Robert Hunger-Bühler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Robert Hunger-Bühler

Robert Hunger-Bühler (* 7. Mai 1953 in Sommeri-Hefenhofen, Thurgau) ist ein Schweizer Schauspieler, Regisseur und Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robert Hunger-Bühler, Sohn eines Schreiners und einer Stenotypistin wuchs zunächst in Sommeri, Bottighofen und Winterthur auf, bevor die inzwischen auf sechs Kinder (vier Mädchen, zwei Buben) angewachsene Familie nach Aarau zog. Dort besuchte er die Schulen und absolvierte danach eine Lehre als Hochbauzeichner. Er trieb viele Arten von Sport, etwa Kunstturnen, Leichtathletik, Geländeläufe und Boxen; zudem spielte er Posaune. Im Fussball schaffte er es beim FC Aarau bis zu den Inter-Junioren als Linksaussen.

Er inszenierte 1971 mit der Klasse 4C des Lehrerseminars Aarau Tchechovs Hochzeit für das Schultheatertreffen. Nachdem er die Rekrutenschule als Radfahrer beendete und anlässlich einer Hochzeit Cechovs Monolog Ueber die Schädlichkeit des Tabaks rezitierte, beschloss er Schauspieler zu werden. Nach dem Besuch der Schauspielschule in Zürich und dem Studium der Theaterwissenschaften und Philosophie in Wien war Hunger-Bühler zunächst als Schauspieler und Regisseur in Wien, Bonn, Düsseldorf und Freiburg tätig. Weitere Stationen waren die Freie Volksbühne Berlin, die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, die Schaubühne am Lehniner Platz, das Berliner Ensemble, das Deutsche Theater, das Burgtheater Wien und die Kammerspiele München.

Er arbeitete unter anderem mit den Regisseuren Dieter Haspel, Hans Gratzer, Karl Welunschek, Paul Burian, Christoph Nel, Ulrich Heising, Jossi Wieler, David Mouchtar Samorai, Jürgen Kruse, Frank Castorf, Andrea Breth, Claus Peymann, Luc Bondy, Barbara Frey, Stefan Pucher, Johan Simons, Matthias Hartmann Klaus Michael Grüber, Peter Zadek Christoph Marthaler, Milo Rau. In Peter Steins legendärer Faust-Inszenierung spielte Robert Hunger-Bühler den Mephisto.

Er gründete in Wien 1974 die Theatergruppe 85 im Internationalen Studentenhaus, inszenierte unter anderem in Wien, Berlin, Bonn, Potsdam, Freiburg i. Br., Bern, Basel und Zürich: Woyzeck, Büchner (Wien), produzierte mit Anne Tismer Gegenwart der Erinnerung, Jonke (Uraufführung, Bonn, Museum Abteiberg Mönchengladbach), Ubu Roi, Jarry; Automat, Julian Green, Der Austritt des Dichters R. Walser aus dem Lit. Verein, Gert Hofmann, Theater Freiburg; Maria Stuart, Schiller (Theater Potsdam); Die Bande, Einar Schleef (Volksbühne Berlin); Das Bachusfest, Arthur Schnitzler (Theater Kiel); Das Sparschwein, Labiche (Theater Basel); Alles ist zu ertragen, nur nicht Ueberglücklichkeit, Robert Walser, Bühne Christoph Storz (Bern, Aarau, Zürich); Oblomov, Gontscharov, (Bühne Peter Zumthor, Schauspielhaus Zürich). Lokalbericht Hermann Burger, (Uraufführung) Theater Tuchlaube Aarau, Kurtheater Baden, Konzerttheater Bern, Sternensaal Wohlen, TaB Reinach, Reithalle Aarau, Theaterfestival Lenzburg.

Seit der Spielzeit 2002/2003 ist Robert Hunger-Bühler Ensemblemitglied am Schauspielhaus Zürich. Zu seinen Rollen gehören u. a.: Danton, (Dantons Tod), Richard III, Michel (Elementarteilchen), Astel (Nach der Liebe beginnt ihre Geschichte), Shylock (Der Kaufmann von Venedig), Willy Loman (Tod eines Handlungsreisenden), E. A. Poe (A Dream within a Dream), Baumeister Solness (Ibsen), Heizer (Amerika), Kafka; Doktor (Woyzeck), Büchner; Pantalone (Diener zweier Herren), Goldoni; Hamm (Endspiel), Beckett; Hoederer (Schmutzige Hände), Sartre; Nathan (Nathan der Weise), Lessing; Herzog von Blangis (120 Tage von Sodom), De Sade/Pasolini; Puntila (Puntila und sein Knecht Matti), Brecht. Seit 2001 ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste.

Hunger-Bühler erhielt zahlreiche Einladungen zum Theatertreffen Berlin und zu Internationalen Festivals, und wurde als Bester Schauspieler für die Darstellung des Casanova am Filmfestival Varna 2004 geehrt. Das Bundesamt für Kultur verlieh Robert Hunger-Bühler den Theaterpreis 2015 als Herausragender Schauspieler. Das Aargauer Kuratorium ehrte Hunger-Bühler 2016 für sein Künstlerisches Schaffen mit einem Werkbeitrag. Robert Hunger-Bühler war in erster Ehe mit Anne Tismer verheiratet und hat mit ihr die Tochter Okka Hungerbühler. Er lebt in zweiter Ehe mit Sarah Bellin und seinem Sohn Wyatt Cy.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kino:

Fernsehen:

Eigene Produktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1979: Ich hab geträumt ich bin aufgewacht – Wien, mit Haralampii Oroschakoff (Video)
  • 1981: Die Maske des Narren – Wien, (Video)
  • 1984: Alle Herrlichkeiten dieser Erde, Live-Performance mit Haralampii Oroschakoff, Wien
  • 1985: Fest-Veranstaltung Die Gegenwart der Erinnerung mit Gert Jonke, Galerie Raum 41, Bonn
  • 1985: Mit jener Heiterkeit, die die Seele im Traum zu bewahren weiss – Bonn (Video)
  • 1986: Wir wollen Gott… – Bonn, von und mit Bazon Brock (Video)
  • 1986: Der blinde Sänger – Museum Abteiberg Mönchengladbach, mit Posaune vor den Bildern von Sigmar Polke (Live)
  • 1987: Company (Beckett) – Galerie Klein Bonn, mit Wolf Aniol (Live)
  • 1988: Cantos (Pound) – Galerie Klein, Bonn (Live)
  • 1997: Und sie bewegt sich doch, Ilja Ehrenburg- Potsdamer Platz Berlin- Live-Performance zu einer Licht-Installation von Gerhard Merz
  • 1998: Alles ist zu ertragen, nur nicht Überglücklichkeit, Robert Walser - Bearb.: Robert Hunger-Bühler u. Michael Birkner - Regie: Robert Hunger-Bühler, Schlachthaus Bern
  • 2001: Ohne Licht, Ohne Lärm, Textcollage von Robert Hunger-Bühler und Michael Birkner, Mitarbeit: Stefanie Carp - SHZ, Monolog, Regie: Klaus Michael Grüber
  • 2011: Love Minus Zero/No Limit – Hommage zum 70. Geburtstag von Bob Dylan mit Sarah Bellin, Schiffbau Zürich
  • 2014: Also sprach Zarathustra Friedrich Nietzsche – Integrale Rezitation des Werkes an 10 Tagen an 10 Orten. SHZ und Zürcher Festspiele

Rezitation/Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1986: Gedenktag für Martin Heidegger (Der Feldweg)-Hückeswagen, mit Gero Steinbach, Stefanie Hierholzer und Ulrich Klaus
  • 2003: Hugo Wolf/J.W.V. Goethe – Weimar, Festival Melos – Logos
  • 2003: Invocation/Beat Furrer, Christoph Marthaler, Zürcher Festspiele, Rolle: Chauvin, UA
  • 2005: Pelerinage (Liszt) – Zürich, Bayreuth, Sils Maria, Davos, mit Seung-Yeun Huh, Piano
  • 2006: Experimentum Mundi (Giorgio Battistelli) – Lucerne Festival KKL, Regie Daniele Abbado, Leitung Claudio Abbado
  • 2007: Träumereien eines Einsamen Spaziergängers (Rousseau) – Kilchberg, Zürich, Petersinsel, Sils Maria, mit Simone Keller, Piano
  • 2006: Ekklesiastische Aktion (Bernd Alois Zimmermann) WDR, Philharmonie Köln, Leitung: Heinz Holliger (CD, ECM Records "Canto die speranza", mit Andreas Schmidt und Gerd Böckmann) CD ECM 2074
  • 2009: Schöne Geschichten (Stefan Wolpe), Collegium Novum, Schiffbau-Halle Zürich
  • 2011: Petrarca-Canzoniere – Hamburg, Gerd Bucerius-Stiftung, mit Karlheinz Stierle
  • 2011: Vier Jahreszeiten (Tschaikowski/Marais) – Tonhalle Zürich, mit dem Zürcher Kammerorchester, Leitung Michael Sanderling
  • 2013: Wie ich Welt wurde/ Hans Neuenfels, Zürcher Festspiele/SHZ, Rolle: Wagner; UA
  • 2014: "Akademie der Lesenden Künste", Wege durchs Land, Holzhausen, "Brod und Wein" Hölderlin mit Uwe Kolbe, Mike Swoboda
  • 2014: "Der Riss durch den Tag", Johannes Maria Staud/Durs Grünbein, Leitung: Matthias Pintscher, Ensemble intercontemporain Paris, Lucerne Festival
  • 2015 "Gelt da war ich trotzig", Lesung der Briefe zur Ausstellung Otto Meyer-Amden im Kunstmuseum Winterthur
  • 2015 "Merzluft" Ein Film von Heinz Bütler, PiXiU Films, Zürich
  • 2016 "Zwischentöne" Kammermusik Festival Engelberg, Merel Quartett, Lesung: Kafka Milton, Bierce, Dante, Bulgakov
  • 2016 "Dada-Soirée Festspiele Zürich mit Peter von Matt
  • 2016 "Basta" Robert Walser Rezitation im Kunstmuseum Chur in der Ausstellung "Solo-Walks" (Zweifel/Steiner)
  • 2017 "Aufgehobene Zeit" Gedichte von Urs Martin Strub, Theater am Neumarkt
  • 2018 "Moravagine Idiot" Schaurige Geschichten, Blaise Cendrars, Theater am Rigiblick, mit Martin Schütz

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Hunger-Bühler, Jo Schultheis (Hrsg.): Gegenwart der Erinnerung. Lesebuch zum gleichnamigen Kunstprojekt nach dem Roman von Gert Jonke mit Jo Schultheis und Anne Tismer, Verlag Lothar Weber, Bonn 1988
  • Robert Hunger-Bühler, Roland Koberg (Hrsg.): Mephisto – Ohne Licht, ohne Lärm. Henschel-Verlag, Berlin 2001.
  • Robert Hunger-Bühler: Herzschlag-Zeit – Haiku. Edition Howeg, Zürich 2013, ISBN 978-3-85736-288-0.
  • Francesco Petrarca, René Char: Stromauf-Stromab. Hörbuch gelesen von Robert Hunger-Bühler. Uebertragungen von Karlheinz Stierle und Peter Handke. Verlag Sprechtheater Zürich, Doppel-CD, 2004
  • A Dream within a Dream. Edgar Allan Poe, CD SRF 2013, Regie Barbara Frey, Musik Fritz Hauser
  • Merzluft. Film von Heinz Bütler, DVD und Hörbuch, PiXiU Films, Zuerich 2015
  • Letzte Dinge. Horst Lohse, Hieronymus Bosch Triptychon, Michael Herrschel, Christoph Maria Moosmann CD NEOS Music 2016, DNB 1130725596.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]