Roquiague

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Roquiague
Arrokiaga
Roquiague (Frankreich)
Roquiague
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Pyrénées-Atlantiques
Arrondissement Oloron-Sainte-Marie
Kanton Montagne Basque
Gemeindeverband Pays Basque
Koordinaten 43° 12′ N, 0° 50′ WKoordinaten: 43° 12′ N, 0° 50′ W
Höhe 191–567 m
Fläche 10,44 km2
Einwohner 117 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 11 Einw./km2
Postleitzahl 64130
INSEE-Code

Pfarrkirche Sainte-Catherine

Roquiague ist eine französische Gemeinde mit 117 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Pyrénées-Atlantiques in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Oloron-Sainte-Marie und zum Kanton Montagne Basque (bis 2015: Kanton Mauléon-Licharre).

Der Name in der baskischen Sprache lautet Arrokiaga. Die Einwohner werden entsprechend Arrokiagatar genannt.[1]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roquiague liegt ca. 30 km westlich von Oloron-Sainte-Marie in der historischen Provinz Soule im französischen Teil des Baskenlands.

Umgeben wird Roquiague von den Nachbargemeinden:

Mauléon-Licharre Chéraute
Gotein-Libarrenx
Menditte
Nachbargemeinden Barcus
Sauguis-Saint-Étienne

Roquiague liegt im Einzugsgebiet des Flusses Adour.

Der Lausset, auch Locé genannt, ein Nebenfluss des Gave d’Oloron, durchquert das Gebiet der Gemeinde zusammen mit seinen Nebenflüssen, dem Ruisseau Bassagaits und dem Ruisseau Ascania.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roquiague war im Mittelalter bekannt für sein Priorat des Bistums Oloron, das Pilger auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela empfing.[3]

Toponyme und Erwähnungen von Roquiague waren:

  • Aroquiaga und Aroquiague (1478 bzw. 1495, Verträge von Ohix, Notar von Soule, Blatt 17 und 79) und
  • Roquiague (1750, 1793 und 1801, Karte von Cassini, Notice Communale bzw. Bulletin des Lois).[4][5][6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Höchststand von rund 350 Einwohnern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fiel die Einwohnerzahl bei kurzzeitigen Phasen der Erholung bis heute zurück.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2009 2016
Einwohner 155 157 167 150 130 127 124 123 117
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 1999,[6] INSEE ab 2006[7][8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche, gewidmet Katharina von Alexandrien. Sie wurde im Mittelalter in Verbindung mit dem Priorat errichtet. Die Kirche wurde vermutlich zeitlich nach der Pilgerherberge gebaut, um den Pilgern ein Gotteshaus bei ihrer Rast anzubieten. Die sichtbaren Schäden am Gebäude lassen vermuten, dass die Kirche im 16. Jahrhundert in den Hugenottenkriegen verwüstet wurde. Der Glockengiebel der heutigen Kirche hat eine Tourelle als Aufsatz. Das Dach ist wie bei den meisten Gebäuden in der Soule stark geneigt.[9] Im Vorbau sind mehrere Grabplatten in den Boden eingelassen, an der Wand stehen alte, christliche Grabkreuze. In der baskischen Tradition hatte jedes Haus seinen Platz für eine Grabstätte in der Pfarrkirche. Alle Mitglieder des Hauses wurden dort bestattet und eine Grabplatte, genannt jarleku, war der Ort, an dem die Hinterbliebenen trauern konnten. Die angesehenen Personen einer Gemeinde erhielten jedoch eine individuelle Grabstätte an der Kirchenwand oder im Eingang, wie in diesem Fall. Dies betraf vor allem Priester, Notabeln und Adelige. 1786 untersagte der Bischof von Bayonne diese Praxis, aber es dauerte einige Jahrzehnte, bis sich alle Basken an dieses Dekret gehalten haben.[10] Die Kirche besitzt im Innern eine Empore auf einer Ebene mit mehreren Reihen von Kirchenbänken, die von einer Innen- und einer Außentreppe erreicht werden kann. Wie in allen Kirchen des Baskenlandes üblich, halten sich Männer und Frauen während einer Messe getrennt auf. Deshalb haben die meisten Kirchen mindestens eine Empore, deren Plätze den Männern vorbehalten sind, während die Frauen im Erdgeschoss Platz nehmen. Diese ist ganz aus Holz in einem nüchternen Stil gearbeitet.[11] Das Altarretabel ist aus vergoldetem Holz und besitzt drei Ebenen mit Flügeln an den Enden. Es ist reich verziert mit Flachreliefs, Statuetten, Köpfen von Cherubinen und Pflanzenornamenten. Der Tabernakel ist wie in den meisten Fällen direkt in das Retabel integriert. Das Ganze wird durch ein Kruzifix in der Mitte beschützt.[12] Die Kirche birgt ein Gemälde mit der Darstellung der heiligen Katharina. In ihrer Hand trägt sie die Märtyrerpalme. Sie steht aufrecht auf Holzteilen und Schneidewerkzeugen, Anspielungen auf ihre Folter und ihre Enthauptung. Ein Heiligenschein über ihrem Kopf unterstreicht ihre Heiligkeit.[13]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ossau-Iraty

Die Landwirtschaft ist traditionell einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Gemeinde. Gleichwohl versucht die Gemeinde, den Tourismus zu entwickeln.[3] Roquiague liegt in den Zonen AOC des Ossau-Iraty, eines traditionell hergestellten Osserain-Rivareyte Schnittkäses aus Schafmilch, sowie der Schweinerasse und des Schinkens „Kintoa“.[14]

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2015[15]
Gesamt = 14

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roquiague ist erreichbar über die Route départementale 24, von der die Route départementale 624 in das Zentrum der Gemeinde führt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Roquiague – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lieux - toponymie Arrokiaga (Arbaila Handia (-a)) (fr) Königliche Akademie der Baskischen Sprache. Abgerufen am 16. November 2017.
  2. Ma commune : Roquiague (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 16. November 2017.
  3. a b Roquiague (fr) visites.aquitaine.fr. Archiviert vom Original am 16. November 2017. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 16. November 2017.
  4. Paul Raymond: Dictionnaire topographique du département des Basses-Pyrénées (fr) In: Dictionnaire topographique de la France. Imprimerie nationale. S. 144. 1863. Abgerufen am 16. November 2017.
  5. David Rumsey Historical Map Collection France 1750 (en) David Rumsey Map Collection: Cartography Associates. Abgerufen am 16. November 2017.
  6. a b Notice Communale Roquiague (fr) EHESS. Abgerufen am 16. November 2017.
  7. Populations légales 2006 Commune de Roquiague (64468) (fr) INSEE. Abgerufen am 16. November 2017.
  8. Populations légales 2014 Commune de Roquiague (64468) (fr) INSEE. Abgerufen am 16. November 2017.
  9. Église Sainte-Catherine (fr) visites.aquitaine.fr. Archiviert vom Original am 16. November 2017. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 16. November 2017.
  10. Dalles funéraires dans le porche de l’église Sainte-Catherine (fr) visites.aquitaine.fr. Archiviert vom Original am 16. November 2017. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 16. November 2017.
  11. Tribune de l’église Sainte-Catherine (fr) visites.aquitaine.fr. Archiviert vom Original am 16. November 2017. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 16. November 2017.
  12. Retable de l’église Sainte-Catherine (fr) visites.aquitaine.fr. Archiviert vom Original am 16. November 2017. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 16. November 2017.
  13. Tableau de sainte Catherine (fr) visites.aquitaine.fr. Archiviert vom Original am 16. November 2017. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 16. November 2017.
  14. Institut national de l’origine et de la qualité : Rechercher un produit (fr) Institut national de l’origine et de la qualité. Abgerufen am 16. November 2017.
  15. Caractéristiques des établissements en 2015 Commune de Roquiague (64468) (fr) INSEE. Abgerufen am 16. November 2017.