Rosa Bonheur

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Rosa Bonheur mit einem Stier, von Édouard Louis Dubufe

Rosa Bonheur (* 16. März 1822 in Bordeaux; † 25. Mai 1899 in Thomery) war eine französische Tiermalerin.

Leben[Bearbeiten]

Rosa Bonheur zählt zu den bedeutendsten Tiermalern überhaupt. Sie stammte aus einer Künstlerfamilie, als ältestes von vier Kindern des Raymond Bonheur und seiner Frau Sophie Marquis. Bonheur erhielt ihren ersten und einzigen Unterricht bei ihrem Vater und spezialisierte sich frühzeitig im Alter von vierzehn Jahren auf eine kleine Gattung: die Tiermalerei. Im Unterschied zu vielen ihrer Kolleginnen und entgegen gesellschaftlicher Rollenfestlegung begriff sie jedoch das Malen von vorneherein als Beruf, nicht als Zeitvertreib, und bestimmte ihre Rolle, dem männlichen Modell folgend, von ihrer beruflichen Tätigkeit ausgehend. Zu jener Zeit malten Frauen bevorzugt kleinere Tiere wie Vögel und Fische, Bonheur jedoch konzentrierte sich auf Rinder auf Pferde.

Zu diesem Selbstverständnis haben die Auffassungen ihres Vaters beigetragen. Der Zeichenmeister und Landschaftsmaler Raymond Bonheur war Anhänger der frühsozialistischen saint-simonistischen Bewegung, zu deren Doktrinen die Überzeugung gehörte, dass Mann und Frau die gleichen Fähigkeiten und deshalb die gleichen Rechte hätten, und die erklärte, dass der gesellschaftliche Fortschritt entscheidend von der Emanzipation der Frau abhinge.

Neben ihrer Erziehung haben zum Selbstverständnis der Malerin ihre künstlerischen Erfolge und ihre Homosexualität beigetragen. Als lesbische Frau, die mit ihrer Geliebten zusammen lebte, besaß sie nicht nur Distanz, sondern eine Alternative zum traditionellen Rollenmodell.

1829 zog die Familie nach Paris, wo Bonheur mit ihren beiden Brüdern auf eine Jungenschule geschickt wurde. Nach dem Tod der Mutter im Jahre 1833 arbeitete sie vorübergehend bei einer Schneiderei und half dann einem befreundeten Ehepaar beim Kolorieren. Dem Wunsch ihres Vaters entsprechend besuchte sie ein Mädchenpensionat. Sie wurde allerdings als schwer erziehbar eingestuft wieder entlassen, so dass sie tagsüber im Atelier des Vaters arbeitete, während dieser als Zeichenlehrer unterwegs war. 1835 erhielt sie wie ihre Geschwister Zeichenunterricht durch den Vater und kopierte im Louvre Werke unter anderem von Nicolas Poussin, Salvator Rosa und dem holländischen Tiermaler Paulus Potter.

Der Pferdemarkt, 1835 oder 1855, Öl auf Leinwand, 244 x  506 cm, Metropolitan Museum, New York

Bonheur erregte erstmals 1841 mit zwei kleinen Tierstücken im Pariser Salon Aufsehen. Seitdem waren dort regelmäßig Arbeiten, anfangs auch Tierplastiken, von ihr zu sehen.

Ihr Ruf stieg durch das Bild Die Rinderherde, welches im Pariser Salon von 1848 ausgestellt wurde. Bedeutender war das Bild des folgenden Jahres: Die pflügenden Ochsen (jetzt im Musée d’Orsay, Paris). Der Pferdemarkt war 1853 das Hauptbild des Salons (New York, The Metropolitan Museum of Art).[1] Königin Victoria ließ sich 1855 das Bild in London privat in Windsor Castle vorführen. Erst danach stand es dem Kunsthändler Ernest Gambart, der es für 40.000 Franc erworben hatte, wieder zur Verfügung.[2]

Die Heuernte (im Luxembourg) 1855 nähert sich mehr der Landschaft, welche sie später auf ihren Bildern stärker hervortreten ließ.

Rosa Bonheurs Atelier im Château de By, Thomery, ist ein Museum, das zeigt, wo sie während der letzten 40 Jahre ihres Lebens arbeitete[3].

Das Pferdebild, das ihren Weltruhm begründet hatte, erwarb der nordamerikanische Eisenbahnkönig Cornelius Vanderbilt und schenkte es dem Metropolitan Museum of Art in New York City.

Ihre Meisterschaft zeigt sich am besten in der einzelnen Tierfigur, und diese Seite ihrer Kunst hat sie durch tüchtiges Studium zu hoher Vollkommenheit ausgebildet. Bonheur hielt sich für ihre Studien Tiere im Atelier, beobachtete Tiere in Tiergärten und umliegenden Wäldern, zog für Studien an Kühen, Schafen und Ziegen 1845 für einige Monate sogar auf einen Bauernhof und arbeitete sogar – mit einer Sondererlaubnis, Männerkleidung tragen zu dürfen – auf Pferdemärkten und Schlachthöfen.

Dass der Nachdruck hier auf dem Realistischen der Erscheinung, der ungeschminkten und von jeder Idealisierung fernen Naturwahrheit ruht, muss besonders betont werden. Die Künstlerin bevorzugt stets die schweren bäuerlichen Rassen. Ihre Bilder sind besonders in England geschätzt, nicht zuletzt, da ihr Galerist 1856 eine Tour durch England und Schottland mit den Arbeiten Bonheurs organisiert und sie nicht nur der Königin, sondern auch allen wichtigen Sammlern vorgestellt hatte. Von dieser Reise brachte Bonheur nicht nur viele Skizzen von neuen Schafs- und Rinderzüchtungen mit, sondern auch lebende Exemplare für ihre Menagerie im Hinterhof ihres Ateliers. Für kaufkräftige Auftraggeber in England und Amerika fertigte sie vor allem Tierportraits. Da immer mehr Besucher in ihr Atelier strömten, zog sie sie sich zurück auf ein kleines Schloss, das Château de By am Rand des Waldes von Fontainbleau, das sie sich zusammen mit ihrer Freundin Nathalie Micas gekauft hatte. Von Kaiserin Eugénie persönlich erhielt sie als erste Frau 1865 das Kreuz der Ehrenlegion. Bonheur wurde vielfach international ausgezeichnet, dreißig Jahre später bekam sie das Offizierskreuz der Ehrenlegion.

Zunehmend wuchs Bonheurs Interesse für Großwild, 1880 schenkte Gambart ihr zwei Löwinnen, die er aus einem Zirkus in Marseille erworben hatte, Bewunderer aus den USA sandten ihr Wildpferde. Mit einer Sondererlaubnis malte die Siebenundsechzigjährige die Bisons und Mustangs bei der Wildwest-Show von Buffalo Bill Cody zur Pariser Weltausstellung 1889. Ein Portrait Bills hoch zu Ross nutzte dieser zur Eigenwerbung und bedankte sich für die Werbung, indem er auf ihrem Landsitz ihre Wildpferde zuritt. Bonheur ließ sich durch Bills Show zu ihrem Bild Indianer auf Bisonjagd inspirieren.[4]

In ihrem letzten Lebensjahr freundete sie sich mit der amerikanischen Malerin Anna Elizabeth Klumpke an, die sie mehrfach porträtierte.[5] Klumpke hatte eine Biografie über Bonheur geschrieben. Sie starb mit 77 Jahren und wurde in Paris beigesetzt. In ihrem Testament hatte sie Klumpke zu ihrer Erbin und Nachlassverwalterin bestimmt. Diese übergab 1933 dem französischen Staat zahlreiche Werke von Rosa Bonheur, die heute im Musée de l’Atelier de Rosa Bonheur auf Château de By zu sehen sind.

Ihr Bruder Auguste Bonheur (1824–84) war Landschaftsmaler. Seine wenigen Tierstücke wirken im Gegensatz zu Werken seiner Schwester eher „glatt“ und „charakterlos“.

Werke[Bearbeiten]

Achtung: Der Aufenthaltsort der Gemälde oder Sammlungen bezieht sich auf das Jahr 1889. Diese können sich heute woanders befinden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Debra N. Mancoff: Frauen, die die Kunst veränderten Prestel München 2012, ISBN 978-3-7913-4732-5, S. 10–11, 26–27.
  • Christina Haberlik, Ira Diana Mazzoni: 50 Klassiker - Künstlerinnen, Malerinnen, Bildhauerinnen und Photographinnen. Gerstenberg, Hildesheim 2002, ISBN 978-3-8067-2532-2, S. 72–77.
  • Christiane Weidemann, Petra Larass, Melanie Klier: 50 Künstlerinnen, die man kennen sollte. Prestel München 2008, ISBN 978-3-7913-3957-3, S. 62–63.
  • Dore Ashton: Rosa Bonheur: a life and a legend. New York, Viking Pr., 1981. ISBN 0-670-60813-0.
  • Rosa Bonheur, selected works from American collections. Dallas, Texas, The Meadows Museum, 1989. ISBN 0-935937-05-6.
  • Rosalia Shriver: Rosa Bonheur. (with a checklist of works in American collections). Philadelphia, Art Alliance Pr., 1982. ISBN 0-87982-037-3.
  • Eduard Schmidt-Weissenfels: Rosa Bonheur. In: Biographische Skizzen und Charakternovellen. 2. Bd. Janke, Berlin 1862, S. 196 ff. (Digitalisat)
  • Redaktionskollegium des Kaiser Verlages Klagenfurt: Große Frauen der Weltgeschichte, Klagenfurt 1987, S. 74 ff.
  • Gabriel P. Weisberg: Rosa Bonheur – all nature’s children. Ausstellungskatalog, Univ. Washington Press, 1998, ISBN 0-9654793-1-5.
  • Anna Klumke: Rosa Bonheur: The Artist's (Auto)Biography. Univ. Michigan Press, ISBN 0-472-08842-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rosa Bonheur – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Horse Fair, Albright Knox Gallery, Skizze zur Londoner Version; die Skizze der New Yorker Version ist im Ludwig-Nissen-Haus, siehe: C. Steckner, in: Bilder aus der Neuen und Alten Welt. Die Sammlung des Diamantenhändlers Ludwig Nissen, 1993, S. 142, Bonheur, Rosa 1822 -1899 (Memento vom 10. Oktober 2004 im Internet Archive).
  2. Christina Haberlik, Ira Diana Mazzoni: 50 Klassiker - Künstlerinnen, Malerinnen, Bildhauerinnen und Photographinnen. Gerstenberg, Hildesheim 2002, ISBN 978-3-8067-2532-2, S. 74.
  3. systhome.free.fr.
  4. Christina Haberlik, Ira Diana Mazzoni: 50 Klassiker - Künstlerinnen, Malerinnen, Bildhauerinnen und Photographinnen. Gerstenberg, Hildesheim 2002, ISBN 978-3-8067-2532-2, S. 76.
  5. Kathleen Adler: Americans in Paris, 1860–1900. National Gallery, London 2006, S. 248.
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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