Rohrpost in Hamburg

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Stempel der Hamburger Rohrpost mit 10-Minutenangabe

Die Rohrpost Hamburg wurde am 24. Oktober 1864 in Betrieb genommen. Über die Linienführung sowie maximale Ausdehnung des Hamburger Stadtrohrpostnetzes ist noch wenig bekannt. Es wurde in den 1960er Jahren durch die Großrohrpost Hamburg (s. u.) ersetzt.

Stempel des Hamburger Telegraphenamtes (Inschrift Eilbriefe, Zug 1 etc.) wurden frühzeitig auf einen 10-Minutentakt eingestellt, weil neben der Rohrpost vor allem auch ein Netz von mit Briefkästen ausgerüsteten Straßenbahnen existierte, welche im Takt des Straßenbahnfahrplanes Postsendungen zur weiteren Verarbeitung anlieferten, deren pünktliche Bearbeitung zu dokumentieren war. Diese Straßenbahnlinien leisteten für die Postkunden Funktionen der Rohrpost dort, wo keine Rohrpostlinien vorhanden waren.

Man konnte Eilbriefe ohne weiteren Zuschlag und gewöhnliche Sendungen mit einem Zuschlag von 5 Pf in den Straßenbahnbriefkasten werfen. Diese Sendungen (vor allem Eil- und Luftpostsendungen) wurden dann gemäß den zu erreichenden Anschlüssen ggf. per Rohrpost weiterbefördert. Somit kommen Postsendungen vor, welche gleichermaßen Stempel der Hamburger Rohrpost wie auch der Straßenbahnpost aufweisen.

Fallstudie: Eilsendung Oslo–Hamburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auslandsbrief per Luftpost, Eilboten und Einschreiben aus Oslo nach Hamburg vom 30. Januar 1942
Stempel der Hamburger Rohrpost und der Straßenbahnpost auf der Rückseite

Im Falle des abgebildeten Briefes handelt es sich um ein Auslands-Einschreiben aus Norwegen per Luftpost und Eilboten. Aus den Beförderungs- und Behandlungsvermerken auf Vorder- und Rückseite des Briefes kann sein Weg von Oslo an den Empfänger in Hamburg rekonstruiert werden.

Zunächst wurde der Brief der zuständigen Zensurstelle für den Auslandsbriefverkehr in Berlin zugeführt. Klebebanderolen, rote Zensurstempel sowie vorderseitige Zifferngruppen belegen die Behandlung durch die Zensur. Dann wurde der Brief dem Zollamt in Berlin vorgelegt, das ihn für die weitere Beförderung freigab.

In der Nacht vom 2. auf den 3. Februar 1942 erreichte der Brief dann Hamburg und wurde in der ersten Stunde des Tages mit dem Rohrpost-Minutenstempel des Telegraphenamtes Hamburg versehen. Von da aus wurde er nach Hamburg 1 weiterbefördert, wo er von der Briefentkartung um 8 Uhr morgens rückseitig gestempelt wurde. Es erfolgte der Rücktransport zum Telegraphenamt zwecks Zuführung zur Eilzustellung, wobei die Bearbeitung dort durch den schwer lesbaren rückseitigen Abschlag eines Stempels des TA dokumentiert wird.

Um 11:30 Uhr jedoch, was durch den rückseitigen Abschlag des Rohrpost-Minutenstempels belegt wird, wurde der Brief vom Telegraphenamt erneut nach Hamburg 1 geschickt, da der Adressat im Zuständigkeitsbereich des PA Hamburg 1 wohnte oder arbeitete. Es ist wahrscheinlich, dass der Brief deshalb nach Hamburg 1 weiterbefördert wurde, weil er damit eher in die nächste gewöhnliche Zustellung kam, als wenn man auf den Start des Eil- und Telegrammboten zur nächsten Zustellfahrt gewartet hätte.

Der Brief wurde offensichtlich per Straßenbahnbriefkasten oder mit der Straßenbahn mitgeschicktem Postsack nach Hamburg 1 befördert, denn er wurde schon in Stunde 12 von der für den Inhalt der Straßenbahnbriefkästen zuständigen Stelle in Hamburg 1 weiterverarbeitet, worauf der rückseitige Stempelabschlag Hamburg 1 Strassenbahn hinweist. Der Brief wurde dann noch am gleichen Tag, nachdem das Verlangen nach Eilzustellung gestrichen worden war, mit der gewöhnlichen Zustellung zum Adressaten gebracht. Dieser jedoch war verreist und der Brief wurde erst nach Rückkehr des Adressaten nach dem 4. Februar 1942 zugestellt.

Großrohrpost[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entgegen dem allgemeinen Trend zur Schließung der Rohrpostanlagen seit den 1950er (New York, Wien) und 1960er Jahren (Berlin, München, Marseille, Algier) wurde in Hamburg systematisch der Ausbau der Rohrpost als Großrohrpostanlage mit einem Röhrendurchmesser von 45 cm betrieben. Die Wagen hatten eine Länge von 1,60 m und konnten mit bis zu 1000 Sendungen bestückt werden. Ausgangspunkt der Überlegungen zum Bau der Großrohrpost war der immer bedeutender werdende Individualverkehr auf den Straßen, der den raschen Transport der Post zwischen den Ämtern behinderte. Nur ein Transportsystem, das unabhängig von den anderen Verkehrsflüssen funktionierte, schien der neuen Aufgabe gerecht zu werden. Der Hamburger Versuch sollte als Pilotprojekt für andere Städte im Verkehrsgebiet der Bundespost dienen. Baubeginn für die Großrohrpost Hamburg, welche zunächst die PÄ Hamburg 1, Hamburg 11 und den Flughafen Hamburg miteinander verbinden sollte, war der 1. Oktober 1960. Der Ausbau wurde jedoch durch die Flutkatastrophe 1962 erheblich beeinträchtigt und zurückgeworfen.

Planung der OPD Hamburg vom 8. August 1963 für den Bau der Großrohrpost Hamburg

Im August 1963 waren die Pläne so weit vorangeschritten, dass der Bau von insgesamt 5 Linien in Planung genommen wurde:

  • Linie I (Wandsbeker Linie): von Hamburg 1 über Wandsbek nach Hamburg 22 = 7,6 km
  • Linie II (Flughafenlinie): von Hamburg 1 über Hamburg 22 zum Flughafen = 12,24 km
  • Linie III (Alsterlinie): von Hamburg 1 über Hmb 36, Hmb 20, Hmb 33 und Hmb 22 zurück nach Hmb 1 = 15,08 km
  • Linie IIIa (Altonalinie): von Hamburg 1 über Hmb 36, Hmb Telegraphenamt, Hmb 19, Postsparkassenamt Hamburg = 11,8 km
  • Linie VI (Innenstadtlinie): von Hamburg 1 über Postscheckamt Hamburg nach Hmb 36 = 2,465 km
Rohrpost-Eilboten-Orts-Brief vom 23. Mai 1967, befördert mit der Hamburger Großrohrpost
Rückseite des Briefes, welche die Umarbeitung der Sendung in den verschiedenen Stationen anhand der Stempelabschläge zu erkennen gibt.

Trotz der Behinderungen beim Bau konnte die Anlage am 23. Mai 1967 als Ringanlage in Betrieb genommen werden. Dadurch konnten Sendungen zugleich in beide Richtungen geschickt werden. So war es möglich, Sendungen, die im Postauto mehr als eine halbe Stunde auf den Straßen Hamburgs unterwegs gewesen wären, innerhalb von 1:30 bis 3 min zu befördern. Da die Erschütterungen des Straßenverkehrs die Anlage immer wieder beschädigten, wurde der Betrieb bereits nach 16 Jahren eingestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heck, Georg: Handband zur Großrohrpost Hamburg. Kurzfassung über Entwicklung, Bau und Umbau der Anlage u. a.; mit bes. Ergänzungen und Fußnoten, Oberpostdirektion Hamburg 1070
  • Heck, Georg / Frerichs, Johannes u. W. Eske: Die Hamburger Großrohrpost, Teil I u. II. (= Schriftenreihe der Zeitschrift Rohre, Rohrleitungsbau u. Rohrleitungstransport, Bde. 1 u. 4.), Baden-Baden: Vlg. Für Angewandte Wissenschaften 1965–1969
  • N.N. Rohrpostanlagen. Grossrohrpost, Stadtrohrpost, Hausrohrpost. Hamburg 1967.
  • Ulrich Alexis Christiansen: Kapitel über die Rohrpost in der Publikation Hamburgs dunkle Welten. Der geheimnisvolle Untergrund der Hansestadt. Ch.Links Verlag, Berlin 2008, ISBN 3-86153-473-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]