Roderich Plate

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Roderich Plate, (* 22. Juli 1907 in Berlin; † 2. Oktober 1993 in Dießen am Ammersee) war Agrarmarktökonom, Mitherausgeber der Zeitschrift Agrarwirtschaft[1] und Berater der deutschen Bundesregierung.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plate wurde als Sohn eines Direktors des Preußischen Abgeordnetenhauses in Berlin geboren. Der Vater, der am Rande von Berlin einen kleinen Bauernhof unterhielt, machte seinen Sohn schon früh mit den praktischen Aufgaben der Landwirtschaft vertraut.

Nach einer landwirtschaftlichen Lehre betätigte er sich als Verwalter eines landwirtschaftlichen Betriebes in Bayern und begann 1929 das Studium an der damaligen Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin. Er wurde Schüler von Karl Brandt, der damals die landwirtschaftliche Marktlehre als Forschungs- und Lehrgebiet in Deutschland zu etablieren begann. Aus diesem neuen Fachgebiet wählte Plate 1933 sein Dissertationsthema: „Die Getreidekrisen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und in der Gegenwart“[2].

Nach seiner Promotion zum Dr. agr. wechselte Plate in das Statistische Reichsamt und war dort mit der Auswertung der Volks-, Berufs- und Betriebszählung beauftragt [3]. Der bereits als Student 1931 in die NSDAP eingetretene Plate erlebte einen beachtlichen Aufstieg zum Generaldirektor der Volkszählung im Statistischen Reichsamt. [4] Warum Plate nach 1942 als einfacher Soldat zum Kriegsdienst eingezogen wurde, ist bislang ungeklärt.

1948 wurde Plate als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das neu gegründete Institut für landwirtschaftliche Marktforschung an der Forschungsanstalt für Landwirtschaft „FAL“ in Braunschweig-Völkenrode berufen. Er rückte bald zum stellvertretenden Institutsdirektor auf und vertrat 1953 bis 1955 Arthur Hanau während dessen Freistellung für die Food and Agriculture Organization (FAO) in Rom. Als Hanau einen Lehrstuhl an der Universität Göttingen annahm, wurde Plate Ende 1955 zum Direktor und Professor des Völkenroder Instituts ernannt. Hier verstand er es, die günstigen Bedingungen für die Erforschung einer Vielzahl von Problemen landwirtschaftlicher Märkte zu nutzen und das Institut, besonders in personeller Hinsicht, weiter auszubauen.

1963 nahm Plate den Ruf an die Landwirtschaftliche Hochschule Hohenheim an, wo er das dortige Institut für Landwirtschaftliche Marktforschung begründete und bis zu seiner Emeritierung 1972 die Landwirtschaftliche Marktlehre vertrat.

Plate ist es neben Hanau vor allem zu verdanken, dass die deutsche landwirtschaftliche Marktforschung die in den 30er und 40er Jahren entstandenen Rückstände rasch wieder aufholen konnte und internationalen Anschluss fand. Mit seinen Marktanalysen und Vorschauen auf die Märkte tierischer Veredlungserzeugnisse hat er diesen Wissenszweig in der praktischen Landwirtschaft, der Agrarpolitik und der Wissenschaft zu Ansehen verholfen.

In rund 200 wissenschaftlichen Abhandlungen, teils unter Mitwirkung seiner Mitarbeiter, in Gutachten und Büchern hat Plate seine Untersuchungsergebnisse niedergelegt. Nahezu 20 Jahre war er Mitherausgeber der Zeitschrift „Agrarwirtschaft“, in der er regelmäßig seine Analysen und Vorschauen publizierte. Zeitweise hat er mit seinen Mitarbeitern die Hälfte der jeweiligen Monatshefte bestritten.

Plate war viele Jahre Mitglied und langjähriger Vorsitzender im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung in Bonn. Viele seiner Schüler verdanken ihre wichtige Funktion in der Deutschen Agrarverwaltung, der Europäischen Union, der FAO sowie der Wissenschaft und Industrie seiner preußisch strengen, jedoch immer menschlichen Anleitung und Führung.

Plate wurde 1960 mit dem Justus-von-Liebig-Preis ausgezeichnet; 1972 erhielt er seine Ehrenpromotion zum Dr. h. c. der Universität Göttingen, 1973 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland[5].

Wichtigste Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Weltgetreidemarkt nach dem zweiten Weltkrieg – Lage und Aussichten, H. f. ldw. Marktf., H. 4, 1950
  • Landwirtschaftliche Marktkunde für Schule und Praxis (mit W. Fischer u. F. Gleissner), 1956, 2. Aufl. 1964
  • Agrarmarktpolitik, Bd. 1, Grundlagen, 1968; Bd. 2, Die Agrarmärkte Deutschlands und der EWG, 1970; BLV Verlagsgesellschaft München; 3. überarbeitete Auflage 1984 unter Mitwirkung von Ewald Böckenhoff ISBN 3-405-12831-5

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theophil Gerber: Persönlichkeiten aus Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau und Veterinärmedizin. Biographisches Lexikon. NORA Verlagsgemeinschaft Dyck & Westerheide, Berlin, ISBN 3-936735-67-0
  • Manfred G. Raupp: Erwachsenenbildung auf dem Lande, dargestellt am Beispiel von 10 Gemeinden in Baden Württemberg. Diplomarbeit Universität Hohenheim, 1968
  • Manfred G. Raupp: Probleme des Agrarmarktes in Deutschland in der Landbaumann Ackerbauschule an der Universität Hohenheim. 1971
  • Manfred G. Raupp: Möglichkeiten der Prognose der Schlachtschweineproduktion. Hohenheimer Dissertation 1973

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Herausgeber der Zeitschrift Agrarwirtschaft (PDF; 666 kB)
  2. Literaturnachweis zur Dissertation von R. Plate (PDF; 323 kB)
  3. Literaturnachweis zur Veröffentlichung der Volks-, Berufs- und Betriebszählung
  4. Literaturnachweis Götz Aly und Karl Heinz Roth: The Nazi Census
  5. Bekanntgabe von Verleihungen des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. In: Bundesanzeiger. Jg. 25, Nr. 71, 11. April 1973.