Roberto Blanco

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Roberto Blanco mit seiner späteren Ehefrau Luzandra, 2012

Roberto Zerquera Blanco[1][2] (* 7. Juni 1937 in Tunis, Tunesien) ist ein kubanisch-deutscher Schlagersänger, Schauspieler, Synchronsprecher und Unterhaltungskünstler. Er wurde vor allem Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre mit Titeln wie Heute so, morgen so, Ich komm’ zurück nach Amarillo, Ein bißchen Spaß muß sein und Der Puppenspieler von Mexiko bekannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roberto Zerquera Blanco wurde 1937 in Tunis als Sohn des kubanischen Folklore- und Varieté-Künstlers Alfonso Zerquera und dessen Ehefrau, der kubanischen Tänzerin und Sängerin Mercedes Blanco, geboren. Seine Mutter starb, als er zwei Jahre alt war. Er wuchs in Beirut in einem Internat, wo er als einziger Junge unter hunderten Mädchen von Nonnen erzogen wurde,[3] und in Madrid auf. Nach der Schulzeit begann er in Madrid ein Medizinstudium, das er aber nach zwei Semestern abbrach. 1956 kam er mit seiner Familie nach Deutschland.

1957–1979: Erste Erfolge und Durchbruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roberto Blanco, 1972

1957 spielte Roberto Blanco in Alfred Weidenmanns Kriegsfilm Der Stern von Afrika in einer Nebenrolle als Mathias mit. Im selben Jahr gewann er den ersten Preis bei dem Talentwettbewerb Gib dem Nachwuchs eine Chance, bei dem er sich gegen 1800 Konkurrenten durchsetzte.[3] Seine Gesangskarriere begann er bei Josephine Baker. 1958 sang er einen Schlager in dem deutschen Revuefilm Bühne frei für Marika mit Marika Rökk. 1969 gewann er die Deutschen Schlager-Festspiele mit dem Titel Heute so, morgen so. 1971 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft und gab im Gegenzug seinen kubanischen Pass ab.[4]

In der Folgezeit veröffentlichte Blanco mehrere Schlagerschallplatten und hatte 1972 mit Ein bißchen Spaß muß sein des Komponisten Christian Bruhn und Der Puppenspieler von Mexiko seine größten Erfolge. Wiederholt war er Gast in Musiksendungen des Fernsehens, darunter mehrmals in der ZDF-Hitparade. 1973 erhielt er eine eigene Fernsehshow mit dem Titel Heute so, morgen so.

Blanco bewarb sich mehrmals beim Eurovision Song Contest: 1970 wurde er Fünfter der deutschen Vorentscheidung mit Auf dem Kurfürstendamm sagt man Liebe, 1973 belegten seine Titel Ich bin ein glücklicher Mann und Au revoir, auf Wiedersehen die Plätze 4 und 11; 1979 schließlich wurde er Vierter mit Samba si! Arbeit no!. 1976 gab es die Roberto Blanco Show, die am 21. Dezember 1976 eine Einschaltquote von 49 Prozent erreichte.[5]

1980–1999: Fernsehshows und Stimmungslieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1980 wurde Blanco mit der Spielshow Noten für zwei, die er zusammen mit Elisabeth Volkmann moderierte, Nachfolger von Rudi Carrells Am laufenden Band. Die Sendung wurde 1982 nach vier Folgen auf seinen eigenen Wunsch abgesetzt. Weitere Sendungen mit Blanco waren Roberto – Ein Abend mit Roberto Blanco und Musik ist meine Welt (beide im Ersten). 1986 ging er erstmals nach Kuba, wo er 1987 als erster ausländischer Künstler einen eigenen Show-Block in der Tropicana-Revue in Havanna erhielt.[6]

In den 1990er Jahren trat er zusammen mit Tony Marshall mit Stimmungsliedern auf. Einer ihrer größten gemeinsamen Hits war Resi bring Bier, eine deutsche Version des Titels Crazy for You von David Hasselhoff. Der MDR widmete ihm 1997 eine Jubiläumssendung, in der die ihn im Mambotanz bezwingende Startänzerin Marlène Charell, aber auch ihr Ehemann Roger Pappini, Peter Kraus und andere Prominente auftraten. 1994 war er auch als Produzent tätig. Es erschien das Album Por tu amor mit Liedern in seiner spanischen Muttersprache und mit Musikern aus Südamerika. 1996 gastierte er auf Lotto King Karls Single Da ist die Tür. Er ist auch häufig zu Gast bei Schlager-Oldie-Veranstaltungen, so etwa beim jährlichen Schlager-Festival von Radio Bremen, bei dem er seine eigenen Hits darbietet und Kollegen präsentiert.

Seit 2000: Weitere Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2004 war Blanco in der Jury der RTL-Show Star Duell. 2008 spielte er in dem Film 1½ Ritter – Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde einen Kleinkriminellen im Mittelalter, der auch seinen Namen trägt. 2011 synchronisierte er in dem Film Rio den Riesentukan Rafael und veröffentlichte mit Du lebst besser, wenn Du lachst ein neues Album. Im August 2011 trat er als Gast zusammen mit der Thrash-Metal-Band Sodom bei Wacken Open Air 2011 auf und sang Metal-Versionen von Ein bißchen Spaß muß sein und Amarillo. Der Auftritt war Teil einer Kampagne gegen Alzheimer.[7]

Von Oktober bis Dezember 2012 spielte Blanco die Rolle des selbstverliebten Fernsehmoderators Heinz Wäscher in Hape Kerkelings Musical Kein Pardon im Capitol-Theater Düsseldorf. 2013 veröffentlichte er zusammen mit dem DJ- und Rapper-Duo Finger & Kadel die Single Ein bisschen Spaß muss sein, eine Neuinterpretation seines Schlagers mit Elementen von Electronic Dance und Hip-Hop. Im Dezember 2013 nahm er gemeinsam mit seiner Frau Luzandra Strassburg an der RTL-Realityshow Der VIP-Bus – Promis auf Pauschalreise teil.

2014 nahm er, ähnlich wie Matthias Reim vor ihm, seine eigene finanzielle Situation aufs Korn und produzierte aus seinem bekanntesten Hit zusammen mit der Werbeagentur Jung von Matt für die Autovermietung Sixt ein Video mit dem Titel Ein bisschen spar’n muss sein.[8] 2014 synchronisierte er in der Filmfortsetzung Rio 2 – Dschungelfieber erneut den Riesentukan Rafael.

2016 veröffentlichte er gemeinsam mit Waterloo eine Neuaufnahme des Oldies Brauner Bär und Weiße Taube von Gus Backus, unter anderem in einer Dance-Version.[9] Im Mai 2019 bekam Blanco den Schlagerplanet Award 2019 für sein Lebenswerk verliehen.[10]

Im März 2021 wurde Roberto Blanco als „Germknödel“ verkleidet bei der Musikshow The Masked Singer Austria enttarnt. In den Videoclips zu den Songs Scheiß Wessis bzw. Scheiß Ossis der deutschen Punk-Rock-Band Die Toten Hosen und des deutschen Rappers Marteria, die im März 2022 im Internet ihre Premiere feierten, spielt Blanco eine Gastrolle als Teilnehmer einer Selbsthilfegruppe in der Turnhalle einer Nervenklinik.[11]

Politisches und soziales Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blanco ist Ehrenmitglied der CSU. Die Partei ehrte damit sein künstlerisches Werk.[12] Er engagiert sich für Obdachlose und Kinder, beispielsweise durch Patenschaften bei World Vision Deutschland oder Unterstützung des Projektes Ärzte ohne Grenzen.[13]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roberto Blanco, 2017

Nach eigenen Angaben spricht Blanco sieben Sprachen.[14]

Er hat zwei eheliche Töchter und einen Sohn (* 2001) aus einer außerehelichen Affäre.[15] Seine Tochter Patricia Blanco nahm 2009 an Big Brother und 2015 an Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! teil.

Die Scheidung von seiner Schweizer Ehefrau Mireille wurde nach fast 50 Ehejahren im Dezember 2012 rechtskräftig.[16] Im Jahr darauf heiratete er die Kubanerin Luzandra Strassburg.[15] Blanco wohnte ab 2015 für kurze Zeit in Mondsee im Salzkammergut in Oberösterreich[17] und ist Ende 2016 nach Ermatingen in die Schweiz umgezogen.[18][19]

1999 brachte Blanco Anekdoten in dem Buch Meine Vitalgeheimnisse heraus. 2017 erschien seine Autobiografie unter dem Titel Roberto Blanco. Von der Seele. Die Autobiografie.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles[20]
Twistin' mit Monika
  DE 47 01.03.1963 (2 Wo.)
Heute so, morgen so
  DE 10 01.08.1969 (5 Wo.)
Auf Liebe gibt es keine Garantie
  DE 38 01.12.1969 (2 Wo.)
Ich komm' zurück nach Amarillo
  DE 31 27.12.1971 (7 Wo.)
Der Puppenspieler von Mexiko
  DE 49 19.06.1972 (1 Wo.)
Ein bißchen Spaß muß sein
  DE 15 04.12.1972 (9 Wo.)
Der Clap Clap Song (The Clap Clap Song)
  DE 50 12.03.1984 (5 Wo.)
Resi, bring Bier (Tony Marshall & Roberto Blanco)
  DE 42 21.01.1991 (5 Wo.)
Born to be Alive (Disco Boys feat. RB)
  DE 62 02.07.2001 (3 Wo.)

Studioalben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1970: Heute so
  • 1972: Von Las Vegas nach Amarillo
  • 1973: Ein bißchen Spaß muß sein
  • 1979: Viva Roberto
  • 1982: Musik ist meine Welt
  • 1984: Por tu amor
  • 2003: E Viva la Musica
  • 2011: Du lebst besser, wenn Du lachst
  • 2013: Swinging New York
  • 2022: Jetzt erst recht!

Greatest Hits/Kompilationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1987: Ein bißchen Spaß muß sein – Roberto Blanco – 30 Jahre Show
  • 1997: Heute so, morgen so
  • 2000: Best of

Spezialausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1971: Weihnachten in aller Welt
  • 1973: Hallelujah heißt mein Lied – Spirituals und Gospelsongs in deutscher Sprache
  • 1999: Christmas In Cuba

Singles (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1957: Jesebell
  • 1957: Ob schwarz, ob weiß
  • 1963: Twistin’ mit Monika
  • 1968: Tschumbala-Bey
  • 1968: Jennifer
  • 1969: Heute so, morgen so
  • 1969: Auf Liebe gibt es keine Garantie
  • 1970: Auf dem Kurfürstendamm sagt man „Liebe“
  • 1970: San Bernadino
  • 1971: Las Vegas
  • 1971: Ich komm' zurück nach Amarillo
  • 1972: Der Puppenspieler von Mexiko
  • 1972: Ein bißchen Spaß muß sein
  • 1973: Ich bin ein glücklicher Mann
  • 1973: Pappi, lauf doch nicht so schnell
  • 1974: In El Paso
  • 1976: Bye Bye, Fräulein
  • 1977: Morgen sind wir reich
  • 1978: Porompompom
  • 1978: Hey Mama Ho
  • 1978: Viva Maria
  • 1978: Wer trinkt schon gern den Wein allein
  • 1979: Der Clap Clap Song
  • 1979: Samba si! Arbeit no!
  • 1979: Am Tag, als es kein Benzin mehr gab
  • 1980: Rock ’n’ Roll ist gut für die Figur
  • 1981: Humanaho (Alle Menschen sind Brüder)
  • 1982: Karneval (mit den Mainzer Hofsängern)
  • 1990: Resi bring Bier (mit Tony Marshall)
  • 1992: Limbo auf Jamaika (mit Tony Marshall)
  • 1996: Da ist die Tür (feat. Lotto King Karl)
  • 1999: Last Christmas (mit Luis Frank y su Traditional Habana)
  • 2001: Born to Be Alive (mit The Disco Boys)
  • 2004: Ein bißchen Spaß muß sein (neue Version mit Captain Jack)
  • 2009: Quando, Quando, Quando (mit Piero Esteriore)
  • 2013: Ein bisschen Spaß muss sein (feat. Finger & Kadel)
  • 2016: Brauner Bär und weiße Taube (mit Waterloo)
  • 2017: Eina geht no rein
  • 2022: Lass dir die Freude nicht verderben

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roberto Blanco: Meine Vitalgeheimnisse. Modul-Verlag, Wiesbaden um 1999, ISBN 3-9806679-3-6.
  • Roberto Blanco: Roberto Blanco. Von der Seele. Die Autobiografie. Plassen Verlag, Kulmbach 2017, ISBN 978-3-86470-540-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Roberto Blanco – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Roberto Blanco im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  2. Roberto Blanco: Ich habe mehr Menschen glücklich gemacht als jeder Politiker. Interview mit Marie von Baumbach. In: Planet Interview, 7. Juni 2012.
  3. a b Jean-Pierre Ziegler: Mein Versuch, mit Roberto Blanco über Rassismus zu sprechen. In: Der Spiegel. Nr. 49, 2020 (online).
  4. André Wesche: Schlagerlegende Roberto Blanco wird 85 - das macht er an seinem Geburtstag nn.de vom 7. Juni 2022, abgerufen am 13. Juni 2022 (mit Barriere), Print-Version: Nürnberger Nachrichten vom 7. Juni 2022, S. 21
  5. ZDF-Jahrbuch 1976
  6. Roberto Blanco wird 75 Jahre – und feiert im Familienkreis. In: DerWesten. 6. Juni 2012, abgerufen am 29. August 2018.
  7. Roberto und Sodom rocken gegen Alzheimer. wacken.com
  8. Selbstironischer Roberto Blanco mit Rap-Video für Sixt auf YouTube. Abendzeitung München; abgerufen am 14. August 2014.
  9. Brauner Bär und Weiße Taube – Waterloo & Roberto Blanco (2016). In: waterloo.at. Abgerufen am 2. August 2016.
  10. Schlagerplanet Award 2019 – Die Gewinner. Abgerufen am 14. Mai 2019.
  11. Alexandra Michels: Die Toten Hosen – „Scheiss Wessis“-Video veröffentlicht. Rock Hard, News, 25. März 2022
  12. Heike Vowinkel: „Meine Hautfarbe hat mir Glück gebracht“ In: Die Welt vom 3. November 2008
  13. Roberto Blanco heiratet seine Freundin Luzandra! schlagerportal.com
  14. Aussage Roberto Blanco bei Minute 12:30 in Die Geschichte eines Abends. ARD Mediathek, 24. September 2016
  15. a b Schweizer Ex-Frau ist bitter enttäuscht von ihm. Schweizer Illustrierte, 20. September 2013, abgerufen am 4. Juni 2017
  16. Endlich frei für Luzandra: Roberto Blanco ist geschieden, Hamburger Abendblatt, 17. Dezember 2012.
  17. Roberto Blanco: Taschenpfändung bei Schlagernacht. tz.de, 23. März 2014, abgerufen am 16. Januar 2015
  18. Peter Exinger: Roberto Blanco: «Die Schweiz ist mein Schlafzimmer». In: tagblatt.ch. 7. Oktober 2017, abgerufen am 29. November 2017.
  19. Veronika Fischer: «Es ist schön, gegrüsst zu werden». In: kreuzlinger-zeitung.ch. 10. November 2017, abgerufen am 29. November 2017.
  20. Charts DE