Ronald Lötzsch

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Ronald Lötzsch (* 1. Oktober 1931; † 16. Juni 2018) war ein deutscher Sprachwissenschaftler und Hochschullehrer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lötzsch studierte von 1951 bis 1955 Russistik an der Universität Leningrad. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit einem Problem der sorbischen Grammatik. Im Rahmen des Prozesses gegen die „Schröder-Lucht-Gruppe“ wurde er 1958 zur Haft im Gefängnis der Staatssicherheit Bautzen II wegen angeblicher Beihilfe zum Staatsverrat verurteilt. Durch die im September 1960 verkündete Amnestie musste er seine Strafe nicht vollständig absitzen. Ab 1961 konnte er wieder in seinem Beruf als Sprachwissenschaftler am Institut für Slawistik der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin arbeiten.[1]

Im Jahr 1963 promovierte Ronald Lötzsch an der Humboldt-Universität zu Berlin mit der Arbeit Die spezifischen Neuerungen der sorbischen Dualflexion zum Dr. phil. Er war Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften der DDR bis zu deren Abwicklung 1991. Von 1993 bis 1995 hatte er den Lehrstuhl für Sorabistik der Universität Leipzig inne und war Direktor des dortigen Instituts für Sorabistik. Er veröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten über slawische Sprachen, das Jiddische, das Deutsche und Esperanto, über Dialektologie, Kontaktlinguistik, Lexikografie und Lexikologie, Interlinguistik, Geschichte der Sprachwissenschaft, Minderheiten- und Sprachpolitik sowie deutsche Rechtschreibung. Darüber hinaus ist Lötzsch Autor von Wörterbüchern. Lötzsch war Mitglied in der Gesellschaft für Interlinguistik (GIL).

Er engagierte sich im Esperanto-Verband im Kulturbund der DDR und war nach dem Zusammenschluss mit dem Deutschen Esperanto-Bund 1991 dessen stellvertretender Vorsitzender.

Lötzsch war seit 1987 in dritter Ehe mit Gesine Lötzsch verheiratet und Vater von vier Söhnen aus zwei Ehen. Aufgrund einer schweren Erkrankung wurde Ronald Lötzsch Ende März 2012 in die Notaufnahme eines Berliner Krankenhauses eingeliefert.[2] Seine Frau legte am 10. April 2012 das Amt der Vorsitzenden der Partei Die Linke nieder, um nicht mehr so oft vom Wohnort Berlin abwesend zu sein. Ronald Lötzsch starb am 16. Juni 2018 im Alter von 86 Jahren.[3]

Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1962 bis Mitte der 1980er Jahre war Lötzsch als Inoffizieller Mitarbeiter mit dem Decknamen „Heinz“ für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) tätig. Dies ergibt sich aus einer der Stasi-Unterlagen-Behörde über ihn vorliegenden Akte des MfS, die 457 Seiten umfasst, mehr als 100 Treffen dokumentiert und unter anderem 19 von ihm verfasste handschriftliche Berichte aufweist. Die Akte enthält auch die handschriftliche Verpflichtungserklärung vom 29. März 1962. Darin heißt es: „Ich werde alle erhaltenen Aufträge gewissenhaft ausführen und ehrlich gegenüber dem MfS berichten. Über die Zusammenarbeit werde ich mit keiner Person auch nicht andeutungsweise sprechen.“ Sein Führungsoffizier beim MfS beurteilte ihn so: „Er erledigt seine Aufträge gewissenhaft, mit Eigeninitiative und zuverlässig. Er wird im Wesentlichen zur Bearbeitung von Sprachwissenschaftlern eingesetzt.“ Bei seiner Anwerbung als Stasi-Spitzel wurde nach Aktenlage kein Druck ausgeübt.[4][5] Zwei Jahre nach der Stasi-Anwerbung wurde seine Strafe 1964 getilgt.[6]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Einheit und Gliederung des Sorbischen. Akademie-Verlag, Berlin 1965.
  • Jiddisches Wörterbuch. Bibliographisches Institut, Leipzig 1990; Mannheim 1992 (Duden Taschenbücher, Bd. 24), ISBN 978-3-411-06241-6; Berlin 2018, ISBN 978-3-411-06243-0.
  • Langenscheidts Großwörterbuch Deutsch–Russisch. 2 Bände. Langenscheidt, München 1997, ISBN 978-3-468-02295-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ronald Lötzsch: Das Ende einer „unverbrüchlichen Freundschaft“. In: Stasi-Unterlagenbehörde (Hrsg.): Niedergang der DDR – ehrlich gekämpft und verloren (= Spurensicherung. Band 4). GNN-Verlag, Schkeuditz 2002, ISBN 3-89819-110-9, S. 215 ff.
  2. Aert van Riel: LINKE-Chefin tritt zurück. In: neues deutschland, 12. April 2012.
  3. Armin Jähne: Nekrolog auf unser Mitglied Prof. Dr. Ronald Lötzsch. Leibniz-Sozietät, 2. Juli 2018, abgerufen am 6. Juli 2018.
  4. Dirk Banse, Uwe Müller: Stasi-Probleme für künftige Linkspartei-Chefin. In: Die Welt. 16. März 2010, abgerufen am 26. April 2020.
  5. Stasi: Ehemann von Gesine Lötzsch steht unter IM-Verdacht. In: Spiegel Online. 16. März 2010, abgerufen am 26. April 2020.
  6. Rudi Wais, Nicole Knill: Lötzsch: Rücktritt aus Sorge um kranken Ehemann. In: Main-Post. 11. April 2011, abgerufen am 26. April 2020.