Rosellina Burri-Bischof

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Abschlussarbeit. Atmosphäre bei Werner Bischof. Portrait von Frau Bischof
Serge Stauffer (Dozent: Hans Finsler), 1955
Fotografie
eMuseum. Museum für Gestaltung Zürich. Archiv Zürcher Hochschule der Künste, Zürich

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Rosellina Burri-Bischof, geborene Rosa Helene Mandel (* 5. Juni 1925 in Zürich; † 30. Januar 1986 ebenda) war eine Pionierin der Vermittlung und Förderung von Fotografie in der Schweiz, Direktorin der Bildagentur «Magnum Schweiz», Mitbegründerin und langjährige Leiterin der «Stiftung für die Photographie», Herausgeberin monografischer Publikationen sowie Kuratorin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rosellina Burri-Bischof war die Tochter der ungarischen Emigranten Moses Mandel und Anna geb. Prazak, die in Zürich im Exil lebten. Sie absolvierte die Höhere Töchterschule der Stadt Zürich (heutige Kantonsschule Hohe Promenade KSHP) und bildete sich als Kindergärtnerin aus.[1][2][3][4] Ihren zukünftigen Mann, den Fotografen Werner Bischof lernte sie 1946 in Rimini kennen, wo sie unter der Leitung von Margherita Zoebeli als Erzieherin und Fürsorgehelferin im Schweizerischen Kinderdorf «Centro Educativo Italo-Svizzero – CEIS» arbeitete. Werner Bischof besuchte das Dorf für eine Reportage.

Nach der Heirat im Jahr 1949 begleitete Rosellina Bischof ihren Mann auf mehreren Reisen. 1951 bis 1952 lebte das Paar in Japan, 1954 in den USA. Als Werner Bischof am 16. Mai 1954 in den Anden von Peru tödlich verunglückte, war seine Frau mit ihrem zweiten Kind hochschwanger. Als Witwe und alleinerziehende Mutter zweier Kinder, Marco und Daniel (* 1950 und 1954) kümmerte sie sich in der Folge um den fotografischen Nachlass ihres verstorbenen Mannes, organisierte Ausstellungen und zeichnete als Herausgeberin seiner Fotobücher. 1956 bis 1968 war sie Leiterin der Fotoagentur «Magnum Schweiz», organisierte und kuratierte Ausstellungen mit Bildern berühmter «Magnum»-Fotografen.[5]

1963 heiratete sie den Schweizer «Magnum»-Fotografen René Burri, mit dem sie ebenfalls zwei Kinder, Yasmine und Olivier (* 1964 und 1967), hatte. An Filmen und Publikationen von Burri war Rosellina Burri-Bischof massgeblich beteiligt.[6] Sie gehörte zusammen mit Hans Finsler, Manuel Gasser (erster Präsident 1971 bis 1979) und anderen zu den Gründungsmitgliedern der am 4. Mai 1971 ins Leben gerufenen «Stiftung für die Photographie».[7] Von 1976 bis 1981 betreute sie Fotoausstellungen im Kunsthaus Zürich und verantwortete bis zum zehnjährigen Jubiläum der Stiftung für die Photographie insgesamt 36 Ausstellungen.[8][9]

Werk und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herausgeberin / Mitherausgeberin / Redaktorin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Bischof, Japan. Manesse, Zürich 1954.
    • Version française: Werner Bischof, Japon. Préface: Robert Guillain, éd. Delpire, Paris 1955, ausgezeichnet mit dem Prix Nadar 1955.
  • Werner Bischof 1916—1954. Basler Druck- und Verlagsanstalt, Basel 1954.
  • Werner Bischof, Robert Frank, Pierre Verger: Indios. Manesse, Zürich 1956.
    • Version française: Werner Bischof, Robert Frank, Pierre Verger: Indiens pas morts, Text: Georges Arnaud, Zürich, Manesse 1956.
  • Werner Bischof, Unterwegs. Text: Manuel Gasser, Manesse, Zürich 1957.
    • Werner Bischof, Carnet de Route, Text: Manuel Gasser, éd. Delpire, Paris 1957.
  • Werner Bischof. Das fotografische Werk. Herausgeber: Gewerbemuseum Basel, Basel 1958.
  • Werner Bischof 1916–1954, Prag 1960.
  • Werner Bischof, Querschnitt. 48 Photographien. Arche, Zürich 1961.
  • Werner Bischof. Text von Rosellina Bischof-Burri, Übersetzung: Oswald Ruppen. 1971, Separatdruck aus: Photorundschau. Nr. 17/1971.
  • Werner Bischof, 1916—1954. Herausgeber: Rosellina Burri-Bischof, René Burri, Übersetzung: Rosellina Burri-Bischof. Grossman Publishers, New York 1974.
  • mit Hugo Loetscher, Walter Binder, Peter Killer (Konzept und Redaktion): Photographie in der Schweiz von 1840 bis heute. Herausgeber: Stiftung für die Photographie, Kunsthaus Zürich. Arthur Niggli, Teufen 1974.
    • Version française: Gerda Bouvier: Photographes suisses depuis 1840 à nos jours. Schweizerische Stiftung für die Photographie, Kunsthaus Zürich. Arthur Niggli, Teufen 1977.
    • English version: D. Q. Stephenson: Swiss photographers from 1840 until today. International Center of Photography, N.Y., International Fund for Concerned Photography, New York 1978.
  • René Burri — one world. Fotografien und Collagen 1950—1983. Benteli, Sulgen 1984.
    • Version française: René Burri – one world. Photographies et collages 1950-1983. Benteli, Sulgen 1984.

Ausstellungsleitung/ -vermittlung, Kuratorin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fotoausstellungen im Kunstgewerbemuseum (jetzt Museum für Gestaltung) Zürich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1956: Henri Cartier Bresson.
  • 1957: Werner Bischof. Das fotografische Werk. Kunstgewerbemuseum, Zürich[10][11]
  • 1961 Menschen im Krieg – Fotos von Robert Capa.

Fotoausstellungen mit Bildern von Werner Bischof (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1955: Japan. Smithsonian Institution, Washington 1955 (Wanderausstellung)
  • 1961: Smithsonian Institution, Washington
  • 1966: Galerie Form, Zürich
  • 1967: Musée des Arts décoratifs, Paris
  • 1968: IBM Gallery, New York
  • 1968: Wanderausstellung in Japan
  • 1968: Galerie du Château d'Eau, Toulouse
  • 1968: IBM Gallery, New York
  • 1984: Stiftung für die Photographie im Kunsthaus Zürich

Spezialausstellungen der Stiftung für die Photographie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fotoausstellungen im Kunsthaus Zürich (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

«Die Notwendigkeit einer Institution, die sich aktiv um die Belange der Photographie kümmert, wurde zuerst von Frau Rosellina Burri-Bischof erkannt, die dann auch die treibende Kraft bei den Gründungsvorbereitungen war.»

Manuel Gasser[13]

«Mit der Eröffnung des Sammlungsneubaus im Kunsthaus Zürich begannen wir im Februar 1976 die regelmässige Ausstellungstätigkeit in der für die Stiftung eingerichteten Photo-Galerie, für die ich verantwortlich war.»

Rosellina Burri-Bischof[14]

«Es gab wohl keinen Namen wie den von Rosellina Burri-Bischof, der in unserem Land auf gleich liebenswerte wie phantasievolle und folgenreiche Weise mit der Photographie verbunden bleibt.»

Erste Würdigung des Lebenswerks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

37 Jahre nach ihrem Ableben werden 2023 die herausragenden Leistungen von Rosellina Burri-Bischof zur Vermittlung der Fotografie in der Schweiz von der Stiftung, deren Gründermutter und treibende Kraft sie gewesen war, erstmals gewürdigt. Zusammen mit der Ausstellung «Unseen Colour» ihres ersten Mannes, Werner Bischof wird eine Sonderschau über sie präsentiert.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franz Schmidt (Vorlass Herman Schmidt): Internationales pädagogisches Schulungslager im Mösli. In der Mitte Rösli Mandel (später Rosellina Bischof), 1946. In: Schweizerisches Sozialarchiv, Datenbank Bild + Ton, Signatur F 5106-Fa-239, abgerufen am 15. August 2020.
  2. Franz Schmidt (Vorlass Herman Schmidt): Internationales pädagogisches Schulungslager im Mösli «Gipfelbild Rigi … stehend hinter Georg Mandel Rösli», 1946. In: Schweizerisches Sozialarchiv, Datenbank Bild + Ton, Signatur F 5106-Fa-255, abgerufen am 15. August 2020.
  3. Franz Schmidt (Vorlass Herman Schmidt): Internationales pädagogisches Schulungslager im Mösli «Rigi», Rösli Mandel (vorne), 1946. In: Schweizerisches Sozialarchiv, Datenbank Bild + Ton, Signatur F 5106-Fa-257, abgerufen am 15. August 2020.
  4. Franz Schmidt (Vorlass Herman Schmidt): Internationales pädagogisches Schulungslager im Mösli «Schifffahrt … », Rösli Mandel … ,1946. In: Schweizerisches Sozialarchiv, Datenbank Bild + Ton, Signatur F 5106-Fa-262, abgerufen am 15. August 2020.
  5. Ausstellungen von: Rosellina Burri-Bischof. emuseum, Museum für Gestaltung Zürich, abgerufen am 18. August 2020 (Plakate zu «Henri Cartier-Bresson. Fotografien 1930 - 1955», «Werner Bischof - Das fotografische Werk» sowie «Menschen im Krieg – Photos von Robert Capa»).
  6. Antonia Schmidlin: Rosellina Burri-Bischof. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 16. Februar 2005.
  7. Handelsregister des Kantons Zürich: Tagebuch Register-Akten 1971, No. 4434.
  8. Zum Tod von Rosellina Burri-Bischof. In: Emanzipation – Zeitung der Organisation für die Sache der Frau (OFRA), Basel, Nr. 3, 12. Jahrgang, April 1986, S. 19. In: E-Periodica der ETH Zürich, abgerufen am 16. Dezember 2021.
  9. Monica Boirar: Rosellina Burri-Bischof – Eine Pionierin für die Fotografie. In: WOZ Online, 20. Mai 2021, abgerufen am 17. Juni 2021 und WOZ Nr. 20, Thema Kultur/Wissen, S. 15–17, 20. Mai 2021.
  10. Werner Bischof: Plakat der Fotoausstellung, Werner Bischof – Das fotografische Werk. Gestaltung: Josef Müller-Brockmann, 1957. In: eMuseum, Museum für Gestaltung Zürich Archiv Zürcher Hochschule der Künste.
  11. René Burri: Werner Bischof – Das fotografische Werk. Porträtierte Person: Hans Finsler. 1957. In: eMuseum, Museum für Gestaltung Zürich Archiv Zürcher Hochschule der Künste.
  12. Rosellina Burri-Bischof: Zehn Jahre Ausstellungstätigkeit der «Stiftung für die Photographie». In: Camera, Internationale Zeitschrift für Photographie und Film. 1981, Heft 4, April, S. 27.
  13. Manuel Gasser: Was ist und was will die «Stiftung für die Photographie?» In: du, Oktober 1974, S. 103.
  14. Rosellina Burri-Bischof: Zehn Jahre Ausstellungstätigkeit der «Stiftung für die Photographie». In: Camera, Internationale Zeitschrift für Photographie und Film. 1981, Heft 4, April, S. 20.
  15. Hugo Loetscher: Zum Tod von Rosellina Burri-Bischof. In: Neue Zürcher Zeitung Nr. 27, 3. Februar 1986, S. 31.
  16. Fotostiftung: Werner Bischof. Unseen Colour. In: Fotostiftung Schweiz. Abgerufen am 18. Dezember 2022.