Robert Parry (Journalist)

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Robert Parry (* 24. Juni 1949 in Hartford, Connecticut; † 27. Januar 2018) war ein US-amerikanischer Investigativjournalist, der in den Vereinigten Staaten vor allem Mitte der 1980er-Jahre durch seine Arbeiten zur Iran-Contra-Affäre für Associated Press und Newsweek bekannt wurde. Während des Contra-Kriegs in Nicaragua deckte er das CIA-Handbuch Psychological Operations in Guerrilla Warfare auf und war an der Aufdeckung des vom CIA geduldeten Drogenschmuggels beteiligt. 1984 erhielt er den George Polk Award in der Sparte „Nationale Berichterstattung“. Nachdem Parry seine letzte Anstellung bei einem Nachrichtenmagazin im Jahr 1990 verlassen hatte, wurde er 1995 selbständiger Herausgeber des Onlinemagazins Consortiumnews.com.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parry arbeitete seit 1974 für Associated Press, seit 1977 am Standort Washington. Nach der US-Präsidentschaftswahl von 1980 wurde er dort der Abteilung für investigative Reportagen zugewiesen, wo er sich mit dem Thema Zentralamerika befasste.[1]

1984 erhielt Parry den George Polk Award für seine Arbeit bei Associated Press zur Iran-Contra-Affäre, bei der er das von der CIA für die nicaraguanischen Contra-Rebellen erstellte Attentatshandbuch Psychological Operations in Guerrilla Warfare aufdeckte.[2][3] 1985 schrieb er einen ersten Artikel zur Verwicklung des Marineoffiziers Oliver North in die Affäre und deckte zusammen mit seinem AP-Kollegen Brian Barger den Skandal um den von der CIA gedeckten Drogenschmuggel in die USA auf,[4] was laut Parry zum Interesse von Senator John Kerry an der Untersuchung der Iran-Contra-Affäre beitrug.[5] Associate Press hatte sich zunächst geweigert, das Drogenschmuggel-Thema zu veröffentlichen, gab jedoch nach, nachdem ihre spanische Agentur versehentlich eine Übersetzung veröffentlicht hatte.[3] Barger und Parry führten ihre Nachforschungen zu Oliver North fort, auch als die meisten Medien daran kein Interesse mehr hatten, und veröffentlichten die Story 1986. North musste sich daraufhin einer Anhörung im Kongress stellen. Nachdem North die Anschuldigungen zurückgewiesen hatte, verließ Barger AP und Parry konnte gemäß Eigenangaben dort nichts mehr zu dem Thema veröffentlichen, bis 1996 das Firmenflugzeug von Eugene Hasenfus (Corporate Air Services HPF821) in Nicaragua abgeschossen wurde.[1] Nachdem er entdeckt hatte, dass „sein Vorgesetzter regelmäßig mit North konferiert hatte“, wechselte Parry 1987 von AP zu Newsweek.[3] Eine seiner ersten Veröffentlichungen bei Newsweek handelte davon, dass Mitarbeiter des United States National Security Council von der US-Regierung aufgefordert worden seien, Teile der Iran-Kontra-Affäre zu verschleiern. Unter großem politischem und medialem Druck forderte Newsweek Parry auf, die Story zurückzuziehen. Parry weigerte sich und verließ Newsweek 1990.[6]

Im August 1990 wurde Parry vom Fernsehmagazin Frontline des Senders PBS beauftragt, an einer Theorie über eine indirekte Wahlmanipulation bei der US-Präsidentschaftswahl 1980 zu arbeiten.[1] Parry erstellte dazu mehrere Dokumentarbeiträge, die 1991 und 1992 ausgestrahlt wurden.[6][7][8] Er verfolgte das Thema auch weiter, nachdem eine Untersuchung des Kongresses zu dem Schluss gekommen war, dass die Theorie unwahr sei, und veröffentlichte seine Frontline-Recherchen 1993 als Buch.[9] 1994 stieß er laut eigenen Angaben auf anonyme Quellen, die die Theorie bestätigten. Der Journalist Steven Emerson nannte Parrys Festhalten an dem Thema eine „Obsession“ und „persönliche Tragödie“. Parry selber erklärte, seine Reputation habe darunter gelitten, aber „die Iran-Contra-Berichterstattung sei ja zuerst auch als Verschwörungstheorie abgelehnt worden“.[6]

Als der Journalist Gary Webb 1996 seine Artikelserie Dark Alliance veröffentlichte und der Reagan-Regierung vorwarf, Kokainschmuggel in die USA gedeckt zu haben, um den Contras bei der Finanzierung ihrer Aktivitäten zu helfen, unterstützte Parry Webb gegen heftige Medienkritik.[10]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1984 George Polk Award für seine Arbeit bei Associated Press zur Iran-Contra-Affäre
  • 1985 Kandidat in der Endrunde für den Pulitzer-Preis für seine Arbeit bei Associated Press zur Iran-Contra-Affäre

Consortiumnews[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 1995 gründete Parry das Online-Magazin Consortiumnews.com „für investigativen Journalismus“. Er beschrieb es im Jahr 2004 als „Heimat für wichtige, gut berichtete Stories, die in den O.-J.-Simpson-besessenen, von konventionellem Wissen getriebenen nationalen Nachrichtenmedien dieser Zeit nicht willkommen waren“. Wegen finanzieller Schwierigkeiten von Consortiumnews arbeitete er 2000 bis 2004 auch für den Wirtschaftsinformationsdienst Bloomberg.[11]

Beiträge betrafen später auch den Bürgerkrieg in Syrien und die Krise in der Ukraine 2014. Nach dem Absturz von Malaysia-Airlines-Flug 17 veröffentlichte Parry den Untersuchungsergebnissen widersprechende Theorien, die von der russischen und der iranischen Propaganda aufgegriffen wurden.[12][13] Er griff auch die Berichterstattung einer australischen Zeitung an, welche die Russische Propaganda widerlegte.[14]

Zur Ukraine-Krise vertrat Parry die Auffassung, dass Putin, der in Sochi gezeigt hätte, dass er Russland als Teil der westlichen Welt sehe, keinerlei Absicht gehabt hätte, sich in die politischen Verhältnisse der Ukraine einzumischen oder gar die Krim zu annektieren. Seine Reaktionen auf „die Politik von USA und EU“ seien lediglich defensiv gewesen.[15]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lost History: Contras, Cocaine, The Press & Project Truth (1992)
  • Trick or Treason: The October Surprise Mystery (1993)
  • The October Surprise X-Files: The Hidden Origins of the Reagan-Bush Era (1996)
  • Secrecy & Privilege: Rise of the Bush Dynasty from Watergate to Iraq (2004)
  • Neck Deep: The Disastrous Presidency of George W. Bush (2007)
  • America's Stolen Narrative: From Washington and Madison to Nixon, Reagan and the Bushes to Obama (2012)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Robert Parry: A talk by Robert Parry given in Santa Monica on March 28, 1993. In: realhistoryarchives.com. Zuletzt abgerufen am 21. September 2014.
  2. Long Island University: George Polk Awards: Previous Award Winners. Zuletzt abgerufen am 23. September 2013.
  3. a b c Norman Solomon: Cohen and Solomon: Robert Parry. In: AlterNet, 25. April 2000, zuletzt abgerufen am 21. September 2014. Das Veröffentlichungsdatum ist mit dem 25. April 2000 angegeben, aber die Information, dass Consortium News vor „einigen Monaten“ startete, weist auf eine Erstveröffentlichung Anfang 1996 hin.
  4. Brian Barger & Robert Parry: Reports Link Nicaraguan Rebels to Cocaine Trafficking. In: Associated Press. 20. Dezember 1985.
  5. Robert Parry: How John Kerry exposed the Contra-cocaine scandal. In: Salon.com. 25. Oktober 2004.
  6. a b c Dan Kennedy: Parry’s Thrust (Memento vom 3. September 1999 im Internet Archive). In: Salon.com. 11. Juni 1996.
  7. The Election Held Hostage. In: Frontline. 16. April 1991, zuletzt abgerufen am 22. September 2014.
  8. Investigating the October Surprise (Memento vom 25. August 2012 im Internet Archive). In: Frontline. 7. April 1992.
  9. Robert Parry: Trick or Treason: The October Surprise Mystery. Sheridan Square Publishing, 1993, ISBN 978-1879823082.
  10. Gary Webb: Dark Alliance. Seven Stories Press, 1999, ISBN 978-1-888363-93-7, S. 480
  11. Robert Parry: A Brief History of Consortium News, ConsortiumNews.com, 21. Dezember 2004.
  12. Journalist: USA haben Belege für Boeing-Abschuss durch ukrainisches Militär. RIA Novosti, 22. Juli 2014, abgerufen am 10. September 2014.
    White House 'leak': Ukraine did it. Press TV, 21. Juli 2014, abgerufen am 10. September 2014.
  13. US analysts conclude MH17 downed by aircraft. New Straits Times, 7. August 2014, abgerufen am 11. September 2014.
  14. Robert Parry Falsely Accuses 60 Minutes Australia of Using Fake MH17 Evidence, 19. Mai 2015
  15. https://consortiumnews.com/2015/02/13/the-putin-did-it-conspiracy-theory/