Rodheim-Bieber

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Rodheim-Bieber
Gemeinde Biebertal
Wappen von Rodheim-Bieber
Koordinaten: 50° 37′ 17″ N, 8° 35′ 48″ O
Höhe: 191 (188–242) m ü. NHN
Fläche: 10,33 km²[1]
Einwohner: 5150[2]
Bevölkerungsdichte: 499 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 1970
Postleitzahl: 35444
Vorwahl: 06409
Rodheim-Bieber mit den Burgen Vetzberg und Gleiberg im Hintergrund
Rodheim-Bieber mit den Burgen Vetzberg und Gleiberg im Hintergrund

Rodheim-Bieber ist der größte Ortsteil der Gemeinde Biebertal im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rodheim-Bieber liegt am Ufer der Bieber, eines Nebenflusses der Lahn, etwa 7 km nordwestlich der Stadt Gießen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rodheim wurde zum ersten Mal um 1150 urkundlich unter dem Namen Rudeheim erwähnt.[1] Während Bieber im Laufe des 17. Jahrhunderts aus einigen Mühlen und einer Eisenhütte entstand deren erste Erwähnung auf das Jahr 1660 zurückgeht. Zu dieser Zeit musste zur Aufrechterhaltung des Hüttenbetriebes der Bieberhütte Eisenerz aus Wommelshausen angefahren werden[3]. Bieber war nie eine eigenständige Gemeinde noch hatte es eine eigene Gemarkung. Im Jahr 1854 gehörte Bieber zu 23 zu Fellingshausen und zu einem Drittel Rodheim. 1932 erfolgte die Eingemeindung nach Rodheim.[1]

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Rodheim:

„Rodheim (L. Bez. Giessen) evangel. Pfarrdorf; liegt an dem Bieberbach 112 St. von Giessen, hat mit von Bieber 150 Häuser und 827 Einwohner, die außer 1 Katholiken und 23 Juden evangelisch sind. – Nach dem Dorfe nannte sich eine Familie. Ernst von Rodheim und seine nächsten Verwandten trugen 1261, der Landgräfin Sophie die Burg Blankenstein zu Lehen auf. Ludwig von Rodheim war 1352 Burgmann zu Königsberg. Rodheim war zwischen Hessen und Nassau gemeinschaftlich, wurde aber bei der 1585 vorgenommenen Abtheilung ausschließend Hessisch.“[4]

Die Gemeinde Rodheim a. d. Bieber wurde im Jahr 1954 in Rodheim-Bieber umbenannt.[5] Im Jahr 1970 wurde Rodheim-Bieber mit den bis dahin ebenfalls unabhängigen Gemeinden Vetzberg, Fellingshausen, Königsberg und Krumbach zur Gemeinde Biebertal zusammengeschlossen. Frankenbach folgte dann 1977.

Von 1898 bis 1963 verkehrte hier die Biebertalbahn, „Bieberlieschen“ genannt, eine schmalspurige Kleinbahn zum Transport von Personen und Eisenerz.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierte die selbstständige Gemeinde Rodheim-Bieber am 1. Dezember 1970 freiwillig mit den Gemeinden Fellingshausen, Königsberg, Krumbach und Vetzberg zur neuen Großgemeinde Biebertal.[6][7] Für Rodheim-Bieber wurde wie für alle ehemals eigenständigen Gemeinden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.[8] Der Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Rodheim-Bieber.

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Rodheim-Bieber unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Rudeheim, de (um 1150) [Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 3, S. 313 f. Nr. 1337]
  • Rodeheim (1263)
  • Roddeheym under Foczberg (1428)
  • Rodheim-Bieber (1954) [Am 1. April 1954 Umbenennung aus Rodheim an der Bieber in Rodheim-Bieber]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Rodheim-Bieber lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][9][10]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Rodheim das „Landamt Gießen“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. „Stadtgericht Gießen“ war daher von 1821 bis 1866 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Rodheim zuständig war.

Nach der Abtretung des nordwestlichen Teil des Landkreis Gießen und mit ihm Rodheim an Preußen, infolge des Friedensvertrags vom 3. September 1866 zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen wurde Rodheim vom Stadtgericht Gießen abgetrennt.[16] Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung im vormaligen Herzogtum Nassau und den vormals zum Großherzogtum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[17] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Landgerichts in Amtsgericht Gladenbach und die Zulegung Rodheim zu diesem Gericht. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Dillenburg und das Appellationsgericht Wiesbaden.[18] Aufgrund des Gerichtsverfassungsgesetzes 1877 kam es mit Wirkung zum 1. Oktober 1879 zum Wechsel des Amtsgerichts in den Bezirk des neu errichteten Landgerichts Marburg.[19] Mit dem Wechsel Rodheim 1932 in den Kreis Wetzlar, wechselt es auch in den Bereich des Amtsgerichts Wetzlar. Am 1. August 1979 wechselt Rodheim mit der Gemeinde Biebertal zum Bereich des Amtsgerichts Gießen. Die übergeordneten Instanzen sind jetzt das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1791: 496 Einwohner[20]
• 1800: 571 Einwohner[21]
• 1806: 658 Einwohner, 121 Häuser[14]
• 1829: 827 Einwohner, 150 Häuser[4]
Rodheim(-Bieber): Einwohnerzahlen von 1791 bis 2011
Jahr  Einwohner
1791
  
496
1800
  
571
1806
  
658
1829
  
827
1834
  
824
1840
  
845
1846
  
899
1852
  
889
1858
  
941
1864
  
990
1871
  
1.024
1875
  
1.103
1885
  
1.268
1895
  
1.409
1905
  
1.706
1910
  
1.787
1925
  
1.934
1939
  
2.483
1946
  
3.336
1950
  
3.484
1956
  
3.589
1961
  
3.796
1967
  
4.159
1970
  
4.430
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
5.022
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Zensus 2011[22]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1829: 0803 evangelische, einen katholischen, 23 jüdische Einwohner
• 1885: 1236 evangelische, 4 katholische, 28 jüdische Einwohner
• 1961: 3093 evangelische (= 81,48 %), 606 katholische (= 15,96 %) Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl 2016 besteht der Ortsbeirat aus drei Vertretern der FW, zwei Vertretern der SPD, einem Vertreter der CDU und einem Vertreter der GRÜNEN. Ortsvorsteher ist derzeit Rainer Bodson (SPD).[23]

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 20. März 1968 wurde der Gemeinde Rodheim-Bieber im damaligen Landkreis Wetzlar ein Wappen und eine Flagge mit den folgenden Beschreibungen genehmigt.[24]

Wappen von Rodheim-Bieber
Blasonierung: „In Schwarz über einem rotbezungten und -bewehrten goldenen Biber eine goldene Hacke und eine goldene Axt schräggekreuzt.“

Bezüglich des Bibers handelt es sich um ein „redendes Wappen“.

Flaggenbeschreibung: „Zwischen schmalen roten Seitenbahnen eine breite goldene Mittelbahn, im oberen Drittel belegt mit dem Gemeindewappen.“

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grundschule
  • Georg-Kerschensteiner-Schule
  • Zwei Kindergärten
  • Zwei Bürgerhäuser
  • Gemeindeverwaltung
  • Hallenbad
  • Fünf Kinderspielplätze

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Rodheim-Bieber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Rodheim-Bieber, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 12. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Der Ortsteil im Internetauftritt der Gemeinde Biebertal (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive), abgerufen im September 2015.
  3. Ph. E. Klippstein: Mineralogische Briefe. Gießen 1781, S. 57.
  4. a b Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt August 1830, OCLC 312528126, S. 241 (Online bei google books).
  5. Änderung des Namens der Gemeinde Rodheim a. d. Bieber im Landkreis Wetzlar, Regierungsbezirk Wiesbaden vom 15. Februar 1954. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1954 Nr. 9, S. 199, Punkt 183 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,1 MB]).
  6. Zusammenschluß der Gemeinden Fellingshausen, Königsberg, Krumbach, Rodheim-Bieber und Vetzberg im Landkreis Wetzlar zu der neuen Gemeinde „Biebertal“ vom 13. November 1970. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1970 Nr. 48, S. 2254, Punkt 2253 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,6 MB]).
  7. Karl-Heinz Gerstemeier, Karl Reinhard Hinkel: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Hrsg.: Hessischer Minister des Inneren. Bernecker, Melsungen 1977, DNB 770396321, OCLC 180532844, S. 282.
  8. Hauptsatzung der Gemeinde Biebertal. (PDF; 22 kB) S. §5, abgerufen im Februar 2019.
  9. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  10. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 12 ff. (Online bei google books).
  11. Die Zugehörigkeit des Amtes Gießen anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  12. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, OCLC 165696316, S. 6 (Online bei google books).
  13. a b Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 27 ff., § 40 Punkt 6a) (Online bei google books).
  14. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 221 (Online in der HathiTrust digital library).
  15. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 413 (online bei Google Books).
  16. Art. 14 des Friedensvertrages zwischen dem Großherzogthum Hessen und dem Königreiche Preußen vom 3. September 1866 (Hess. Reg.Bl. S. 406–407)
  17. Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim vom 26. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1094–1103)
  18. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 26. Juni d. J. in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen, mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 218–220)
  19. Verordnung, betreffend die Errichtung der Amtsgerichte vom 26. Juli 1878 (PrGS 1878, S. 275–283)
  20. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 172 (Online in der HathiTrust digital library).
  21. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 181, 279 (Online in der HathiTrust digital library).
  22. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  23. Ortsbeiräte der Gemeinde Biebertal, abgerufen im September 2018.
  24. Genehmigung eines Wappens und einer Flagge der Gemeinde Rodheim-Bieber, Kreis Wetzlar, Regierungsbezirk Wiesbaden vom 20. März 1968. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1968 Nr. 15, S. 611, Punkt 459 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,0 MB]).
  25. Ev. Kirchengemeinde Rodheim-Vetzberg: Die evangelische Kirche in Rodheim, abgerufen am 19. Oktober 2012