Rolle–Gimel

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Rolle–Gimel
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Streckenlänge: 10,546 km
Maximale Neigung: 87 
Höchstgeschwindigkeit: 18 km/h
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0.0 Rolle Port
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Rolle SBB von Lausanne nach Genf
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1.1 Rolle (SBB Bahnhof)
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2.5 Mont-sur-Rolle (Eglise)
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4.5 Bugnaux
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6.4 Signal-de-Bougy
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8.0 Essertines-sur-Rolle
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10.5 Gimel-les-Bains

Die Überlandstrassenbahn Rolle–Gimel (RG) (frz.: Société du chemin de fer électrique Rolle–Gimel) war eine elektrische Strassenbahn am Nordwestufer des Genfersees im Schweizer Kanton Waadt.

Streckenführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsdurchfahrt Rolle

Die bis zu 87 Promille steile Linie führte von der Kleinstadt Rolle am Ufer des Genfersees über den (damals etwas oberhalb des Dorfkerns gelegenen) Bahnhof Rolle der SBB-Strecke Genf–Lausanne, die Rebberge des Mont-sur-Rolle hinauf und über den Aussichtspunkt Signal de Bougy (mit Freizeitanlage Park im Grünen) zur Endstation am Rande der damals als Sommerfrische Gimel-les-Bains bekannten Ortschaft Gimel. Dort fand sie Anschluss an die Überlandstrassenbahn Allaman–Aubonne–Gimel (AAG), zu der allerdings keine Schienenverbindung bestand. Im Aufstieg nach der Haltestelle Singal de Bougy existierte auf 5 km Länge eine ununterbrochene Steigung von 58 - 69 Promille. Der minimale Radius betrug 20 m.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 10,5 Kilometer lange meterspurige Strecke wurde am 12. Oktober 1898 eröffnet, zwei Monate nachdem die Überlandstrassenbahn Allaman–Aubonne–Gimel vollendet war. Der Betrieb wurde am 30. September 1938 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.

Stromversorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Überlandstrassenbahn produzierte ihren Strom zunächst in einem eigenen Kleinkraftwerk in einem Anbau des Depotgebäudes selber. Dieses erzeugte mit Hilfe zweier mit Kohlegas betriebener Gasmotoren Gleichstrom mit einer Spannung von 650 Volt. Die Leistung der beiden Thury-Generatoren wurde mit 26 kW angegeben. Zusätzlich dienten Akkumulatoren als Reserve und zur Abdeckung von Leistungsspitzen. Bereits 1904 wurde ein der beiden Generatorgruppen durch eine Umformeranlage ersetzt, die durch das damals neu aufgebaute Überlandleitungsnetz der Compagnie vaudoise des forces motrices du Lac de Joux et de l'Orbe gespeist wurde. 1930 wurden die bisherigen Stromerzeugungsanlagenkam durch eine Quecksilberdampfgleichrichter mit 100 kW Leistung ersetzt.

Rollmaterial[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personenmotorwagen Ce 2/2 im Winter 1901/02
Gütermotorwagen Fe 2/2 im Winter 1901/02

Die RG verfügte über vier elektrische Motorwagen, die drei Ce 2/2 1 bis 3 dienten dem Personentransport und der Ke 2/2 11, später in Fe 2/2 umbenannt, dem Güterverkehr. Anhängewagen waren keine im Einsatz, hingegen konnten den Motorwagen Rollwagen für Gepäck und leichtere Güter beigegeben werden.

Die Personenmotorwagen wurden 1898 von der Schweizerischen Industrie-Gesellschaft (SIG) in Neuhausen und der Compagnie de l'Industrie Électrique (CIE), einer Vorgängergesellschaft der Société Anonyme des Ateliers de Sécheron in Genf geliefert. Die mit dem charakteristischen, für die Schweiz untypischen stromlinienförmigen Laternendach[1] versehenen Motorwagen besassen bereits geschlossene Plattformen.

Die Personenmotorwagen und der Gütermotorwagen waren bei der Ablieferung grün gestrichen. Erstere wurden später grau/weiss beziehungsweise hellblau/weiss umlackiert. Um welche Farbtöne es sich genau gehandelt hat, ist nicht mit Sicherheit überliefert. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass das verwendete Tannengrün den damaligen Fahrzeugen der SBB bzw. deren Vorgängergesellschaft Jura-Simplon-Bahn (JS), das Grauweiss etwa jenem der Montreux-Berner-Oberland-Bahn (MOB) und das Hellblau einem bei den Tramways Lausannois (TL) verwendeten Farbton entsprochen hat.

Nach der Betriebseinstellung wurde der 1921 nach einem Unfall neu zusammengebaute Motorwagen Ce 2/2 1 an die benachbarte Überlandstrassenbahn Allaman–Aubonne–Gimel abgegeben, wo er als Ce 2/2 4 noch einige Jahre im Einsatz stand. Alle übrigen Fahrzeuge wurden abgebrochen.

Beschrieb Bezeichnung Nummer Baujahr Einsatz Hersteller
Personenmotorwagen Ce 2/2 1 bis 3 1898 1898–1938 (1) SIG / CIE
Gütermotorwagen Ke 2/2 (2) 11 1898 1898–1938 SIG / CIE

(1) 1938 verkauft an Allaman–Aubonne–Gimel (AAG)
(2) später Fe 2/2

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Röhr, Hans Schweers und Henning Wall: Schmalspurparadies Schweiz. Band 1, Aachen 1986, ISBN 3-921679-38-9
  • Michel Grandguillaume, Jean Paillard, Jean-Louis Rochaix und Gérald Hadorn: Les Tramways vaudois[2]. BVA (Bureau vaudois d'adresses), Lausanne 1979, ISBN 2-88125-001-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rolle–Gimel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. gegen beide Wagenenden hin abgerundete Oberlichtdecke
  2. opac.admin.ch Schweizerische Nationalbibliothek, Helveticat, Suchbegriff Michel Grandguillaume abgerufen am 23. Mai 2013