Rolandmühle

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Rolandmühle

Die Rolandmühle in Bremen ist eine industrielle Getreidemühle, die als eines der wichtigsten privaten Produktionsunternehmen der bremischen Hafenwirtschaft gilt. Das Unternehmen hat ca. 100 Beschäftigte und verarbeitet nach eigenen Angaben jährlich 350.000 Tonnen Getreide zu Mehlprodukten für Handwerk und Industrie. Verarbeitet wird Importgetreide und regionale Getreideaufkommen. Beliefert werden regionale Abnehmer und Exportkunden.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach der Etablierung der Müllerfamilie Erling auf einer Bremer Pachtmühle im Jahre 1811 ließ Johann Erling 1832 die erste eigene Windmühle errichten. Die Herdentorswallmühle steht heute noch als eine der letzten Bremer Windmühlen in den Wallanlagen. Es folgte 1846 die Stephanitorsmühle, deren oberer Teil 1911 abbrannte; der untere Teil diente noch bis 1930 als Wohnung und wurde erst bei der Erneuerung der Gleisanlagen des Weserbahnhofs abgebrochen. 1882 entstand die Dampfmühle an der Tannenstraße in Vegesack, die 1897 abbrannte.

Nachdem die erste Dampfmühle zerstört war und mit wachsendem wirtschaftlichen Erfolg Windmühlen nicht mehr ausreichten, gründete Carl Erling 1897 eine Aktiengesellschaft und baute am Bremer Holzhafen einen Backsteinbau mit einer Dampfmühle. Sie hatte eine Leistung von 100 Tonnen pro Tag. Der benötigte Weizen wurde mittlerweile aus aller Welt importiert und das Mehl mit Binnenschiffen innerhalb Deutschlands abgesetzt. Für den Überseeexport nutzte man Seeschiffe.

In den folgenden Jahren wurde die Mühle ständig erweitert und ihre Leistung auf 800 Tonnen pro Tag gesteigert. 1925 wurde der erste Siloturm gebaut und fünf Jahre später kam es zur ersten Übernahme einer anderen Mühle. 1940 wurde ein zweites Silo eingeweiht, so dass die Rolandmühle eine Lagerkapazität von 30.000 Tonnen hatte.

Nach Aufkäufen von Konkurrenzbetrieben wie die Grohner Mühlenwerke und die Hansamühle AG während der Weltwirtschaftskrise wandelte Hans Erling als Vorstandsmitglied die Bremer Rohlandmühle AG 1937 in einen Familienbetrieb um.[1]

Eine sinnlose Zerstörung der Mühle durch Sprengung auf Veranlassung der Wehrmacht konnte 1945 im Zweiten Weltkrieg verhindert werden.

Anfang der 1970er Jahre brach ein stählerner Getreidesilo der Rolandmühle infolge eines Korrosionsschadens und das ungemahlene Getreide ergoss sich ohne weitere Personen- oder Sachschäden auf die Straße.

Mehlstaubexplosion[Bearbeiten]

Der Betrieb geriet durch einen Brandunfall am 6. Februar 1979 erneut in die Schlagzeilen. Ursache war eine der stärksten Explosionen weltweit zu Friedenszeiten.[2] Ein Kabelbrand[3] löste in einer am Kai befindlichen Probenkammer die gewaltigste Mehlstaubexplosion der deutschen Geschichte aus. Von hier aus breitete sich der Brand über eine Förderbrücke unter weiteren kleinen Mehlstaubexplosionen längs dieser Brücke, die den oberen Mehlspeicher mit Mehlstaub anfüllte, weiter aus. In diesem Raum löste dann eine weitere kleine Explosion die Katastrophe aus, die auch noch ein Mehlsilo in Brand setzte.[4]

Die Dächer der Silos wurden durch die Druckwelle hochgerissen, Wände zum Einsturz und ganze Gebäude zum Bersten gebracht. Noch in weiter Entfernung zur Mühle gingen in Wohnhäusern Fensterscheiben zu Bruch und über einem etwa 30 Hektar großen Areal ging ein Regen aus Mehl nieder. Bei den Detonationen verloren 14 Menschen ihr Leben; 17 wurden zum Teil schwer verletzt. Der Brand dauerte noch ungefähr bis zum 12. März 1979. Das Unglück verursachte einen Sachschaden von über 100 Millionen DM,[5] was heute etwa 112 Mio. Euro entspräche.[6] Die Rolandmühle wurde danach wieder vollständig aufgebaut.

Die Getreidesilos der Rolandmühle

Situation heute[Bearbeiten]

Heute ist die Mühlenanlage mit modernen Silos ausgestattet, insgesamt verfügt sie über 12 Klein- und drei Großsilos.

Die Mühle ist eine wichtige Stütze der bremischen Hafenwirtschaft und ein großer Arbeitgeber in den angrenzenden Ortsteilen. Der Großteil der Produktion wird heutzutage verschifft. Im Jahre 2004 fusionierte das Unternehmen mit zwei kleineren Betrieben.

Das Unternehmen wird aktuell von Hans-Christoph Erling und Berend Jürgen Erling geführt.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Helmut R. Hoppe. In: Historische Gesellschaft zu Bremen, Staatsarchiv Bremen (Hrsg.): Bremische Biographie : 1912–1962. Verlag H. M. Hauschild, Bremen 1969, S. 140f.
  2. R. Eckhoff: Dust Explosions in the Process Industries 2. Auflage. Butterworth-Heinemann, ISBN 0-7506-3270-4, S. 157 ff.
  3. Explosionsursache geklärt. In: Hamburger Abendblatt. 24. Februar 1979. (kostenpflichtig)
  4. Deutsche Feuerwehr-Zeitung. Heft 2.1980.
  5. Daniel Münter: Mehlstaubexplosionen – ein Funke genügt! In: Reinhart Brüning u.a.: Quarks & Co. - „Vorsicht Explosionsgefahr!“ (PDF; 379 kB) S. 6. auf: wdr.de
  6. Diese Zahl wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, auf volle Millionen EUR gerundet und gilt für den zurückliegenden Januar.

53.0992527777788.7731361111111Koordinaten: 53° 5′ 57,3″ N, 8° 46′ 23,3″ O