Romano Amerio

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Romano Amerio (* 22. Juni 1905 in Lugano; † 4. Oktober 1997 ebenda) war ein römisch-katholischer Philosoph, Theologe und ein später Kritiker der nachkonziliaren Entwicklungen in Liturgie und Ekklesiologie.

Romano Amerio

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amerio wurde 1905 in Lugano geboren und war der Staatsangehörigkeit nach Italiener. Im Jahr 1927 promovierte er an der Katholischen Universität Mailand mit einer Arbeit über Tommaso Campanella. Er war ein Schüler von Agostino Gemelli, dem Gründer der Universität. In den Jahren von 1928 bis 1970 lehrte er Philosophie, Griechisch und Latein am Gymnasium sowie am humanistischen Obergymnasium in Lugano, deren Ehrenbürger er wurde. Angelo Jelmini, Bischof von Lugano und Mitglied der zentralen Vorbereitungskommission des Zweiten Vatikanischen Konzils, zog Amerio zum Studium der Konzilsschemata und zur Mitarbeit an der Abfassung der Stellungnahmen heran. So diente er als Peritus des damaligen Bischofs von Lugano auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil und war zudem auch Berater von Giuseppe Kardinal Siri. Nach und nach entwickelte er sich zum Kritiker des „aggiornamento“. Bekannt wurde Amerio durch seine philosophischen Studien über Antonio Rosmini und seine kritische Edition von Mazonis „Osservazioni sulla morale cattolica“. Seine philosophischen Arbeiten über diesen Philosophen und Dichter des 17. Jahrhunderts gelten als Standardwerke.

In seinen traditionalistischen Schriften identifiziert Amerio drei Syllabi, die nach seiner Auffassung in der nachkonziliaren Zeit implizit und intellektuell negiert wurden: die Enzyklika Quanta Cura, die den Liberalismus und die Weltanschauung der Freimaurer verurteilte; das Dekret Lamentabili sane exitu gegen die wissenschaftliche Bibelkritik und die Enzyklika Humani generis von 1950, die sich gegen neue Ansichten zur Anthropologie und Ekklesiologie in der Kirche wandte.

Amerio war auch ein Gegner der liturgischen Veränderungen, die das Konzil hervorbrachte, und seine Gedanken zu diesem Thema decken sich im Wesentlichen mit der Enzyklika Mediator Dei von Papst Pius XII. Amerio betrachtete die katholische Liturgie als einen Gott darzubringenden Kult und wandte sich gegen Reformtendenzen, die den Menschen stärker in den Fokus des liturgischen Geschehens rückten, wodurch die liturgische Feier nach Amerios Ansicht zu einem „Sich-selbst-Feiern“ degeneriere. Amerio untersuchte auch die mit der Konzilszeit verbundenen institutionellen Veränderungen im Heiligen Offizium und vertrat die Ansicht, dass der formale Verzicht auf den Begriff „Häresie“ in den offiziellen Untersuchungen und Verfahren dramatische Auswirkungen auf das kirchliche Leben, das Studium und die christliche Wissenschaft habe.

Amerio war ein Freund der traditionellen katholischen Apologetik und äußerte sich bestürzt über den Verzicht auf die herkömmlichen Vorstellungen von Bekehrung und Disputation zugunsten der Idee eines rein dialektischen Gesprächsansatzes zwischen Kirche und Welt, wie sie die moderne Fundamentaltheologie vertritt. In seinen philosophischen Schriften hielt er am traditionellen Lehrschema des Thomismus und Augustinismus fest, wie es sich in der Zeit der Neuscholastik in der katholischen Theologie eingebürgert hatte, und lehnte Kantianismus, Hegelianismus und Spinozismus aus religiösen Gründen ab. Amerios Essays wurden von den Vertretern der traditionellen Doktrin der katholischen Kirche gelobt. Ihr Erscheinen fiel in die Zeit des öffentlichen Konflikts zwischen Erzbischof Marcel Lefebvre und dessen traditionalistischer Priesterbruderschaft St. Pius X. und Papst Paul VI. In diesem Konflikt neigte Amerio dem vom Papst verurteilten Traditionsbegriff Lefebvres zu.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Hauptwerk ist das im Jahr 1985 veröffentlichte Buch „Iota Unum“, das eine Bestandsaufnahme jener Veränderungen darstellt, die sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in der katholischen Kirche vollzogen haben. In diesem Werk behandelt er anhand von 42 Kapiteln die gesamte Bandbreite des modernen katholischen Lebens und der modernen katholischen Lehre, die er einer kritischen Betrachtung unterzieht. Dabei stehen im Mittelpunkt: das Zweite Vatikanische Konzil, Priestertum, Katechese, religiöse Orden, Feminismus, Ökumenismus, Glaube, Moral, katholische Kultur, Liturgie und Eschatologie. Dabei zitiert er Ideen, Ereignisse sowie Aussagen von Päpsten, Kardinälen, Bischöfen und Bischofskonferenzen und stellt sie katholischen Prinzipien gegenüber. Auf diese Weise zeigt Amerio den Unterschied zwischen Entwicklung und Veränderung. Amerio stellt fest, dass Bekehrung und Apologetik im nachkonziliaren Dialog von einem „positiven Austausch“ verdrängt wurden: Der Dialog könne bekehren, aber auch pervertieren und von der Wahrheit in den Irrtum führen. Das Werk entstand in den Jahren zwischen 1935 und 1985.

Ein zweiter Band mit dem Titel „Stat Veritas: Fortsetzung von Iota Unum“ erschien im Jahr 1997 postum.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Amerio, Romano: Iota Unum. Eine Studie über die Veränderungen in der katholischen Kirche im 20. Jahrhundert; Ruppichteroth 2000.