Robert Hanssen

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Robert Hanssen, 2001

Robert Philip Hanssen (* 18. April 1944 in Chicago) ist ein US-amerikanischer Doppelagent und ehemaliger Mitarbeiter des FBI, der über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren als Agent für die Sowjetunion und später für Russland in den USA tätig war. Er arbeitete unter anderem als Aufklärungsexperte in der FBI-Abteilung für Spionageabwehr.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agententätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hanssen soll mit seinen Spionageaktivitäten 1985 begonnen haben, als er die Namen von KGB-Mitarbeitern nach Moskau übermittelte, die als Doppelagenten für das FBI arbeiteten. Bei zwei weiteren Gelegenheiten gab Hanssen eine Liste aller amerikanischen Doppelagenten an seine Auftraggeber weiter. Auch übergab er geheime Informationen über die Standorte von Schutzanlagen der US-Regierung, die im Fall eines Nuklear-Angriffs benutzt werden sollten.

1999 verriet er die Existenz eines Tunnels unter der russischen Botschaft in Washington, in dem die Amerikaner jahrelang aufwändige Abhöreinrichtungen betrieben hatten.[1]

Robert Hanssen versuchte, direkte Zusammentreffen mit seinen Auftraggebern stets zu vermeiden, und kreierte ein System aus toten Briefkästen und Signalen, um mit seinen KGB-Verbindungsmännern in Kontakt zu treten oder Material zu übermitteln. Seine Identität hielt er gegenüber seinen Auftraggebern geheim.

Enttarnung und Verurteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hanssen wurde am 18. Februar 2001 am Foxstone Park in der Nähe seines Hauses in Virginia festgenommen.

Seine Enttarnung in der Amtszeit von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Außenminister Colin Powell führte zur kurzzeitigen Verstimmungen in den Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten. Erstmals seit einer Massenausweisung sowjetischer Diplomaten unter US-Präsident Ronald Reagan im Jahre 1986 kam es zur Ausweisung von mehr als 51 russischen Diplomaten, darunter vier Botschaftsangehörige, die als Kontaktleute für Robert Hanssen fungiert hatten. Der Fall galt als eine Blamage für das FBI, das sich 1994 nach der Enttarnung des für Moskau spionierenden CIA-Doppelagenten Aldrich Ames noch verächtlich über die Sicherheitspannen beim CIA geäußert hatte.[1]

Am 6. Juli 2001 wurde Robert Hanssen schuldig gesprochen und zu einer lebenslangen Haftstrafe ohne die Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung verurteilt. Er verbüßt seine Strafhaft im Bundesgefängnis ADX Florence, einer Hochsicherheitsstrafanstalt in Florence im Bundesstaat Colorado.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robert Hanssen war verheiratet und hat drei Kinder. Er soll in den letzten 15 Jahren seiner Spionagetätigkeit 1,4 Millionen US-Dollar in bar, Diamanten und Zahlungen auf ein Moskauer Konto erhalten haben. Bis auf seinen entschiedenen Antikommunismus war er vor der Enttarnung nicht aufgefallen und hatte keinen aufwendigen Lebensstil gepflegt. Er war Mitglied der römisch-katholischen Laienvereinigung Opus Dei.[1]

Nach seiner Enttarnung wurden Einzelheiten über ein privates Doppelleben mit außerehelichen Affären bekannt.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Spionagetätigkeiten Hanssens wurden zum Thema zweier Filme: Master Spy: The Robert Hanssen Story, ein US-amerikanischer Fernsehfilm aus dem Jahr 2002, in dem Hanssen von William Hurt gespielt wurde, und der Kinofilm Enttarnt – Verrat auf höchster Ebene aus dem Jahr 2007 mit Chris Cooper in der Hauptrolle.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • David Wise: Spy. The Inside Story of How the FBI’s Robert Hanssen Betrayed America. Random House, New York 2002, ISBN 0-375-75894-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Robert Hanssen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Uwe Schmitt: Washington weist 51 russische Diplomaten aus. In: Die Welt. 23. März 2001, abgerufen am 18. Oktober 2017.