Ronald Steckel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ronald Steckel

Ronald Steckel (* 1945 auf Sylt) ist ein deutscher Autor, Komponist, Regisseur und Multimediakünstler.[1]

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steckel besuchte ein Gymnasium in Hamburg und studierte Sprachen an der Universität Heidelberg. 1966 bis 1968 lebte er in London. Nach der Rückkehr aus England zog Steckel im Herbst 1968 nach West-Berlin und veröffentlichte 1969 in der von Bernward Vesper geführten Edition Voltaire das Handbuch Bewusstseinserweiternde Drogen – eine Aufforderung zur Diskussion, „damals das erste originäre deutsche Drogenbuch der psychedelisierten Neuzeit“.[2] In den frühen siebziger Jahren zog Steckel sich aus dem öffentlichen Diskurs um die Psychedelika zurück und veröffentlichte 1973 den Essay Herz der Wirklichkeit,[3] in dem er der Bewusstseinswandlung des Einzelnen den Hauptimpuls bei der Verwirklichung einer neuen Gesellschaft zusprach. Es kam zu gemeinsamen Arbeiten mit Jonatan Briel, Bernward Vesper, Peter Michael Hamel, Ulrich Gerhardt, Walter Bachauer und Jean Gebser. 1972 Heirat mit der Kunsthistorikerin und Kuratorin Hannah Weitemeier; 1974 und 1977 wurden die Kinder Sita und Jonas geboren.

1974 begann Steckel seine Medienarbeit mit einer Reihe von Kurzfilmen für den SFB und produziert seitdem als freier Autor, Komponist und Regisseur experimentelle Hörstücke, Radio-Features, Theaterstücke und Filme. 1984 realisierte er mit Wolfgang Neuss das Hörstück Die Mauer – die größte Wandzeitung der Welt,[4] in dem alle in den 28 Mauerjahren an die Berliner Mauer geschriebenen Graffiti zur Sprache gebracht wurden. Mitte der 80er Jahre begann die Theaterarbeit am Schauspielhaus Bochum unter der Intendanz seines Bruders Frank-Patrick Steckel, zunächst als Komponist, dann als Autor und Regisseur eigener Produktionen, die er in den 90er Jahren vor allem am Berliner Hebbel-Theater und am Deutschen Theater realisierte. Als Theaterkomponist arbeitete er unter anderem mit Frank-Patrick Steckel, Claus Peymann, Andrea Breth, Jürgen Gosch, Urs Troller, Niels-Peter Rudolph, Gerhard Bohner, Jette Steckel und Edith Clever.

Steckels mediale Arbeiten umfassen eine extreme inhaltliche Polarität: viele seiner Audioproduktionen und Theaterarbeiten beziehen sich auf die jüngere deutsche Geschichte, den Holocaust und die Realität des geteilten Deutschland. Auf der anderen Seite realisierte er für die ARD zahlreiche Hörstücke mit Texten aus der Philosophia perennis, unter anderem von Laozi, Zhuangzi, Plotin, Huang Po, Johannes Tauler, Meister Eckhart, Rumi, Jacob Böhme, Novalis, Kazimir Malevič, Simone Weil und Ramana Maharshi. 1989 gewann sein Hörstück Der Neue Berliner Totentanz den 1. Preis auf der Ars Acustica in Stettin. [5] 1993 brachte Steckel mit Studenten der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin, an der er von 1993 bis 2003 als Gastdozent für Schauspiel tätig war, unter dem Titel Epitaph Texte des österreichischen Dichters Heimrad Bäcker im Berliner Hebbel-Theater auf die Bühne; das gleichnamige Hörstück Epitaph wurde 2004 als Hörspiel des Monats ausgezeichnet. Am 10. Mai 1998 inszenierte er auf dem Berliner Bebelplatz eine öffentliche Lesung aus Texten der am 10. Mai 1933 „verbrannten Dichter“, die vom SFB als Live-Hörspiel gesendet wurde.

2005 veröffentlichte er zum 60. Jahrestag der Befreiung des Lagers Auschwitz das Hörstück Auschwitz. Stimmen, eine dreistündige Montage aus den Originaltonaufnahmen des 1. Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1961–1963).[6] Im Januar 2007 installierte er Auschwitz. Stimmen als Klanginstallation am Holocaust-Mahnmal in Berlin.

Gemeinsam mit dem Berliner Schauspieler und Filmemacher Max Hopp gründete Steckel 2005 das nootheater als Kooperative für Film-, Theater- und Audio-produktionen.[7] 2008 erschien die nootheater-Filmproduktion Das schöne Licht der Utopie, ein filmischer Essay über Utopie und Gegenwart.[8]

Ein zentrales Kapitel in Steckels Medienarbeiten bezieht sich auf den Görlitzer Mystiker und Visionär Jacob Böhme. 1993 veröffentlichte er zwei Radioproduktionen mit Texten Böhmes, von denen Aurora oder Morgenröte im Aufgang – hommage à Jacob Böhme zwischen 1994 und 2000 in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Görlitz als Klanginstallation in der Görlitzer Pfarrkirche St. Peter und Paul zu hören war. In den Jahren 2011 bis 2015 entstand in Zusammenarbeit mit der Organisation zur Umwandlung des Kinos[9] der Film Morgenröte im Aufgang – hommage à Jacob Böhme, der 2016 mit dem Deutschen FILMGEIST Preis 2016[10] und dem RosaMars Filmpreis 2016 ausgezeichnet wurde.

Seit Beginn des 3. Jahrtausends nimmt Steckel in Form von Vorträgen öffentlich Stellung zu Fragen der Bewusstseinsforschung, der gegenwärtigen Bewusstseinsmutation und der Philosophia Perennis.

Theaterstücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Es wird Mitternacht gewesen sein (mit Urs Troller), Schauspielhaus Bochum, Spielzeit 1990/91
  • Epitaph (nach Texten von Heimrad Bäcker), Hebbel am Ufer Berlin, Spielzeit 1993/94
  • Südlich der Panik, Schauspielhaus Bochum, Spielzeit 1994/95
  • Schweigende Landschaft – Ein Ritus, Musiktheater, Hebbel-Theater Berlin, Spielzeit 1996/97
  • Aus Protest! – der Reichstagsbrandstifter Marinus van der Lubbe, Deutsches Theater Berlin, Spielzeit 2000/2001

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das schöne Licht der Utopie (Filmessay), nootheater, 2008
  • Morgenröte im Aufgang – hommage à Jacob Böhme (Spielfilm), 2015[8]

Hörspiele und Features[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1993: Jacob Böhme (Philosophus Teutonicus) – Auch Regie (FeatureSFB)

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1986 Förderpreis für Medienkunst der Akademie der Künste in Berlin
  • 2016 Deutscher Filmgeist Preis für den Film Morgenröte im Aufgang – hommage à Jacob Böhme von Ronald Steckel, Max Hopp, Klaus Weingarten und Jan Korthäuer[11]
  • 2016 Rosa Mars Filmpreis für den Film Morgenröte im Aufgang – hommage à Jacob Böhme[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Katalog documenta 8: Band 1: Aufsätze; Band 2: Katalog Seite 340; Band 3: Künstlerbuch; Kassel 1987, ISBN 3-925272-13-5.
  2. Rauschkunde Bewusstseinserweiternde Drogen abgerufen am 20. Februar 2018
  3. Herz der Wirklichkeit abgerufen am 20. Februar 2018
  4. Deutschlandfunk Die Mauer oder Die größte Wandzeitung der Welt abgerufen am 20. Februar 2018
  5. Der neue Berliner Totentanz abgerufen am 20. Februar 2018
  6. WDR Auschwitz. Stimmen - Radiocollage aus Originalton-Mitschnitten der Verhandlungen im 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess 1963–1965 abgerufen am 20. Februar 2018
  7. Website nootheater abgerufen am 20. Februar 2018
  8. a b nootheater abgerufen am 20. Februar 2018
  9. Organisation zur Umwandlung des Kinos Ronald Steckel abgerufen am 20. Februar 2018
  10. Interview: Marcelle De Michiel / Ronald Steckel Der Mensch ist ein Doppelagent abgerufen am 22. Februar 2018
  11. Deutscher Filmgeist Preis 2016 abgerufen am 20. Februar 2018
  12. absolut medien Morgenröte im Aufgang – hommage à Jacob Böhme abgerufen am 20. Februar 2018