Roberto Calasso

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1991

Roberto Calasso (* 30. Mai 1941 in Florenz) ist ein italienischer Essayist und kulturphilosophischer Schriftsteller, dessen wichtigste Werke in mehrere europäische Sprachen übersetzt vorliegen. Er ist außerdem Geschäftsführer des Verlages Adelphi in Mailand.

Leben[Bearbeiten]

Calasso studierte an der Universität Rom Englische Literatur und wurde von Mario Praz mit einer Untersuchung über Die Hieroglyphen von Sir Thomas Browne promoviert. Nach dem Tod von Roberto Bazlen 1965, der 1962 zusammen mit Luciano Foà – sozusagen als Sezession des Einaudi Verlags – in Mailand das Verlagshaus Adelphi gegründet hatte, trat Calasso an Foàs Stelle und war seit 1971 geschäftsführender Direktor. Als eines der ersten Projekte des jungen Verlages wurde die italienische Version der von Giorgio Colli und Mazzino Montinari erarbeiteten kritischen Edition der Werke Friedrich Nietzsches in Angriff genommen. Für seine Verdienste um das Werk Nietzsches in Italien wurde Calasso 1998 der Premio Nietzsche verliehen. 2008 wurde er mit dem Wissenschaftspreis der Aby-Warburg-Stiftung ausgezeichnet.

Calasso ist mit der Schriftstellerin Fleur Jaeggy verheiratet und lebt in Mailand.

Werk[Bearbeiten]

Calasso hält in seinen größeren Werken „kunstvoll das Gleichgewicht zwischen Literatur und Essay. Assoziativ ein Bild an das nächste reihend entfaltet er seine Sicht der griechischen Mythologie (in Die Hochzeit von Kadmos und Harmonia), der indischen Vorstellungswelt (in Ka) und der modernen europäischen Literatur (in Der Untergang von Kasch)“. [1] In seinem anschließenden Werk Die Literatur und die Götter versucht Calasso schließlich eine Engführung von griechischer und indischer Mythologie und jener Literatur der europäischen Moderne, die er als „absolute“ bezeichnet (zunächst Hölderlin und Friedrich Schlegel, dann Baudelaire, Lautréamont, Nietzsche, Benn)

Eine Besonderheit von Calassos schriftstellerischer Produktion sind die Waschzettel, die er für hunderte von Adelphi-Titeln verfasst hat. Weil sie nicht übliche Werbung sind, sondern, wie ein Rezensent schrieb, Texte „vom Feinsten, was sich auf der Länge zweier Druckseiten zu funkelnden Mikroerzählungen verdichten lässt“, wurde zum 40-jährigen Jubiläum des Verlages Adelphi eine Auswahl von hundert dieser Miniaturen in einem Band herausgegeben. [2]

Schriften[Bearbeiten]

  • Die geheime Geschichte des Senatspräsidenten Dr. Daniel Paul Schreber. (1974) Aus dem Ital. von Reimar Klein. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1980 ISBN 3-518-11024-1
  • Die Hochzeit von Kadmos und Harmonia. (1988) Aus dem Ital. von Moshe Kahn. Frankfurt/M., Leipzig: Insel-Verlag 1993 ISBN 3-458-33176-X
  • Der Untergang von Kasch. (1983) Aus dem Ital. von Joachim Schulte und Reimar Klein. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1997 ISBN 3-518-39925-X
  • Ka. (1996) Aus dem Ital. von Anna Katharine Fröhlich und Marianne Schneider. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1999 ISBN 3-518-41067-9
  • Die Literatur und die Götter. (2001) Aus dem Ital. von Reimar Klein. München: Hanser 2003 ISBN 3-446-20263-3
  • Die neunundvierzig Stufen. Essays. (1991) Aus dem Ital. von Joachim Schulte. München: Hanser 2005 ISBN 3-446-20567-5
  • Hundert Briefe an einen unbekannten Leser. (2003) Aus dem Ital. von Roland H. Wiegenstein. München: Hanser 2006 ISBN 978-3-446-20741-7
  • K. (2002) Aus dem Ital. von Reimar Klein. München: Hanser 2006 ISBN 978-3-446-20759-2
  • Das Rosa Tiepolos. (2006) Aus dem Ital. von Reimar Klein. München: Hanser 2010 ISBN 978-3-446-23576-2
  • Der Traum Baudelaires. (2008) Aus dem Ital. von Reimar Klein. München: Hanser 2012 ISBN 978-3-446-23998-2.[3]
  • Verschwindende Profile. Die Rolle des Verlegers und die Veränderungen des Verlagswesens. (2013) Aus dem Ital. von Reimar Klein. In: Lettre International, LI 100, Frühjahr 2013.

Ehrungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Art. Roberto Calasso. In: Gero von Wilpert: Lexikon der Weltliteratur. Fremdsprachige Autoren A–K. 4. Auflage. Stuttgart: Kröner 2004, S. 303 (Buchtitel hinzugefügt)
  2. Volker Breidecker: Roberto Calasso nobilitiert den Waschzettel. In: Süddeutsche Zeitung, 20./21. Dezember 2003 (Rezension des italienischen Originals von Hundert Briefe an einen unbekannten Leser)
  3. Von der Welle getroffen und für Augenblicke überflutet in FAZ vom 8. Februar 2013, Seite 33

Weblinks[Bearbeiten]