Roger de Quincy, 2. Earl of Winchester

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Roger de Quincy, 2. Earl of Winchester (auch de Quency) (* um 1195; † 25. April 1264) war ein englisch-schottischer Magnat und Constable of Scotland.

Herkunft und Erbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roger de Quincy war der zweite Sohn von Saer de Quincy, 1. Earl of Winchester und von dessen Frau Margaret de Breteuil, einer jüngeren Tochter von Robert de Beaumont, 3. Earl of Leicester. Er hatte vier Brüder und drei Schwestern. Über Rogers Jugend ist wenig bekannt. Nachdem eine Gruppe rebellischer Barone 1215 König Johann Ohneland zur Anerkennung der Magna Carta gezwungen hatte, wurde Roger zusammen mit seinem Vater und zahlreichen anderen Baronen als Rebell gegen den König von Papst Innozenz III. exkommuniziert. In dem folgenden ersten Krieg der Barone trat er jedoch nicht offen hervor. Nach dem Ende des Bürgerkriegs begleitete er vielleicht seinen Vater, der 1219 zum Kreuzzug nach Damiette aufbrach. Sein Vater starb in Ägypten, und Roger wird erst 1221 wieder erwähnt, vielleicht, weil er erst dann vom Kreuzzug zurückgekehrt war. Obwohl sein älterer Bruder Robert, der noch vor seinem Vater 1217 gestorben war, eine Tochter, Margaret, hinterlassen hatte, wurde diese nach dem Tod von Saer de Quincy in der Erbfolge übergangen. Dessen umfangreiche Besitzungen in England und Schottland erbte Roger, für die englischen Güter leistete er 1221 König Heinrich III. Hommage. Den Titel Earl of Winchester erhielt er jedoch erst nach dem Tod seiner Mutter 1235.

Landgewinn in Schottland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erster Ehe heiratete Quincy Helen, eine Tochter des schottischen Lords Alan of Galloway. Als sein Schwiegervater 1234 ohne eheliche Söhne starb, wurden Galloway und seine anderen Besitzungen unter seinen Töchtern aufgeteilt, wobei Quincy als Ehemann der ältesten Tochter auch das Amt des Constable of Scotland erbte. Die anderen beiden Erben waren John de Balliol von Barnard Castle und William de Forz. Quincy konnte durch das Erbe seine von seinem Vater ererbten Besitzungen in Schottland erheblich erweitern. König Alexander II. von Schottland akzeptierte die Teilung, doch 1235 kam es gegen diese Teilung zu einer Rebellion in Galloway zugunsten von Thomas, einem unehelichen Sohn von Alan of Galloway. Alexander II. konnte die Rebellion niederschlagen, worauf die Aufteilung schließlich vollzogen werden konnte. Nach dem kinderlosen Tod von Quincys Schwägerin Christina, der Ehefrau von William de Forz, 1246 wurde auch ihr Anteil unter Quincy und Balliol aufgeteilt. Dies führte zu einer weiteren Revolte, bei der Quincy in einer seiner schottischen Burgen, vermutlich Cruggleton in Wigtownshire, von Aufständischen eingeschlossen wurde. Er konnte jedoch entkommen und an den schottischen Königshof flüchten, wo er erfolgreich den König um Hilfe bei der Niederschlagung der Revolte bat.

Abgesehen von diesen Erbstreitigkeiten spielte Quincy trotz seines umfangreichen Landbesitzes und seines Amtes als Constable of Scotland keine bedeutende Rolle in der schottischen Politik. Zahlreiche Urkunden belegen zwar seine häufige Anwesenheit am Königshof, doch weder beim Feldzug des Königs nach Argyll 1249 noch bei der Abwehr der Invasion des norwegischen Königs Haakon IV. auf den Hebriden 1263 tritt er in Erscheinung. Wegen seiner geringen Verwicklung in die schottische Politik ernennt ihn der englische König Heinrich III. 1257 zum Vermittler zwischen dem minderjährigen schottischen König Alexander III. und den rivalisierenden Anhängern von Walter Comyn und Alan Durward.

Rolle als englischer Magnat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch in England nahm er nicht die politische Rolle ein, die sein Vater innegehabt hatte, doch wegen seines Reichtums war er dennoch ein einflussreicher Magnat. 1239 und 1246 unterzeichnete er mit die Protestschreiben der englischen Barone an Papst Gregor IX. bzw. an Innozenz IV., denen Einmischung in innere Angelegenheiten vorgeworfen wurde. Die Unzufriedenheit mit der Regierung von Heinrich III., die sich bereits während der Parlamente von 1248 und 1254 gezeigt hatte, führte zu der Adelsopposition gegen Heinrich III. von 1258. Quincy unterstützte die Adelsopposition und wurde durch das Parlament von Oxford im Juni zu einem Vertreter der Barone in den Parlamenten gewählt, die dreimal jährlich stattfinden sollten, dazu gehörte er der Kommission an, die die Finanzen des Königs ordnen sollten. 1259 führte er eine Delegation nach Saint-Omer, die dort Richard von Cornwall, den römisch-deutschen König und Bruder des englischen Königs abfing. Sie verboten ihm die Rückkehr nach England, bis er die Einhaltung der Provisions of Oxford schwor. Danach scheint sich Quincy aufgrund seines Alters aus der Politik zurückgezogen zu haben. Er starb kurz nach Ausbruch des offenen zweiten Kriegs der Barone.

Ehen und Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quincy war dreimal verheiratet. In erster Ehe heiratete er Helen, die älteste Tochter von Alan, Lord of Galloway und Constable of Scotland. In zweiter Ehe heiratete er Maud, die Witwe von Anselm Marshal und Tochter von Humphrey de Bohun, 2. Earl of Hereford. Nach ihrem Tod 1252 heiratete er in dritter Ehe Eleanor, eine Tochter von William de Ferrers, 5. Earl of Derby. Nach Matthew Paris erfolgte seine dritte Ehe rasch nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau, da er bislang keine männlichen Nachkommen hatte und noch hoffte, einen Sohn als Erben zu bekommen. Doch auch aus seiner dritten Ehe hatte er keinen Sohn, seine einzigen Kinder waren seine drei Töchter aus erster Ehe:

  1. Margaret ∞ William de Ferrers, 5. Earl of Derby
  2. Elizabeth (auch Isabella) ∞ Alexander Comyn, 6. Earl of Buchan
  3. Helen ∞ Alan de la Zouche

Bei seinem Tod war Quincy wahrscheinlich der größte englisch-schottische Grundbesitzer. Seine Ländereien reichten von Perthshire in Schottland bis an die südenglische Kanalküste, wobei der Schwerpunkt seiner Besitzungen im Nordosten von Fife, in Lothian, Galloway und in Ayrshire sowie in den englischen Midlands lag. Nach seinem Tod wurden diese Ländereien unter seinen drei Töchtern bzw. deren Ehemännern aufgeteilt. Der Titel Earl of Winchester erlosch mit seinem Tod.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

VorgängerAmtNachfolger
Saer de QuincyEarl of Winchester
1219–1264
Titel erloschen