Roman Deutinger

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Roman Deutinger (* 1970 in Osterhofen) ist ein deutscher Historiker.

Roman Deutinger entstammte einer Lehrerfamilie und besuchte das Gymnasium der Benediktiner in Kloster Niederaltaich. Anschließend studierte er Geschichte, Latein und Musikwissenschaft an der Universität Regensburg. 1992/93 folgte ein Studienaufenthalt in Uppsala. Dabei verfasste er anhand schwedischer Quellen einen Aufsatz über schwedische Verwüstungen in Bayern 1646/48.[1] Im Sommer 1995 folgte in Regensburg der Magister mit einer von Wilfried Hartmann betreuten Arbeit zu Rufinus von Sorrent. Die Arbeit wurde in die renommierte Schriftenreihe der Monumenta Germaniae Historica aufgenommen. 1996/97 war er Stipendiat des bildungsgeschichtlichen Graduiertenkollegs „Ars und Scientia im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit“ an der Universität Tübingen. 1998 promovierte er mit einer von Franz Fuchs angeregten und von Wilfried Hartmann in Tübingen betreuten Arbeit über Leben und Werk des Gelehrten Rahewins von Freising unter bildungsgeschichtlicher Perspektive. Die Arbeit wurde mit summa cum laude beurteilt und ebenfalls in die Schriftenreihe der Monumenta Germaniae Historica aufgenommen. Für die Dissertation erhielt Deutinger 2000 den wissenschaftlichen Förderpreis der Stauferstiftung Göppingen.

1998/99 war Deutinger wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der TU Braunschweig. Seit 1999 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Repertorium Fontium Historiae Medii Aevi an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Seine Habilitation erfolgte im Wintersemester 2004/05 an der Universität München (LMU) mit einer Untersuchung über die Königsherrschaft im ostfränkischen Reich. Deutinger hatte im Sommersemester 2005 für Wilfried Hartmann die Vertretung des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Tübingen inne. Im Wintersemester 2005/06 vertrat er die Oberassistentenstelle in Mittelalterlicher Geschichte von Eva Schlotheuber an der LMU. Im Wintersemester 2009/10 hatte er eine Vertretungsprofessur für Mittelalterliche Geschichte an der Katholischen Universität Eichstätt. 2012 wurde er zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Im Wintersemester 2013/14 übte Deutinger eine Lehrstuhlvertretung für Bayerische Landesgeschichte an der Universität Regensburg aus.

Forschungsschwerpunkte Deutingers sind die Geschichtsschreibung des Hoch- und Spätmittelalters, die Geschichte der Kirche und des Kirchenrechts, die frühmittelalterliche Diplomatik und die Verfassungsgeschichte des Früh- und Hochmittelalters, mit besonderer Berücksichtigung der Entwicklung des Lehnswesens.

Deutinger hat das vorherrschende Bild einer vermeintlichen Königserhebung Arnulfs von Bayern gründlich revidiert. Nach seinen Forschungen hat eine Königserhebung Arnulfs 919 wohl nicht stattgefunden.[2] In seiner 2006 veröffentlichten Habilitation über die Königsherrschaft in der spätkarolingischen Epoche befasste er sich zeitlich vom Beginn der Herrschaft Ludwigs des Deutschen im Jahre 833 bis zum Tod Konrads I. im Jahre 918.[3] Deutinger gelangte zu dem Schluss, dass die Herrschaftsstruktur des ostfränkischen Reichs als polyzentrisch und nicht allein auf den König ausgerichtet anzusehen ist.[4] Der König musste alle anderen Herrschaftsträger für ihre Mitwirkung an der Königsherrschaft immer wieder neu gewinnen. Als wichtigstes Herrschaftsmittel der ostfränkischen Könige gilt ihm daher der Konsens.[5] Königliche Herrschaft basierte nach Deutingers Arbeit vor allem auf Konsens, stützte sich im starkem Maße auf Beziehungen und erforderte die königliche Präsenz. Einen tiefgreifenden Wandel bei der Herrschaftsausübung zwischen dem 9. und dem 10. Jahrhundert hat es nicht gegeben. Nach Deutinger entsprechen die spätkarolingischen Herrschaftsstrukturen eher dem Bild, das die jüngere Forschung von der ottonischen Zeit gewonnen hat: „Die Karolingerherrschaft im Ostfränkischen Reich war eher ‚ottonisch' als ‚karolingisch'.“[6]

Im Jahr 2014 leitete er mit seinem Bruder Stephan Deutinger die Tagung Das Kloster und sein Umfeld. Die Abtei Niederaltaich in ihrem Beziehungsgefüge vom 8. bis zum 18. Jahrhundert. Deutinger legte 2017 die Lex Baioariorum in deutscher Sprache und ausführlichen Erläuterungen vor. Damit erschloss Deutinger die erste und für Jahrhunderte einzige umfassende Aufzeichnung des bayerischen Rechts und machte sie allgemein zugänglich.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien

  • Rufinus von Sorrent. De bono pacis (= Monumenta Germaniae Historica. Studien und Texte. Bd. 17). Hahn, Hannover 1997, ISBN 3-7752-5417-x (Zugleich: Regensburg, Universität, Magisterarbeit, 1995).
  • Rahewin von Freising. Ein Gelehrter des 12. Jahrhunderts (= Monumenta Germaniae Historica. Schriften. Bd. 47). Hahn, Hannover 1999, ISBN 3-7752-5447-1 (Zugleich: Tübingen, Universität, Dissertation, 1998).
  • Königsherrschaft im Ostfränkischen Reich. Eine pragmatische Verfassungsgeschichte der späten Karolingerzeit (= Beiträge zur Geschichte und Quellenkunde des Mittelalters. Bd. 20). Thorbecke, Ostfildern 2006, ISBN 3-7995-5720-2 (Zugleich: München, Universität, Habilitations-Schrift, 2004; Rezension von Hans-Werner Goetz; Rezension von Werner Hechberger).

Herausgeberschaften

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Hilse: Verleihung des wissenschaftlichen Förderpreises der Stauferstiftung Göppingen an Dr. Roman Deutinger. In: Deutschland und Italien zur Stauferzeit (= Schriften zur staufischen Geschichte und Kunst. Bd. 22). Herausgegeben von der Gesellschaft für Staufische Geschichte, Göppingen 2002, ISBN 3-929776-14-6, S. 162–166.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Roman Deutinger: Schwedische Verwüstungen in Bayern 1646/48. Ein Ansatz zur Neuinterpretation anhand schwedischer Quellen. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte. Bd. 57, 1994, S. 719–733, (Digitalisat).
  2. Roman Deutinger: ‚Königswahl' und Herzogserhebung Arnulfs von Bayern. Das Zeugnis der älteren Salzburger Annalen zum Jahr 920. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 58 (2002), S. 17–68 (Digitalisat).
  3. Vgl. die Besprechungen von Stephan Freund in: Passauer Jahrbuch Bd. 50 (2008), S. 335–336; Georg Scheibelreiter in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters Bd. 64 (2008), S. 260–262 (Digitalisat); Hans-Werner Goetz in: sehepunkte 7 (2007), Nr. 7/8 [15. Juli 2007], (online); Brigitte Merta in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 118 (2010), S. 235–236.
  4. Roman Deutinger: Königsherrschaft im Ostfränkischen Reich. Eine pragmatische Verfassungsgeschichte der späten Karolingerzeit. Ostfildern 2006, S. 222.
  5. Roman Deutinger: Königsherrschaft im Ostfränkischen Reich. Eine pragmatische Verfassungsgeschichte der späten Karolingerzeit. Ostfildern 2006, S. 225–272.
  6. Roman Deutinger: Königsherrschaft im Ostfränkischen Reich. Eine pragmatische Verfassungsgeschichte der späten Karolingerzeit. Ostfildern 2006, S. 390.