Rolf Johannesson

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Rolf Johannesson (* 22. Juli 1900 in Berlin-Lichterfelde; † 6. Dezember 1989 in Hamburg) war ein deutscher Marineoffizier, zuletzt als Befehlshaber der Flotte im Dienstgrad Konteradmiral. Nach seiner Zurruhesetzung war er Bundesbeauftragter beim Seeamt Hamburg.

Leben[Bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten]

Rolf Johannesson war der Sohn eines Studiendirektors, der an der preußischen Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde unterrichtete. Er selber besuchte wie seine Brüder ein öffentliches Gymnasium und machte dort 1918 Abitur.

Kaiserliche Marine und Zeit nach dem Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1918 trat Johannesson als Seekadett der Crew VII/18 in die Kaiserliche Marine ein. Nach kurzer Ausbildung an der Marineschule Mürwik wurde er im Oktober 1918 zum Bordpraktikum auf das Linienschiff SMS Schlesien versetzt und nahm an dessen Irrfahrt durch die Ostsee während der Revolutionswirren teil.

Am 30. November 1918 wurden alle Seekadetten durch den Arbeiter- und Soldatenrat entlassen. Johannesson kehrte nach Hause zurück und begann Anfang Dezember ein Studium der Rechtswissenschaft und der Nationalökonomie in Berlin. Noch im selben Monat meldete er sich als Freiwilliger bei einem Regiment, das die deutsch-sprachige Bevölkerung im Baltikum verteidigen sollte.

Im Juli 1919 verließ Johannesson das Militär und nahm sein Studium wieder auf. Parallel absolvierte er eine Banklehre. Nach deren Abschluss wechselte er 1920 an die Universität Tübingen.

Reichsmarine[Bearbeiten]

Als die neu entstehende Reichsmarine nach dem Kapp-Putsch im März 1920 auf Grund ihrer unklaren Haltung gegenüber der Republik öffentlich stark in die Kritik geraten war, bemühte sie sich um einen personellen Neuanfang mit unbelasteten Ehemaligen. Johannesson hatte anfangs wenig Interesse, entschloss sich jedoch im Laufe des Jahres zur Rückkehr in den Marinedienst. Zusammen mit etwa 20 weiteren Offizieranwärtern wurde er der neu zusammengestellten Crew 20 zugeteilt.

Ab Februar 1921 war er, immer noch als Seekadett, zum Bordpraktikum zunächst auf dem Minensuchboot M 66 eingesetzt und nahm an der Räumung von im Ersten Weltkrieg gelegten Minen an der niederländischen Küste teil. Es folgte ein weiteres Praktikum auf dem Kreuzer Hamburg, der ebenfalls zur Unterstützung von Minenräumoperationen, diesmal im Weißen Meer eingesetzt wurde. Nach bestandener Fähnrichsprüfung wurde Johannesson am 1. April 1922 zum Fähnrich zur See befördert und zur weiteren Ausbildung an die Marineschule in Mürwik versetzt. 1923 bestand er die Seeoffizierhauptprüfung mit der Note „sehr gut“. Es folgte eine weitere Ausbildung an Waffensystemen und praktische Offizierausbildung auf dem Kreuzer Berlin.

Zum Leutnant zur See befördert diente Johannesson ab 1924 drei Jahre als Wachoffizier auf Torpedobooten in der Ostsee. Anschließend wurde er Adjutant zunächst bei der Artillerie-Schule und der III. Marine-Artillerie-Abteilung, ab 1928 beim Chef der Marinestation Ostsee, Konteradmiral Gottfried Hansen. Von 1930 bis 1932 war er Wachoffizier und Zweiter Artillerieoffizier auf dem Kreuzer Königsberg. Im Oktober 1932 wurde Johannesson Kommandant des Torpedoboots T 190, später des Torpedoboots G 8. Im Oktober 1934 wurde er in die Abwehrabteilung des Reichswehrministeriums versetzt.

Kriegsmarine[Bearbeiten]

1935 wurde die Reichsmarine in Kriegsmarine umbenannt. Johannesson blieb in ihren Diensten und war bis 1937 mit Aufgaben des Geheimschutzes einschließlich der Tarnung geheimer Ubootprojekte im Reichswehrministerium betraut. Im Sommer 1937 wurde er Leiter der Sabotage- und Spionageabwehr der Legion Condor nach Salamanca in Spanien und kehrte im November desselben Jahres nach Deutschland zurück. Dort wurde er unter Beförderung zum Korvettenkapitän Leiter der gemeinsamen Ausbildungsabteilung der 3. und 5. Zerstörerflottille, um die Besatzungen neuer Zerstörer auszubilden. Am 8. Juni stellte er als Kommandant den Zerstörer Erich Steinbrinck in Dienst.

Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er mit diesem Schiff in der Ost- und Nordsee eingesetzt, darunter für Minenlegeoperationen vor der englischen Küste. Im Juni 1940 nahm Erich Steinbrinck im Nordmeer am Unternehmen Juno zur Unterstützung der Besetzung Norwegens teil. Es folgten Operationen im Ärmelkanal und an der französischen Atlantikküste.

Im Februar 1942 übergab Johannesson das Kommando über Erich Steinbrinck. Bereits vorab war er ab Herbst 1941 vertretungsweise als I. Admiralstabsoffizier beim Admiral Ägäis eingesetzt worden. Am 21. März 1942 stellte er den erbeuteten griechischen Zerstörer Vasilefs Geogios I. als ZG 3, später ZG 3 Hermes, als Kommandant in Dienst. Es handelte sich um das größte deutsche Kriegsschiff im Mittelmeer. Für den Einsatz dieses Schiffes in diversen Operationen erhielt Johannesson am 7. Dezember 1942 das Ritterkreuz.

Im April 1943 wurde Johannesson Chef der 4. Zerstörerflottille mit sieben neuen Zerstörern Z31 bis Z34 und Z37 bis Z39 des Typs 1936 A (Mob), die nach Ausbildung in der Ostsee nach Nordnorwegen verlegt wurde und dort zusammen mit den Schlachtschiffen Scharnhorst und Tirpitz operierte. Nach der Versenkung der Scharnhorst und dem Tod des Befehlshabers der Kampfgruppe war er von Februar bis Juni 1944 zeitweise mit deren Führung beauftragt.[1]

In dieser Zeit kam es zu offenen Meinungsverschiedenheiten zwischen Johannesson und der Marineführung auch wegen seiner offensichtlich kritischen Haltung zu Führungsentscheidungen und zum Nationalsozialismus im Allgemeinen. Trotzdem wurde er im Dezember auf eine Admiralsstelle versetzt. Nachdem es Widerstand gegen eine weitere Verwendung in Norwegen gegeben hatte, wurde er Seekommandant Elbe- und Wesermündung, wo er am 30. Januar zum Konteradmiral befördert wurde.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach der Kapitulation der Wehrmacht ließ die britische Besatzungsmacht Johannessons Dienststelle zunächst weiter bestehen, um die Auflösung der in diesem Bereich liegenden Wehrmachtsteile abzuwickeln und solange eine deutsche Militärverwaltung aufrechtzuerhalten. Erst im Januar 1946 wurde Johannesson in Kriegsgefangenschaft genommen, die er in einem britischen Generals- und Admiralslager in Belgien verbrachte. Im November 1946 wurde er entlassen.

1947 fand Johannesson unter Vermittlung des Pastors und früheren Marineoffiziers Martin Niemöller bei der evangelischen Kirche Anstellung. Er diente im Kirchlichen Außenamt als Büroleiter und Finanzreferent.

Bundesmarine[Bearbeiten]

1955 bewarb sich Johannesson um die Einstellung in die in Planung befindliche Bundesmarine. Nach Überprüfung im Personalgutachterausschuss wurde er als einer von sechs ehemaligen Admiralen der Kriegsmarine angenommen. Am 1. Januar 1957 wurde er als Flottillenadmiral in den Dienst übernommen. Nach einem dreimonatigen Praktikum bei der 6. US-Flotte im Mittelmeer wurde er am 1. April zum ersten Kommandeur der Seestreitkräfte ernannt.[A 1] Dieser Dienstposten wurde später in Kommandeur der Flotte und schließlich in Befehlshaber der Flotte umbenannt.

Während seiner Zeit als Befehlshaber bemühte sich Johannesson vor allem darum, die für die deutsche Marine unzweckmäßige Einbindung in die NATO-Kommandostruktur zu verbessern. In dieser Struktur hatte das Flottenkommando keine operative Führungsfunktion im Kriegsfall. Die für die operative Führung zuständigen Befehlshaber der Seestreitkräfte der Nordsee und der Ostsee unterstanden dem Flottenkommando zwar truppendienstlich, einsatzmäßig jedoch zwei verschiedenen NATO-Befehlshabern. Der nächste gemeinsame NATO-Vorgesetzte war der Supreme Allied Commander Europe. Zwar fand Johannesson Unterstützung für seine Änderungswünsche, sie wurden jedoch erst unter seinem Nachfolger realisiert.

Einen weiteren Schwerpunkt legte Johannesson auf die politische und historische Bildung der Marineoffiziere. Er bekannte sich, wenn auch mit einzelnen Einschränkungen, zum Leitbild der Inneren Führung und verteidigte deren Protagonisten Baudissin gegen die seinerzeit häufigen Angriffe vor allem älterer Offiziere. Er begründete die bis heute regelmäßig veranstaltete Historisch-Taktische Tagung der Flotte (HiTaTa), um das Verständnis militärhistorischer Ereignisse zu fördern.

Am 22. Dezember 1958 wurde Johannesson zum Konteradmiral befördert und am 31. August 1961 in den Ruhestand verabschiedet.

Tätigkeiten nach der Pensionierung[Bearbeiten]

Nach seiner Pensionierung war Johannesson zunächst kurzzeitig als Berater der Howaldtswerke-Deutsche Werft tätig und danach als Prokurist der Greiff-Werke in Bamberg, einem Hersteller für Berufsbekleidung. Im Mai 1965 beendete er diese Tätigkeit und übernahm als Nachfolger des Vizeadmirals a.D. Kurt Caesar Hoffmann die Aufgabe des Bundesbeauftragten beim Seeamt Hamburg. Diese Funktion übte er bis 1983 aus und zog sich dann im Alter von 83 Jahren endgültig aus dem Berufsleben zurück.

Autobiografie[Bearbeiten]

1984 begann Johannesson, seine Erinnerungen niederzuschreiben. Mit Förderung des Militärgeschichtlichen Forschungsamts der Bundeswehr erschien 1989 seine Autobiografie Offizier in kritischer Zeit, in der er sich unter anderem mit seiner Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzt. Er beschreibt sich selber als kritisch aber nicht immer konsequent genug und belegt einige seiner Konflikte mit Vorgesetzten und Repräsentanten des Regimes. Seine Tätigkeit nach dem Eintritt in die Bundesmarine war darauf ausgerichtet, die Offiziere besser als seine Generation während der Weimarer Republik auf die Rolle als Soldat im Staatswesen vorzubereiten.

Beförderungen[Bearbeiten]

  • 1. Juli 1918 Eintritt in die Kaiserliche Marine als Seekadett
  • 1. April 1922 Fähnrich zur See
  • 1. Oktober 1923 Oberfähnrich zur See
  • 1. April 1924 Leutnant zur See
  • 1. Januar 1926 Oberleutnant zur See
  • 1. Juli 1933 Kapitänleutnant
  • 1. April 1937 Korvettenkapitän
  • 1. August 1940 Fregattenkapitän
  • 1. September 1942 Kapitän zur See
  • 1. Januar 1945 Konteradmiral
  • 1. Januar 1957 Flottillenadmiral
  • 22. Dezember 1958 Konteradmiral[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolf Johannesson: Offizier in kritischer Zeit Herford und Bonn 1989, ISBN 3-8132-0301-8 (Autobiografie)
  • Johannes Berthold Sander-Nagashima: Die Bundesmarine 1955 bis 1972. Konzeption und Aufbau. Oldenbourg Verlag, München 2006. ISBN 978-3-486-57972-7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. WLB Stuttgart
  2. Lebenslauf bei deutsche-marinesoldaten.de
  3. a b Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939-1945, Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S.422

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Zuvor war Flottillenadmiral Max-Eckart Wolff mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt gewesen, hatte jedoch nicht den Dienstposten inne.