Roland Moreno

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Roland Moreno (1996)

Roland Moreno (* als Roland Bahbout 11. Juni 1945 Kairo; † 29. April 2012 in Paris) war ein ägyptisch-französischer Erfinder. Er gilt als einer der Erfinder der Chipkarte.

Moreno kam mit seiner ägyptisch-jüdischen Familie als Kind nach Frankreich, wo die Familie den Namen in Moreno änderte. Er besuchte angesehene Schulen in Paris (Lycée Montaigne und Lycée Condorcet), verließ aber früh die Schule und bezeichnete sich als Autodidakten. Als Schulabbrecher arbeitete er als Botenjunge, als Reporter für ein Detektivmagazin, er arbeitete für die Zeitschrift L'Express und war ein Redakteur bei der Chemiezeitschrift Chimie-Actualités. Ihm wurde in Frankreich am 25. März 1974 das erste detaillierte Patent für eine Chipkarte erteilt, die er mit seiner Firma Innovatron vermarktete. In Frankreich gelangte die Chipkarte früher als in anderen Ländern zum Durchbruch, nachdem sie 1983 von der Telefonfirma France Télécom zum Telefonieren eingeführt worden war.

Ursprünglich wollte er sie als eine Art Siegelring einführen, mit dem sich Benutzer authentifizieren konnten. Die Karte nannte er carte à puce (Floh-Karte, wegen der Größe des Chips) und ein erstes Projekt dazu nannte er nach einem Woody Allen-Film TMR (nach dem Film Take the money and run von 1969), was er zu RMT umstellte für die Forschungsabteilung seiner Firma Innovatron. Bis 2012 verdiente er mit seiner Erfindung über 120 Millionen Euro. International war er dagegen zum Zeitpunkt seines Todes wenig bekannt; als Erfinder der Chipkarte gelten im Allgemeinen die Deutschen Jürgen Dethloff und Helmut Gröttrup mit einem Patent von 1969.

Auch später war er als Erfinder tätig, besonders auf dem Gebiet der Computermusik, speziell bei dem heute nicht mehr existierenden Online-Musik-Sender Radio Deliro. Er selbst nannte Bach, Mozart und Boris Vian als seine bevorzugten Musiker.

In Frankreich hatte man von ihm wegen seines Aussehens und Auftretens – er hatte den Ruf etwas unorganisiert zu sein – das Bild des verrückten Erfinders; so diente er als Vorlage für den Erfinder eines Liebes-Computers in dem französischen Film Les Sous-Doués en Vacances von 1982.

Er veröffentlichte mehrere Bücher, darunter ein Kochbuch unter dem Pseudonym Laure Dynateur (das in der Aussprache an l'ordinateur erinnert, im Französischen ein Wort für Computer).

2008 erlitt er eine Embolie.

2009 wurde er Offizier der Ehrenlegion. 1996 erhielt er mit Dethloff den Technologiepreis der Eduard-Rhein-Stiftung für die Erfindung der Chipkarte.

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