Rosa Bonheur

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Rosa Bonheur mit einem Stier, von Édouard Louis Dubufe (1857)
Studie einer Kuh (um 1840)
Ackerbau in Nevers (1849)
Der Pferdemarkt (zwischen 1852 und 1855)
Studie eines Hundes (möglicherweise 1860er Jahre)
Weidenwechsel (1863)
Offizielle Erlaubnis Männerkleidung zu tragen (1857)
Wildschweine im Schnee (etwa 1870)
Rosa Bonheurs Atelier im Château de By, Thomery, das als Museum erhalten ist
Royale à la maison (1885)
Foto im Park ihres Schlosses (1880er Jahre)
Relay Hunting (1887)
Porträt Col. William F. Cody, Buffalo Bill (1889)

Rosa Bonheur (* 16. März 1822 in Bordeaux; † 25. Mai 1899 in Thomery) war eine französische Tiermalerin des Naturalismus bzw. des Realismus.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rosa Bonheur stammte aus einer Künstlerfamilie. Sie war das älteste von vier Kindern des Zeichners und Landschaftsmalers Raymond Bonheur und seiner Frau Sophie Marquis. Ihr Bruder war der Landschaftsmaler Auguste Bonheur (1824–1884).[1] Sie erlernte das Zeichnen und Malen bei ihrem Vater und spezialisierte sich bereits in frühen Jahren auf die Tiermalerei.

Im Unterschied zu vielen anderen zeitgenössischen Künstlerinnen und entgegen gesellschaftlicher Rollenfestlegung begriff sie das Malen als Beruf und bestimmte ihre Rolle, dem männlichen Modell folgend, von ihrer beruflichen Tätigkeit ausgehend. Zu ihrer Zeit malten Frauen bevorzugt kleinere Tiere wie Vögel und Fische, Bonheur jedoch konzentrierte sich auf Rinder und Pferde.

Zu diesem Selbstverständnis trugen die Auffassungen ihres Vaters bei, der als Anhänger der frühsozialistischen saint-simonistischen Bewegung Männern und Frauen gleiche Fähigkeiten und Rechte zusprach und erklärte, dass der gesellschaftliche Fortschritt entscheidend von der Emanzipation der Frau abhinge. Neben ihrer Erziehung gehörten zum Selbstverständnis der Malerin ihre künstlerischen und wirtschaftlichen Erfolge. Linda Nochlin (2008) sah in ihr eine Ausnahmeerscheinung im von Männern dominierten Kunstbetrieb des 19. Jahrhunderts.[2] Als emanzipierte homosexuelle Frau konnte sie ihr Leben jenseits des traditionellen Rollenmodells weitgehend selbstbestimmt gestalten.

1829 zog die Familie nach Paris, wo Bonheur mit ihren beiden Brüdern auf eine Jungenschule geschickt wurde. Nach dem Tod der Mutter im Jahre 1833 arbeitete sie vorübergehend in einer Schneiderei und half anschließend einem befreundeten Ehepaar beim Kolorieren. Dem Wunsch ihres Vaters entsprechend besuchte sie ein Mädchenpensionat, aus dem sie aber bereits 1835, mit 13 Jahren, als schwer erziehbar entlassen wurde. Seitdem arbeitete sie tagsüber im Atelier des Vaters, während dieser als Zeichenlehrer unterwegs war. Zu dieser Zeit erhielt sie wie ihre Geschwister Zeichenunterricht durch den Vater und kopierte im Louvre Werke, unter anderem von Nicolas Poussin, Salvator Rosa und dem holländischen Tiermaler Paulus Potter.

Bereits seit 1841 durfte sich Bonheur an den Ausstellungen im Pariser Salon beteiligen. Bekannt wurde sie durch ihr Bild Bœufs et Taureaux, race du Cantal, das im Salon von 1848 gezeigt wurde. Es folgte im Salon des nächsten Jahres das Bild Ackerbau in Nevers (2011 im Musée d’Orsay, Paris).[3] Der Pferdemarkt im Salon 1853 machte sie berühmt. Königin Victoria ließ sich 1855 das Bild privat in Windsor Castle vorführen. Erst danach stand es dem Kunsthändler Ernest Gambart, der es für 40.000 Franc erworben hatte, wieder zur Verfügung.[4] Schließlich erwarb der nordamerikanische Eisenbahnkönig Cornelius Vanderbilt das Bild, das ihren Weltruhm begründet hatte, und schenkte es dem New Yorker Metropolitan Museum of Art[5], wo es sich auch heute noch befindet. Daneben existieren mehrere weitere Versionen.[6]

Ihr Galerist, der Belgier Ernest Gambart, organisierte 1856 eine Tour durch England und Schottland mit den Arbeiten Bonheurs und stellte sie nicht nur der Königin, sondern auch allen wichtigen Sammlern vor. Von dieser Reise brachte Bonheur neben vielen Skizzen von neuen Schaf- und Rinderzüchtungen auch lebende Tiere für ihre Menagerie im Hinterhof ihres Ateliers mit. Sie hielt sich für ihre Studien nicht nur Tiere im Atelier, sondern beobachtete auch Tiere in Tiergärten und umliegenden Wäldern, zog für Studien an Kühen, Schafen und Ziegen 1845 für einige Monate auf einen Bauernhof und arbeitete − wie auch sonst häufig in Männerkleidung – auf Pferdemärkten und in Schlachthöfen. Wichtig war ihr die naturalistische bzw. realistische Darstellung jenseits jeder Idealisierung oder Verniedlichung.

Bonheur galt nunmehr als eine der wichtigsten Malerinnen ihrer Zeit und war nicht nur künstlerisch, sondern auch wirtschaftlich sehr erfolgreich. Für kaufkräftige Auftraggeber in England und Amerika fertigte sie vor allem Tierporträts. Da immer mehr Besucher in ihr Atelier strömten, zog sie sich auf ein kleines Schloss zurück, das Château de By am Rand des Waldes von Fontainebleau, das sie sich von den Erlösen ihrer Malerei zusammen mit ihrer Freundin und Partnerin Nathalie Micas gekauft hatte. Zu ihren Besuchern dort zählte unter anderem Kaiserin Eugénie, die ihr 1865 das ihr verliehene Kreuz der Ehrenlegion überreichte. Am 5. Mai 1894 erhielt Bonheur, als erste Frau überhaupt, das Offizierskreuz der Ehrenlegion.[7] Bonheur wurde darüber hinaus vielfach international ausgezeichnet.

Zunehmend wuchs Bonheurs Interesse für Großwild. 1880 schenkte Gambart ihr zwei Zirkuslöwinnen, aus den USA erhielt sie Wildpferde. Mit einer Sondererlaubnis malte die Siebenundsechzigjährige die Bisons und Mustangs bei der Wildwest-Show von Buffalo Bill Cody zur Pariser Weltausstellung 1889. Ein Porträt Codys hoch zu Ross nutzte dieser zur Eigenwerbung und bedankte sich für die Werbung, indem er auf ihrem Landsitz ihre Wildpferde zuritt. Bonheur ließ sich durch Buffalo Bills Show zu ihrem Bild Indianer auf Bisonjagd inspirieren.[8]

In ihrem letzten Lebensjahr freundete sie sich mit der amerikanischen Malerin Anna Elizabeth Klumpke an, die sie mehrfach porträtierte.[9] Rosa Bonheur starb mit 77 Jahren und wurde in Paris beigesetzt. In ihrem Testament hatte sie Klumpke zu ihrer Erbin und Nachlassverwalterin bestimmt. Diese übergab 1933 dem französischen Staat zahlreiche Werke von Rosa Bonheur, die im Musée de l’Atelier de Rosa Bonheur auf Château de By zu sehen sind, wo Bonheur während der letzten 40 Jahre ihres Lebens arbeitete.[10] Klumpke schrieb ihre Biografie (1909) in der Ich-Form.[11]

Weitere Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Debra N. Mancoff: Frauen, die die Kunst veränderten. Prestel, München 2012, ISBN 978-3-7913-4732-5, S. 10–11, 26–27.
  • Christina Haberlik, Ira Diana Mazzoni: 50 Klassiker - Künstlerinnen, Malerinnen, Bildhauerinnen und Photographinnen. Gerstenberg, Hildesheim 2002, ISBN 978-3-8067-2532-2, S. 72–77.
  • Christiane Weidemann, Petra Larass, Melanie Klier: 50 Künstlerinnen, die man kennen sollte. Prestel, München 2008, ISBN 978-3-7913-3957-3, S. 62–63.
  • Dore Ashton: Rosa Bonheur: a life and a legend. New York, Viking Pr., 1981, ISBN 0-670-60813-0.
  • Rosa Bonheur, selected works from American collections. Dallas, Texas, The Meadows Museum, 1989. ISBN 0-935937-05-6.
  • Rosalia Shriver: Rosa Bonheur. (with a checklist of works in American collections). Philadelphia, Art Alliance Pr., 1982, ISBN 0-87982-037-3.
  • Eduard Schmidt-Weissenfels: Rosa Bonheur. In: Biographische Skizzen und Charakternovellen. 2. Bd. Janke, Berlin 1862, S. 196 ff. (Digitalisat)
  • Redaktionskollegium des Kaiser Verlages Klagenfurt: Große Frauen der Weltgeschichte, Klagenfurt 1987, S. 74 ff.
  • Gabriel P. Weisberg: Rosa Bonheur – all nature’s children. Ausstellungskatalog, Univ. Washington Press, 1998, ISBN 0-9654793-1-5.
  • Anna Klumpke: Rosa Bonheur: The Artist’s (Auto)Biography. Univ. Michigan Press, ISBN 0-472-08842-4, 1997, französisches Original 1909.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rosa Bonheur – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Auguste Bonheur in der englischsprachigen Wikipedia
  2. Linda Nochlin: Frauen in der Kunst. Wir mussten die Kunstgeschichte neu erfinden. Interview, Fragen von Julia Voss, FAZ net, 14. April 2008, abgerufen am 12. März 2016.
  3. Stéphane Guégan: Painting. Musée d’Orsay. SIKRA, Paris 2011, ISBN 9782081266667.
  4. Christina Haberlik, Ira Diana Mazzoni: 50 Klassiker – Künstlerinnen, Malerinnen, Bildhauerinnen und Photographinnen. Gerstenberg, Hildesheim 2002, ISBN 978-3-8067-2532-2, S. 74.
  5. Redaktionskollegium des Kaiser Verlages Klagenfurt, 1987: Grosse Frauen der Weltgeschichte. S. 74.
  6. The Horse Fair (Memento vom 25. Juni 2007 im Internet Archive), Albright Knox Gallery, Skizze zur Londoner Version; die Skizze der New Yorker Version aus dem Jahr 1852 ist im Ludwig-Nissen-Haus, siehe: C. Steckner, in: Bilder aus der Neuen und Alten Welt. Die Sammlung des Diamantenhändlers Ludwig Nissen, 1993, S. 142, Bonheur, Rosa 1822 -1899 (Memento vom 10. Oktober 2004 im Internet Archive) Eine weitere Version aus dem Jahre 1855 befand sich Ende des 19. Jahrhunderts in der National Gallery London (Öl auf Leinwand, 120 x 254 cm).
  7. Rosa Bonheur auf der Website der Ehrenlegion
  8. Christina Haberlik, Ira Diana Mazzoni: 50 Klassiker - Künstlerinnen, Malerinnen, Bildhauerinnen und Photographinnen. Gerstenberg, Hildesheim 2002, ISBN 978-3-8067-2532-2, S. 76.
  9. Kathleen Adler: Americans in Paris, 1860–1900. National Gallery, London 2006, S. 248.
  10. systhome.free.fr Le musée de Rosa Bonheur, aufgerufen am 12. März 2016.
  11. Anna Klumpke: Rosa Bonheur: sa vie, son oeuvre, 1909.