Rosdorfer Baggersee

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Rosdorfer Baggersee
Rosdorfer-Baggersee-01.jpg
Geographische Lage Friedland (Niedersachsen), Südniedersachsen
Ufernaher Ort Göttingen
Daten
Koordinaten 51° 29′ 42″ N, 9° 55′ 11″ OKoordinaten: 51° 29′ 42″ N, 9° 55′ 11″ O
Rosdorfer Baggersee (Niedersachsen)
Rosdorfer Baggersee
Fläche 15 ha
Länge 800 mdep1
Breite 300 mdep1
Maximale Tiefe 43 m
Vorlage:Infobox See/Wartung/NACHWEIS-FLÄCHEVorlage:Infobox See/Wartung/NACHWEIS-SEEBREITEVorlage:Infobox See/Wartung/NACHWEIS-MAX-TIEFE

Der Rosdorfer Baggersee (auch Baggersee Rosdorf, Rosdorfer Kiessee, amtlich teilweise noch Kiesteich Reinshof) ist ein Baggersee südlich von Göttingen. Er ist aus einem Kiestagebau entstanden und dient heute zusammen mit seinen Uferzonen als Naherholungsgebiet. In der Bevölkerung ist er aufgrund der Nähe zum wenige hundert Meter entfernten Ort Rosdorf unter dem Namen "Rosdorfer Baggersee" bekannt, er befindet sich jedoch auf dem Gebiet der Gemeinde Friedland und gehört dort zum Ortsteil Niedernjesa. Der Begriff „Kiessee“ wird für diesen See in der Regel vermieden, da mit diesem Begriff bereits der Göttinger Kiessee im Süden der Stadt bezeichnet wird, der ebenfalls nahe an der Grenze zu Rosdorf liegt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der See liegt etwa 3 km südlich von Göttingen und 500 m südöstlich von Rosdorf. Die Wasserfläche des Baggersees ist etwa 15 ha groß, wird jedoch im Zuge des Kiesabbaus immer wieder nach Norden erweitert. Die Wassertiefe beträgt bis zu 43 m. Oberirdische Wasserzu- und -abflüsse gibt es nicht, obwohl der See wenige Meter östlich der Leine angelegt wurde. Bei normalem Pegelstand trennt ein etwa 20–30 Meter breiter Damm den Fluss vom See. Da der Kies wasserdurchlässig ist, haben See und Fluss immer einen gleich hohen Wasserstand. Der Damm kann bei starkem Hochwasser überflutet werden, daher befindet sich der See im Überflutungsbereich der Leine.

Eigentumsverhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reinshof-Ländereien, zu denen das Baggersee-Areal gehört, befanden sich vor 1542 im Eigentum des Augustinerinnen-Klosters in Weende und wurden im Zuge der Reformation durch Elisabeth von Calenberg enteignet und in eine Stiftung überführt. Die Liegenschaften dieser und anderer Stiftungen des späteren Königreichs Hannover gingen 1803 über in das Eigentum des Allgemeinen Hannoverschen Klosterfonds, einer Stiftung Öffentlichen Rechts. Deren Eigentum wird bis heute verwaltet von der Klosterkammer Hannover, einer niedersächsischen Landesbehörde. Zuständig für das Reinshof-Gelände ist die Liegenschaftsabteilung im Klosterrentamt in Northeim.

Abbaubetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der See entstand 1969 im Zuge des Kiesabbaus,[1] wofür die Firma August Oppermann Kiesgewinnungs- und Vertriebs-GmbH 1967 eine prinzipiell unbefristete Konzession erhalten hatte. Abgebaut wird im Tagebau Leinekies, der als hochwertig bezeichnet wird und nach Angaben des Betriebes vor allem von Haus- und Gartenbesitzern der Umgebung erworben wird, er wird aber auch als Zierkies bis nach Hamburg und Schleswig-Holstein verkauft. Die Betreiberfirma bezeichnet ihren Standort als „Kieswerk Rosdorf“.

Fischerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fischereirecht ist seitens der Klosterkammer an den Sport-Angelklub Göttingen e.V. verpachtet, welcher Fischereierlaubnisscheine für dieses Gewässer ausgibt.

Naherholung und Umgang mit dem Badeverbot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2013 angebrachte Schrankenanlage und Verbotsschilder am Nordwestufer

Der im Zuge des Kiesabbaus entstandene See wird seit den 1970er Jahren als Naherholungsgebiet genutzt, vor allem von der Göttinger und Rosdorfer Bevölkerung. Der Zugang zum See war seit jeher frei und kostenlos, Nacktbaden üblich, Baden und Betreten jedoch offiziell verboten.[2] Im Sommer liegt die Zahl der Naherholungssuchenden nach Schätzungen bei bis zu 80.000 und damit im Bereich der Besucherzahlen für gut besuchte Göttinger Freibäder.[3][4] Trotz dieser hohen Besucherzahlen gibt es im Gebiet weder Toiletten noch eine geregelte Müllentsorgung.[5]

Mehrmals wurde erfolglos versucht, den illegalen Zugang zum See zu unterbinden. Da der See im Überflutungsbereich der Leine liegt, ist das Anlegen von Zäunen nicht zulässig.[6] Im Frühjahr 1991 wurde ohne nachhaltigen Erfolg versucht, durch gezieltes Anpflanzen von ca. 2000 Dornensträuchern und mit Stacheldraht an Stellen mit Zugang zum See den Badezugang zu erschweren.[7] Der Stacheldraht musste wieder entfernt werden, die dornigen Gebüsche überlebten nicht lange.

Ein Problem stellt der motorisierte Verkehr dar. Es gibt mehrere Straßen zum See, die von Unbefugten nicht befahren werden dürfen. Die beiden bedeutendsten zweigen von der Rosdorfer Umgehungsstraße – der Zugang bis zur Leine liegt auf Rosdorfer Gebiet – und von der B 27 ab (dort Friedländer Gebiet). Die Zugänge sind beschrankt und mit Hinweisschildern versehen, dass die Schranken werktags ab 16 Uhr sowie an Wochenenden durchgehend geschlossen sind. An dieses Verbot wird sich nicht gehalten, auch die angegebenen Schließzeiten werden meist nicht eingehalten. Verschlossene Schranken wurden in der Vergangenheit durch Vandalismus zerstört oder beschädigt. Das bewirkte, dass die Schranken auch außerhalb der Betriebszeiten offenstanden und es Anfang 2013 zu gehäuft auftretenden Fällen von Diebstahl von Kabeln kam. Als Reaktion darauf wurden im April 2013 am Werksgelände neue und stabilere Schranken installiert sowie ein Wachdienst mit der Sicherung des Geländes beauftragt.[8] Wenige Wochen später wurden in einem ebenfalls von Kabeldiebstahl betroffenen Steinbruch im wenige Kilometer entfernten Emmenhausen zwei Täter von der Polizei festgenommen.[9]

Die Zugänge werden an heißen Sommertagen teils beidseitig zugeparkt und verhindern, dass betriebliche und Rettungsfahrzeuge durchfahren können.[10] In regelmäßigen Abständen werden polizeiliche Kontrollen durchgeführt, die jedoch als ineffizient gelten, da das Bußgeld zu niedrig sei und nicht täglich kontrolliert werde.[6]

Versuche zur Herstellung geordneter Strukturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Badeverbotsschild 2014 im Norduferbereich

Bereits 2006 wurde durch Bürger versucht, den Landkreis Göttingen dazu zu bewegen, eine halbwegs geregelte Müllentsorgung auf freiwilliger Basis zu unterstützen. Dies wurde mit Hinweis auf das Bade- und Aufenthaltsverbot am See abgelehnt.[11]

Am 22. Juli 2013 forderte die Linke mit Hinweis auf die unhaltbaren Zustände erneut, den Badebetrieb am Rosdorfer Baggersee zu legalisieren und endlich eine geregelte Abfallentsorgung sowie die Errichtung sanitärer Anlagen zu ermöglichen.[12][13] Hierzu wurde im Kreistag am 21. August 2013 eine Anfrage eingereicht, die sich nach den Planungen nach Beendigung des Kiesabbaus erkundigte. In der Antwort vom 26. August 2013 lehnte die Kreisverwaltung zum wiederholten Male jede Verantwortung ab, die Erholungsfunktion sei so weit wie möglich zu beschränken und die Zufahrten zu versperren. Die Abbaugenehmigung sei unbefristet erteilt. Landrat Bernhard Reuter schätzte die Dauer des Abbaubetriebs auf weitere 25–50 Jahre und verwies darauf, dass danach eine Umwandlung des Abbaugebietes in ein Naherholungsgebiet einschließlich Badegewässer nicht geplant sei. Um den See herum seien Gehölzpflanzungen vorgesehen.[14]

2013 fragte das Landesgesundheitsamt in Hannover beim Landkreis Göttingen nach dem Gewässergütebericht, und ob es sich um einen Badesee im Sinne der Badegewässerrichtlinie handelte. Über den See war in einer Fernsehsendung berichtet worden. Die Badegewässerrichtlinie der Europäischen Union verlangt von den Behörden regelmäßige Gewässergüte-Kontrollen bei Badegewässern, was in Niedersachsen durch die Badegewässerverordnung vom 10. April 2008 geregelt ist. Die erforderliche Qualitätsbewertung des Landkreises lag nicht vor. Die Behörde in Hannover wies darauf hin, dass ein See, an dem viele Menschen badeten, nur dann nicht als Badegewässer einzustufen sei, wenn das Baden dort verboten sei. Darauf forderte das Umweltamt des Landkreises die Gemeinde Friedland auf, das Baden per Satzung zu verbieten. Zusätzlich sollte das Parken unterbunden werden. In der am 5. Juni 2014 beschlossenen neuen Satzung wurde pauschal das Baden und Betreten der Eisflächen aller Gewässer der Gemeinde Friedland verboten.[15] Begründet wurde das Badeverbot damit, dass die Gemeinde im gegenteiligen Fall die Kosten für eine regelmäßige Gewasseruntersuchung und weitere Sicherungsmaßnahmen tragen müsste. Friedlands Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD) betonte daraufhin mit Nachdruck, dass das Baden im See verboten sei. Dieses Verbot sei einzuhalten.[6] Diese Aussagen hatten jedoch auch im Rest des Sommers 2014 keinen Einfluss auf die weiterhin hohe Zahl der Badenden.

Die Kreistagsabgeordneten der Linken und der Piraten forderten im August 2014, das Baden offiziell zu erlauben, sanitäre Anlagen zu installieren, eine geregelte Müllentsorgung, die vorgeschriebenen Gewässergüteprüfungen und infrastrukturelle Maßnahmen.[16][3] Zum 17. Dezember 2014 wurde zu Abfallentsorgung und Toiletten ein gemeinsamer Antrag beider Parteien im Kreistag eingereicht.[17][4]

Gefahrenlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den 1970er Jahren wurde kein Unfall bekannt, der mit dem laufenden Abbaubetrieb zu tun hatte und nicht auf grobe Fahrlässigkeit zurückzuführen war, beispielsweise das Abstellen von Kraftwagen auf Kiesbergen direkt an der Uferböschung.

Sechs Todesfälle am See wurden bekannt: zwei Suizide (davon ein Kopfschuss), ein Mord, ein Todesfall durch Hitzschlag, im Mai 2008 kam ein Badegast durch plötzlichen Herztod ums Leben. Des Weiteren kam es am 17. Juni 2015 zu einem Unfall, bei dem ein 19-Jähriger ums Leben kam.[18][19][20]

Ernste Konflikte zwischen Badebetrieb und Kiesabbau sind bislang nicht bekannt geworden, obwohl der Badebetrieb in unmittelbarer Nähe zum Förderbetrieb stattfindet und die ruhenden Förderbandanlagen außerhalb der Betriebszeiten häufig als Sprungtürme genutzt werden. Die steil abfallenden Uferwände im Nordbereich des Sees können in die Tiefe abrutschen und dadurch eine Gefahr darstellen. Einige Jahre lang wurde auf diese konkrete Gefahr auf Schildern hingewiesen, die Beschilderung 2014 beschränkte sich jedoch wieder nur unspezifisch auf „Lebensgefahr“.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panoramabild über den Zentralteil des Sees nach Osten, links im Bild die Anlagen der Kiesförderung

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Rosdorfer Baggersee – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. August Oppermann, Kieswerk Rosdorf
  2. goettinger stadtinfo "Baggersee" (2014)
  3. a b Göttinger Tageblatt vom 13. August 2014
  4. a b StadtRadio vom 9. Dezember 2014: Trotz Badeverbot: Piraten und Linke fordern sanitäre Anlagen am Rosdorfer Baggersee
  5. Göttinger Tageblatt vom 11. September 2009
  6. a b c Göttinger Tageblatt vom 20. Juli 2014
  7. Göttinger Drucksache Nr. 20 vom 25. April 1991: Stacheldraht und Dornenhecken am Rosdorfer Kiessee.
  8. August Oppermann GmbH, 22. April 2013
  9. August Oppermann GmbH, 26. Mai 2013
  10. Göttinger Tageblatt vom 19. Juli 2013
  11. goettinger stadtinfo: Bürokratisch lebensferne Beamtendenke.
  12. HNA vom 2. August 2013
  13. StadtRadio Göttingen vom 23. Juli 2014: Linke für Umwandlung des Baggersees in Naherholungsgebiet.
  14. Landkreis Göttingen - Kiesabbau im Kieswerk Rosdorf (Anfrage Die Linke und Antwort Verwaltung)
  15. Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit in der Gemeinde Friedland (Beratung und Beschlussfassung am 5. Juni 2014)
  16. StadtRadio vom 8. August 2014: Linke und Piraten wollen Baden im Rosdorfer Baggersee offiziell erlauben.
  17. Landkreis Göttingen - Übernahme von Verantwortung für den Rosdorfer Baggersee - Abfallentsorgung und Toiletten
  18. Einsatzmeldung Feuerwehr Rosdorf vom 8. Mai 2008 (Memento vom 30. Juli 2014 im Internet Archive), abgerufen am 19. Juli 2019
  19. goettinger stadtinfo: Vorsicht beim Baden.
  20. "Badeunfall in Rosdorf: Leiche des 19-Jährigen geborgen" Göttinger Tageblatt vom 18. Juni 2015