Rodheim-Bieber

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Rodheim-Bieber
Gemeinde Biebertal
Koordinaten: 50° 37′ 17″ N, 8° 35′ 48″ O
Höhe: 191 (188–242) m ü. NHN
Fläche: 10,33 km²[1]
Einwohner: 5150[2]
Bevölkerungsdichte: 499 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 1970
Postleitzahl: 35444
Vorwahl: 06409
Rodheim-Bieber mit den Burgen Vetzberg und Gleiberg im Hintergrund
Rodheim-Bieber mit den Burgen Vetzberg und Gleiberg im Hintergrund

Rodheim-Bieber ist der größte Ortsteil der Gemeinde Biebertal im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rodheim-Bieber liegt am Ufer der Bieber, eines Nebenflusses der Lahn, etwa 7 km westlich der Stadt Gießen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rodheim wurde zum ersten Mal um 1150 urkundlich unter dem Namen Rudeheim erwähnt.[1] Während Bieber im Laufe des 18. Jahrhunderts aus einigen Mühlen und einer Eisenhütte entstand deren erste Erwähnung auf das Jahr 1743 zurückgeht. Bieber war nie eine eigenständige Gemeinde noch hatte es eine eigene Gemarkung. Im Jahr 1854 gehörte Biber zu 23 zu Fellingshausen und zu einem Drittel Rodheim. 1932 erfolgte die Eingemeindung nach Rodheim.[1]

Die Gemeinde Rodheim an der Bieber wurde im Jahr 1954 in Rodheim-Bieber umbenannt. 1970 wurde Rodheim-Bieber mit den bis dahin ebenfalls unabhängigen Gemeinden Vetzberg, Fellingshausen, Königsberg und Krumbach zur Gemeinde Biebertal zusammengeschlossen. Frankenbach folgte dann 1977.

Von 1898 bis 1963 verkehrte hier die Biebertalbahn, eine schmalspurige Kleinbahn zum Transport von Personen und Eisenerz.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schloss sich die selbstständige Gemeinde Rodheim-Bieber am 1. Dezember 1970 mit weiteren Gemeinden zur neuen Gemeinde Biebertal zusammen.[3]

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Rodheim-Bieber unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Rudeheim, de (um 1150) [Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 3, S. 313 f. Nr. 1337]
  • Rodeheim (1263)
  • Roddeheym under Foczberg (1428)
  • Rodheim-Bieber (1954) [Am 1. April 1954 Umbenennung aus Rodheim an der Bieber in Rodheim-Bieber]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Rodheim(-Bieber) unterstand im Überblick:[1][4]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Rodheim das „Landamt Gießen“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfalle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtum Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. „Stadtgericht Gießen“ war daher von 1821 bis 1866 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Rodheim zuständig war.

Nach der Abtretung des nordwestlichen Teil des Landkreis Gießen und mit ihm Rodheim an Preußen, infolge des Friedensvertrags vom 3. September 1866 zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen wurde Rodheim vom Stadtgericht Gießen abgetrennt.[8] Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung im vormaligen Herzogtum Nassau und den vormals zum Großherzogtum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[9] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Landgerichts in Amtsgericht Gladenbach und die Zulegung Rodheim zu diesem Gericht. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Dillenburg und das Appellationsgericht Wiesbaden.[10] Aufgrund des Gerichtsverfassungsgesetzes 1877 kam es mit Wirkung zum 1. Oktober 1879 zum Wechsel des Amtsgerichts in den Bezirk des neu errichteten Landgerichts Marburg.[11] Mit dem Wechsel Rodheim 1932 in den Kreis Wetzlar, wechselt es auch in den Bereich des Amtsgerichts Wetzlar. Am 1. August 1979 wechselt Rodheim mit der Gemeinde Biebertal zum Bereich des Amtsgerichts Gießen. Die übergeordneten Instanzen sind jetzt das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1970 sind:[1]

  • 1834: 824 Einwohner
  • 1885: 1268 Einwohner
  • 1925: 1934 Einwohner
  • 1939: 2483 Einwohner
  • 1950: 3483 Einwohner
  • 1961: 3796 Einwohner
  • 1970: 4430 Einwohner
Rodheim(-Bieber): Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
824
1840
  
845
1846
  
899
1852
  
889
1858
  
941
1864
  
990
1871
  
1.024
1875
  
1.103
1885
  
1.268
1895
  
1.409
1905
  
1.706
1910
  
1.787
1925
  
1.934
1939
  
2.483
1946
  
3.336
1950
  
3.484
1956
  
3.589
1961
  
3.796
1967
  
4.159
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl 2016 besteht der Ortsbeirat aus vier Vertretern der FW, zwei Vertretern der SPD und einem Vertreter der CDU. Ortsvorsteher ist derzeit Rainer Bodson (SPD).[12]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 20. März 1968 wurde der Gemeinde Rodheim-Bieber im damaligen Landkreis Wetzlar ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Schwarz über einem rotbezungten und -bewehrten goldenen Biber eine goldene Hacke und eine goldene Axt schräggekreuzt.[13]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grundschule
  • Georg-Kerschensteiner-Schule
  • Zwei Kindergärten
  • Zwei Bürgerhäuser
  • Gemeindeverwaltung
  • Hallenbad
  • Fünf Kinderspielplätze

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rodheim-Bieber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Rodheim-Bieber, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 5. Juli 2017)
  2. Der Ortsteil im Internetauftritt der Gemeinde Biebertal, abgerufen im September 2015.
  3. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 282
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  5. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 172, 279 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 6 (online bei Google Books).
  7. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 413 (online bei Google Books).
  8. Art. 14 des Friedensvertrages zwischen dem Großherzogthum Hessen und dem Königreiche Preußen vom 3. September 1866 (Hess. Reg.Bl. S. 406–407)
  9. Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim vom 26. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1094–1103)
  10. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 26. Juni d. J. in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen, mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 218–220)
  11. Verordnung, betreffend die Errichtung der Amtsgerichte vom 26. Juli 1878 (PrGS 1878, S. 275–283)
  12. Ortsbeiräte der Gemeinde Bieber, abgerufen im Dezember 2016.
  13. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 20. März 1968 (StAnz. S. 611) Seite 3 der tif-Datei 3,98 MB
  14. Ev. Kirchengemeinde Rodheim – Vetzberg: Die evangelische Kirche in Rodheim, abgerufen am 19. Oktober 2012