Robert Sarah

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Robert Kardinal Sarah (2015)
Kardinalswappen

Robert Kardinal Sarah (* 15. Juni 1945 in Ourous, Guinea) ist ein Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche sowie Buchautor.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robert Sarah, einziges Kind der Eheleute Alexandre Sarah und Claire Nemelo, erhielt seine Schulausbildung in der Elfenbeinküste und Guinea, und studierte Philosophie und Theologie in Frankreich (Nancy; 1964–1967) und Senegal. Am 20. Juli 1969 empfing er in Conakry die Priesterweihe. An der Gregoriana in Rom erwarb er ein Lizentiat in Theologie und am Päpstlichen Bibelinstitut mit einem Auslandsjahr (1971) am Studium Biblicum Franciscanum in Jerusalem auch eines in Bibelwissenschaften. 1974 kehrte er nach Afrika zurück. Ab 1976 wirkte er als Lehrer und Direktor des Kleinen Seminars in Conakry, ab 1978 als Privatsekretär des Apostolischen Administrators von Conakry Louis Barry.

Am 13. August 1979 wurde er von Papst Johannes Paul II. als Nachfolger des Bekennerbischofs Raymond-Maria Tchidimbo zum Erzbischof von Conakry in Guinea ernannt und empfing vier Monate später durch Giovanni Kardinal Benelli die Bischofsweihe. Mit nur vierunddreißig Jahren war Sarah der weltweit jüngste katholische Erzbischof.

Am 1. Oktober 2001 berief Papst Johannes Paul II. Robert Sarah nach Rom und ernannte ihn zum „Sekretär der Kongregation für die Evangelisierung der Völker“.

Unter Papst Benedikt XVI.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robert Sarah wurde am 23. September 2009 durch Papst Benedikt XVI. zum Mitglied der Zweiten Sonderversammlung der Bischofssynode für Afrika (4. bis 25. Oktober 2009) berufen.[1] Am 7. Oktober 2010 ernannte ihn Benedikt XVI. als Nachfolger von Paul Josef Cordes zum Präsidenten des Päpstlichen Rates „Cor Unum“.[2]

Im feierlichen Konsistorium vom 20. November 2010 nahm ihn Papst Benedikt XVI. als Kardinaldiakon mit der Titeldiakonie San Giovanni Bosco in via Tuscolana in das Kardinalskollegium auf.[3]

Papst Benedikt XVI. bestellte Robert Sarah am 7. November 2012 zum Päpstlichen Sonderbotschafter für den Nahen Osten. Im Libanon traf er Vertreter der christlichen Kirchen Syriens sowie Flüchtlinge aus Syrien. Zudem leitete er die Koordination der Unterstützung katholischer Hilfsorganisationen in die Wege.[4]

Unter Papst Franziskus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. November 2014 ernannte ihn Papst Franziskus auf fünf Jahre zum Kardinalpräfekten der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung.[5] Als solcher sieht Kardinal Sarah sich besonders den Gedanken und liturgischen Initiativen Papst Benedikt XVI. verpflichtet.

In einem Redebeitrag zur Bischofssynode im Oktober 2015 beklagte Kardinal Sarah heutige westliche Anschauungen über Homosexualität und Abtreibung sowie den islamistischen Fanatismus und verglich sie mit dem Nazi-Faschismus und dem Kommunismus des 20. Jahrhunderts.[6] Sarah galt auf der Synode als einer der Wortführer des konservativen Flügels und trat als Sprecher der afrikanischen Bischöfe auf. Er lehnte die Zulassung nach bürgerlicher Scheidung standesamtlich wiederverheirateter Katholiken zur Kommunion sowie die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ab und plädierte für eine eindeutige Verurteilung der Gender-Theorie.[7]

Zur Politik des Westens gegenüber dem islamistischen Terrorismus sagte Sarah: „Wie viele Tote braucht es, bis die europäischen Regierungen die Situation begreifen, in der sich der Westen befindet? Wie viele abgeschlagene Köpfe?“[8]

Am 5. Juli 2016 forderte Kardinal Sarah aus London die katholischen Priester auf, möglichst bald die Eucharistie wieder Richtung Osten (ad orientem), statt dessen gegebenenfalls Richtung Apsis (versus absidem, d. h. mit dem Rücken zum Volk) zu zelebrieren,[9], wie es vor der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils überwiegend üblich und von Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt XVI. befürwortet worden war. Jedoch wurde dieser Aufruf wenige Tage später durch den Heiligen Stuhl dahingehend korrigiert, dass die Normalform der Messfeier[10] mit „Volksaltar“ und Bevorzugung der Feier versus populum (mit Blick zur Gemeinde) weiterhin voll in Geltung bleibt.[11]

Öffentlich widersprach im Oktober 2017 Papst Franziskus in einem Schreiben an Kardinal Sarah[12] dessen stark einschränkender Interpretation des päpstlichen Motu proprio "Magnum principium", mit dem Franziskus im Vormonat – unter Abänderung der Übersetzerinstruktion "Liturgiam authenticam" (2001)[13] und des CIC – den Bischofskonferenzen umfassende Kompetenzen bei der Formulierung der liturgischen Texte in den Landessprachen zugesprochen hatte.[14]

Weitere Ämter in der Kurie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beirat des Dignitatis Humanae Institute.[16]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nomine nell’ambito della Seconda Assemblea Speciale per l’Africa del Sinodo dei Vescovi. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 23. September 2009; abgerufen am 25. November 2014 (italienisch).
  2. Rinuncia del Presidente del Pontificio Consiglio “Cor Unum” e nomina del successore. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 7. Oktober 2010; abgerufen am 25. November 2014 (italienisch).
  3. Concistoro Ordinario Pubblico per la Creazione di ventiquattro nuovi Cardinali (Continuazione). In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 20. November 2010; abgerufen am 25. November 2014 (italienisch).
  4. Papst: Sonderbotschafter statt Syrien-Delegation. Radio Vatikan, 7. November 2012; abgerufen am 25. November 2014.
  5. Nomina del Prefetto della Congregazione per il Culto Divino e la Disciplina dei Sacramenti. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 24. November 2014; abgerufen am 24. November 2014 (italienisch).
  6. Der sogenannte Konzilsgeist. katholisch.de, 15. Oktober 2015; abgerufen am 17. Juli 2016.
  7. Tilmann Kleinjung: "Störmanöver" gegen Franziskus. Deutschlandfunk, 14. Oktober 2015; abgerufen am 17. Juli 2016.
  8. Kardinal Robert Sarah fassungslos über westliche Reaktion auf Terror. kathnews.de; abgerufen am 26. März 2017.
  9. Giuseppe Nardi: Kardinal Sarah: Aufruf an Priester, ab Erstem Adventssonntag 2016 wieder Richtung Osten zu zelebrieren. katholisches.info, 6. Juli 2016; abgerufen am 17. Juli 2016.
  10. Gemäß Institutio Generalis Missalis Romani/Grundordnung des Römischen Messbuchs (2002) Nr. 299.
  11. Comunicato della Sala Stampa della Santa Sede: Alcuni chiarimenti sulla celebrazione della Messa. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 11. Juli 2016; abgerufen am 16. Juli 2016 (italienisch, mit englischer und spanischer Übersetzung).
  12. Text italienisch: http://lanuovabq.it/it/la-lettera-del-papa-al-cardinale-sarah
  13. Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung: Der Gebrauch der Volkssprachen bei der Herausgabe der Bücher der römischen Liturgie, Text deutsch
  14. https://www.kirche-und-leben.de/artikel/franziskus-rueffelt-kardinal-sarah-in-offenem-brief/, abgerufen am 24. Oktober 2017; http://www.praytellblog.com/index.php/2017/10/22/pope-francis-corrects-cardinal-sarah-on-translation/.
  15. Nomina di Membri della Congregazione delle Cause dei Santi. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 12. September 2014; abgerufen am 12. September 2014 (italienisch).
  16. zeit.de, 3. März 2017, Julius Müller-Meiningen, Raoul Löbbert: Hans-Gert Pöttering - Schutzpatron der guten Sache (6. März 2017)
VorgängerAmtNachfolger
Antonio Kardinal Cañizares LloveraPräfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung
seit 2014
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Paul Josef Kardinal CordesPräsident des Päpstlichen Rates „Cor Unum“
2010–2014
vakant