=Ducine), Molidorf (nahe dem heutigen Toba) und Gakovo. Zeitweise war er von seiner Mutter getrennt und er musste große Not erfahren. Viele Freunde und Familienangehörige sind verstorben. Er wäre (auch) fast verhungert, hatte schwere Krätze und Malaria.[2] Um zu überleben musste er Gras essen und nachts im Boden nach Knollen und Zwiebeln graben. In Molidorf fand er Weizenkörner in Mäusegängen im Fehlboden des Dachbodens, was ihm das Leben rettete. [3]

Ende August 1947 gelang Robert Hammersiel mit seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder die Flucht über Ungarn nach Niederösterreich. Dort arbeitete er zunächst bei Bauern wobei ihn Heimweh und Diskriminierung schwer belastete. 1949 bis 1953 lernte er in einer Bäckerei in Pottschach. Ab 1955 arbeitete er in den Stahlwerken in Ternitz vor allem in der Graugießerei und Formen der Kokillenkerne, eine körperlich schwere und anstrengende Arbeit bei großer Hitze.[4] Nach einer Verbrennung der Hände wurde er 1979 ins Archiv zu einer Bürotätigkeit versetzt.

Hammerstiel hat neben seinem Broterwerb stets gezeichnet und war schon früh autodidakt als Maler tätig. Sein Vater, der 1950 aus Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, hat ihn künstlerisch angeleitet und gefördert. Neben der Darstellung von Motiven aus seiner Umwelt beginnt Hammerstiel, der sich selbst als „Überlebender von vielen Toten“ begreift, gegen Ende der 1960er Jahre seine traumatischen Kindheitserlebnisse aufzuarbeiten.[2]

Bei einer Ausstellung "Talente erweckt - Talente entdeckt" gewinnt Hammerstiel 1958 einen Förderpreis des Österreichischen Gewerkschaftsbundes. Er kann 1959–1961 in Wien bei Gerda Matejka-Felden im Rahmen von mehreren Kunstseminaren, für die er jeweils in der Fabrik beurlaubt wird, und auch bei ihr im Atelier lernen. 1963–1966 lernte er in weitern Kunstseminaren des Gewerkschaftsbundes bei Professor Robert Schmidt. Dieser lenkt Hammerstiels Arbeitsweise auf den Holzschnitt.[5] Weitere Lehrer Hammerstiels sind Gerhard Swoboda und August Swoboda.[6]

1968 konnte er zu einem Kunstseminar nach Recklinghausen fahren und dort auch ausstellen.[7] 1969 enden die Kunstseminare des Gewerkschaftsbundes.[8] Etwa ab 1972 beschäftigt sich Hammerstiel intensiv mit Themen des Alten und Neuen Testamentes, insbesondere mit Holzschnitten. [9] 1975 besuchte Hammerstiel ein internationales Kunstsymposium in der Nähe von Mostar. [10] Später folgten weitere Einladungen zu internationalen Kunstsymposien, 1980 in Prilep, Mazedonien und mehrmals in Budapest.

Seit 1968 stellt Hammerstiel in verschiedenen Ausstellungen aus, zunächst vor allem in Wien und Niederösterreich aber bald auch in Deutschland und später in anderen Ländern. In Berlin stellte er seit 1974 sehr oft und erfolgreich aus, und er schrieb später, dass es keine Stadt gibt, die er mehr liebt als Berlin.[11]

Im Jahr 1985 erhielt er vom österreichischen Bundespräsidenten Rudolf Kirchschläger den Berufstitel Professor verliehen.[12] Kirchschläger schätzte die Kunst von R. Hammerstiel sehr und hatte persönlichen Kontakt mit ihm. 1988 wird Hammerstiel krankheitsbedingt vorzeitig pensioniert (Invalidenpension).[13] Seither ist er ausschließlich als freischaffender Künstler tätig.

Hammerstiels Werk wird von den tragischen Erlebnissen der Kindheit beeinflusst. Inseinem Leben ist das Leid das er als Kind erfahren hat immer wieder präsent. Aber es geht ihm nicht um Reminiszenz, sondern um die Menschenwürde, das Menschsein unter widrigsten Umständen, von inneren Ängsten getrieben. Er opponiert vehement gegen das Herrische im Menschen und in der Gesellschaft, er klagt still und zugleich stark Ungerechtigkeit und immerwährende Zustände von Gewalt und Terror an. Hammerstiel sucht die Wirklichkeit hinter der scheinbaren Wahrheit, und es sind Hass und Grausamkeit, gegen die er sich stellt.

Hammerstiel hat eine besondere Beziehung zur Musik. Wenn er malt hört er meistens Musik, zum Beispiel von Rachmaninov. Er fertigte auch Bilder zu Schuberts Winterreise (1998), in denen auch die Erlebnisse der Internierung verarbeitet wurden und die in einer eigenen Ausstellung gezeigt wurden und in einem Buch dargestellt sind.[14][15]

Entscheidend für Hammerstiels neue Werkphase wird 1988 eine Reise nach New York. Er wendet sich, wenn auch kunsthistorisch verspätet, der Pop-Art zu (Milton Avery, Edward Hopper). Der Aufenthalt in New York wird zur klaren Zäsur. Hammerstiel geht neue künstlerische Wege. Durch das Schrille und Grelle Manhattans beeindruckt entdeckt er die Farbe neu und vereinfacht die Formen radikal. Er stellt Räume auf neue Weise dar, verzichtet auf alles Nebensächliche. Sein Werk ist fortan geprägt von einer lebendigen Farbigkeit und einer radikalen, fast plakativen Reduktion der Form auf das Wesentliche. Mit diesem stilistischen Wandel stellt er seine Themen auf neue, faszinierende Weise dar. Hammerstiel reiste noch öfter nach New York, sowie auch mehrfach nach Pris, das ihm zu einer zweiten Heimat wurde.[16]

2007 wurde der 73 Meter hohe Ringturm am Schottenring in Wien für mehrere Monate an allen 4 Seiten durch ein Monumentalwerk Hammerstiels verhüllt, das die Stationen seines Lebens zeigt.

Seit 2010 dient das ehemalige Haus seiner Großeltern in Vršac als Robert-Hammerstiel-Museum.[17] Seit 2011 ist im Landesmuseum Vojvodina in Novi Sad ein Robert Hammerstiel Saat als Dauereinrichtung.[18]

Hammerstiel lebt in Pottschach, Niederösterreich und ist oft in Wien.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Übersicht über die wichtigsten Ausstellungen von Hammerstiel ist auf seiner Homepage zu finden.[19]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke von Hammerstiel sind in vielen bedeutenden Sammlungen in Europa und Übersee.[24]

Volksaltar in der Pfarrkirche Pottschach, von Robert Hammerstiel
Volksaltar in der Pfarrkirche Pottschach
  • Triptychon Abend, Nacht und Morgen, 1977, Öl auf Hartfaserplatte, Heeresgeschichtliches Museum, Wien.
  • Volksaltar und Ambo in der Pfarrkirche Pottschach, 1981; sowie Kreuzweg und Pfarrhof von Pottschach.
  • "Huldigung an die Mütter Vojvodinas" im Landesmuseum Novi Sad[25], Kopie in Kapelle Rudolfsgnad.[26]
  • Skulptur "Mütter der Vojvodina" am Hauptplatz in Werschetz, 2014[27]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Hammerstiel - Holzschnitte zu den Evangelien (eingeleitet und kommentiert von Karl Schaedel), Luther Verlag, Bielefeld 1978, ISBN 3 7858 0246 3
  • Von Ikonen und Ratten, Eine Banater Kindheit 1939-1949, Robert Hammerstiel, Wien und München 1999, ISBN 3854478720
  • Robert Hammerstiel - Die New York Bilder, Georg van Almsick, Gronau-Epe 2000
  • Robert Hammerstiel - Sein Werk, Alfred Lüthy, Bern 2001
  • Robert Hammerstiel - Bilder eines Zeitzeugen, Leopold Museum, Wien 2006
  • Robert Hammerstiel, Von klaren und von blinden Spiegeln, Armonia Verlag, Gloggnitz 2007, ISBN 978-3-9501793-5-4
  • Robert Hammerstiel, Lebensansichten. Robert Hammerstiel im Gespräch mit Roswitha Barosch, R. Barosch Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-200-02742-8
  • Robert Hammerstiel, Gedanken über Kunst, Brandstätter Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85033-415-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. R. Hammerstiel: Von klaren und blinden Spiegeln. 2007, S. 49.
  2. a b Robert Hammerstiel: Von Ikonen und Ratten. Eine Banater Kindheit 1939 - 1949. Christian Brandstätter, Wien 1999.
  3. Robert Hammerstiel: Von Ikonen und Ratten. 1999, S. 167.
  4. R. Hammerstiel: Von klaren und von blinden Spiegeln. 2007, S. 94.
  5. Karl Schaedel: Robert Hammerstiel und sein Werk. In: Holzschnitte zu den Evangelien. Luther-Verlag, Bielefeld 1978, ISBN 3-7858-0246-3, S. 5–11.
  6. Biographie. Abgerufen am 07.05.2017.
  7. R. Hammerstiel: Von klaren und von blinden Spiegeln. 2007, S. 210.
  8. R. Hammerstiel: Von klaren und von blinden Spiegeln. 2007, S. 223.
  9. R. Hammerstiel: Von klaren und von blinden Spiegeln. 2007, S. 316.
  10. R. Hammerstiel: Von klaren und blinden Spiegeln. 2007, S. 327.
  11. R. Hammerstiel: Von klaren und von blinden Spiegeln. 2007, S. 370.
  12. R. Hammerstiel: Von klaren und von blinden Spiegeln. 2007, S. 486.
  13. R. Hammerstiel: Von klaren und von blinden Spiegeln. 2007, S. 508.
  14. R. Hammerstiel: Von klaren und von blinden Spiegeln. 2007, S. 590.
  15. Robert Hammerstiel | Archiv | Ausstellungen | Leopold Museum. Abgerufen am 19. Mai 2017 (deutsch).
  16. R. Hammerstiel: Von klaren und blinden Spiegeln. 2007, S. 666.
  17. Leporello. Anblicke und Einsichten: Robert Hammerstiel. In: ORF vom 1. Februar 2013
  18. Hammerstiel Biografie. Abgerufen am 15. Mai 2017.
  19. Ausstellungen. Abgerufen am 07.05.2017.
  20. ots.at, APA-OTS: Eine Würdigung zu Robert Hammerstiels 80. Geburtstag, 24. Oktober 2012
  21. R. Hammerstiel: Von klaren und von blinden Spiegeln. 2007, S. 573.
  22. R. Hammerstiel: Von klaren und von blinden Spiegeln. 2007, S. 641.
  23. Prof. Robert Hammerstiel Ehrenbürger von Ternitz. Artikel vom 28. Februar 2013, abgerufen am 6. Dezember 2014
  24. Werke im Besitz von. Abgerufen am 07.05.2017.
  25. R. Hammerstiel: Von klaren und von blinden Spiegeln. 2007, S. 669.
  26. Friedhof Knicanin-Zrenjanin (Rudolfsgnad, Banat, Serbien). Abgerufen am 14.05.2017.
  27. Hammerstiel Aktuell. Abgerufen am 15. Mai 2017.