Robert Holtzmann

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Robert Holtzmann (* 17. Oktober 1873[1] in Heidelberg; † 27. Juni 1946 in Halle) war ein deutscher Historiker für Mittelalterliche Geschichte.

Robert Holtzmann war der Sohn des Universitätsprofessors Heinrich Holtzmann; die Frauenrechtlerin und Politikerin Adelheid Steinmann und der Hygieniker Friedrich Holtzmann waren seine Geschwister. Er besuchte das humanistische Gymnasium in Straßburg. Nach der Reifeprüfung im Jahr 1892 absolvierte er den Militärdienst als Freiwilliger in einem Infanterieregiment. Anschließend studierte er Geschichte an den Universitäten Straßburg und Berlin. Seine akademischen Lehrer waren Harry Bresslau und Paul Scheffer-Boichorst. 1897 wurde Holtzmann mit dem Thema Wilhelm von Nogaret, Rat und Großsiegelbewahrer Philipps des Schönen von Frankreich promoviert. Im selben Jahr wurde er Mitarbeiter am Institut Monumenta Germaniae Historica. 1902 habilitierte er sich für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Straßburg mit der Arbeit Kaiser Maximilian II. bis zu seiner Thronbesteigung 1527–1564. Der Ruf an die Universität Gießen erfolgte im Jahr 1913. Dort trat er die Nachfolge von Johannes Haller an. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in den Jahren 1914 bis 1916 an der Westfront, wo er vor Verdun 1916 schwer verwundet wurde. Nach seiner Genesung folgten Professuren in Breslau (1916), in Halle (1923) und schließlich 1930 in Berlin. Dort wurde er 1939 emeritiert. Holtzmann war Erster Vorsitzender der Historischen Kommission für Schlesien.[2]

Seine Forschungsschwerpunkte waren vor allem die Beziehungen des deutschen mittelalterlichen Reiches zu seinen Nachbarn, die deutsch-französischen Beziehungen am Ausgang des Mittelalters, die Ostkolonisation und die Quellen der sächsischen Kaiserzeit. 1930 gab Holtzmann Gebhardts Handbuch der deutschen Geschichte neu heraus. Von ihm stammt die Neuausgabe des Thietmar von Merseburg (1935). Seit 1938 edierte er Wattenbachs Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter. Bekannt ist er vor allem durch sein Werk Geschichte der sächsischen Kaiserzeit 900–1024 (1941), das noch lange nach dem Krieg als Standardwerk galt.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien

  • Geschichte der sächsischen Kaiserzeit (900–1024). 6. Auflage, München 1979, ISBN 3-7667-0478-8.
  • Französische Verfassungsgeschichte von der Mitte des neunten Jahrhunderts bis zur Revolution. Unveränderter Nachdruck der 1. Auflage, München 1965.
  • Aufsätze zur deutschen Geschichte im Mittelelberaum. Darmstadt 1962.
  • Kaiser Otto der Große. Berlin 1936.
  • Wilhelm von Nogaret. Rat und Großsiegelbewahrer Philipps des Schönen von Frankreich. Freiburg i.Br. u.a. 1898.

Herausgeberschaften und Editionen

  • Chronik / Thietmar von Merseburg. Nachdruck der Ausgabe von 1957, Berlin 1962.
  • Wilhelm Wattenbach: Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter. u.a. 1943.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. In der Fachliteratur wird auch das Jahr 1877 angegeben vgl. etwa: Walther Holtzmann: Nachruf Robert Holtzmann. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters. Band 8, 1951, S. 256f.
  2. Matthias Werner: Zwischen politischer Begrenzung und methodischer Offenheit. Wege und Stationen deutscher Landesgeschichtsforschung im 20. Jahrhundert. In: Peter Moraw, Rudolf Schieffer (Hrsg.): Die deutschsprachige Mediävistik im 20. Jahrhundert. Ostfildern 2005, S. 251–364, hier: S. 282 (Digitalisat).