Rokytnice nad Jizerou

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Rokytnice nad Jizerou
Wappen von Rokytnice nad Jizerou
Rokytnice nad Jizerou (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Historischer Landesteil: Böhmen
Region: Liberecký kraj
Bezirk: Semily
Fläche: 3695,5404[1] ha
Geographische Lage: 50° 44′ N, 15° 27′ OKoordinaten: 50° 43′ 45″ N, 15° 27′ 9″ O
Höhe: 520 m n.m.
Einwohner: 2.670 (1. Jan. 2018)[2]
Postleitzahl: 512 44–512 45
Kfz-Kennzeichen: L
Verkehr
Bahnanschluss: Martinice v Krkonoších–Rokytnice nad Jizerou
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 7
Verwaltung
Bürgermeister: Petr Matyáš (Stand: 2007)
Adresse: Dolní Rokytnice 197
512 44 Rokytnice nad Jizerou
Gemeindenummer: 577456
Website: www.mesto-rokytnice.cz
Blick auf Rokytnice im Riesengebirge

Rokytnice nad Jizerou (deutsch Rochlitz an der Iser) ist eine Stadt im Riesengebirge in Tschechien. Sie liegt im Tal des Huťský potok (Hüttenbach), eines Nebenflusses der Jizera (Iser) am Fuß des Kotel (Kesselkoppe) 5 km südlich von Harrachov (Harrachsdorf). Die Höhe wird mit 520 m n.m. angegeben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde etwa 1574 gegründet. Ab 1629 wanderten aus Arnau viele evangelische Glaubensflüchtlinge aus Arnau zu. Im Nachbarort, Horní Branná, war bis 1654 die evangelische Kirche das Gotteshaus der Rochlitzer Protestanten. 1682 kam es dann zu einer Exulantenflucht von 200 Personen. Sie zogen mit 300 Rindern als Transportmittel über das Riesengebirge ins protestantische sächsische Schwarzbächl, der Herrschaft Uechtritz, in ihre Glaubensfreiheit. Anführer waren Nathaniel Müller und der Dorfrichter George Gernert. Auf Geheiß des Kaisers und des Kurfürsten von Sachsen wurden 120 Exulanten wieder nach Rochlitz zurückgeführt[3] Im Jahre 1776 kam es abermals in der Region zu einem Bauernaufstand. 1839 eröffnete J. Grossmann eine Textilfabrik. Die Textilindustrie ist immer noch einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige in Rokytnice. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bildete Rochlitz eine Gemeinde im Gerichtsbezirk Rochlitz an der Iser, wobei Rochlitz Sitz des Gerichtsbezirkes war.

1899 bekam Rokytnice einen Bahnhof an der Lokalbahn Starkenbach–Rochlitz.

Der Ort gehörte bis 1918 zu Österreich, dann zur Tschechoslowakei und wurde mit dem Sudetenland 1938 an das Deutsche Reich angegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutsche Bevölkerung vertrieben.

Rokytnice hatte am 1. Januar 2004 3.281 Einwohner.

Nieder-Rochlitz an der Iser,1912

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Rokytnice nad Jizerou besteht aus den Ortsteilen Dolní Rokytnice (Niederrochlitz), Františkov (Franzenthal), Hleďsebe (Siehdichfür), Horní Rokytnice (Oberrochlitz), Hranice (Grenzdorf), Rokytno (Sahlenbach) und Studenov (Kaltenberg).[4] Grundsiedlungseinheiten sind Dolní Rokytnice, Františkov, Háj, Horní Rokytnice, Hranice, Malá Rokytnice (Kleinrochlitz), Rokytno, Studenov und Vilémov (Wilhelmsthal).[5]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Dolní Rokytnice, Františkov v Krkonoších, Horní Rokytnice nad Jizerou und Rokytno v Krkonoších.[6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört die Kirche St. Michael, die in den Jahren 1753 bis 1758 im Stil des Barock gebaut wurde und eine Kirche aus dem Jahr 1598 ersetzte. Als eine weitere Sehenswürdigkeit gilt das Rathaus aus den Jahren 1902 bis 1903, welches in den 1970er Jahren restauriert wurde. Mehrere Häuser in traditioneller Blockbauweise aus dem 17. und 18. Jahrhundert gibt es noch hier und da im Ort. Charakteristisch sind die ca. 30–40 cm starken, schwarzen, behauenen Holzbalken dieser Häuser. Als sehenswert gelten ebenfalls eine Kapelle aus dem Jahr 1768, die Jugendstil Grabmäler der Textilfabrikantenfamilien auf dem Friedhof und der Hüttenbachfall (Huťský vodopád) oberhalb von Rokytno.

Haus des Gerichtsprimus George Gerner 1667–1698
Alte Hofbaude oberhalb Rokytnices

Im Sommer ist die Stadt ein guter Ausgangspunkt für Wandertouren, z. B. zur Hofbaude (Chata Dvoračky); im Winter ist der Ort optimal für Wintersport geeignet. Die Stadt ist von Bergen umgeben, die bekanntesten sind Studená (Kaltenberg, 989 m ü. NN), Plešivec (Plechkamm, 1210 m ü. NN), Lysá hora (Kahle Berg, 1344 m ü. NN), Kotel (Kesselkoppe, 1435 m ü. NN), Vlčí hřeben (Wolfskamm, 1140 m ü. NN), Hejlov (Heilow, 835 m ü. NN) und der Stráž (Wachstein, 782 m ü. NN).

Wintersport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Rokytnice gibt es mehrere räumlich voneinander getrennte Skigebiete. Das größte Skigebiet Horní domky liegt am Talende am Kahlen Berg (Lysá hora) und wird von 2 4er-Sessel- und 9 Teller-Schleppliften erschlossen. Mit einer Höhenlage von 657–1315 m ü. NN bietet es sowohl die höchste Bergstation als auch den größten Höhenunterschied (658 m) aller Skigebiete auf der böhmischen Seite des Riesengebirges. (Die Bergstation auf der Schneekoppe liegt zwar mit 1602 m ü. NN nochmals 287 m höher, ist jedoch nicht Teil eines Skigebietes.)

Das Skigebiet Studenov im gleichnamigen Ortsteil wird von 2 Teller- und 2 Bügel-Schleppliften erschlossen und liegt in einer Höhenlage von 620–933 m ü. NN. Talwärts davon liegen die kleinen ortsnahen Skigebiete Pařez (2 Schlepplifte, 620–680 m ü. NN), Hranice (2 Schlepplifte, 600–650 m ü. NN), Zlatá podkova (1 Schlepplift, 595–675 m ü. NN), Centrum (2 Schlepplifte, 595–625 m ü. NN) und Koupaliště (2 Schlepplifte, 560–595 m ü. NN). Ferner gibt es am Nordhang des Sachrův hřeben (Sacherkamm) noch die Skigebiete Sachrovka (1 Schlepplift, 620–720 m ü. NN), Modrá Hvězda (2 Schlepplifte, 610–730 m ü. NN) und Bahýnka (2 Schlepplifte, 630–700 m ü. NN).

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • George Gernert (1630–1693), Exulantenanführer und Richter
  • Franz Gernert, 1842 Fabrikbesitzer der Baumwollwaren Weberei
  • Augustin Palme (1808–1897), böhmischer Historienmaler
  • Franz Fühmann (1922–1984), deutscher Schriftsteller
  • Franz Donth und Dr. Hans H. Donth, deutsche Historiker der Stadtgeschichte

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rokytnice nad Jizerou – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/577456/Rokytnice-nad-Jizerou
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2018 (PDF; 421 KiB)
  3. Staatsarchiv Dresden, Geheimer Rat, Böhmische u. schlesische Exulanten
  4. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/577456/Obec-Rokytnice-nad-Jizerou
  5. http://www.uir.cz/zsj-obec/577456/Obec-Rokytnice-nad-Jizerou
  6. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/577456/Obec-Rokytnice-nad-Jizerou