Ronya Othmann

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Ronya Othmann beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2019

Ronya Othmann (* 12. Januar 1993 in München) ist eine deutsche Schriftstellerin und Journalistin.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ronya Othmann wuchs im Landkreis Freising auf, wo sie 2012 am Camerloher-Gymnasium ihr Abitur ablegte. Danach begann sie Ausbildungen am International Munich Art Lab und am Schweizer Literaturinstitut der Hochschule der Künste in Biel. 2013 nahm sie am Literatur Labor Wolfenbüttel teil.[1] Seit 2014 studiert sie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig.[2] Dort organisierte sie 2015 die Kurdischen Filmtage. 2018 war sie Jurorin des „Duhok International Film Festival“ in der Kurdischen Autonomieregion des Irak.[3]

Ronya Othmann schreibt Prosa, Gedichte und Essays. Erste Arbeiten von ihr erschienen unter anderem in BELLA triste und im Jahrbuch der Lyrik. Gemeinsam mit Yevgeniy Breyger, Özlem Özgül Dündar und anderen gab sie 2017 die Lyrikanthologie Ansicht der leuchtenden Wurzeln von unten heraus. Im August 2020 erschien beim Hanser Verlag ihr Debütroman Die Sommer, der anhand einer Familiengeschichte den Bürgerkrieg in Syrien und die Ermordung der Jesiden durch den Islamischen Staat reflektiert.[4][5] Das Werk gelangte auf die Shortlist des aspekte-Literaturpreises.[6] In Medien wie Der Spiegel, taz oder Zeit Online veröffentlichte sie auch journalistische Texte.

Auf Einladung von Insa Wilke nahm Ronya Othmann im Juni 2019 an den 43. Tagen der deutschsprachigen Literatur (Ingeborg-Bachmann-Preis) in Klagenfurt teil und las dort ihren Text Vierundsiebzig,[7] der den Genozid an den Jesiden zum Gegenstand hat. Ihr Beitrag gewann den Publikumspreis. Damit wurde Ronya Othmann für sechs Monate auch Klagenfurter Stadtschreiberin. Das Stipendium begann im Mai 2020.

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Tageszeitung taz schreibt Othmann zusammen mit Cemile Sahin eine Kolumne mit dem Titel “Orient Express”.[8] In der Kolumne äußert sie insbesondere Kritik an Zuschreibungen und fordert Aufmerksamkeit für marginalisierte Gruppen. Identitätspolitik sieht sie als ein “Mittel der Minderheiten”, das als Methode der Auseinandersetzung beibehalten werden sollte.[9]

Othmann kritisiert romantisierende Vorstellungen von Kurdistan. Sie argumentiert, dass Kurdistan keine Projektionsfläche für rechte oder linke Politik sein sollte, die Kurden seien “keine kämpfende Folkloretanzgruppe, sondern eine politisch, religiös und gesellschaftlich heterogene Ethnie im Nahen Osten.”[10] Außerdem fordert Othmann, die politische Linke dürfe den Islamismus nicht zum Tabuthema machen; der Islamismus sei nicht nur eine Reaktion auf den Kolonialismus, sondern habe schon vorher bestanden. Die “Schweige- und Verharmlosungsreflexe der Linken” seien gefährlich, da man das Thema “reaktionären Kräften für deren Narrative” überlasse und gleichzeitig die Opfer des politischen Islam ignoriere.[11]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ronya Othmann, Bleigießen. In: Michael Hametner (Hrsg.), Schnee im August. Die besten Geschichten aus dem MDR-Literaturwettbewerb 2015. Poetenladen, Leipzig 2015. ISBN 978-3-940691-70-5
  • Yevgeniy Breyger, Özlem Özgül Dündar, Alexander Kappe, Ronya Othmann, Sibylla Vričić Hausmann, Saskia Warzecha (Hrsg.), Ansicht der leuchtenden Wurzeln von unten. Lyrik aus den deutschsprachigen Literaturinstituten. Poetenladen, Leipzig 2017. ISBN 978-3-940691-79-8
  • Özlem Özgül Dündar, Ronya Othmann, Mia Göhring, Lea Sauer (Hrsg.), FLEXEN. Flâneusen* schreiben Städte (darin auch Gedichte von Ronya Othmann). Verbrecher Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-95732-406-1
  • Ronya Othmann: Die Sommer. Carl Hanser Verlag, München 2020. ISBN 978-3-446-26760-2

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.lilawo.de/laboranten
  2. Preis für Ronya Othmann, Süddeutsche Zeitung, 12. Mai 2015.
  3. 7. Duhok International Film Festival: World Cinema Jury, duhokiff.com (aufgerufen am 30. Juni 2019).
  4. Ronya Othmann: Die Sommer, Hanser Literaturverlage (aufgerufen am 19. August 2020).
  5. Ronya Othmann, lyrikline.org (aufgerufen am 1. Juli 2019).
  6. Fünf Debüts auf der Shortlist. In: zdf.de, 22. September 2020 (abgerufen am 1. Oktober 2020).
  7. Text im Wortlaut, orf.at (aufgerufen am 30. Juni 2019).
  8. Ronya Othmann, Cemile Sahin: Kolumne Orient Express. In: taz.de. taz, abgerufen am 9. Januar 2020.
  9. Es darf nicht geschwiegen werden. In: taz.de. 21. November 2019, abgerufen am 9. Januar 2020.
  10. Durchs wilde Deutsch-Kurdistan. In: taz.de. 11. September 2019, abgerufen am 9. Januar 2020.
  11. Gefährliches Schweigen. In: taz.de. 17. Dezember 2019, abgerufen am 9. Januar 2020.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ronya Othmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien