Romeo Castellucci

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Romeo Castellucci (* 4. August 1960 in Cesena) ist ein italienischer Regisseur.

Romeo Castellucci (2014)
Romeo Castellucci im Teatro Comunale von Bologna (2014)

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romeo Castellucci studierte zunächst Landwirtschaft, wechselte dann aber an die Accademia di belle arti di Bologna (Universität der Schönen Künste Bologna), wo er das Studium in den Fächern Bühnenbild und Malerei abschloss. Seine Theaterarbeiten sind stark von der bildenden Kunst geprägt. Gemeinsam mit Claudia Castellucci und Chiara Guidi gründete er 1981 die Theatercompagnie Societas Raffaello Sanzio, deren künstlerische Leitung er seither innehat. Benannt hat sich die Compagnie nach Raffaello Sanzio, einem bedeutenden Maler und Baumeister der Hochrenaissance.[1] Die Compagnie ist für radikales, bildmächtiges Gegenwartstheater ("nuovo teatro") bekannt. Castellucci selbst sieht seine Wurzeln in der Antike und beruft sich auf die Poetik von Aristoteles. Castellucci hat eine bild- und klanggewaltige Bühnenästhetik entwickelt, die weitestgehend ohne Dialoge auskommt und suggestiv wirkt. Zuschauer werden mitunter mit intensiven und komplexen "Erfahrungswelten" und "eindrücklichen Bildern" konfrontiert, "die sich trotz ihres hartnäckigen Ins-Gedächtnis-Brennens radikal der Greifbarkeit entziehen"[2], so der Theaterwissenschaftler Denis Leifeld über die Inszenierung Hey Girl!, die 2007 in Avignon uraufgeführt wurde. In Deutschland gastierte die Societas Raffaello Sanzio wiederholt am Hebbel-Theater Berlin und bei der euro-scene Leipzig. 2005 leitete Castellucci die Theaterbiennale in Venedig. Er hat zahlreiche theatertheoretische Schriften veröffentlicht und mehrere Video- und Filmprojekte realisiert. 2008 war er gemeinsam mit Valérie Dréville artiste associé des Festivals von Avignon.

Sul concetto di volto nel figlio di Duo (Über das Konzept des Angesichts bei Gottes Sohn) sorgte 2012 im Berliner Hebbel am Ufer für einen Theaterskandal.[3] Die Aufführung zeigte, wie ein alter Mann von seinem Sohn versorgt wird. Der Alte ist inkontinent, beschmutzt sich und seine Wohnung, der einst Kleine sorgt für den Papa, der wieder zum Kind wird, dies vor einem überdimensionalen Christusbild von Antonello da Messina. Die Zuschauer in Berlin zeigten sich über den Fäkaliengeruch und „die Handlung zwar teils schockiert“,[4] akklamierten dem Stück aber. Die Inszenierung hatte zuvor bereits in verschiedenen italienischen Städten zu heftigen Diskussionen und Protesten durch konservative katholische Gruppen geführt, zum Teil in militanter Form. Vorstellungen in Paris konnten nur unter Polizeischutz stattfinden. Der deutsche Kardinal Rainer Maria Woelki sprach von Blasphemie – ohne das Stück jedoch gesehen zu haben. Die Presse verteidigte die Aufführung: „Früher brauchte das Theater den Skandal. Hier wollen Kirchenleute ihn herbeireden. Um etwas zu schützen, das ihnen entglitten ist – die Seele und das Gefühl der Zeitgenossen.“[5] Die Produktion gastierte auch – im Rahmen der Wiener Festwochen – am Burgtheater, ebenfalls unter Protesten von Klerikalkonservativen.

Bei den Salzburger Festspielen 2018 inszenierte er (Regie, Bühne, Kostüme und Licht) das Musikdrama Salome von Richard Strauss aus dem Jahre 1905.[6][7]

Inszenierungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufführungen 2002 – 2004: Festival von Avignon; Hebbel-Theater, Berlin; KunstenFESTIVALdesArts-Bruxelles/Brussel; Bergen International Festival; Odéon – Théâtre de l’Europe und Festival d’Automne-Paris; RomaEuropa Festival; Le maillon-Théâtre de Strasbourg; LIFT (London International Festival of Theatre); Théâtre des Bernardines und Théâtre du Gymnase-Marseille [8]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2002–2004 – zehnteiliger Filmzyklus Tragedia Endogonidia

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Denis Leifeld: Performances zur Sprache bringen. Zur Aufführungsanalyse von Performern in Theater und Kunst. transkript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-2805-0, S. 220.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eleni Papalexiou & Avra Xepapadakou: About SRS. In: Arch-Archival Reserch & Cultural Heritage. The Theatre Archive of Societas Raffaello Sanzio. 1. Oktober 2017, abgerufen am 1. Oktober 2017 (englisch).
  2. * Denis Leifeld: Performances zur Sprache bringen. Zur Aufführungsanalyse von Performern in Theater und Kunst. transkript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-2805-0.
  3. Eleni Papalexiou: Ecce Homo: On the Concept of the Face Regarding the Son of God. In: Theater der Zeit. Januar 2011. Berlin Januar 2011, S. 67.
  4. Demenz, Kot und Handgranaten
  5. Rüdiger Schaper: Ein Mensch. Berliner Tagesspiegel, 7. März 2012
  6. Richard Strauss Salome, auf der WebSite der Salzburger Festspiele, abgerufen am 15. Juli 2018
  7. Romeo Castellucci Künstlerbiografie auf salzburgerfestspiele.at, abgerufen am 15. Juli 2018
  8. Tragedia Endogonidia, 2002 – 2004 abgerufen am 12. August 2018
  9. Kritik auf teatro.org (it.) (abgerufen am 7. Oktober 2012)
  10. Die Teufelskatze steckt im Detailin FAZ vom 9. September 2014, Seite 13

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]