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Rohrsen (Hameln)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Rohrsen
Stadt Hameln
Wappen von Rohrsen
Koordinaten: 52° 7′ N, 9° 24′ OKoordinaten: 52° 6′ 39″ N, 9° 24′ 25″ O
Höhe: 79 m
Fläche: 4,1 km²
Einwohner: 1988 (30. Juni 2022)[1]
Bevölkerungsdichte: 485 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Februar 1923
Postleitzahl: 31789
Vorwahl: 05151
Blick vom Düthberg auf Rohrsen

Rohrsen ist ein Stadtteil von Hameln (Niedersachsen) im Osten der Kernstadt. Die Bundesstraße 217 verbindet den Ort mit dem Stadtzentrum. Parallel zur Straße fließt die Hamel mäandernd am Ort vorbei. Die Wohnbebauung befand sich bis 1970 ausschließlich südlich der Bundesstraße 217. Durch das Neubaugebiet „Hottenbergsfeld“ sowie ein Gewerbegebiet entwickelt sich der Stadtteil Rohrsen nun auch nördlich der B 217.

Rohrsen liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln auf 79 m NHN in der Hamelaue und ist jeweils von Teilen des Weserberglands im Westen bzw. des Leineberglands im Osten umgeben. Rohrsen grenzt im Nordwesten an den Basberg (221 m NHN), im Norden an den Schweineberg (265 m NHN), im Osten an den Eichberg (176 m NHN), im Süden an den Düthberg (122 m NHN) und im Südwesten an die Kernstadt Hameln (68 m NHN). Rohrsen wird vom mittleren Abschnitt des Flusses Hamel, eines rechtsseitigen Nebenflusses der Weser durchflossen, deren Quelle im Süntel liegt und die im Gebiet der Kernstadt Hameln in die Oberweser einmündet. Als rechtsseitiger Bach mündet die Krumme Beeke im Ort in die Hamel. Als linksseitiger Nebenfluss mündet die Remte am südwestlichen Ortsausgang von Rohrsen in die Hamel.

Nach der Siedlungsforschung sind die Orte mit den Endungen „-hausen“ und „-husen“ (abgeschliffen zu „-sen“), wie Rohrsen, in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends n. Chr. in zweitrangiger Siedlungslage angelegt worden.[2][3][4]

Rohrsen wird erstmals im Jahr 1237 mit der Bezeichnung „Rohrdessen“ in einem Güterverzeichnis („Codex Eberhardi“) des Klosters Fulda urkundlich erwähnt. Der Name veränderte sich im Laufe der Zeit über „Rorssem“ (1399), „Roerssen“ (1622) und „Roersen“ (1764) bis zur heutigen Bezeichnung „Rohrsen“.[5][6]

Rohrsen lag im Gerichtsbezirk Goe auf der Hamel im altsächsisch-engernschen Tilithigau und gehörte während des Mittelalters und der Frühen Neuzeit zum Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden (das historische Bistum Minden wurde 1803 aufgelöst).[7][8] Die Gogerichtsstätte für die Goe lag auf dem Eichberg östlich von Rohrsen.[9][10]

Die Bauern des Ortes waren dem Dorfmeister in Vorwerk Dahle an der Deisterpforte zu Fuhrdiensten und Abgaben verpflichtet.

Der Name „Rohrser Warte“ bezieht sich auf einen heute nicht mehr existierenden Aussichtsturm (Wartturm) oder Wachtposten, der bei Rohrsen an der spätmittelalterlichen Hamelner Landwehr stand und u. a. als Beobachtungspunkt diente. Er wurde 1415 erstmals urkundlich erwähnt. Die Landwehr diente hauptsächlich dem Schutz von Handelsstraßen mit Zollabgabe, Kontrolle der Holz-, Hude- und Weidenutzung sowie der Grenzmarkierung von Hameln gegenüber dem Umland.[11] Noch heute werden vom Hamelner „Verein für Grenzbeziehung und Heimatpflege von 1930“ einmal im Jahr Grenzbeziehungen durchgeführt. Diese Tradition gibt es seit 1619.[12]

Von ca. 1550 bis 1639 war Rohrsen zusammen mit den Dörfern Afferde, Behrensen, Hastenbeck und Wehrbergen dem Braunschweig-Lüneburgischen Amt Hastenbeck für die Verwaltung zugeordnet.[13]

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), zogen Tillys Truppen durch das Land und zogen Rohrsen 1625 in Mitleidenschaft. Im Siebenjährigen Krieg wurde 1757 ein Großteil des Ortes einschließlich der Kapelle durch Artilleriebeschuss vom nahen Düthberg her und anschließend ausbrechendes Feuer eingeäschert.[14][15] Nach der Schlacht bei Hastenbeck zog sich das Lager der Franzosen von der Weser über Rohrsen bis über Groß Hilligsfeld hinaus.[16] Erneute Kriegseinwirkungen erlebten die Einwohner Rohrsens in den napoleonischen Kriegen (Koalitionskriegen): „Bei der Besetzung Hamelns durch französische Truppen gab es am 2. Adventssonntag (8. Dezember) 1805 in Rohrsen ein Gefecht zwischen einer französischen Infanterie-Einheit und russischen Kosaken unter dem Befehl von Major von Prittwitz. Die Franzosen mussten weichen und zogen sich mit Mühen auf die Hamelinsel zurück, hinter sich die Brücken zerstörend. Die schnell einbrechende Dunkelheit und der mit starker Strömung Hochwasser führende Fluss rettete vielen das Leben.“[17]

Die Gemeinde Rohrsen wurde im Rahmen der Gebietsreform am 1. Februar 1923 in die Stadt Hameln eingemeindet.

Bahnhof Rohrsen

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Der Ort hatte einen Bahnhof an der 1872 eröffneten Bahnstrecke Hannover–Altenbeken. Ein Haltepunkt wurde jedoch erst 1904 eingerichtet und ein Bahnhofsgebäude errichtet. Da der Ort rund zwölf Kilometer vom Bückeberg entfernt war, wurde dieser Bahnhof 1934 im Rahmen der Ausbauarbeiten für das Reichserntedankfest mit zwei Ausweich- und Abstellgleisen erweitert.[18]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die nicht benötigten Bahnsteige wieder abgebaut und der Bahnhof zum Haltepunkt zurückgestuft. Im Frühjahr 1959 wurde der Personenhalt aufgelassen. Anfang der 1970er Jahre wurde die Blockstelle überflüssig und das Empfangsgebäude abgerissen.[19]

Einwohnerentwicklung

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Jahr 1992 1995 2000 2009 2022[20] 2023[21]
Einwohnerzahl 1605 1479 1292 1346 2080 2043

Quelle: Einwohnermeldedatei.

Ortsvorsteher ist Jobst-Werner Brüggemann.

Auf weißem Grund drei Schilfrohrkolben in Wasserwellen stehend: Das Wappen weist wohl auf die Topografie hin, denn Rohrsen liegt am Fluss Hamel. Es handelt es sich um ein sog. „sprechendes“ Wappen, da das (Schilf)-Rohr direkten Bezug auf den Ortsnamen nimmt.

Projekt Naturschutzgebiet Düthberg

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Zwischen Afferde und Rohrsen liegt der Düthberg mit einer Fläche von rund 40 Hektar. Er ist seit 1952 als Landschaftsschutzgebiet auszuweisen und erfüllt dafür schon lange die Voraussetzungen: Der Düthberg hat eine besondere geowissenschaftliche Bedeutung und ist ein Lebensraum für stark gefährdete Tiere und Pflanzen. Auf einer Teilfläche von rund 14,5 Hektar trainierten die Soldaten der Britischen Rheinarmee bis zum Jahr 2012. Das entsprechende Verfahren zur Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet sollte in 2017 begonnen werden. Die Nutzung als Naherholungsraum und in Teilen auch als Weideland soll da, wo sie mit den Schutzgebietszielen vereinbar ist, weiterhin möglich sein.[22]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

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Rohrsener Kapelle von 1783
  • Früheisenzeitliches Steinhügelgrab (Grabhügel mit Steineinlagen) am Kammweg auf dem Schweineberg, umsäumt von Eiben, ca. 800 v. Chr.
  • Die im Jahr 1783 eingeweihte Kapelle des Ortes, ein schlichter Fachwerkbau mit Walmdach und Dachreiter, ist ein Nachfolgebau einer Ende des 15. Jahrhunderts errichteten Kapelle, die jedoch den Siebenjährigen Krieg nicht überstand. Diese spätmittelalterliche Kapelle hatte wiederum einen ebenfalls spätmittelalterlichen Vorgängerbau aus dem Jahr 1353, der jedoch zur Ruine verfiel. Im Mittelalter war diese erste, 1353 gebaute Rohrsener Kapelle das Ende eines Prozessionsweges vom Osttor der Stadt Hameln in Richtung des Düth. Die Stadt Hameln schreibt zur Geschichte der Kapelle in Rohrsen: „Probst Otto von Everstein gab am 11. Mai 1353 die Zustimmung zur Gründung eines Altars in der Kapelle zu Rordessen - die Gründung wurde durch Bischof Dietrich von Minden bestätigt. Mit Zustimmung des Kapitels wurde am 3. Juni 1484 die zu Rohrsen gestiftete Vikarie St. Johannis durch den Rat der Stadt Hameln in die Münsterkirche verlegt. Als auch noch der Altar verlegt wurde, war das Ende der alten Kapelle besiegelt, sie verfiel zur Ruine. Der danach erfolgte Neubau überstand den 7-jährigen Krieg nicht, die Nachfolgekapelle steht aber noch heute.“[23]
  • Zur Infrastruktur Rohrsens gehört u. a. eine Kindertagesstätte und eine Verlässliche Grundschule.

Feuerwehr / Vereine

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  • Ab 1828 löschten die Bürger unter der Aufsicht von sogenannten Feuergeschworenen Brände im Ort. Ein Brand beim Kötner August Krüger (1897) war dann der Auslöser, um eine neue professionelle Feuerwehr in Rohrsen zu gründen. 1898 wurde ein Spritzenhaus gebaut und eine neue Spritze beschafft. 1933 regelte ein Reichsgesetz das Feuerlöschwesen neu, und 1934 wurde die Freiwillige Feuerwehr Rohrsen aufgelöst und der Freiwilligen Feuerwehr Hameln zugeordnet. Während des Zweiten Weltkrieges (1939–1945) gehörte die Feuerwehr zur „Technischen Polizeihilfstruppe“. 1949 entstand mit dem neuen Feuerschutzgesetz der IV. Zug, die heutige 4. Gruppe der Hamelner Freiwilligen Feuerwehr mit Standort in Rohrsen. 1956 wurde ein neues Feuerwehrgerätehaus gebaut.[24]
  • Der Männerturnverein (MTV) Rohrsen von 1908 e. V. zählt rund 350 Mitglieder. Er entwickelte eine jahrzehntelange Handballtradition. Mittlerweile ist der Damenhandball das Aushängeschild des Vereins. Die Damenmannschaft ist in der Spitzengruppe der Oberliga vertreten. Im Jugendbereich hat sich der Verein 2016 der JSG Weserbergland angeschlossen. Mit viel Engagement wird Breitensport mit Leistungsorientierung vereint. Neben Handball gibt es folgende Aktivitäten: Nordic Walking, Gymnastik, Wandern, Tischtennis und Beachvolleyball. Ab 1958 stand in Rohrsen eine neu gebaute Turnhalle zur Verfügung. Im Herbst 1973 wurde das Sportheim „Villa Hügel“ in Besitz genommen. Das neue Vereinsheim „Die Hütte“ wurde mit viel Eigenarbeit hergerichtet und am 7. April 1989 offiziell eingeweiht.[25]
  • Es gibt einen Förderverein für die Grundschule Rohrsen/Hilligsfeld.
  • Martin Born: Geographie der ländlichen Siedlungen, Stuttgart, 1977.
  • Bernhard Gelderblom: Die NS-Reichserntedankfeste auf dem Bückeberg 1933 - 1937. Aufmarsch der Volksgemeinschaft und Massenpropaganda, Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden, 2018.
  • Cay Lienau: Die Siedlungen des ländlichen Raumes, 3. Auflage, Braunschweig, 1997.
  • Christoph Reichardt & Wolfgang Schäfer: Nationalsozialismus im Weserbergland. Aufstieg und Herrschaft 1921 bis 1936. Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden, 2024.
  • Emil Sehling: Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts, Band 6,1, 2020, S. 83 ff.
  • Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982, Kohlhammer Verlag, Stuttgart, Mainz, 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 189.
  • Werner Troßbach & Clemens Zimmermann: Die Geschichte des Dorfes. Von den Anfängen im Frankenreich zur bundesdeutschen Gegenwart, Ulmer Verlag, Stuttgart, 2006.

Einzelnachweise

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  1. Nahverkehrsplan 2023–2027 / ANLAGE 1 – Einwohnerzahlen Ortsteile 2022. (PDF; 406 kB) Landkreis Hameln-Pyrmont, S. 3, abgerufen am 8. November 2024.
  2. Martin Born: Geographie der ländlichen Siedlungen. Stuttgart 1977.
  3. Cay Lienau: Die Siedlungen des ländlichen Raumes. 3. Auflage. Braunschweig 1997.
  4. Werner Troßbach & Clemens Zimmermann: Die Geschichte des Dorfes. Von den Anfängen im Frankenreich zur bundesdeutschen Gegenwart. Ulmer Verlag, Stuttgart 2006.
  5. Vgl. zur Ortsnamenforschung das Niedersächsische Ortsnamenbuch (NOB). Es ist ein langfristig angelegtes Projekt des Instituts für Historische Landesforschung an der Universität Göttingen.
  6. Jürgen Udolph: Der Weserraum im Spiegel der Ortsnamenforschung. In: Norbert Humburg & Joachim Schween (Hrsg.): Die Weser, ein Fluss in Europa: Eine länderübergreifende Ausstellung über 1200 Jahre Geschichte und Kultur des Weserraumes 1: Leuchtendes Mittelalter. Band 1. Hameln 2000.
  7. Jürgen Schlieckau: Die Geschichte der Dörfer Diedersen und Dadersen. Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden 2025, ISBN 978-3-95954-174-9, S. 25.
  8. Dieter Scriverius: Die weltliche Regierung des Mindener Stiftes von 1140 bis 1397. Band 2. Hamburg 1966.
  9. Ludwig Fricke: Dorfchronik von Welliehausen. Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe Februar 2002, S. 18 ff.
  10. Jürgen Schlieckau: Die Geschichte der Dörfer Diedersen und Dadersen. Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden 2025, ISBN 978-3-95954-174-9, S. 37 f.
  11. Gerhard Pieper: Die Festung Hameln. Geschichte, Bauwerke und Institutionen. Hameln 2006, ISBN 978-3-8271-9303-2.
  12. Vgl. dazu den Wikipedia-Artikel "Hamelner Landwehr".
  13. Carsten Schwier-Herrmann, Neue Erkenntnisse von Hastenbeck, in: Museumsverein Hameln e. V. (Hrsg.), Hamelner Jahrbuch 2023.
  14. G. Wittje: Die wichtigsten Schlachten, Belagerungen und verschanzten Lager vom Jahre 1708 bis 1855. Band 1. Wintersche Verlagsbuchhandlung, Leipzig und Heidelberg 1861, S. 9–12.
  15. Moritz Oppermann: Die Schlacht bei Hastenbeck. C. W. Niemeyer, Hameln 1957.
  16. Stadt Hameln - Geschichte von Hilligsfeld. Stadt Hameln, abgerufen am 28. Oktober 2025.
  17. Rohrsen - Geschichte. Stadt Hameln, abgerufen am 27. Oktober 2025.
  18. Christoph Reichardt & Wolfgang Schäfer: Nationalsozialismus im Weserbergland. Aufstieg und Herrschaft 1921 bis 1936. Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden 2024.
  19. Martin Weltner: Für den Reichbauerntag. In: Lok Magazin. Band 10. GeraMond Verlag, München 2017, S. 92.
  20. Einwohnermeldedaten von Rohrsen vom 31. Dezember 2022.
  21. Einwohnermeldedaten von Rohrsen vom 31. Dezember 2023.
  22. Projekt Naturschutzgebiet Düthberg. Stadt Hameln, abgerufen am 27. Oktober 2025.
  23. Rohrsen - Geschichte. Stadt Hameln, abgerufen am 27. Oktober 2025.
  24. Freiwillige Feuerwehr Hameln-Rohrsen. Freiwillige Feuerwehr Hameln, abgerufen am 27. Oktober 2025.
  25. MTV Rohrsen. MTV Rohrsen, abgerufen am 27. Oktober 2025.