Roger Etchegaray

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Roger Etchegaray in Sarajevo, 2012

Roger Marie Élie Kardinal Etchegaray (* 25. September 1922 in Espelette, Frankreich) war Erzbischof von Marseille und ist ein emeritierter Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche. Seit 2005 ist er Subdekan des Kardinalskollegiums.[1]

Seit dem Tod von Franciszek Macharski im August 2016 ist Etchegaray der letzte noch lebende Kardinal des Konsistoriums vom Juni 1979 und damit der dienstälteste Kardinal.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roger Etchegaray, gebürtiger Baske, schloss sein Studium der Fächer Philosophie und Katholische Theologie mit dem Lizenziat in Theologie und einer Promotion in Kanonischem Recht ab. Am 13. Juli 1947 empfing er das Sakrament der Priesterweihe und wurde als Gemeindeseelsorger in seinem Heimatbistum Bayonne eingesetzt.

Ab 1961 wirkte er in verantwortlicher Position im Sekretariat der Französischen Bischofskonferenz und war an der Einrichtung des Sekretariats für Seelsorgefragen maßgeblich beteiligt. Am 4. August 1962 verlieh ihm Papst Johannes XXIII. den Ehrentitel Hausprälat Seiner Heiligkeit.[2] In den Jahren 1966 bis 1970 übernahm er bei der Französischen Bischofskonferenz die Aufgabe des Generalsekretärs.

Am 29. März 1969 ernannte ihn Papst Paul VI. zum Titularbischof von Gemellae in Numidia sowie zum Weihbischof in Paris. Am 27. Mai 1969 empfing er durch François Kardinal Marty die Bischofsweihe; Mitkonsekratoren waren der Erzbischof von Rennes, Paul Kardinal Gouyon und Kurienbischof Władysław Rubin. Ein Jahr darauf wurde Etchegaray Erzbischof von Marseille. 1971 wurde er erster Präsident des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen, was er bis 1979 blieb. 1975 wurde er als Nachfolger von Kardinal Marty Vorsitzender der Französischen Bischofskonferenz und versah dieses Amt bis 1981.

Am 30. Juni 1979 nahm ihn Papst Johannes Paul II. als Kardinalpriester mit der Titelkirche San Leone I. in das Kardinalskollegium auf, 1984 ernannte er ihn zum Präsidenten des Päpstlichen Rates „Cor Unum“ und des Päpstlichen Rates „Iustitia et Pax“. Die Leitung für „Cor Unum“ hatte Roger Etchegaray bis 1995 inne. 1994 bestimmte ihn der Papst zum Präsidenten des Zentralkomitees für die Vorbereitung des Heiligen Jahres 2000. Am 24. Juni 1998 nahm Papst Johannes Paul II. seinen altersbedingten Rücktritt als Präsident des Rates „Iustitia et Pax“ an und erhob ihn zum Kardinalbischof von Porto-Santa Rufina. Die Einführung als Kardinalbischof fand am 4. Oktober desselben Jahres statt.

Besondere Verdienste hat sich Kardinal Etchegaray durch seine Vermittlungsversuche in verschiedenen Krisenherden der Welt erworben. Johannes Paul II. machte ihn zum Sondergesandten in Friedensmissionen, z. B. ins belagerte Sarajevo, in das Bürgerkriegsland Mosambik, 2001 ins belagerte Betlehem, um die Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern um die Geburtskirche zu beenden, 2003 in den Irak, um den irakischen Machthaber Saddam Hussein so weit zu bringen, dass er sich dem Willen der Weltgemeinschaft beugt, und so einen Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und dem Irak zu verhindern. Da er die Altersgrenze von 80 Jahren bereits überschritten hatte, nahm Kardinal Etchegaray weder am Konklave 2005 noch am Konklave 2013 teil.

Am 30. April 2005 bestätigte ihn Papst Benedikt XVI. als neuen Subdekan des Kardinalskollegiums. Der bisherige Subdekan Angelo Kardinal Sodano war zuvor als Nachfolger des neuen Papstes zum Dekan des Kollegiums gewählt worden.[1]

Als Benedikt XVI. am 24. Dezember 2009 während der Christmette von einer Frau überraschend angesprungen wurde und dabei zu Boden fiel, stürzte auch Etchegaray. Er erlitt einen Oberschenkelhalsbruch und musste operiert werden, wohingegen Benedikt XVI. unverletzt blieb. Nach 3 Wochen in der Gemelli-Klinik konnte er schließlich entlassen werden. Am 25. Oktober 2015 stürzte Kardinal Etchegaray während der Abschlussmesse zur Familiensynode und erlitt erneut eine Fraktur am Oberschenkel.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Roger Etchegaray – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Elezione del Decano e del Vice-Decano del Collegio Cardinalizio. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 30. April 2005, abgerufen am 20. Dezember 2015 (italienisch).
  2. Annuario Pontificio per l’anno 1964, Città del Vaticano 1964, S. 1151.
  3. Papst besuchte gestürzten Kardinal im Spital, Radio Vatikan vom 26. Oktober 2015
Vorgänger Amt Nachfolger
Angelo Kardinal Sodano Kardinalsubdekan
seit 2005
Agostino Kardinal Casaroli Kardinalbischof von Porto-Santa Rufina
seit 1998
Maurice Jacquot Erzbischof von Marseille
1970–1984
Robert Kardinal Coffy
Bernardin Kardinal Gantin Präsident des Päpstlichen Rates „Cor Unum“
1984–1995
Paul Josef Kardinal Cordes
Bernardin Kardinal Gantin Präsident der Päpstlichen Kommission "Iustitia et Pax" / des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden
1984–1998
François-Xavier Kardinal Nguyên Van Thuán
François Kardinal Marty Präsident der Französischen Bischofskonferenz
1975–1981
Jean Vilnet
--- Präsident des Rates der europäischen Bischofskonferenzen
1971–1979
Basil Kardinal Hume OSB