Robert Sarah

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Robert Kardinal Sarah (2015)
Kardinalswappen

Robert Kardinal Sarah (französische Aussprache: [ʀɔˈbɛ:ʀ saˈʀa]; * 15. Juni 1945 in Ourous, Guinea) ist ein Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche. Seit 2014 ist er Kardinalpräfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 2005[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robert Sarah, einziges Kind der Eheleute Alexandre Sarah und Claire Nemelo, erhielt seine Schulausbildung in der Elfenbeinküste und Guinea und studierte Philosophie und Theologie in Frankreich (Nancy; 1964–1967) und Senegal. Am 20. Juli 1969 empfing er in Conakry die Priesterweihe. An der Gregoriana in Rom erwarb er ein Lizentiat in Theologie und am Päpstlichen Bibelinstitut mit einem Auslandsjahr (1971) am Studium Biblicum Franciscanum in Jerusalem auch eines in Bibelwissenschaften. 1974 kehrte er nach Afrika zurück. Ab 1976 wirkte er als Lehrer und Direktor des Kleinen Seminars in Conakry, ab 1978 als Privatsekretär des Apostolischen Administrators von Conakry, Louis Barry.

Am 13. August 1979 wurde Sarah von Papst Johannes Paul II. als Nachfolger des Bekennerbischofs Raymond-Maria Tchidimbo zum Erzbischof von Conakry in Guinea ernannt und empfing am 8. Dezember desselben Jahres durch Giovanni Kardinal Benelli die Bischofsweihe. Mit nur 34 Jahren war Sarah zu diesem Zeitpunkt der weltweit jüngste katholische Erzbischof. Darüber hinaus war Sarah später Präsident der Bischofskonferenz von Guinea.[1] Am 1. Oktober 2001 berief Papst Johannes Paul II. Robert Sarah nach Rom und ernannte ihn zum Sekretär der Kongregation für die Evangelisierung der Völker.

Unter Papst Benedikt XVI.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bischof Sarah wurde am 23. September 2009 durch Papst Benedikt XVI. zum Mitglied der Zweiten Sonderversammlung der Bischofssynode für Afrika (4. bis 25. Oktober 2009) berufen.[2] Am 7. Oktober 2010 ernannte ihn Benedikt XVI. als Nachfolger von Paul Josef Cordes zum Präsidenten des Päpstlichen Rates Cor Unum.[3]

Im feierlichen Konsistorium vom 20. November 2010 nahm ihn Papst Benedikt XVI. als Kardinaldiakon mit der Titeldiakonie San Giovanni Bosco in via Tuscolana in das Kardinalskollegium auf.[4]

Am 7. November 2012 bestellte Papst Benedikt XVI. Kardinal Sarah zum Päpstlichen Sonderbotschafter für den Nahen Osten. Im Libanon traf er Vertreter der Kirchen Syriens sowie syrische Flüchtlinge. Zudem leitete er die Koordination der Unterstützung katholischer Hilfsorganisationen in die Wege.[5]

Unter Papst Franziskus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kardinal Sarah auf den Philippinen (Januar 2014)

Am 23. November 2014 ernannte Papst Franziskus Robert Kardinal Sarah auf fünf Jahre zum Kardinalpräfekten der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung.[6] Als solcher sieht Kardinal Sarah sich besonders den Gedanken und liturgischen Initiativen Papst Benedikts XVI. verpflichtet.

In einem Redebeitrag zur Bischofssynode im Oktober 2015 beklagte Kardinal Sarah „heutige westliche Anschauungen über Homosexualität und Abtreibung“ sowie den „islamistischen Fanatismus“ und verglich sie mit dem Faschismus der Nationalsozialisten und dem Kommunismus des 20. Jahrhunderts.[7] Sarah galt auf der Synode als einer der Wortführer des konservativen Flügels und trat als Sprecher der afrikanischen Bischöfe auf. Er plädierte auch für eine eindeutige Verurteilung der Gender-Theorie.[8]

Zur Politik des Westens gegenüber dem islamistischen Terrorismus sagte Sarah: „Wie viele Tote braucht es, bis die europäischen Regierungen die Situation begreifen, in der sich der Westen befindet? Wie viele abgeschlagene Köpfe?“[9]

Am 5. Juli 2016 rief Kardinal Sarah die Priester dazu auf, mit dem Beginn des liturgischen Jahres 2016 die Eucharistiefeier wieder in Richtung Osten (ad orientem), oder gegebenenfalls (in gewesteten Kirchen) in Richtung der Apsis zu zelebrieren[10], wie es auch von Papst Benedikt XVI. befürwortet worden war. Der Heilige Stuhl informierte einige Tage später dahingehend, dass einige der Äußerungen Kardinal Sarahs in einer Weise missinterpretiert worden seien, als ob er Neuregelungen hätte ankündigen wollen, die sich von den bisherigen Rubriken in Bezug auf die Messfeier in der ordentlichen Form und der Zelebration versus populum unterschieden. Jene Zelebrationsrichtung solle, wo immer möglich, bevorzugt werden.[11]

Öffentlich widersprach im Oktober 2017 Papst Franziskus in einem Schreiben an Kardinal Sarah[12] dessen stark einschränkender Interpretation des päpstlichen Motu proprio Magnum principium, mit dem Franziskus im Vormonat – unter Abänderung der Übersetzerinstruktion Liturgiam authenticam (2001)[13] und des CIC – den Bischofskonferenzen umfassende Kompetenzen bei der Formulierung der liturgischen Texte in den Landessprachen zugesprochen hatte.[14]

In deutlicher Distanzierung zur einwanderungsfreundlichen Position von Papst Franziskus warnte Kardinal Sarah anlässlich der Erscheinung seines Buches Le soir approche et déjà le jour baisse im März 2019 vor dem „Untergang Europas samt seiner Kultur und Werte, sollte die (islamische) Massenmigration weitergehen“[15][16]

Da der derzeitige Kardinalprotodiakon Renato Raffaele Martino bei einem Konklave nicht mehr wahlberechtigt ist, käme Sarah als derzeit (Stand: 8. Juni 2018) dienstältestem wahlberechtigten Kardinaldiakon die Aufgabe zu, die Wahl eines neuen Papstes zu verkünden.

In seinem 2020 publizierten Buch Des profondeurs de nos cœurs („Aus der Tiefe des Herzens“) spricht sich Sarah gegen eine Änderung der Zölibatsverpflichtung der Priester aus. Das Buch enthält einen Beitrag von Papst emeritus Benedikt XVI.; durch die Angabe von Benedikts Bild und Namen auf dem Bucheinband und seine Unterschrift unter Vorwort und Nachwort entstand der Eindruck, das ganze Buch sei gemeinsam mit dem früheren Papst Benedikt verfasst worden.[17] Kommentatoren interpretierten Sarahs Werk vorab als Abwehrversuch gegen eine mögliche Zulassung verheirateter ständiger Diakone in der Region Amazonas zur Priesterweihe, wie sie im Oktober 2019 von der sogenannten Amazonassynode empfohlen worden war.[18][19] Benedikt XVI. wies darauf hin, er sei nicht der Mitautor, und sein Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein veranlasste im Auftrag des emeritierten Papstes die Entfernung sowohl des Bildes als auch des Namens.[20][21] Das Kölner domradio äußerte zur Wahl des Zeitpunkts der Veröffentlichung des Buches, der vor dem Erscheinen des nachsynodalen apostolischen Schreibens Querida Amazonia lag, dieses habe „schon eine gewisse Brisanz“ und vertrat den Standpunkt, Benedikt werde missbräuchlich „von seinem Umfeld vorgeschoben“.[22]

In einer Meldung des konservativen Nachrichtenportals kath.net sollte Robert Sarah angeblich zu den Unterzeichnern eines Aufrufs vom 7. Mai 2020 mit dem Titel „Veritas liberabit vos!“ gehören, in dem unter dem Vorwand der seit Anfang 2020 ausbrechenden COVID-19-Pandemie Rechte und Grundfreiheiten vieler Bürger „unverhältnismäßig und ungerechtfertigt eingeschränkt“ würden; die öffentliche Gesundheit dürfe kein Alibi werden, „um die Zivilbehörden von ihrer Pflicht zu befreien, klug für das Gemeinwohl zu handeln“. In dem Text werden Zweifel an der tatsächlichen Ansteckungsgefahr des Coronavirus geäußert und die Berichterstattung über die Pandemie als „Alarmismus“ bezeichnet. Robert Sarah erklärte am 8. Mai, er habe die Petition nicht unterschrieben.[23]

Weitere Ämter in der Kurie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beirat des Dignitatis Humanae Institute.[25]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Robert Sarah – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sarah, Robert. In: Salvador Miranda: The Cardinals of the Holy Roman Church. (Website der Florida International University, englisch), abgerufen am 26. Dezember 2017.
  2. Nomine nell’ambito della Seconda Assemblea Speciale per l’Africa del Sinodo dei Vescovi. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 23. September 2009, abgerufen am 25. November 2014 (italienisch).
  3. Rinuncia del Presidente del Pontificio Consiglio “Cor Unum” e nomina del successore. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 7. Oktober 2010, abgerufen am 25. November 2014 (italienisch).
  4. Concistoro Ordinario Pubblico per la Creazione di ventiquattro nuovi Cardinali (Continuazione). In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 20. November 2010, abgerufen am 25. November 2014 (italienisch).
  5. Papst: Sonderbotschafter statt Syrien-Delegation. Radio Vatikan, 7. November 2012, abgerufen am 25. November 2014.
  6. Nomina del Prefetto della Congregazione per il Culto Divino e la Disciplina dei Sacramenti. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 24. November 2014, abgerufen am 24. November 2014 (italienisch).
  7. Der sogenannte Konzilsgeist. katholisch.de, 15. Oktober 2015, abgerufen am 17. Juli 2016.
  8. Tilmann Kleinjung: "Störmanöver" gegen Franziskus. Deutschlandfunk, 14. Oktober 2015, abgerufen am 17. Juli 2016.
  9. Kardinal Robert Sarah fassungslos über westliche Reaktion auf Terror. kathnews.de, abgerufen am 26. März 2017.
  10. Giuseppe Nardi: Kardinal Sarah: Aufruf an Priester, ab Erstem Adventssonntag 2016 wieder Richtung Osten zu zelebrieren. katholisches.info, 6. Juli 2016, abgerufen am 17. Juli 2016.
  11. Comunicato della Sala Stampa della Santa Sede: Alcuni chiarimenti sulla celebrazione della Messa. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 11. Juli 2016, abgerufen am 16. Juli 2016 (italienisch, mit englischer und spanischer Übersetzung).
  12. Text italienisch: http://lanuovabq.it/it/la-lettera-del-papa-al-cardinale-sarah
  13. Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung: Der Gebrauch der Volkssprachen bei der Herausgabe der Bücher der römischen Liturgie, Text deutsch
  14. https://www.kirche-und-leben.de/artikel/franziskus-rueffelt-kardinal-sarah-in-offenem-brief/, abgerufen am 24. Oktober 2017; http://www.praytellblog.com/index.php/2017/10/22/pope-francis-corrects-cardinal-sarah-on-translation/.
  15. Kornelia Kirchweger: Vatikanischer Kardinal legt sich mit Papst an: Massenmigration eliminiert Europa. Wochenblick, 8. April 2019, abgerufen am 19. April 2019.
  16. William Davis: Cardinal Sarah Denounces Using The Bible To Justify Mass Immigration. The Daily Caller, 2. April 2019, abgerufen am 19. April 2019 (englisch).
  17. KathPress: Benedikt XVI.: Ich bin nicht Co-Autor des Buches von Sarah. 14. Januar 2020, abgerufen am 14. Januar 2020.
  18. Patrick Zoll: Papst gegen Papst: Im Ruhestand setzt sich Benedikt für den Zölibat ein und funkt damit seinem Nachfolger Franziskus drein. nzz.ch, 13. Januar 2020, abgerufen am 13. Januar 2020.
  19. Jan-Heiner Tück: Papst gegen Papst: Dass sich Benedikt XVI. zum Zölibat äussert, engt Franziskus’ Spielraum ein. nzz.ch, 15. Januar 2020, abgerufen am 15. Januar 2020.
  20. KathPress: Benedikt XVI.: Ich bin nicht Co-Autor des Buches von Sarah. 14. Januar 2020, abgerufen am 14. Januar 2020.
  21. katholisch.de: Benedikt XVI.: Ich bin nicht Co-Autor des Buches von Sarah. 14. Januar 2020, abgerufen am 14. Januar 2020.
  22. Michelle Olion/Ingo Brüggenjürgen: Eine Einschätzung der Benedikt-Äußerungen zum Zölibat: „Er wird von seinem Umfeld vorgeschoben“. 13. Januar 2020, abgerufen am 14. Januar 2020.
  23. kath.net: Veritas liberabit vos!, 7. Mai 2020.
  24. Nomina di Membri della Congregazione delle Cause dei Santi. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 12. September 2014, abgerufen am 12. September 2014 (italienisch).
  25. zeit.de, 3. März 2017, Julius Müller-Meiningen, Raoul Löbbert: Hans-Gert Pöttering - Schutzpatron der guten Sache (6. März 2017)
VorgängerAmtNachfolger
Paul Josef Kardinal CordesPräsident des Päpstlichen Rates „Cor Unum“
2010–2014
vakant
Antonio Kardinal Cañizares LloveraPräfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung
seit 2014
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