Rohrreiniger

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Flüssiger Rohrreiniger
Bio-Rohrreiniger mit Enzymen

Ein Rohrreiniger bzw. Abflussreiniger ist üblicherweise ein Chemikaliengemisch zur Zersetzung von Verstopfungen in Abflussrohren.

Wirksam sind diese Mittel nur bei Verstopfungen durch weiches Material organischer Herkunft, wie erkaltete Fette und Speisereste im Küchenabfluss, mit Haaren verklebtes Hautfett und Seifenrückstände im Badewannen- oder Duschabfluss. Bei häufiger auftretenden Verstopfungen kann versucht werden, regelmäßig eine kleine Menge verdünnten Rohrreinigers über Nacht in der Rohrleitung einwirken zu lassen. Längerfristig sollte überprüft werden, ob die Abwasserleitung nach den Regeln der DIN 1986-100 verlegt wurde und ob eine Neuverlegung der betroffenen Abflussleitung möglich ist.

Im Handel sind Granulate und flüssige Mittel erhältlich, die traditionell stark ätzende, alkalische Inhaltsstoffe enthalten, um Fette zu verseifen und polymere bzw. proteinhaltige organische Stoffe zu hydrolysieren.

Neuere Rohrreiniger arbeiten auf enzymatischer Basis.

Anorganische Abflussreiniger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Abflussreiniger enthalten grundsätzlich Ätznatron (Natriumhydroxid bzw. NaOH) oder Ätzkali (Kaliumhydroxid bzw. KOH), die mit Wasser stark ätzende LaugenNatronlauge bzw.Kalilauge – bilden. Es können zusätzlich Chlorverbindungen (Natriumhypochlorit) und Oxidantien enthalten sein.

Kaliumhydroxid greift sowohl Acrylglas, als auch emaillierte und glasierte Oberflächen von Wannen und Sanitärkeramik an, die aus silikatischem glasartigen Material bestehen (Glaskorrosion). Es sollte gezielt nur in den Abfluss eingebracht werden. Sofern die Abflussrohre noch aus keramischem Material bestehen, sind diese gut zu spülen.[1]

Granulate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Granulate enthalten neben den alkalischen Stoffen Ätzkali und Ätznatron auch Aluminiumkörnchen sowie unter Umständen Nitrat und Natriumcarbonat.

Das Aluminium wird von der Lauge unter Hitzeentwicklung und Bildung von u. a. Wasserstoff oxidiert. Durch Erwärmung und Gasentwicklung soll die Verstopfung gelockert werden. Da der gasförmige Wasserstoff in Mischung mit Luftsauerstoff zu hochexplosivem Knallgas führt, versucht man den Wasserstoff mit der Reduktion von Nitrat zu Ammoniak zu binden. Dadurch kann ein beißender Geruch entstehen. Auf eine gute Belüftung ist daher zu achten.

Bei Überdosierung kann die Hitzeentwicklung zu Schäden an Abflussrohren aus Plastik führen. Der Rohrreiniger kann dabei verklumpen und selber das Rohr verschließen.

Flüssige Mittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flüssige Rohrreiniger bestehen meist aus stark alkalischen flüssigen Substanzen, die zusätzlich Natriumhypochlorit und Tenside enthalten. Da bei der Anwendung keine Gasentwicklung stattfindet, sollen Tenside und Chlorwasser helfen, fettige Bestandteile und Proteine aufzulösen. Hierfür ist unter Umständen eine längere Einwirkdauer als bei Granulaten erforderlich.

Reiniger, die Natriumhypochlorit oder andere chlorhaltige Substanzen enthalten, dürfen nicht gemeinsam mit Säure oder säurehaltigen Reinigungsmitteln wie Kalkentfernern oder WC-Reinigern angewendet werden. Es kann sonst zur Bildung von giftigem Chlorgas kommen.

Biologische Abflussreiniger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nicht-ätzende und umweltschonendere Alternative zu handelsüblichen alkalischen Abflussreinigern sind biologische Reiniger, die Enzyme enthalten, welche in der Lage sind, Fette und Proteine (beispielsweise Haare) hydrolytisch abzubauen. Diese Mittel sind weniger aggressiv, benötigen aber eine lange Einwirkungsdauer von mehreren Stunden bis zu einigen Tagen.

Ein gewisser Abbau von biologischem Material durch Mikroorganismen findet in Abflussrohren auch von Natur aus statt. Nährstoffe werden durch Fäulnisbakterien umgesetzt, Strukturen von Pflanzen (Obst und Gemüse, Holz, Grasschnitt) lösen sich langsam auf.

Anwendungsbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der typische Anwendungsfall für chemische Rohrreiniger sind verstopfte Abflüsse von Waschbecken, Duschen und Badewannen, da der Reiniger in der Regel problemlos in zusammengeballte Haare eingespült werden kann und diese auflöst. Fette und Eiweisse werden zwar ebenfalls gelöst, doch wenn diese sich in kompakten Schichten an den Rohrwandungen anlagern, muss das Mittel lange einwirken können, um die gesamte Masse aufzulösen. Bei einem komplett durch Fett verstopften Abfluss kann es sich schwierig gestalten, das Mittel an den Ort der Blockade zu befördern.

Viele Hersteller schließen aus zwei Gründen die Verwendung von Abflussreiniger in der Toiletten aus:[2]

  • Aufgrund des großen Rohrquerschnitts wird eine Verstopfung von fäkalienführenden Abwasserrohren in der Regel durch feste Gegenstände hervorgerufen, die fahrlässig im WC-Becken hinunter gespült wurden und bei einer Richtungsänderung oder einem Absatz in der Rohrleitung hängenbleiben. Solche Feststoffe können vom Abflussreiniger im Allgemeinen nicht aufgelöst werden.
  • Insbesondere natrium- und kaliumhydroxidhaltige Rohrreiniger entwickeln giftige Gase, wenn sie sich mit handelsüblichen Kalk- oder WC-Reinigern vermischen, die Säuren enthalten. Die Hersteller wollen ausschließen, dass beide Mittel zusammen verwendet werden oder dass sich bei der Anwendung noch Reste von sauren Reinigern im Abfluss befinden.

Zu bedenken ist zusätzlich:

  • Wenn festes Rohrreinigergranulat in das WC gegeben wird, so sinkt es auf den Grund des Toilettenbeckens. Der im Ablauf des WCs konstant gehaltene Wasserspiegel bewirkt einen Geruchsverschluss. Vom ersten Tiefpunkt aus (der bei offener WC-Brille sichtbar ist), wird das Wasser in der WC-Schüssel zunächst wieder hochgeführt. Wenn das Wasser nur noch langsam abfließt, so müsste zunächst abgewartet werden, bis sich das Granulat vollständig aufgelöst hat, bevor das Mittel überhaupt in wirksamer Konzentration von diesem Tiefpunkt aus mit dem Spülwasser zur verstopften Stelle getragen werden kann.
  • Wenn der Wasserspiegel im WC-Becken beim Abspülen zunächst ansteigt, um dann plötzlich zügig abzufliessen, so bilden die Fäkalien anfangs einen Pfropfen, der aufgrund des Drucks des ansteigenden Wassers nachgibt und fortgespült wird. Ursache der Pfropfenbildung sind in der Regel zu enge Durchlässe oder Bögen in der Abwasserleitung und keine Ablagerungen. Ein Rohrreiniger kann auch in diesem Fall somit wenig ausrichten.

Verstopfte Abflüsse von Urinalen können nur dann erfolgreich mit Abflussreiniger gereinigt werden, wenn sich organisches Material wie Zigarettenstummel oder Papier im Geruchsverschluss verfangen hat. Gegen Urinstein hilft alkalischer Abflussreiniger nicht. Hier müssen sauer wirkende Mittel eingesetzt werden.

Praktische Rohrreinigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abflüsse von Duschen, Badewannen und Waschbecken werden in den meisten Fällen von hängenbleibenden Haaren verstopft. Haare wirken wie ein Filter und führen zusammen mit fettigen und klebenden Rückständen zur Bildung von zusammenhängenden Propfen im Abflussrohr. Diese können durch alkalische Rohrreinigungsmittel aufgelöst werden, wenn es gelingt, den Reiniger an die richtige Stelle zu bewegen. Solange das Wasser noch abfließen kann, wird das Rohrreinigungsmittel oft am Haargeflecht vorbei gespült, ohne dass es genug Zeit hätte, die Haare aufzulösen. Wenn sich das Wasser andererseits über eine gewisse Rohrlänge aufstaut, so wird das Mittel unter Umständen zu stark verdünnt und kann nur an der Oberfläche der Verstopfung wirken.

Moderne Haushalts-Saugglocke zur Abflussreinigung
Saugglocke in der Anwendung

Es sollte grundsätzlich zunächst versucht werden, die Verstopfung durch Einsatz einer Saugglocke (Pümpel/Pömpel) oder Rohrreinigungsspirale zu lösen. Die Saugglocke entfaltet die beste Wirkung, wenn zunächst soviel Wasser in das Becken oder die Wanne gelassen wird, dass es sich über dem Ablauf etwa 10 cm hoch anstaut. Der Überlauf von Waschbecken oder Badewanne sollte während Anwendung der Saugglocke mit einem nassen Lappen verschlossen werden. Hartnäckige Verstopfungen, die sich mit der Saugglocke nicht entfernen lassen, können manchmal mit einer Reinigungsspirale gelockert und beseitigt werden. Gewöhnlich lässt sich die Spirale nicht durch den Siphon bewegen, so dass dieser zunächst abgenommen werden muss, um die Spirale bis zur dahinterliegenden Verstopfungen bewegen zu können.

Wenn sich die Verstopfung weder mit der Saugglocke noch mit der Spirale vollständig auflösen lässt, so sollte zunächst abgewartet werden, bis der Ablauf leergelaufen ist. Dann kann das Rohrreinigungsmittel in den Abfluss gegeben werden. Es sollte anschließend gerade nur soviel Wasser hinzugefügt werden, dass dieses den Reiniger bis zur blockierten Stelle schwemmt.

Der Siphon von Becken, in denen verschmutzte Arbeitskleidung oder Gemüse mit Erdanhaftungen gewaschen werden, kann sich durch abgelagerten Sand und feinere Sedimente zusetzen. Dieser kann nur durch Spülung, Saugglocke, Reinigungsspiralen und andere mechanische Mittel entfernt werden.

Kalkablagerungen bilden sich überwiegend dort, wo Wasser stark erhitzt wird. Soweit im Abwasser kein Urin enthalten ist, treten sie in Abflussrohren kaum auf. Die Kombination von kalkhaltigem Wasser, Urin und einer gewissen Verweildauer kann zur Verstopfung von Siphons führen, die dann nur mechanisch oder durch eine wechselweise Anwendung von alkalischem Rohrreiniger und Säure aufzulösen ist. Siehe Urinstein.

Wenn die Verstopfung tiefer im Rohrsystem und immer wieder an derselben Stelle auftritt, so ist zu vermuten, dass sich Material an einem Hindernis sammelt, wie etwa der Bruchkante eines defekten Rohres oder einer ins Rohr gedrehten Schraube. Auch eine Missachtung der Richtlinien zur Verlegung der Rohre kann ursächlich sein.

Alternative Reinigungsmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das wirksamste Mittel zum Vorbeugen hartnäckigerer Verstopfungen ist die regelmäßige Anwendung einer Saugglocke („Pümpel“ oder "Pömpel"). Dies sollte bereits geschehen, wenn sich eine Verminderung der Ablaufgeschwindigkeit bemerkbar macht. Dadurch löst sich das Gespinst von Haaren, welches meistens für die spätere vollständige Verstopfung verantwortlich ist. Die Anwendung erfordert allerdings etwas Übung und Kraft. Um einen ausreichenden Unterdruck erzeugen zu können, ist es hilfreich dabei den Überlauf von Waschbecken oder Badewanne zu verschließen.

Alternativ kann ein Schlauch in das Rohr eingeführt werden, um mithilfe des (warmen) Wasserstrahls und gegebenenfalls wiederholtem Stochern mit dem Ende des Schlauches leichte Verstopfungen zu lösen.

Ist die Verstopfung bereits eingetreten, kann versucht werden, sie durch eine Rohrreinigungsspirale zu erreichen und aufzulösen.

Lufthochdruckgeräte sollten mit Bedacht eingesetzt werden, da durch den hohen Druck Rohrverbindungen auseinandergedrückt werden können, denn Abwasserrohre sind häufig nur ineinandergesteckt. Der Anwender muss unter Umständen für Wasserschäden haften, die durch undichte Rohrverbindungen verursacht werden.[3]

Vorsichtsmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ätzende Abflussreiniger gehören zu den gefährlichsten chemischen Haushaltsprodukten. Die meisten Rohrreiniger sind mit entsprechenden Gefahrensymbolen gekennzeichnet. Starke Laugen führen zu schwerwiegenden Verätzungen an Haut und Augen, aber auch beim Verschlucken in Rachen, Speiseröhre und Magen. Im Fall der Einnahme ist Erbrechen zu vermeiden. Die Lauge sollte durch reichliche Einnahme von Wasser verdünnt werden. Ärztliche Hilfe ist dringend erforderlich!

Weiterhin ist bei vielen Produkten wegen der Gasentwicklung auf ausreichende Belüftung während der Anwendung zu achten.

Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt nicht eine Diagnose durch einen Arzt. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Prof. Blumes Tipp des Monats August 2004 (Tipp-Nr. 86): Abflussreiniger sind gefährlich, In: Chemieunterricht.de
  2. Antworten auf häufig gestellte Fragen, Drano-Rohrreiniger; In: Trnd.com; abgerufen im Juni 2019.
  3. Wasserschaden: Rat für Hauseigentümer.