Rodungsname

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Rodungsname nennt man in der Namenkunde der Orte (Toponomastik) ein Toponym, das sich auf eine Rodung bezieht. Sie sind in Europa in den mehreren Phasen der mittelalterlichen Landnahme entstanden.

Grundlagen[Bearbeiten]

Zahlreiche Orts- und Flurnamen weisen auf Landnahme durch Rodungen hin, und lassen sich in Toponomastik und Namenforschung zeitlich zuordnen:[1]

Liste von Rodungsnamen[Bearbeiten]

(Abkürzungen: ahd. = althochdeutsch, mhd. = mittelhochdeutsch, hd. = hochdeutsch, mnd. = mittelniederdeutsch, nd. = niederdeutsch, od. = oberdeutsch):

Namen dieser Schicht sind der fränkischen Landnahme (5.–7. Jh.) im Westen zuzuordnen, und den anschließenden Erweiterungen des Frankenreiches auf Bayern, und später Österreich (Baiuwarische Landnahme) und Sachsen (jew. bis etwa zum 9. Jahrhundert)

Ebenfalls früh:

Im Hochmittelalter findet eine zweite Rodungswelle zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert statt:

In diese Zeit datieren lassen sich auch Brandrodungen – kann sich aber auch auf spätere Brandereignisse beziehen:

Seit dem 13. Jahrhundert bezeugt ist:

  • -grünGrünland, dem Wald abgerungen‘: im Vogt- und Egerland häufen sich solche Orte seit dem 13. Jh.

Aus dem slawischen kommen etwa:

  • svetla ‚Lichtung, Rodung‘: Zwettl

Auch Familiennamen als Wohnstättennamen leiten sich dann reich namensbildend von diesen Worten ab: z. B. Reuter, Reiter; Schwendener, Schwentner und zahlreiche ähnliche Formen und Zusammensetzungen.

Namen für bei Rodungen stehengebliebenem Wald:

Literatur[Bearbeiten]

Im Kompendien:

  • Adolf Bach: Deutsche Namenkunde. Band II, 1 und 2: Die deutschen Ortsnamen. Heidelberg 1953/54
  • Gerhard Bauer: Namenkunde des Deutschen. In: Germanistische Lehrbuchsammlung. Band 21. Bern 1985, ISBN 3-261-03205-7
siehe auch Literatur in Ortsname, Flurname

Regionales:

  • Peter Wiesinger: Ortsnamen und Siedlungsgeschichte im Salzkammergut. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins (JOM) 149a, S. 543–560 (pdf, landesmuseum.at).
  • Franz V. Zillner: Brand, Schwant, Maiß und Reut. Salzburgische Orts- und Güternamen, aus Urbarien gesammelt. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde (MGSLK) 18, 1878, S. 248–258 (ganzer Artikel, eReader, ANNO online).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Konrad Kunze: dtv-Atlas Namenkunde. S. 93 Herkunftsnamen nach Rodungsorten
  2. siehe insb. Grimm: Stock 1) truncus δ) stock und stein
  3. Eintrag Schlag V. 1. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig 1854-1960 (dwb.uni-trier.de)