Robert Stroud

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Robert Franklin Stroud (* 28. Januar 1890 in Seattle, Washington; † 21. November 1963 in Springfield, Missouri) war ein US-amerikanischer Gewaltverbrecher, der sich während seiner mehr als fünfzigjährigen Haft zu einem anerkannten Vogelkundler entwickelte. Durch den Spielfilm Der Gefangene von Alcatraz (Birdman of Alcatraz, 1962) erlangte er weltweite Bekanntheit.

Erkennungsdienstliches Foto von Robert Stroud vom 29. Oktober 1951

Werdegang[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Robert Strouds Kindheit wurde von einem gewalttätigen Vater und einer fürsorglichen Mutter geprägt. Mit dreizehn Jahren verließ er das Elternhaus und schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch. In Juneau, Alaska lebte er mit der doppelt so alten Prostituierten Kitty O'Brian zusammen. Im Streit um Kitty tötete er seinen Kontrahenten. Am 23. August 1909 wurde er daraufhin zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt, die er in der berüchtigten McNeil Island Strafanstalt antreten musste, die sich auf einer Seattle vorgelagerten Insel befand.

In Leavenworth[Bearbeiten]

Der aufsässige und gewalttätige Stroud wurde 1912 in das moderne Hochsicherheitsgefängnis Leavenworth verlegt, nachdem er einen Mithäftling niedergestochen hatte. Hier hatte er Zugang zu einer umfangreichen Bibliothek und hatte die Möglichkeit, an Fernlehrgängen teilzunehmen. Trotz seiner geringen Schulbildung schaffte er alle Prüfungen mit hervorragenden Ergebnissen. In diesen Jahren trat erstmals eine schmerzhafte Nierenerkrankung auf, die ihn sein ganzes Leben begleiten sollte.

Am 26. März 1916 erstach er einen Wärter, der ihn in besonderem Maße schikaniert hatte. Er wurde zum Tode verurteilt, aber nach aufopferungsvollem Kampf seiner Mutter von Präsident Woodrow Wilson zu lebenslanger Haft begnadigt. Stroud wurde von allen Mithäftlingen abgesondert in eine Einzelzelle verlegt. Zunächst beschäftigte er sich mit Malerei. Eines Tages fand er bei seinem Hofgang ein Nest mit drei jungen Spatzen, das der Sturm hereingeweht hatte. Es war der Beginn einer im amerikanischen Strafvollzug beispiellosen Karriere. Mit großer Geduld und Beobachtungsgabe widmete er sich der Pflege und Aufzucht von Kanarienvögeln. Nachdem erste Artikel in Fachzeitschriften erschienen, wurde man in Vogelkundlerkreisen auf ihn aufmerksam. Stroud schrieb mehrere ornithologische Bücher, die seinen Bekanntheitsgrad weiter erhöhten.

Strouts Gefängnisakte aus Alcatraz (19. Dezember 1942)

Hatte das Wachpersonal anfangs sein Hobby noch wohlwollend gefördert – es half, einen aggressiven Gewalttäter zu bändigen – wurden die intensiven Außenweltkontakte des prominenten Häftlings zunehmend argwöhnisch betrachtet. Allen Versuchen, dessen Privilegien zu beschneiden, begegnete Stroud mit durchdachten Gegenmaßnahmen, die von Briefkampagnen seiner Vogelfreunde bis zu einer Scheinehe reichten. Schließlich wurde der „Störenfried“ im Dezember 1942 nach 30 Jahren Haft in Leavenworth nach Alcatraz abgeschoben.

In Alcatraz und Springfield[Bearbeiten]

Zellentrakt in Alcatraz

Robert Stroud beschäftigte sich in Alcatraz hauptsächlich mit dem Studium von juristischen Fachbüchern. Möglichkeiten zur Vogelzucht gab es nicht. Dennoch wurde aus dem "Birdman" (engl.: „Vogelmann“) der „Birdman von Alcatraz“. In dem gleichnamigen Spielfilm wurde Strouds Geschichte 1962, ein Jahr vor seinem Tod, auf die Leinwand gebracht. Burt Lancasters Darstellung eines sanftmütigen, älteren Herren hatte allerdings nur wenig mit der Realität zu tun. Stroud selbst hat den Film nie gesehen, der Besuch des Films wurde ihm nicht gestattet.

Wegen seines angegriffenen Gesundheitszustands (und um ihn vor Mithäftlingen zu schützen, die noch einige Rechnungen offen hatten und ihn der Zusammenarbeit mit dem Wachpersonal bezichtigten) lebte er permanent im Krankenrevier. 1959 wurde er aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands in das Gefängnis von Springfield, Missouri verlegt, wo er am 21. November 1963 nach ununterbrochenen 54 Jahren Haft starb.

Schriften[Bearbeiten]

  • Stroud's Digest on the diseases of birds. T.F.H. Publication, London 1964
  • Diseases of Canaries. TFH Pubns, US 1966, ISBN 0-87666-436-2.

Literatur[Bearbeiten]

Biografie (deutsch 1957: „Sehet die Vögel unter dem Himmel“)
  • Leon „Whitey“ Thomson: Rock Hard (Simon & Schuster, New York)
Es wird das Leben auf Alcatraz aus Sicht eines Mithäftlings geschildert