Robur (Lkw)

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Feuerwehr-Fahrzeug auf Basis eines Robur 1800 A
Robur LO 3000
Der Robur als Bus
Robur O611/D609 Prototypen 1975
Robur O611 Prototyp 1978

Der Robur ist ein Lkw-Typ der ostdeutschen VEB Robur-Werke Zittau. Während der mehr als 30-jährigen Bauzeit blieben Konstruktion und Äußeres weitgehend unverändert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fahrzeug wurde auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1961 zunächst als Robur LO 2500 mit einer Nutzlast von 2,5 t als Nachfolger des Robur Garant 30K vorgestellt. Bereits 1957 wurde der LO 2500 als Reiseomnibus präsentiert.[1] Der Frontlenker-Lkw mit 2,5 t Nutzlast war mit dem auf 70 PS gesteigerten luftgekühlten Vergasermotor des Vorgängers ausgerüstet. Als allradgetriebene Variante mit 1,8 t Nutzlast entstand der Robur LO 1800 A. Schon zur Neuvorstellung 1961 wurden Wünsche nach einer Vergrößerung der Nutzlast auf 3 Tonnen sowie nach einer weiteren Leistungssteigerung des Motors genannt, um den internationalen Entwicklungstendenzen folgen zu können. Zu Produktionsbeginn war der Robur jedoch ein moderner 2,5-Tonner, wie ein Vergleich mit dem Borgward B 622 aufzeigte.[2] Mit seiner konstruktiven Auslegung auch für Allradantrieb, der anspruchslosen Luftkühlung und den wahlweise verfügbaren Otto- oder Dieselmotoren bot der Robur ein eigenständiges Konzept, das auch in subtropischen Ländern geschätzt wurde. Bereits zur Leipziger Messe 1961 wurde ein Exportvolumen über 53 Mio. DM abgeschlossen.[3] Das Jahr 1966 markierte mit 7.000 gefertigten Lkw, von denen 4.500 exportiert wurden, einen Höhepunkt der bis dahin erfolgreichen Entwicklung. Wie die meisten Fahrzeughersteller der DDR wurden jedoch auch die Robur-Werke im Laufe der 1960er Jahre zunehmend vernachlässigt, weshalb die Fertigungskapazitäten nicht mehr weiter ausgebaut und Weiterentwicklungen nur noch in sehr begrenztem Umfang verwirklicht werden konnten.

Modellpflege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiterentwicklungen führten 1968 zu den Typen LO 2501 und LO 1801 A, äußerlich erkennbar am veränderten Kühlergrill ohne Typenschriftzug. Auch in der Folgezeit wurden gebrauchswertsteigernde Modifikationen durchgeführt, bis ab 1974 der LO 3000 mit 3 t Nutzlast vom Band lief. Er war die Basis für eine Vielzahl von Sonderausführungen. Eine Nutzlaststeigerung erfuhr auch die Allradvariante, die nunmehr als LO 2002A angeboten wurde. Ab 1964 war ein bereits 1959 angekündigter[4] Dieselmotor erhältlich, der jedoch 1973 aus dem Sortiment genommen wurde. Erst ab Herbst 1982 war wieder ein Diesel (Typ 4 KVD 12,5 SRL) im Angebot.[5] Weiterentwicklungen der LD/LO 3000-Reihe in den 1980er-Jahren richteten sich besonders auf die Erhöhung der Lebensdauer der einzelnen Baugruppen und die Anhebung auf international übliches Niveau. Diese Veränderungen, die teilweise auch die Allradtypen LD/LO 2202 A betrafen, führten zu den dieselgetriebenen Modellen LD 3001 und LD 3002, äußerlich erkennbar vor allem an den kleineren Rädern und der vergrößerten Spurweite. Die mit Vergasermotor ausgerüsteten LO-Varianten verloren an Bedeutung. Auf Basis des LO 1800 A, des LO 1801 A und des LO 2002 A entstanden auch LF-8-Löschgruppenfahrzeuge.

Die Baureihe LO/LD 3000 bestimmte nach der Erhöhung der Nutzmasse seit 1974 das Typenprogramm. Weitere Veränderungen gegenüber dem Vorgänger betrafen unter anderem leistungsgesteigerte Motoren, eine Kugelumlauflenkung und eine verbesserte Bremsanlage. In den Jahren 1972 bis 1979 war unter der Bezeichnung O611/D609 parallel zum Ludwigsfelder L 60 eine neue Fahrzeugkabine entwickelt worden. Die gesamtwirtschaftlichen Probleme der DDR und Entscheidungen der politischen Führung führten 1980 zur Aufgabe dieses Projektes. Daraufhin wurde Modellpflege betrieben.

Wiederum Veränderungen an den Bremsen und am Fahrwerk sowie ein Unterfahrschutz kennzeichneten ab 1984 die LO/LD 3001 und 3002, wobei letzterer erstmals kleinere Räder erhielt. Dadurch wurde die Beladung erleichtert. Die Typenbezeichnung LD 3001 war bereits 1978/1979 schon einmal vergeben worden – für ein erneutes Montageprojekt in Indonesien. Neben Rechtslenkung hatten diese Lkw auch Deutz-Dieselmotoren 4 FL 916 erhalten.

Robur LD 3004

Geplant war für 1990/91 beim LD 3003 die Umstellung des Verbrennungsverfahrens des Dieselmotors 4 VD 12,5/10-6 SRL auf Direkteinspritzung.[6] Die politische Wende in der DDR kam dem zuvor. Noch etwa ein Jahr nach der Wiedervereinigung fertigte Robur unter der Bezeichnung LD 3004 und LD 2004WD circa 350 Fahrzeuge mit dem luftgekühlten Deutz-Dieselmotor KHD F4L912F. Äußerlich ist der LD 3004 an der stark veränderten Frontmaske und dem Schriftzug Deutz Diesel auf der Tür erkennbar.[7] Insgesamt wurden von 1950 bis 1990 etwa 250.000 Phänomen-/Robur-Fahrzeuge gebaut.

Modelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fahrzeuge wurden zu verschiedenen Zwecken gebaut, von der rollenden Apotheke bis zum Kipper. Im Allgemeinen können unterschieden werden:

Allradfahrzeuge
  • normale Motorlage
    • Fahrzeug LO 1800 A/1801 A mit Luftgekühltem Ottomotor (Allrad)
    • Fahrzeug LO 2002 A mit 2 Tonnen Nutzlast (Allrad)
    • Fahrzeug LD 2002 mit 2 Tonnen Nutzlast und Luftgekühltem Dieselmotor
    • Fahrzeug LD 2202
    • Fahrzeug LD 2202 A ist die mit Dieselmotor ausgestattete zivile Variante des LO 2002 A
    • SAFARI-Modelle mit Modifikationen für den Export
    • Fahrzeuge mit geschlossenem Aufbau (MehrZweck)
Hinterachsgetriebene Fahrzeuge
  • vorverlegter Motor
    • Bus (B21): LD 3001 FR M2/B21
  • normale Motorlage
    • Kühlkoffer
    • Leichtkoffer
    • Pritsche
    • Mehrzweckfahrzeug: LO 3002 Fr M5/MZ 11

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftgekühlter Ottomotor LO[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn wurden die meisten Modelle mit dem Ottomotor ausgestattet. In den Fahrzeugen für den Sonderbedarf der Feuerwehren und der NVA wurde in der Regel ebenfalls ein Ottomotor verbaut. Von der damit verbundenen Typenbezeichnung LO leitet sich der Spitzname Ello ab. Da rein äußerlich nur schwer zu erkennen ist, ob in einem Robur ein Otto- oder Dieselmotor steckt, wurden umgangssprachlich alle Robur-Fahrzeuge als Ellos bezeichnet.

Bezeichnung LO4
4VO11,8/9,5SRL[8]
LO4/1
4VO11,8/9,5-1SRL[9]
LO 4/2
4VO11,8/9,5-2SRL[10]
Arbeitsweise Otto Otto Otto
Zylinderzahl 4, Reihe 4, Reihe 4, Reihe
Hub 118 mm 118 mm 118 mm
Bohrung 95 mm 95 mm 95 mm
Hubvolumen 3345 cm³ 3345 cm³ 3345 cm³
Verdichtungsverhältnis 6 : 1 6 : 1 6,4:1
Leistung 51,5 kW (70 PS) 51,5 kW (70 PS) 55,2 kW (75 PS)
bei 1/min 2800 2800 2800
max. Drehmoment 220 Nm 220 Nm 226 Nm
bei 1/min 1900 1900 1900
Treibstoffverbrauch (l/100km) 18 (Normverbrauch)
23 – 26 (Straßenverbrauch)[11]
o. A. o. A.
Serienproduktion ab 1961 ab 1967 ab 1973

Luftgekühlter Dieselmotor LD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinweis auf einen Dieselmotor liefert der Typenschriftzug und der Endschalldämpfer des Auspuffs. Nach den Erfahrungen der Ölpreiskrisen wurde für den zivilen Markt vorzugsweise der Dieselmotor verbaut, während der Ottomotor nur noch für den Sonderbedarf bereitstand. In dieser Zeit wurde auch die Umrüstung der älteren LO-Fahrzeugen mit Dieselmotoren vorangetrieben.[12]

Bezeichnung 4VD12,5/10SRL[13] 4VD12,5/10-3SRL[14] 4VD12,5/10-4SRL 4VD12,5/10-6SRL[6] DEUTZ Diesel
KHD F4L912F[15]
Arbeitsweise Diesel
(Wirbelkammer)
Diesel
(Wirbelkammer)
Diesel
(Wirbelkammer)
Diesel
(Direkteinspritzung)
Diesel
(Direkteinspritzung)
Zylinderzahl 4, Reihe 4, Reihe 4, Reihe 4, Reihe 4, Reihe
Hub 125 mm 125 mm 125 mm 125 mm 125 mm
Bohrung 100 mm 100 mm 100 mm 100 mm 102 mm
Hubvolumen 3927 cm³ 3927 cm³ 3927 cm³ 3927 cm³ 4086 cm³
Verdichtungsverhältnis 20 : 1 20 : 1 o. A. o. A. o. A.
Leistung 51,5 kW (70 PS) 50 kW (68 PS) 50 kW (68 PS) 57 kW (77 PS) 54 kW (73 PS)
bei 1/min 2600 2600 2600 2600 2500
max. Drehmoment 215 Nm 215 Nm 215 Nm 240 Nm 237 Nm
bei 1/min 1600 1600 1800 1800 1550
Treibstoffverbrauch (l/100km) 13 (Normverbrauch)
17 – 20 (Straßenverbrauch)[11]
o. A. o. A. o. A. o. A.
Serienproduktion ab 1964 ab 1982 ab 1986 abgebrochen ab 1991 (Zukauf)

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Robur leitet sich vom lateinischen Wort für Kraft bzw. Stärke ab und war erforderlich geworden, nachdem die Alteigentümer dem Zittauer Hersteller 1957 die Verwendung der Vorkriegsbezeichnung „Phänomen“ gerichtlich verbieten ließen.

1996 versuchte ein Rostocker Unternehmen knapp 1.300 demilitarisierte Robur-LKW nach Nordkorea zu exportieren.  Auf Drängen südkoreanischer Stellen untersagte ihm das Bundeswirtschaftsministerium nach einer ersten Teillieferung die Ausfuhr per Einzeleingriff.[16]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank-Hartmut Jäger: IFA-Phänomen und Robur in Zittau. Die Geschichte der Feuerlöschfahrzeuge auf Granit, Garant und LO. Feuerwehr-Archiv. Verlag Technik, Berlin 2001, ISBN 3-341-01322-9.
  • Hartmut Pfeffer: Phänomen/Robur. Geschichte eines Kraftfahrzeugwerkes und Dokumentation seiner Erzeugnisse 1888 – 1991. Band 1: 1888 bis 1945. Thon, Schwerin 2002, ISBN 3-928820-35-4.
  • Hartmut Pfeffer: Phänomen/Robur. Geschichte eines Kraftfahrzeugwerkes und Dokumentation seiner Erzeugnisse 1888 – 1991. Band 2: 1945 bis 1991. Thon, Schwerin 2002, ISBN 3-928820-36-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Robur vehicles – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neuer Reiseomnibus aus Zittau. In: Kraftfahrzeugtechnik 6/1957, S. 225.
  2. Weitere Einzelheiten des Robur-Frontlenkers. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1961, S. 374-379.
  3. Der neue Robur. In: Kraftfahrzeugtechnik 06/1961, S. 252-253.
  4. Kraftfahrzeugtechnik 12/1959, S. 492–493.
  5. Der VEB Robur-Werke Zittau. In: robur.de. Abgerufen am 14. Juni 2015.
  6. a b Hartmut Pfeffer: IFA-ROBUR 4 VD 12,5/10-6 SRL - Dieselmotor mit Direkteinspritzung. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1989, S. 266–267.
  7. ROBUR-Werke GmbH: ROBUR LD 3004. Werbeprospekt, 1991.
  8. VEB ROBUR-Werke Zittau:ROBUR Frontlenker LO 2500 und LD 2500. Werbeprospekt, 1961.
  9. VEB ROBUR-Werke Zittau:ROBUR LO/LD 2500. Werbeprospekt, 1967.
  10. VEB ROBUR-Werke Zittau:ROBUR LO 3000. Werbeprospekt, 1971.
  11. a b IFA – Traktoren und Fahrzeuge, 1964
  12. Hartmut Pfeffer: Information über Umbaurichtlinien für Robur-Fahrzeuge. In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1984, S. 347.
  13. VEB ROBUR-Werke Zittau: ROBUR Frontlenker LO 2500 und LD 2500. Werbeprospekt, 1961.
  14. VEB ROBUR-Werke Zittau:ROBUR Spezialfahrzeug LO 2002A/2202A und LD 2002A/2202A. Werbeprospekt, 1985.
  15. ROBUR-Werke GmbH: ROBUR LD 3004. Werbeprospekt, 1991.
  16. Wie ein ostdeutscher Unternehmer alte DDR-Lastkraftwagen nach Nordkorea verscherbelte, bis der Kanzler es ihm verbot: Das Geschäft mit Pjöngjang platzte. In: Berliner Zeitung. 19. August 1996, abgerufen am 27. November 2015.