Robo-Advisor

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Robo-Advisor ist die Bezeichnung für eine Untergruppe von Unternehmen im Wirtschaftszweig Finanztechnologie. Die Bezeichnung ist ein Kofferwort, zusammengesetzt aus den englischen Wörtern Robot (Roboter) und Advisor (Berater); dementsprechend haben Robo-Advisors das Ziel, die Dienstleistungen eines traditionellen Finanzberaters zu digitalisieren und zu automatisieren.[1] Die meisten Robo-Advisor stützen Ihre Anlagestrategie auf regelbasierte Modelle zur Bestimmung der Portfoliostruktur, die dementsprechend überwacht und gegebenenfalls angepasst wird.

Als Finanzdienstleister betreiben Robo-Advisor ein erlaubnispflichtiges Gewerbe. Je nach Art der Dienstleistung sind unterschiedliche Genehmigungen erforderlich. Die Anlageberatung, Anlagevermittlung bzw. der Vertrieb von Finanzinstrumenten unterliegt grundsätzlich der Aufsicht, so in Deutschland der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)[2], in Österreich der Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) und in der Schweiz der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA. Beschränkt sich die Tätigkeit auf bestimmte Finanzinstrumente, wie z. B. zum öffentlichen Vertrieb zugelassene Fondsanteile, greift die Bereichsausnahme des § 2 Absatz 6 Satz 1 Nummer 8 Kreditwesengesetz (KWG) und es gelten die Bestimmungen nach § 34 (f) Gewerbeordnung (GewO) für Finanzanlagenvermittler sowie § 34 (h) Gewerbeordnung (GewO) für Honorar-Finanzanlagenberater[3]. Die Vermögensverwaltung erfordert nach § 32 Kreditwesengesetz (KWG) die Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). [4]

Entwicklung und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während funktional vergleichbare Software Vermögensverwaltern bereits vor der Jahrtausendwende zur Verfügung stand, ermöglichen Robo-Advisor nun mit Hilfe des Internets den Direktzugriff auf diese Funktionen durch Endkunden. Mit niedrigeren Einstiegshürden, niedrigeren Kosten und intuitiv bedienbaren Oberflächen wird so einem größeren Teil an Nutzern die Möglichkeit gegeben, eine solche Software zu verwenden.[5][6]

Robo-Advisor sind in den Vereinigten Staaten am verbreitetsten, aber auch in Europa und anderen Teilen der Welt sind mittlerweile verschiedene Angebote verfügbar. Ballungszentren stellen hier insbesondere das Silicon Valley und New York in den USA, sowie Großbritannien und Deutschland in Europa dar.[7]

Neben Robo-Advisors in Form von Tech-Startups entwickeln mittlerweile auch einige traditionelle Banken und Finanzdienstleister vergleichbare Angebote.

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die weltweit führenden Robo-Advisors stammen aus den USA. Das mit Abstand größte Anlagevermögen verwalten die Robo-Advisor von Vanguard ("Vanguard Financial Advisor Services", seit 2015[8]), gefolgt von Charles Schwab ("Schwab Intelligent Portfolios", seit 2015[9]) sowie den Startups Betterment (2008 gegründet), Wealthfront (2008) und Personal Capital (2009).

Großbritannien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bekanntesten Robo-Advisors sind Nutmeg (Start 2011), MoneyFarm (2011), Swanest (2014), Scalable Capital (2014), eVestor (2016) und Wealth Horizon.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den bekanntesten Robo-Advisors gehören die Startups A.IX Capital (Düsseldorf), Cashboard (Berlin), DeinAnlageberater.de (Traunstein), Easyfolio (Frankfurt a.M.), Ginmon (Frankfurt a.M.), growney (Berlin), Scalable Capital (München/London), LIQID (Berlin), Vaamo (Frankfurt a.M.), Visualvest (Frankfurt a.M.) und Whitebox (Weil am Rhein). Bankseitige Angebote sind unter anderem Fingeto (European Bank for Financial Services, Tochtergesellschaft von Comdirect/ Commerzbank) und Quirion (Quirin Bank).[10][11]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Robo-Advisor der Schweiz ist das VZ Finanzportal des Finanzdienstleisters VZ VermögensZentrum (Start 2010[12]). Weitere Anbieter[13] sind TrueWealth (2014, seit 2016 mit der Basellandschaftlichen Kantonalbank[14]), Descartes Finance (2015[15]), die UBS ("UBS Advice", 2015), die Glarner Kantonalbank ("Investomat", 2015)[16] und Bank Werthstein.

Verwaltetes Anlagevermögen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt belief sich das von Robo-Advisors verwaltete Anlagevermögen 2014, nach einer Studie von Corporate Insight, auf 19 Milliarden US-Dollar.[17]

Mit Vanguard, Schwab Intelligent Portfolios, Wealthfront und Betterment sind die größten Robo-Advisor in den USA beheimatet, während Nutmeg (Großbritannien) und Scalable Capital (Deutschland und Großbritannien) die führenden Anbieter in Europa sind. Das verwaltete Anlagevermögen der führenden Robo-Advisor (Stand: Februar 2017):[18]

Verwaltetes Anlagevermögen (in Millionen US Dollar)
Robo-Advisor Land Anlagevermögen
Vanguard USA 47.000
Schwab Intelligent Portfolios USA 10.200
Betterment USA 7.360
Wealthfront USA 5.010
Personal Capital USA 3.600
FutureAdvisor USA 808
Nutmeg GB 751
AssetBuilder USA 671
Wealthsimple CAN 574
Finanical Guard USA 454
Rebalance IRA USA 403
Scalable Capital DE, GB 125

Während A. T. Kearney in den USA bis 2020 einen Anstieg auf ein verwaltetes Anlagevermögen von 255 Milliarden Dollar prognostiziert,[19] rechnet BI Intelligence bis zu diesem Zeitpunkt global mit 8,1 Billionen Dollar.[20]

Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robo-Advisor basieren grob auf zwei verschiedenen Ansätzen: zum einen wird dem Kunden ein fixes Portfolio aus Indexfonds (ETF's) vermittelt. Die Gewichtung der verschiedenen Anlageklassen bleibt dabei immer gleich (statische Asset-Allocation). In regelmäßigen Abständen wird das Portfolio rebalanciert. Zum anderen wird in dynamische Ansätze unterschieden. Hier passen die Robo-Advisor das Portfolio der aktuellen Marktsituation an. Die Anpassung erfolgt mittels mathematischer Algorithmen. Allen Ansätzen gemeinsam ist (üblicherweise über einen Fragebogen) Ermittlung der Risikoneigung des Kunden. Darauf basierend wird das Portfolio erstellt. Das Portfolio wird anschließend überwacht, um das Investment im vorher definierten Risikobereich zu halten. Die Anbieter unterscheiden sich dabei oftmals in der Häufigkeit und dem Umfang, in dem derartige Anpassungen erfolgen.[21]

Bei der Erstellung der Portfolios wird häufig auf Exchange-traded fund (ETF) oder Indexfonds gesetzt, da diese eine kostengünstige, schnell umsetzbare Diversifikation ermöglichen.[22]

Die aktuell am Markt befindlichen Robo-Advisor lassen sich grob in drei Kategorien einteilen:

  1. Beratungstools: Bei dieser Form wird lediglich eine Software angeboten, um ein geeignetes Portfolio für den Nutzer zu ermitteln. Der Kauf der Portfoliobestandteile muss der Nutzer jedoch selbstständig übernehmen.
  2. Fondslösungen: Der Anbieter bündelt vorab erstellte Portfolios in einem Dachfonds, den der Kunde über die Börse erwerben kann.
  3. Verwaltete Depots: Robo-Advisor dieser Kategorie haben das umfassendste Angebot. Für den Kunden wird ein Portfolio ermittelt und die Anlage dann entsprechend im Depotkonto einer Partnerbank umgesetzt und überwacht.

Da Robo-Advisor selbst meist keine eigene Banklizenz besitzen, agieren sie oftmals in Zusammenarbeit mit einer Partnerbank. Die Partnerbank führt dabei das Depot, in dem die Vermögenswerte gehalten werden, und führt die Transaktionen durch. Das angelegte Geld unterliegt daher als Sondervermögen dem Schutz vor fremdem Zugriff.

Regulierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Vereinigten Staaten gelten Robo-Advisor als Investmentberater und müssen sich entsprechend bei der United States Securities and Exchange Commission (SEC) registrieren. In Deutschland wird unterschieden zwischen Finanzanlagenvermittlern und Vermögensverwaltern. Die meisten Robo-Advisor agieren als Finanzanlagenvermittler gemäß § 34f Gewerbeordnung (GewO). Sie dürfen Kundenportfolios nicht ohne Genehmigung des Kunden umschichten. Der strenger gefasste § 34h Gewerbeordnung (GewO) regelt den Tatbestand der Honorar-Finanzanlageberatung. Robo-Advisor mit dieser Erlaubnis dürfen sich nicht an einzelne Anbieter binden und dürfen keine Provisionen oder andere Vorteile von Produktanbietern oder Banken annehmen[23]. Einige Anbieter sind regulierte Vermögensverwalter und erfüllen die strengeren Vorgaben nach § 32 Kreditwesengesetz (KWG). Diesen ist erlaubt, Anlageentscheidungen direkt umzusetzen, ohne dazu vom Kunden aufgefordert zu werden bzw. sich dies jeweils vorab genehmigen lassen zu müssen.[4][24]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wie Robo Advisors die Krise meistern. Capital. Abgerufen am 2. Mai 2016
  2. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und Deutschen Bundesbank: Gemeinsames Informationsblatt der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und der Deutschen Bundesbank zum Tatbestand der Anlageberatung. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und Deutschen Bundesbank, Juli 2013, abgerufen am 14. Juli 2016.
  3. IHK für München und Oberbayern: Finanzanlagenvermittler und Honorar-Finanzanlagenberater. IHK für München und Oberbayern, abgerufen am 14. Juli 2016.
  4. a b Regulation von Fintechs Private Banker. Abgerufen am 2. Mai 2016
  5. The Rise of the Robo-Advisors – Should You Use One? Investorjunkie,abgerufen am 2. Mai 2016
  6. The Real Hidden Cost That Has Been Inhibiting Financial Planning For The Masses. Kitces.com, abgerufen am 2. Mai 2016
  7. Wealth Management Startups Crunchbase. Abgerufen am 2. Mai 2016
  8. Vanguard Introduces Personal Advisor Services, Pressemitteilung vom 5. Mai 2015
  9. Charles Schwab launches Schwab Intelligent Portfolios, Pressemitteilung vom 9. März 2015
  10. So gut sind vorgefertigte Portfolios von Internet-Beratern Finanztip. Abgerufen am 2. Mai 2016
  11. Patrick Junker: ÖKO-TEST Online. In: www.oekotest.de. Abgerufen am 31. Mai 2016.
  12. Vermögensaufbau mit ETF-Sparplänen, Interview mit Marc Weber, CEO der VZ Depotbank, im Punkt-Magazin, 3. August 2011
  13. Die Roboter erobern die Vermögensverwaltung, Finanz und Wirtschaft, 3. Februar 2016
  14. BLKB und True Wealth gehen strategische Partnerschaft ein Medienmitteilung vom 18. August 2016
  15. Descartes: Schweizer Fintech-Projekt im grossen Stil finews.ch, 15. Februar 2016
  16. Medieninformation der Glarner Kantonalbank Glarus, 27. Januar 2015
  17. Robo-Advisers Now Manage 21% More Money Than They Did 5 Months Ago Business Insider. Abgerufen am 2. Mai 2016
  18. Statista Personal Finance Report: Die USA sind führend bei Robo-Advisors. IT-Finanzmagazin. 16. Februar 2017. Abgerufen am 21. Februar 2017.
  19. Robo Advisers to Run $2 Trillion by 2020 if This Model Is Right Bloomberg. Abgerufen am 2. Mai 2016
  20. Here are the top 15 robo advisors making stock portfolio management easy in 2017. 3. Januar 2017. Abgerufen am 19. Februar 2017.
  21. A History of Robo-Advisors Futureadvisor. Abgerufen am 2. Mai 2016
  22. This is How Robo-Advisors Use ETFs Investopedia. Abgerufen am 2. Mai 2016
  23. Berufspflichten für Finanzanlagenvermittler und Honorar-Finanzanlagenberater. IHK Nürnberg für Mittelfranken, abgerufen am 12.8.2016.
  24. Vermögensberater oder Vermögensverwalter? Der feine Unterschied dasinvestment.de. Abgerufen am 18. Mai 2016