Romandie

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Sprachgebiete der Schweiz – Mehrheitsverhältnis nach der BFS-Erhebung 2010; Karte mit einem Gemeindebestand per 1. Januar 2017
  • Deutsch
    (65,6 % der Bevölkerung; 73,3 % der Schweizer)
  • Französisch
    (22,8 % der Bevölkerung; 23,4 % der Schweizer)
  • Italienisch
    (8,4 % der Bevölkerung; 6,1 % der Schweizer)
  • Rätoromanisch
    (0,6 % der Bevölkerung; 0,7 % der Schweizer)

Als Romandie bzw. Suisse romande[1] (auch französischsprachige Schweiz bzw. französische Schweiz, Welschland, Welschschweiz oder Westschweiz) werden die frankophonen Gebiete der Schweiz mit einer Bevölkerungszahl von rund 2 Millionen bezeichnet.[2]

Die Romandie besteht aus den Kantonen Genf, Jura, Neuenburg und Waadt mit Französisch als Amtssprache sowie den frankophonen Teilen der zweisprachigen Kantone Bern (Biel/Bienne, Berner Jura), Freiburg und Wallis (Unterwallis). Während die 2 Millionen Einwohner der Romandie rund einen Viertel der schweizerischen Gesamtbevölkerung stellen, ist die Stadt Genf nach Zürich und vor Basel die zweitgrösste Stadt und Lausanne vor der Bundeshauptstadt Bern die viertgrösste Stadt des Landes.

Unterschiedliche Innen- und Aussensicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Sprachregionen im politischen System der Schweiz nicht existieren, handelt es sich um eine relativ diffuse kulturelle «Einheit», die hauptsächlich durch die gemeinsame Sprache definiert ist.

Die Bewohner der Romandie nennen sich selbst Suisses romands oder (kurz) Romands. Dadurch grenzen sie sich einerseits explizit von der restlichen Schweizer Bevölkerung ab, andererseits von den Franzosen.

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Romandie wird generell Standardfranzösisch gesprochen. Verschiedene regionale Dialekte (Patois) der frankoprovenzalischen Sprache sind vom Aussterben bedroht (1990 sprachen nur noch 2 Prozent der frankophonen Bevölkerung der Schweiz Patois). In der Aussprache und im Vokabular sind noch einige Differenzen zur französischen Standardsprache bemerkbar. Dies fällt im Alltag besonders bei den Zahlwörtern auf: Hier heisst es «septante» (70), «huitante» (80, dies nur in den Kantonen Freiburg, Waadt und Wallis) und «nonante» (90) statt «soixante-dix», «quatre-vingts» und «quatre-vingt-dix». Neben den aus dem Patois stammenden Archaismen sind auch viele Germanismen bekannt, die insbesondere entlang der Sprachgrenzen verstärkt eingesetzt werden.

Gebärdensprache

In der Romandie wird die westschweizer Gebärdensprache verwendet, die Langue des signes Suisse romande (LSF-SR). Sie ist ein Dialekt der Langue des signes française (LSF). LSF-SR gehört wie die Deutschschweizer Gebärdensprache und die Tessiner Gebärdensprache zur Familie der französischen Gebärdensprachen.

Das Palais de l'Athénée, Sitz der Genfer Gesellschaft der Künste
Das Musée Ariana in Genf

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die französische Schweiz ist einerseits sprachlich eng mit dem Kulturleben des Nachbarstaats Frankreich verbunden, jedoch auch stark durch den Austausch mit den anderen Sprachregionen, vornehmlich der Deutschschweiz, geprägt. Obwohl der Landesteil kulturell sehr vielfältig und durch eine Vielzahl von jeweils wieder unterschiedlichen Einflüssen geprägt ist, lässt sich als allgemeines Kulturzentrum der französischen Schweiz die Stadt Genf nennen. Hier befindet sich unter anderem das renommierte Musée d'art et d'histoire, das Musée Ariana, die Bibliotheca Bodmeriana, welche seit dem Jahr 2015 zum UNESCO Weltdokumentenerbe zählt, die Maison Tavel, das Voltaire-Museum, sowie das Museum für Ethnographie, welches im Jahr 2017 mit dem Europäischen Museumspreis ausgezeichnet wurde. In der Stadt liegt auch der Sitz des Orchestre de la Suisse Romande, welches regelmässig in der Victoria Hall, oder dem Conservatoire der Stadt auftritt.

Im Kanton Waadt hingegen findet jährlich das Montreux Jazz Festival statt, welches ein hohes internationales Ansehen geniesst. In der Kantonshauptstadt Lausanne hingegen befinden sich das Museum für Fotografie, das Musée de l’Elysée, als auch die Fondation de l'Hermitage, die städtische Kunstsammlung.

Zu den namhaften Kulturschaffenden der Region zählen unter anderem der in Genf geborene Schriftsteller und Philosoph der Aufklärung Jean Jacques Rousseau, oder im 20. Jahrhundert der Schriftsteller Albert Cohen, die Genfer Philosophin und Autorin Jeanne Hersch oder der in Montreux ansässige russisch-amerikanische Schriftsteller Vladimir Nabokov.

Kulturelle Identität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fondation de l'Hermitage in Lausanne

Obwohl die «Welschen» von den Deutschschweizern oft als kulturell einheitlich und mit einer eigenen Mentalität ausgestattet angesehen werden, betrachten sich die Romands oft mehr ihrem Herkunftskanton zugehörig als der Romandie. Eine gemeinsame Identität bildete sich erst im Gefolge der Spannungen zwischen der deutschen und der welschen Schweiz zu Anfang des 20. Jahrhunderts, vorher war sie in eine liberal-protestantische (Genf, Waadt, Neuenburg, Südjura) und eine katholisch-konservative (Freiburg, Wallis, Nordjura) geteilt.[3] Heute jedoch wird die Existenz eines politisch-kulturellen Röstigrabens als Grenze zur Deutschschweiz kaum je in Frage gestellt.

Politisch ist die Verbindung der Suisses romands zu Frankreich gering, doch kulturell (im engeren Sinne) naturgemäss stärker, während sich die Deutschschweiz eher nach Deutschland und die italienische Schweiz eher nach Oberitalien orientiert.

Grösste Städte der Romandie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sitz der Stadtregierung Genfs, der grössten Stadt der französischen Schweiz
Rang Name 1995 2000 2005 2010 2015 Kanton
1. Genf 173'549 174'999 178'722 187'470 201'164 Kanton GenfKanton Genf Genf
2. Lausanne 115'878 114'889 117'388 127'821 135'629 Kanton WaadtKanton Waadt Waadt
3. Biel/Bienne 50'733 48'840 48'735 51'203 54'163 Kanton BernKanton Bern Bern
4. La Chaux-de-Fonds 37'375 36'747 36'809 37'504 38'957 Kanton NeuenburgKanton Neuenburg Neuenburg
5. Freiburg 32'501 31'691 33'008 34'897 38'489 Kanton FreiburgKanton Freiburg Freiburg

Kantonshauptstädte sind fett vermerkt.

Politik und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ergebnisse der Aussschaffungsiniative (2010), wobei ausser dem deutschsprachigen Kanton Basel-Stadt, die Romandie (bis auf den zweisprachigen Kanton Valais/Wallis) geschlossen gegen die Initiative und die Deutschschweiz einheitlich dafür stimmte

Die Politlandschaft der Sprachregion ist durch ihre Vielfalt und die jeweils unterschiedlichen Ausgangslagen der Kantone sehr vielfältig, dennoch zeichnet sich im Rahmen eidgenössischer Wahlen seit ungefähr der 1990er Jahre oft das Bild ab, dass die Romandie, sowohl in sozialen, als auch ökonomischen Fragen, entgegen der Deutschschweiz, meist liberaler stimmt. Unterschiede innerhalb der Romandie zeigen sich aber oft auch zwischen den ehemals protestantisch und katholisch geprägten Kantonen. Auch ist zu verzeichnen, dass die rechts-konservative Schweizerische Volkspartei, trotz des welschen Vertreters in der Landesregierung, Guy Parmelin, weniger ausgeprägt Fuss zu fassen scheint, als in der Deutschschweiz.[4]

Als Minderheitenregion hat die Romandie jeweils ein verstärktes Interesse daran, in der nationalen Exekutivregierung, also im Bundesrat, vertreten zu sein. Im Jahr 2017 stellt die französische Schweiz, obwohl sie nur 22 % der Schweizer Gesamtbevölkerung konstituiert, mit drei von sieben Bundesräten praktisch die Hälfte aller Mitglieder:

In der Kantonshauptstadt der Waadt, in Lausanne, befindet sich zusätzlich auch der Sitz des Schweizerischen Bundesgerichts.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Romandie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Romandie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christophe Büchi: Nur ein bisschen Brüder. Der Begriff Romandie. In: NZZ, 19. August 2016.
  2. Démographie: suisse romande Le cap des deux millions | L'Hebdo. Abgerufen am 14. Mai 2017 (französisch).
  3. Christophe Büchi: Die welsche Schweiz: Romandie – mehr als nur ein ungeliebtes Wort. In: NZZ, 30. Mai 2015.
  4. Barbara Colpi: SRF News: Wahlen in Neuenburg – Die SVP tut sich in der Romandie noch immer schwer. 3. April 2017, abgerufen am 14. Mai 2017.