Rokkaku-dō

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Haupthalle des Rokkadu-dō
Rokkaku-dō vor 1915

Der Rokkaku-dō (jap. 六角堂) ist ein buddhistischer Tempel im Stadtteil Nakagyō-ku der Stadt Kyōto in Japan. Der Tempelname bedeutet etwa sechseckige Halle und spielt auf die Form der Haupthalle des Tempels an. Der offizielle Name des Tempels ist Chōhō-ji (頂法寺). Dieser wird aber selten verwendet. Der Tempel ist mit der Glaubensrichtung Tendai-shū assoziiert. Hauptbildnis des Tempels ist eine Statue der Kannon mit wunscherfüllendem Juwel. Der Rokkaku-dō ist der 18. Tempel des Saigoku-Pilgerweges (西国三十三箇所, Saigoku sanjūsankasho).

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tempelüberlieferung nach soll der Prinzregent Shōtoku 587 den Rokkaku-dō gründet haben. Erster Abt sei der pensionierte Diplomat Ono no Imoko gewesen sein. Als wahrscheinlicher gilt jedoch eine Gründung während der frühen Heian-Zeit.[1]

Der Rokkaku-do spielte eine große Rolle bei der Entstehung der buddhistischen Glaubensrichtung Jōdo-Shinshū. Ihr Stifter Shinran soll sich für hundert Tage in den Rokkaku-do zurückgezogen haben; am 95. Tag sei ihm Shōtoku im Traum erschienen und habe ihm empfohlen, Schüler des Mönches Hōnen zu werden.

Der Rokkaku-dō gilt als der Tempel, in dem Mönche zuerst Blumenarrangements als Tempelschmuck geschaffen haben. Daraus habe sich die Blumensteckkunst Ikebana entwickelt. Die Tempeltradition führt diese Kunst auf den ersten Abt Ono no Imoko zurück, der aufwendige Blumenarrangements auf seinen Missionen in China kennengelernt habe. Seine Hütte am See (池坊, Ike no bō) sei namensstiftend für die Ikenobō-Richtung des Ikebana gewesen. 1450 gründete Ikenobō Senkei im Rokkaku-dō die erste Ikebanaschule im eigentlichen Sinn.

Nachdem die aus dem Jahr 1125 stammende Haupthalle durch einen Brand zerstört wurde, wurde 1877 das heutige Gebäude in ähnlichem Stil errichtet. Auf dem Tempelgelände befinden sich außerdem Gebetshallen zur Verehrung Shōtokus und Shinrans. In das Pflaster vor der Haupthalle ist der heso ishi (へそ石, „Bauchnabel-Stein“) eingelassen. Nach einer legendären Überlieferung soll es ein Fundamentstein des ursprünglichen Tempels sein, der auch das Zentrum des mittelalterlichen Kyōto gebildet habe. Die heutige Lage des Tempelgebäudes wird damit begründet, dass Kannon einer kaiserlichen Bitte entsprach und das Gebäude durch ein Wunder weiter nach Norden versetzte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rokkaku-dō – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ponsonby-Fane, Richard Arthur Brabazon: Kyoto: The Old Capital of Japan, 794-1869. 1956, S. 110.

Koordinaten: 35° 0′ 26″ N, 135° 45′ 37″ O