Roger Frugardi

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Roger Frugardi, auch Rüdiger Frutgard (weitere Varianten: Rogerius Salernitanus, Roger Frugard, Roggerio/Ruggero Frugardo, Rogerus de Parma) (* um 1138 in der Po-Ebene; † um 1194)[1] war ein lombardischer Wundarzt und Chirurg, (wohl fälschlich) genannt auch[2] Roger von Salerno.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roger wurde als Sohn von Giovanni Frugardo (auch Fulgardo oder Frügard benannt) in der Po-Ebene geboren. Er war in der langobardischen Chirurgietechnik ausgebildet und kannte die pharmezeutische Literatur der Schule von Salerno.[3] An der Artistenschule von Parma hielt er nach Einladung Guidos von Arezzo (d. J.) in den 1170er Jahren Vorlesungen über Chirurgie.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chirurgie hörte erst mit Rogers „Practica chirurgiae“[4] auf, ein bloßes Handwerk zu sein. Rogers „Chirurgie“ ist um 1180 unter redaktioneller Mitwirkung seines Schülers Guido d'Arezzo der Jüngere aus Vorlesungsnachschriften an der (Medizin-)Schule von Parma entstanden[5] und die älteste chirurgische Schrift des abendländischen Kulturkreises.[6]

Auch Roland von Parma, durch den die Chirurgenschule von Parma internationalen Ruf erlangte, war sein Schüler.

Rezeption (Roger-Komplex)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bearbeitungen von Rogers Werk liegen mit der „Rolandina“ von seinem Schüler Roland von Parma und in der „Chirurgia“ von Johannes Jamatus (Jamerius) aus Salerno[7] vor. Der Chirurg und Arzt Wilhelm Burgensis (de Congenis)[8] des Heerführers Simon de Montfort gab an der Medizinschule in Montpellier Vorlesungen über die Chirurgie und Wundheilung Roger Frugardis, die der Chirurg von der Weser in Form von Kommentaren in eigenen Manuskripten festhielt und in der Cyrurgia domini et magistri Willehelmi de Congenis verbreitete.[9] Im späten 14. Jahrhundert entstand als deutschsprachige und ergänzte Bearbeitung durch einen namentlich nicht bekannten Verfasser die sogenannte Leipziger Rogerglosse.[10][11] Die umfangreiche, aus dem Lehrbuch Rogers hervorgegangen, Textgruppe von Bearbeitung des Urtextes vom 12. bis zum 14. Jahrhundert wird als Rogerglosse bzw. Roger-Komplex bezeichnet.[12]

Werkausgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erste kritische Werkausgabe: Karl Sudhoff: Beiträge zur Geschichte der Chirurgie im Mittelalter. 2 Bände, Leipzig 1914/1918 (= Studien zur Geschichte der Medizin, 10/12), Band 2, S. 148–394, 411–461 und 487–489.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Astrid Hirschmann: Die Leipziger Rogerglosse. Ein chirurgischer Text aus dem meißnisch-nordschlesischen Raum. Teil I: Text. (Medizinische Dissertation Würzburg 1983) Königshausen und Neumann, Würzburg 1984 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 33).
    • Gabriele Stedtfeld: Die Leipziger Roger-Glosse. Ein chirurgischer Text aus dem meißnisch-nordschlesischen Raum. Teil II: Roger-Konkordanz und Wörterverzeichnis. Medizinische Dissertation Würzburg 1980.
  • Wolfgang Löchel: Die Zahnmedizin Rogers und der Rogerglossen. Ein Beitrag zur Geschichte der Zahnheilkunde im Hoch- und Spätmittelalter. (Medizinische Dissertation Würzburg 1975), Pattensen/Hannover, jetzt bei Königshausen & Neumann, Würzburg, 1975 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 4).
  • Gundolf Keil: Roger Frugardi. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2. Aufl., Band VIII, Berlin und New York 1992, Spalte 140–153
  • Gundolf Keil, Wolfgang Löchel: Gestaltwandel und Zersetzung. Roger-Urtext und Roger-Glosse vom 12. bis ins 16. Jahrhundert, in: Der Kommentar in der Renaissance, hrsg. von August Buck und Otto Herding, Bonn-Bad Godesberg und Boppard 1975 (= Deutsche Forschungsgemeinschaft: Mitteilungen der Kommission für Humanismusforschung, 1), S. 209–224
  • Thomas F. Glick, Steven John Livesey, Faith Wallis: Frugard Roger In: Medieval science, technology, and medicine: an encyclopedia. Routledge Chapman & Hall, New York u. a. 2005, ISBN 0-415-96930-1, S. 178. (englisch)
  • Adalberto Pazzini: Ruggero di Giovanni Frugardo, maestro di chirurgia a Parma, e l'opera sua. Rom 1966 (= Collana di ‚Pagine di storia della medicina‘, 13).
  • Gundolf Keil: Ortolf von Baierland. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 605 f. (Digitalisat). (Erwähnung von Roger Frugardis Werk)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernhard D. Haage, Wolfgang Wegner: Roger Frugardi. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1261 f.; hier: S. 1261.
  2. Jürgen Stäps: Die Chirurgie des Roger von Salerno. Medizinische Dissertation, Düsseldorf 1938.
  3. Bernhard D. Haage, Wolfgang Wegner: Roger Frugardi. 2005, S. 1261.
  4. Karl Sudhoff: Beiträge zur Geschichte der Chirurgie im Mittelalter. Graphische und textliche Untersuchungen in mittelalterlichen Handschriften. I–II, Leipzig 1914 und 1918 (= Studien zur Geschichte der Medizin, 10 und 11/12), Band II, 156–236.
  5. Konrad Goehl: Guido d’Arezzo der Jüngere und sein ‚Liber mitis‘. 2 Bände. Horst Wellm, Pattensen/Han. 1984, jetzt bei Königshausen & Neumann, Würzburg (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 32), ISBN 3-921456-61-4, Band 1, S. 9–15.
  6. Zitierte Quelle: Ciba-Zeitschrift April 1938 Nr. 56.
  7. Gundolf Keil: Roger Frugardi. In: Verfasserlexikon. 2. Aufl., Band 8, hier: Sp. 146.
  8. Gundolf Keil: Wilhelm Burgensis. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1496.
  9. Barbara Kössel-Luckhardt: Chirurg von der Weser. In: Horst-Rüdiger Jarck, Dieter Lent u. a. (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon – 8. bis 18. Jahrhundert. Appelhans Verlag, Braunschweig 2006, ISBN 3-937664-46-7, S. 142.
  10. Gundolf Keil: ‚Leipziger Rogerglosse‘. In: Verfasserlexikon. 2. Aufl., Band 5, Sp. 702 f.
  11. Wolfgang Wegner: ‚Leipziger Rogerglosse‘. In: Werner E. Gerabek u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 837 f.
  12. Gundolf Keil: ‚Rogerglosse‘. In: Enzyklopädie Medizingeschichte. 2005, S. 1262.