Roger David Servais

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Roger David Servais, 2015, Foto: Toska Servais
Roger David Servais in New York, 1984 © Roger David Servais

Roger David Servais (* 1942 in Lüttich, Belgien) ist ein belgischer Maler, Zeichner, Bildhauer und Designer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgewachsen in Lüttich, Brüssel und Berlin nahm er 1961 an der Hochschule der Künste in Berlin (West) ein Studium der Malerei und des Designs auf. Als der sowjetische Sektor der Stadt durch die Berliner Mauer abgeriegelt wurde, heiratete er seine Freundin Waltraud Kolbow aus dem Ostteil der Stadt und lebte anschließend mit ihr in Berlin-Prenzlauer Berg. 1965 wurde die gemeinsame Tochter Marguerite geboren. Als belgischer Staatsbürger konnte er zwar weiterhin frei reisen, pendelte zwischen Brüssel und Berlin, war aber in der DDR Repressalien ausgesetzt. Als Künstler hatte er dort de facto Ausstellungsverbot. Er gestaltete Buchumschläge für verschiedene Verlage. Durch Vermittlung des Königs der Belgier, Baudouin, konnten seine Frau und seine Tochter erst 1973 die DDR verlassen und nach Belgien ausreisen. An der Hochschule der Künste West-Berlins setzte Roger David Servais 1974 sein 1963 zwangsweise unterbrochenes Kunststudium fort. Sein wichtigster Lehrer wurde der Bauhaus-Schüler Otto Hofmann. 1979 fand er Aufnahme in den Deutschen Künstlerbund. In den 1980er Jahren arbeitete Roger David Servais jeweils längere Zeit in Belgien, Frankreich, Israel, New York, Schweden und Italien. Ab 1990 engagierte er sich gemeinsam mit der Malerin und Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley für die Aufklärung über die Unterdrückung und Instrumentalisierung der Kunst in der DDR. Beide initiierten die von Klaus Schröder und Hannelore Offner herausgegebene, 2000 beim Berliner Akademieverlag erschienene Publikation: „Eingegrenzt – Ausgegrenzt: Bildende Kunst und Parteiherrschaft in der DDR 1961-1989.“[1] Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1998 Tosca Schmalenberg. Roger David Servais ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund.[2] Er lebt und arbeitet in Berlin und in Südfrankreich.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roger David Servais gilt als „europäischer Nonkonformist“.[3] Er ist ein figurativer Künstler, Maler, Zeichner, Bildhauer und Designer, der in seiner Arbeit durchaus gegensätzliche künstlerische Verfahrensweisen vereint – geometrische Abstraktion ebenso wie Aussageweisen des Symbolismus und Surrealismus. Seine Gemälde und Zeichnungen enthalten komplexe religiöse, historische, autobiographische oder gesellschaftliche Aussagen, die indirekt, subtil und teils verschlüsselt vermittelt werden. Eine besondere Rolle spielen einzelne Buchstaben, die Zusammenhänge eher andeuten als deutlich bezeichnen; auch die Farben sind in die Bildaussage einbezogen. Von großer Bedeutung ist das Verhältnis von Form und Fläche.

Bilder (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1979–1984: Künstlerbund-Ausstellung, Große Kunstausstellung, München
  • 1981: Neue Darmstädter Secession, Darmstadt
  • 1983: ADAC-Ausstellung, München
  • 1984: Galerie Slominsky, Mülheim an der Ruhr
  • 1985: Kunsthaus Hamburg
  • 1985: Kunstverein Stuttgart
  • 1986: Galerie Jacob, Oldenburg
  • 1986: Neue Gruppe München
  • 1987: Kunstpreis der Stadt Kirchheim
  • 1987: Galerie Lietzow, Berlin
  • 1990: Künstlerbundausstellung Berlin
  • 1991: Goethe-Institut, Brüssel
  • 1991: Galerie Niepel, Düsseldorf
  • 1992: Usedomer Kunstverein, Galerie Pankow
  • 1994: Künstlerbundausstellung, Galerie Niepel, Düsseldorf
  • 1995: Galerie auf Zeit, Berlin
  • 1999: Jüdische Visionen in Berlin
  • 2004: Berliner Bank, Berlin
  • 2005: Galerie Thomas Günther, Berlin
  • 2009: Kunstpavillon Heringsdorf
  • 2012: Schaffens(t)räume: Atelierbilder und Künstlermythen in der DDR, Gera
  • 2016: Roger David Servais: Kommunale Galerie Pankow, Berlin
  • 2016: Ende vom Lied: Künstlerhaus Bethanien, Berlin

Museen und öffentliche Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustrationen und Graphikeditionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lászlo Bóka: Graf Dénes: Roman. Linolschnitte von Roger Servais, Berlin: Verlag Volk und Welt, 1969.
  • Teweleit, Horst Lothar (Hg.): Taufiq al Hakim: Von Wundern und heller Verwunderung und von denen, die es mit Himmel und Hölle halten, mit Illustrationen von Roger Servais, Berlin: Rütten & Loening 1970.
  • Gerd Henniger: Spiegel im Spiegel. Szenen einer Kindheit. Sechs Radierungen von Roger David Servais, Berlin: Mariannenpresse, 1995, ISBN 3-922510-80-9.
  • Schollak, Sigmar, Roger Servais (Illustrationen): Tätowierungen: Aphorismen und Epigramme. eingeleitet von Günter Kunert, Berlin: Weidler, 1987, ISBN 3896931024.
  • Tarlatt, Ulrich (Hg.): Die Farbe Schwarz. Halle: Edition Augenweide, 1999.
  • Thomas Günther (Hg.): Günter Kunert (Texte), Roger David Servais (Illustrationen): Vertrieben aus Eden. Berlin, Edition Galerie auf Zeit, 2002.
  • Henryk Bereska: Burgschreiber zu Beeskow: Märkische Streifbilder. Berlin: Aphaia Verlag, 2003, ISBN 3926677406.
  • Roger David Servais: Erinnerungen an Robert Rehfeldt. in: Lutz Wohlrab (Hg.): Robert Rehfeldt: Kunst im Kontakt, Berlin: Wohlrab, 2009, S. 27, ISBN 9783981429602.

Ausstellungskataloge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christine Gaspar: Een knipoog naar de Anekdote, in: Regenberg, Anton, Claudia Hahn-Raabe, Christine Gaspar, Roswitha Meulemann (Hg): Berlin-Brüssel 1984 Tag für Tag: Ein Rückblick,
  • Kat. Ausst. Brüssel: Goethe-Institut, 1984, S. 118
  • Konfrontationen 1,2,3. Kat. Ausst. Hamburg, Kunsthaus Hamburg, 1985
  • Roger David Servais: Bilder, Gouachen, Zeichnungen 1967–1987, Berlin, Galerie Lietzow, 1987
  • Roger David Servais: Neue Bilder und Zeichnungen, Kat. Ausst. Oldenburg, Galerie Brigitta Jacob, 1985
  • Der Deutsche Künstlerbund in Berlin 1990: 38. Jahresausstellung, Kat. Ausst. Berlin, 1990
  • Roger David Servais, Annette Krohn: Roger David Servais, Bilder und Gouachen, Berlin, Kulturamt Pankow, 1992
  • Berlin, Meshulash (Hg.): DAVKA: Jüdische Visionen in Berlin, Kat. Ausst. Berlin, 1999
  • Lutz Wohlrab (Hg.): Robert Rehfeldt: Kunst im Kontakt, Berlin: Wohlrab, 2009
  • Schaffens(t)räume: Atelierbilder und Künstlermythen in der ostdeutschen Kunst, Kat. Ausst. Gera, Kunstsammlung Gera in der Neuen Orangerie, 2012/2013, S. 102
  • Roger David Servais: Ein Maler im Niemandsland zwischen Ost und Westberlin, Kommunale Galerie Pankow, Kat. Ausst. Berlin, 2016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Roger David Servais – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Danksagung der Herausgeber im Buch
  2. kuenstlerbund.de: Mitglieder "S" / Roger David Servais (abgerufen am 17. Februar 2016)
  3. Daniel de Vin über Roger David Servais im Faltblatt einer Einzelausstellung 3. April–15. Mai 1976 im Gemeinschaftshaus Gropiusstadt.