Ronnenberg

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Ronnenberg
Ronnenberg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Ronnenberg hervorgehoben

Koordinaten: 52° 19′ N, 9° 39′ O

Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Region Hannover
Höhe: 73 m ü. NHN
Fläche: 37,78 km2
Einwohner: 24.393 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 646 Einwohner je km2
Postleitzahl: 30952
Vorwahlen: 0511, 05109, 05108
Kfz-Kennzeichen: H
Gemeindeschlüssel: 03 2 41 014
Stadtgliederung: 7 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hansastraße 38
30952 Ronnenberg
Website: www.ronnenberg.de
Bürgermeisterin: Stephanie Harms (CDU)
Lage der Stadt Ronnenberg in der Region Hannover
Region HannoverNiedersachsenWedemarkBurgwedelNeustadt am RübenbergeBurgdorfUetzeLehrteIsernhagenLangenhagenGarbsenWunstorfSeelzeBarsinghausenSehndeHannoverGehrdenLaatzenWennigsenRonnenbergHemmingenPattensenSpringeLandkreis Hameln-PyrmontLandkreis SchaumburgLandkreis Nienburg/WeserLandkreis HeidekreisLandkreis CelleLandkreis PeineLandkreis GifhornLandkreis HildesheimKarte
Über dieses Bild

Ronnenberg ist eine Stadt in der Region Hannover in Niedersachsen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ronnenberg liegt im Calenberger Land im Südwesten der Region und grenzt an die Landeshauptstadt Hannover, Hemmingen, Springe, Wennigsen (Deister) und Gehrden (im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordosten).

Ronnenberg gliedert sich in die Stadtteile Benthe (mit der Ortschaft Sieben Trappen), Empelde, Ihme-Roloven, Linderte, Ronnenberg, Vörie und Weetzen. Der Verwaltungssitz befindet sich nicht in Ronnenberg, sondern im größeren Empelde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Michaeliskirche in Ronnenberg
Die sieben Ortsteile der Stadt Ronnenberg

Der Ortsname Ronnenberg entstammt der indogermanischen Zeit, ist also vorchristlichen Ursprungs. Diese These des Namenforschers Jürgen Udolph bestätigt der Archäologe Tobias Gärtner mit der Datierung einer Siedlung vor Ort, die er der Spät-Latènezeit zuordnet. Seit der Zeitwende hat sich diese Siedlung an den Ronnenberger Beeken so stabilisiert, dass eine 2000-jährige Siedlungskontinuität prognostiziert werden kann.

Frühe schriftliche Zeugnisse sagen in der Regel wenig über das wahre Alter einer Siedlung aus. Sie finden sich im 9. Jahrhundert zu Empelde und Ronnenberg und dann wieder ab dem 10. Jahrhundert kontinuierlich zu Ronnenberg. Im Runibergun-Beleg Widukinds von Corvey von 968 wurde Ronnenberg erstmals erwähnt. Der namengebende Stadtteil erlangte in dieser Zeit auch Bedeutung als Kirchenzentrum und Gerichtsstätte. Die Michaeliskirche wurde im 12. Jahrhundert errichtet, an ihrer Außenwand wurde das Portal der ehemaligen Bonifatiuskapelle mit merowingischen und langobardischen Stilelementen eingebaut, die 1078 belegt ist.[2] 1466 wurde Ronnenberg Sitz des höchsten Landgerichts im Calenberger Land.

Mit der Reformation wurde im Calenberger Land der protestantische Glauben etabliert. Der Reformator Antonius Corvinus und weitere Männer ordneten das Kirchen-, Schul- und Gerichtswesen im evangelisch-lutherischen Sinn. Corvin wurde zum Superintendenten mit Sitz in Pattensen beauftragt. 1543 fand in Ronnenberg eine umfassende Kirchenvisitation statt.[3] 1589 wurde der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Ronnenberg eingerichtet. Seitdem ist Ronnenberg der Sitz der noch bestehenden Superintendentur Ronnenberg.[4]

In der Napoleonischen Zeit kam Ronnenberg unter französische Militärverwaltung und 1810 zum neu geschaffenen Königreich Westphalen und seit 1814 zum neuen Königreich Hannover sowie nach 1866 zu Preußen. In dieser Zeit wurde durch Agrarreformen und ein neues Gewerberecht die Grundlage für einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung geschaffen. Fast zeitgleich mit dem Anschluss an die Bahnstrecke Hannover–Altenbeken von 1872 begann die Industrialisierung mit Zuckerproduktion und Kalibergbau.[5]

Im Gegensatz zu weiten Teilen des Deutschen Reiches war das Calenberger Land nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches 1918 kaum von politischen und sozialen Unruhen betroffen. Erst nach der Währungsreform in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre besserte sich die Situation für die Bevölkerung allmählich wieder. Der Anteil der in der Landwirtschaft beschäftigten Bevölkerung verringerte sich stetig, dafür ließen sich mehr Handwerks- und Gewerbebetriebe nieder.

1929 wurde das Familienwappen der Ministerialenfamilie zu Ronnenberg zum offiziellen Wappen der Gemeinde Ronnenberg bestimmt.

Nach 1933 war auch Ronnenberg von der nationalsozialistischen Diktatur geprägt. Zwischen 1937 und 1939 wurden 25 Menschen und damit die gesamte Synagogengemeinde Ronnenberg vertrieben. Drei der Vertriebenen kamen im Holocaust ums Leben. Die übrigen konnten in die Schweiz, nach Frankreich, in die USA sowie nach Brasilien und Uruguay flüchten.[6] 2005 und 2019 wurden für sie insgesamt 25 Stolpersteine in Ronnenberg verlegt (s.Abschnitt "Erinnerungsarbeit"). Der Jüdische Friedhof in Ronnenberg wurde zwischen 1846 und 1933 belegt. 2001 und 2019 wurden dort drei symbolische Grabstätten errichtet.[7] Im Bombenkrieg wurde ab 1942 Empelde wegen der Nähe zu Hannover und der Munitionsfabrik Dynamit Nobel AG stärker betroffen, während die übrigen zum heutigen Ronnenberg gehörenden Ortschaften verhältnismäßig glimpflich davonkamen. In der Nacht vom 8. auf den 9. April 1945 kam Weetzen bei seiner Befreiung durch die US-Amerikaner zwei Stunden lang unter schweren Beschuss deutscher Granaten.[8]

Nach dem Zweiten Weltkrieg vergrößerte sich die Bevölkerung durch die Vertriebenen. Die Volkszählung von 1950 im Landkreis Hannover weist aus, dass ca. 40 % der Bevölkerung aller sieben Ortsteile, die heute zur Stadt Ronnenberg gehören, aus Vertriebenen und Zugewanderten bestand. In Empelde entstand das größte Flüchtlingslager für Ostvertriebene im Landkreis Hannover. Dieser Zuzug von Evakuierten, Flüchtlingen und Vertriebenen bestimmte auch die Entwicklung in Ronnenberg maßgeblich. Die Einwohnerzahlen verdoppelten sich nach dem Krieg fast überall. Die Vertriebenen, die vor allem in den Ortsteilen Ronnenberg, Empelde und Weetzen geblieben sind, prägten in den Folgejahren das Leben vor Ort.

Durch den Zusammenschluss von Ronnenberg und den umliegenden Gemeinden Benthe, Empelde, Linderte, Vörie und Weetzen entstand am 1. Juli 1969 die neue Gemeinde Ronnenberg.[9] Am 1. März 1974 wurde ihr Ihme-Roloven eingegliedert. Am 12. Dezember 1975 erhielt die neue Gemeinde Ronnenberg die Stadtrechte.[10]

Bis zum 31. Dezember 2004 gehörte Ronnenberg zum damaligen Regierungsbezirk Hannover. Seitdem ist Ronnenberg Bestandteil der Region Hannover.

Beginn der Industrialisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren Ronnenberg und seine heutigen Ortsteile in erster Linie landwirtschaftlich geprägt. Erste Schritte in die Industrialisierung machte der Unternehmer Johann Egestorff, als er 1831 in Empelde eine Ziegelei baute. Die von seinem Sohn Georg Egestorff in Linden errichtete Egestorffsche Zündhütchenfabrik wurde vor dem Ersten Weltkrieg nach Empelde auf ein freies Feld neben der Bahnstrecke Hannover–Altenbeken verlegt, das heutige Areal des „Wohnparks am See“. Die 1928 eingestellte Produktion wurde 1938 im Rahmen der Aufrüstung der Wehrmacht vom neuen Eigentümer Dynamit AG, vormals Alfred Nobel & Co (kurz DAG) wieder aufgenommen. Nach Kriegsende 1945 nutzten diverse Firmen, darunter auch Telefunken, die Gebäude und Baracken auf dem Gelände. In den 1980er Jahren erfolgte schließlich die heutige Bebauung mit Wohnhäusern.[11]

Bergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon vor 1100 Jahren wurde im Bereich des heutigen Empelde Salz gewonnen. Die eigentliche Geschichte des Bergbaues in Ronnenberg begann aber erst Ende des 19. Jahrhunderts, nachdem durch wissenschaftliche Arbeiten Justus von Liebigs erkannt wurde, wie wichtig Kalisalz als mineralischer Kunstdünger für die Landwirtschaft ist.[12]

1894 wurde die erste Tiefbohrung für das KaliwerkHansa-Silberberg“ in Empelde vorgenommen. Vier Jahre später begann der Bau des „Schachtes Albert“ in Ronnenberg, der am 6. Dezember 1905 in Betrieb ging. Seit Ende der 1960er Jahre drang immer mehr Wasser in das Bergwerk ein, 1975 durchbrach schließlich eine Süßwasserader die Schachtwand. Die Schäden waren so groß, dass das Bergwerk aufgegeben werden musste. Bedingt durch den Bergbau kam es verschiedentlich zu Erdsenkungen und Einbrüchen im Stadtgebiet Ronnenbergs.[12]

Teile des Salzstocks werden heute als Kavernen zur Speicherung von Erdgas verwendet. Die Rückstandshalde in Empelde wird derzeit mit Bauschutt und Humus ummantelt und dadurch renaturiert. Die Halde des Kaliwerkes Ronnenberg wurde bis September 2005 größtenteils abgetragen und in die Schachtanlage Asse bei Wolfenbüttel verfüllt. Über die Verwendung der noch verbliebenen Haldenmenge ist noch keine Entscheidung getroffen worden.[12]

Zuckerindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landwirte aus der Region trafen sich am 30. Juli 1882 zur Gründung einer bäuerlichen Aktiengesellschaft, die Geburtsstunde der „Zuckerfabrik Weetzen“. Zwar gab es im Calenberger Land bereits Fabriken in Gehrden und Bennigsen, aber in Weetzen war der seit 1872 vorhandene Bahnanschluss ein logistischer Vorteil.[13]

1883 begann die Produktion in der neuen Fabrik in Weetzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik modernisiert und zwei 40 Meter hohe Hochsilos errichtet. Die Zuckerwirtschaft expandierte, sogar kubanische Rohware wurde zeitweilig in Weetzen zu Weißzucker verarbeitet. Die Fabrik konnte aber, ebenso wie andere Werke im Norden, mit den neuen Fabriken in Süddeutschland nicht mithalten. Die letzte Rübenkampagne in Weetzen begann im Herbst 1986, die Fabrik wurde geschlossen.[13]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadt Ronnenberg: Rathaus im Ortsteil Empelde
Stadt Ronnenberg: Standesamt und Verwaltungsnebenstelle im Ortsteil Ronnenberg; in der 1. Etage ehemals Synagoge (Betsaal) der "Synagogen-gemeinde Ronnenberg".

Rat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rat der Stadt bzw. selbständigen Gemeinde Ronnenberg besteht aus 34 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Stadt mit der Einwohnerzahl zwischen 20.001 und 25.000 Einwohnern. Die 34 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2016 und endet am 31. Oktober 2021. Stimmberechtigt im Rat der Stadt ist außerdem die hauptamtliche Bürgermeisterin Stephanie Harms (CDU).

Die Kommunalwahl am 11. September 2016 führte bei einer Wahlbeteiligung von 54,26 % zu folgendem Ergebnis:

SPD: 31,88 % (11 Sitze)
CDU: 27,99 % (9 Sitze)
GRÜNE: 13,78 % (5 Sitze)
FDP: 3,76 % (1 Sitz)
LINKE: 3,18 % (1 Sitz)
Freie Wähler: 6,09 % (2 Sitze)
AfD: 13,33 % (5 Sitze)

Bürgermeisterin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 1. Januar 2014 ist Stephanie Harms (CDU) Bürgermeisterin. In einer Stichwahl am 6. Oktober 2013 erhielt sie 52,8 Prozent. Die Wahlbeteiligung betrug 45,0 Prozent. Ihr Amtsvorgänger Wolfgang Walther (SPD) war seit 2001 der erste hauptamtliche Bürgermeister und wurde 2006 wiedergewählt. Er ging vor Ablauf der regulären Amtszeit in den vorzeitigen Ruhestand.

Liste der Bürgermeister und Stadtdirektoren der Gemeinde Ronnenberg (seit 1969) und der Stadt Ronnenberg (seit 1975)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 2001 waren die Bürgermeister der Großgemeinde und der Stadt Ronnenberg ehrenamtlich tätig, unterstützt von einem hauptamtlichen Gemeinde bzw. Stadtdirektor. 2001 wurden beide Posten zu dem des hauptamtlichen Bürgermeisters zusammengefasst. Die Bürgermeister:

1969: Willi Rahlves (SPD)
1969–1971: Ernst-Georg Hüper (SPD)
1971–1981: Artur Sommer (SPD)
1981–1986: Hermann Haller (CDU)
1986–1995: Karl Kruse (SPD)
1995–1996: Horst Rudolph (SPD)
1996–2001: Paul Wenig (SPD)
2001–2013: Wolfgang Walther (SPD)
seit 2014: Stephanie Harms (CDU)

Als Gemeinde- bzw. Stadtdirektor waren in dieser Zeit tätig:

1969–1981: Horst Günther Humbeck
1981–2001: Bernhard Lippold

Stadtarchiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stadtarchiv ist im Aufbau. Seit 1. November 2019 hat die Stadt Ronnenberg mit Matthias Biester einen hauptamtlichen Stadtarchivar.

Die Wappen der 7 Ronnenberger Ortsteile mit den Stadtwappen der Partnerstädte

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es bestehen kommunale Partnerschaften zu folgenden Städten und Gemeinden:

Baudenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besondere geschützte Denkmale:

  • Kapelle von um 1700 in Benthe
  • Gutshaus in Benthe als zweigeschossiger Fachwerkbau
  • Holländerkappenwindmühle von 1855 in Benthe
  • Kapelle von 1842 in Empelde, heute Stadtteilbibliothek
  • Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert in Ihme-Roloven als Fachwerkhaus mit Krüppelwalm
  • Kapelle aus dem 14. Jahrhundert in Linderte
  • Michaeliskirche in Ronnenberg als im 12. Jahrhundert erbaute romanische Basilika mit wertvoller Kirchenausstattung
  • Jüdischer Friedhof von 1846 in Ronnenberg
  • Heimatmuseum Ronnenberg
  • Feuerwehrturm in Vörie
  • Fachwerkkapelle aus dem 17. Jahrhundert in Weetzen
  • Verwaltungsgebäude und Werksvilla des Kalischachts in Weetzen

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ende von Kalibergbau und Zuckerindustrie sind in Ronnenberg heute vor allem Unternehmen aus Handel und Dienstleistung ansässig. Es gibt knapp 900 Wirtschaftsbetriebe mit ca. 5750 Arbeitsplätzen bei ungefähr 3200 Einpendlern und 7500 Auspendlern. (Stand 2015)

Die Wirtschaftsstruktur Ronnenbergs gliedert sich wie folgt:

Handel und Verkehr: 36 %
Dienstleistungen: 33 %
Produzierendes Gewerbe: 30 %
Landwirtschaft: 1 %

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ronnenberg hat eine direkte Anbindung an die Bundesstraßen B 65 und B 217, die Autobahnen A 2 und A 7 können problemlos in kurzer Zeit erreicht werden, zum Flughafen Hannover-Langenhagen sind es 25 Autominuten.

Die Stationen Ronnenberg, Empelde, Linderte und Weetzen liegen an der Bahnstrecke Hannover–Altenbeken, von der in Weetzen die Deisterbahn abzweigt. Die S-Bahn Hannover bietet einen Taktverkehr mit den Linien S 1 und S 2 HasteHannover HbfWunstorfnach Minden bzw. nach Nienburg. Der Haltepunkt Weetzen wird auch von der Linie S 5 von Paderbornüber Hameln – Hannover Hbf – nach Hannover Flughafen bedient.

Der Ortsteil Empelde hat mit der Endhaltestelle der Linie 9 eine direkte Anbindung an das Stadtbahnnetz Hannovers, von dort aus verkehren acht Buslinien mit den übrigen Ortsteilen und Gemeinden im Calenberger Land.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Amtsgericht Wennigsen (Deister) ist das zuständige Amtsgericht für Ronnenberg. Die Stadt fällt in den Bezirk des Landgerichts Hannover und in den Oberlandesgerichtsbezirk Celle.
  • In Ronnenberg befindet sich eine der drei feuerwehrtechnischen Zentralen der Region Hannover.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste Schuleinrichtung des Calenberger Landes ist aufs engste mit dem Ronnenberger Kirchenhügel verbunden. Nach den ersten reformatorischen Visitationsunterlagen ist davon auszugehen, dass es dort bereits zu katholischer Zeit eine Schule gab, die mit Kirchengut ausgestattet war.

Belegt ist die Anordnung von Antonius Corvinus zur Gründung einer zentralen Schule in Ronnenberg, geschehen auf Geheiß der Herzogin Elisabeth von Calenberg und verkündet anlässlich der ersten protestantischen Kirchenvisitation zu Ostern 1543: Termenei – Ist hinfurt und in Ewigkeit zur Schule verordent. Ist Jurgen Segelen, dem hohgreven zu Runenberge, solchs das es geschehen moge in bevelh geben.[14] Um den Schülern (zunächst wurden nur Knaben unterrichtet) die häufig weitläufigen Fußwege zur Schule zu ersparen, wurden auf den Dörfern nach und nach Filialschulen eingerichtet und 1757 der Schulbesuch auf Mädchen ausgedehnt.

Bereits 1922 wurde eine „Gehobene Abteilung“ eingeführt. Maßgeblich für den Unterricht waren die Richtlinien der Mittelschulen. Die weiterführenden gehobenen Klassen fanden großen Zuspruch und führten 1955 zur Einführung eines „Differenzierten Mittelbaus“, allerdings auch zur Begrenzung auswärtiger Schüler auf die Räume Bredenbeck, Wennigsen, Gehrden, Empelde, Wettbergen. Seit 1957 ist die Erlangung eines Realschulabschlusses möglich und 1966 folgte die Anerkennung als Realschule. Der offizielle Name lautet nun „Volksschule mit Förderstufe und Realschulzug“. 1976 folgte die Aufteilung in Grundschule und Realschule.

1994 erhielt diese Realschule den Namen Marie-Curie-Schule und wird als KGS mit Oberstufe geführt. Seit 2004 ist die KGS Ronnenberg eine offene Ganztagsschule mit 1498 Schülern (2017).

Es gibt in Ronnenberg

  • vier Grundschulen:
    • Grundschule Benthe
    • Grundschule Ronnenberg
    • Regenbogenschule Weetzen
    • Theodor-Heuss-Schule Empelde
  • Förderschule Selma-Lagerlöf-Schule Empelde
  • Kooperative Gesamtschule (KGS), die Marie-Curie-Schule
    • Klassen 5–6: Ronnenberg
    • Klassen 7–13: Empelde

Weitere Bildungseinrichtungen in Ronnenberg, Empelde und Weetzen sind die Volkshochschule Calenberger Land und die Calenberger Musikschule, die in Ronnenberg und Empelde Unterrichtsmöglichkeiten bieten.

Kirchen, Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

kath. Kirche St. Thomas Morus
  • Kirchenkreis Ronnenberg der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Zu ihm gehört in Ronnenberg die Michaelis-Kirchengemeinde mit der gleichnamigen Kirche im Ortskern. Seit 1589 ist die erste Pfarrstelle mit der Superintendentur der Inspektion bzw. des Kirchenkreises Ronnenberg verbunden. Weitere evangelisch-lutherische Kirchen befinden sich in Ronnenberger Ortsteilen. Das Kirchenkreisamt Ronnenberg ist die Verwaltungsstelle für die Kirchenkreise Ronnenberg und Laatzen-Springe.
  • Die katholische Kirche St. Thomas Morus befindet sich an der Deisterstraße. Sie wurde 1972 nach Plänen von Josef Fehlig erbaut, ausgeführt als Fertigteilkirche mit freistehendem Glockenturm. Heute gehört die Kirche als Filialkirche zur Pfarrei St. Maximilian Kolbe im Ökumenischen Kirchencentrum Hannover-Mühlenberg. In den Ortsteilen Weetzen und Empelde befanden sich weitere katholische Kirchen, die 2009 und 2016 profaniert wurden. Die katholischen Gemeinden St. Thomas Morus (Ronnenberg, Weetzen, Vorie, Linderte, Ihme-Roloven) und Heilige Familie (Empelde) gehören als Filialgemeinden zur Pfarrgemeinde St. Maximilian Kolbe in Hannover-Mühlenberg. Die Katholiken im Stadtteil Benthe gehören zur St. Bonifatiusgemeinde in Gehrden.
  • Die Neuapostolische Kirche im Bauernwiesenweg 28 wurde 2011 aufgegeben. Die nächste neuapostolische Kirche befindet sich in Hannover-Badenstedt.
  • Die Türkisch Islamische Gemeinde zu Ronnenberg hat ihren Sitz in Empelde.

Erinnerungsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ronnenberg ist "eine der ersten Kommunen in der Region Hannover gewesen, die sich mit der Erinnerungskultur"[15] im Hinblick auf die nationalsozialistische Vergangenheit "auseinandergesetzt" hat.

Zur Erinnerung an sowjetische ca. 25 Kriegsgefangene und polnische Zivilisten, die Zwangsarbeit geleistet hatten, stellte die Stadt 1983 auf dem Weetzer Friedhof einen Gedenkstein auf.[16] 1988 errichtete sie mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf dem Friedhof Häkenstraße in Empelde ein Mahnmal für 35 Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft 1939-1945.[17] 1998 brachte sie an ihrem Standesamtsgebäude eine Gedenktafel an. Dort hatte sich bis zur Vertreibung der Juden aus Ronnenberg die Synagoge (Betsaal) der Synagogengemeinde Ronnenberg befunden.[17] 1999 vereinbarte die Stadt mit dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, die Pflege des jüdischen Friedhofs zu übernehmen.[18] 2005 verlegte sie[19] im Stadtteil Ronnenberg drei Stolpersteine. 2008 verlieh sie dem Ronnenberger Holocaust-Überlebenden Prof. Fritz G. Cohen (Chicago) wegen seiner Verdienste zur Verständigung die Ehrenbürgerwürde[20]. 2013 errichtete sie ein Holocaust-Mahnmal für die ermordeten und vertriebenen Juden aus der ehemaligen Gemeinde Ronnenberg.[21]

Ronnenberger Bürger schufen 2013 mit der Stadt eine Wanderausstellung über die Juden. Der Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg (FER) führt regelmäßig Kulturveranstaltungen zum Judentum und einen Rundgang durch das jüdische Ronnennberg durch. 2019 wurden auf seine Initiative hin 22 Stolpersteine, finanziert durch Spenden der Bevölkerung, verlegt.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heimatmuseum Ronnenberg
  • Der älteste Verein ist der Gesangverein Concordia von 1859 Ronnenberg.
  • Der Arbeitskreis Ronnenberger Stadtgeschichte (AKRS) bemüht sich um die Errichtung eines Stadtarchivs und erarbeitet historische Ausstellungen,
  • Ortsgruppe Ronnenberg von 1928 im Heimatbund Niedersachsen.
  • Schützenvereinigung Ronnenberg, die aus den Vorgängervereinen SG Ronnenberg 51 von 1951 und der Schützengilde Ronnenberg von 1954 hervorgegangen ist.
  • Schützengilde Empelde von 1925, die auf Traditionen des 19. Jahrhunderts zurückgeht.
  • Fanfarenzug 1. Niedersächsische Show- Fanfaren- und Majorettencorps Stadt Ronnenberg von 1971.
  • Arbeitsgemeinschaft Ronnenberger Sportvereine, von denen die SG 05 Ronnenberg, der VSV Benthe (1910) und der SV Weetzen (1911) die ältesten sind.
  • Der Stafero e. V. von 2005 ist Veranstalter und Organisator für das Stadtfest Ronnenberg, das an jedem dritten Juniwochenende Rund um die Michaeliskirche stattfindet.
  • Der Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg (FER) e.V. von 2014 kümmert sich um die vertriebenen Juden und ihre Nachkommen sowie um die Zwangsarbeiter (1940–1945) von Ronnenberg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Annette v. Boetticher, Martin Stöber: Runibergun 532: Zur Frage des Alters der Ortsteile der Stadt Ronnenberg/Region Hannover. Niedersächsisches Institut für Historische Regionalforschung e. V., Hannover 2004
  • Annette v. Boetticher u. a.: Quellenüberlieferung zur Schlacht zwischen Franken und Thüringern im Jahre 531 (bei Ronnenberg?)
  • Annette von Boetticher (Konzeption und Redaktion) u. a.: Ronnenberg in historischen Karten – Begleitband zur Ausstellung. Mit einer Bibliographie zur Geschichte der Stadt Ronnenberg und ihrer Ortsteile, herausgegeben von der Stadt Ronnenberg, Hannover 2018
  • Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg (FER): Stolpersteine in Ronnenberg, Ronnenberg 2019
  • Peter Hertel: Verwehende Spuren – Die Befreiung Weetzens und seiner Zwangsarbeiter. Hrsg.: Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg (FER), Ronnenberg 2019
  • Peter Hertel und Christiane Buddenberg-Hertel: Die Juden von Ronnenberg – Eine Stadt stellt sich ihrer Vergangenheit. Hrsg.: Region Hannover (Schriftenreihe der Gedenkstätte Ahlem), Hannover 2016. ISBN 978-3-7752-4903-4.
  • In der Reihe Schriften zur Stadtentwicklung, herausgegeben von der Stadt Ronnenberg:
    • Carl-Hans Hauptmeyer, Annette von Boetticher, Martin Stöber: Ronnenberg im Calenberger Land. Siedlungsentwicklung vom Mittelalter bis in die Neuzeit, Band 1 der Schriftenreihe, Ronnenberg, o. D.
    • Peter Hertel: Die Juden von Ronnenberg, Teil 1: 1700–1933. Band 4 der Schriftenreihe, Januar 2012
    • Peter Hertel: Die Juden von Ronnenberg, Teil 2: 1933–2012. Band 5 der Schriftenreihe, November 2012.
  • Peter Hertel u. a. (Hrsg.): Ronnenberg. Sieben Traditionen – Eine Stadt, Ronnenberg 2010. ISBN 978-3-00-030253-4.
  • Paul Hirsch und Hans-Eberhard Lohmann (MGH SS i. u. sch. 69) Hannover 1935, I 9 S. 12. Die Sachsengeschichte des Widukind von Korvei
  • Karl-Fr. Seemann: (Hrsg. Heimatbund Ronnenberg) Alt-Ronnenberg Tradition-Würde-Identität, 2012, Rezension der Schrift "Runibergun 532" (A.v.Boetticher/M.Stöber, Hannover 2004)
  • Karl-Fr. Seemann: (Hrsg. Heimatbund Ronnenberg) Abriss aus der 2000=jährigen Geschichte des Dorfes Ronnenberg – Eine Quellen und Materialsammlung des heute namengebenden Stadtteiles Ronnenberg in chronologischer Reihenfolge. Hg. Heimatbund Ronnenberg 2017.
  • Karl-Fr. Seemann: Archäologische Denkmäler Ronnenbergs – Vom Schicksal jahrzehntelang verschollener Schriftstücke, die den Nachweis archäologischen Altmaterials aus dem letzten Jh. dokumentieren. Hg. Heimatbund Ronnenberg, 2016
  • Karl-Fr. Seemann: Das Ronnenberger Schulzentrum – Geschichte einer 475jährigen Schultradition auf dem Kirchenhügel. Hg. Heimatbund Ronnenberg, 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ronnenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2019 (Hilfe dazu).
  2. Klaus-Dieter Twele: Brennpunkt Kirchberg, in Peter Hertel u. a. (Hrsg.): Ronnenberg. Sieben Traditionen – Eine Stadt. Ronnenberg 2010, ISBN 978-3-00-030253-4, S. 60 f.
  3. Klaus-Dieter Twele: Brennpunkt Kirchberg, in: Peter Hertel u. a. (Hrsg.): Ronnenberg. Sieben Traditionen – Eine Stadt. Ronnenberg 2010, ISBN 978-3-00-030253-4, S. 63.
  4. Matthias Biester (Archivar der Stadt Ronnenberg): Ronnenberg, in: Peter Hertel u. a. (Hrsg.): Ronnenberg. Sieben Traditionen – Eine Stadt. Ronnenberg 2010, ISBN 978-3-00-030253-4, S. 294.
  5. Peter Simon: Das harte Leben in den Bauerndörfern und das Morgenrot einer neuen Zeit, in: Peter Hertel u.a. (Hrsg.): Ronnenberg. Sieben Traditionen – Eine Stadt, Ronnenberg 2010. ISBN 978-3-00-030253-4, S. 88–93.
  6. Peter Hertel und Christiane Buddenberg-Hertel: Die Juden von Ronnenberg – Eine Stadt bekennt sich zu ihrer Vergangenheit. Hrsg.: Region Hannover. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 2016, ISBN 978-3-7752-4903-4.
  7. Der jüdische Friedhof - The Jewish cemetry, in: Stolpersteine in Ronnenberg, Hrsg.: Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg, Ronnenberg 2019, S. 42 f.
  8. Peter Hertel: Verwehende Spuren – Die Befreiung Weetzens und seiner Zwangsarbeiter. Hrsg.: Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg, Ronnenberg 2019.
  9. Peter Hertel u. a. (Hrsg.): Ronnenberg. Sieben Traditionen – Eine Stadt, Ronnenberg 2010. ISBN 978-3-00-030253-4, S. 206–215.
  10. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 196 und 197.
  11. Hans-Hermann Fricke: Beginn des industriellen Zeitalters, in: Peter Hertel u. a. (Hrsg.): Ronnenberg. Sieben Traditionen – Eine Stadt. Ronnenberg 2010, ISBN 978-3-00-030253-4, S. 96–110.
  12. a b c Konrad Boden: Kaiibergbau im Benther Salzstock, in: Peter Hertel u. a. (Hrsg.): Ronnenberg. Sieben Traditionen – Eine Stadt. Ronnenberg 2010, ISBN 978-3-00-030253-4, S. 122–134.
  13. a b Hans-Hermann Fricke: Zuckerproduktion in Weetzen, in: Peter Hertel u. a. (Hrsg.): Ronnenberg. Sieben Traditionen – Eine Stadt. Ronnenberg 2010, ISBN 978-3-00-030253-4, S. 114–121.
  14. Karl Kayser: Die reformatorischen Kirchenvisitationen in den welfischen Landen 1542–1543
  15. Stadt Ronnenberg: Erinnerungskultur in Ronnenberg und in der Region. Hrsg.: Städtisches Pressearchiv. Ronnenberg 13. April 2015.
  16. Peter Hertel u. a. (Hrsg.): Ronnenberg. Sieben Traditionen – Eine Stadt. Ronnenberg 2010, ISBN 978-3-00-030253-4, S. 241 f.
  17. a b Peter Hertel u. a. (Hrsg.): Ronnenberg. Sieben Traditionen – Eine Stadt. Ronnenberg 2010, ISBN 978-3-00-030253-4, S. 242.
  18. Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg (Hrsg.): Stolpersteine in Ronnenberg. Ronnenberg 2019, S. 42/43.
  19. Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg (Hrsg.): Stolpersteine in Ronnenberg. Ronnenberg 2019, S. 2.
  20. Peter Hertel und Christiane Buddenberg-Hertel: Die Juden von Ronnenberg – Eine Stadt stellt sich ihrer Vergangenheit. Hrsg.: Region Hannover. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 2016, ISBN 978-3-7752-4903-4, S. 139.
  21. Peter Hertel und Christiane Buddenberg-Hertel: Die Juden von Ronnenberg - Eine Stadt stellt sich ihrer Vergangenheit. Hrsg.: Region Hannover. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 2016, ISBN 978-3-7752-4903-4, S. 119.