Rosengarten (Lampertheim)

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Rosengarten
Koordinaten: 49° 38′ 6″ N, 8° 23′ 41″ O
Höhe: 90 m ü. NHN
Fläche: 7,45 km²[1]
Eingemeindung: 1. Oktober 1971
Postleitzahl: 68623
Vorwahl: 06241

Rosengarten ist ein ehemaliges Erbhöfedorf und bildet heute den westlichsten Stadtteil der hessischen Stadt Lampertheim.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Siedlungsgründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 13. Jahrhundert entstand das Lied vom Rosengarten zu Worms, in dem die Sage des Nibelungenliedes mit der Thidrekssaga verknüpft wird. Kriemhilds sagenhafter „Rosengarte“ bei Worms wurde von dem Dichter in die Gegend der heutigen Gemarkung verlegt. Die älteste erhaltene urkundliche Erwähnung des Ortes stammt von 1422, als Kurfürst Ludwig III. diesen zusammen mit Kirschgartshausen vom Wormser Kloster Kirschgarten erwarb. Etymologisch ist aber auch eine andere Namensdeutung denkbar. 1524 wird der Rosengarten als kaiserliches Reichslehen aufgeführt, „so ein Bischof von Worms vom Keysser zu lehen tregt“. Mit diesem Lehen kann ein „Roßgarten“, eine Pferdeweide, in Verbindung gebracht werden.

Der wildreiche Eichenwald, der bereits im Nibelungenlied erwähnt wird, wurde vor allem im 18. Jahrhundert für kurfürstliche Jagden genutzt. Dieser Wald wurde nach 1789 völlig abgeholzt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Rosengarten:[2]
»Rosengarten (L. Bez. Heppenheim) Rheinau; gehört zu Lampertheim, besteht aus Feld und etwas Wald und ist herrschaftlich. Die Au liegt hinter dem Hauptdamm. Wegen des Fischwassers und wegen des Zollhauses daselbst, war vormals langwieriger Streit mit Churpfalz.«

Für das Jahr 1845 finden sich in der Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten gleich zwei Eintragungen:[3]

  1. »Rosengarten b. Lampertheim - Wirthshaus an der Rheinüberfahrt nach Worms, zur Pfarre Lampertheim gehörig. 1 Haus, 9 Einwohner. Großherzogthum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Heppenheim, Landger. Lorsch, Hofgericht Darmstadt«
  2. »Wormser Fahrthaus b. Lampertheim - Wirthshaus „zum Rosengarten“ auf dem rechten Rheinufer, zur evangel. Pfarrei Lampertheim gehörig. 1 Haus, 8 Einwohner, Großherzogthum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Heppenheim. Landger. Lorsch, Hofgericht Darmstadt.«

In der Statistik des Großherzogthum Hessen Band 2 von 1864[4] wird Rosengarten als Wirtshaus von Lampertheim mit 22 Einwohnern in 2 Häusern angegeben.

Das Infanterie-Regiment „Prinz Carl“, das in Worms stationiert war, nutzte in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg einen Teil des Rosengartens als Exerzierplatz und Schießgelände.

Siedlungsgründung und Gebietsreformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den 1920er-Jahren gab es Pläne zur Entwässerung und Urbarmachung des Hessischen Rieds. Basierend auf diesen Planungen sowie auf dem Reichserbhofgesetz von 1933 wurden unter der nationalsozialistischen Herrschaft sogenannte Erbhöfedörfer errichtet, darunter auch Rosengarten im damaligen Kreis Bensheim. Am 25. April 1937 erfolgte die Grundsteinlegung zur Siedlung Rosengarten, wie das neue Dorf offiziell hieß. Es entstand auf Teilen der Gemarkungen Lampertheim, Bürstadt, Hofheim und Maulbeeraue. Am 3. Oktober 1937 wurde die Siedlung eingeweiht und gleichzeitig mitsamt ihrer näheren Umgebung in die Stadt Worms eingemeindet.[5]

Bei der hessischen Kreisreform am 1. November 1938 wurden die neun Gemeinden Bobstadt, Bürstadt, Groß-Hausen, Hofheim, Klein-Hausen, Lampertheim und Lorsch aus dem aufgelösten Kreis Bensheim in den Landkreis Worms umgegliedert; gleichzeitig wurde Worms kreisfreie Stadt.[6]

In der Endphase des Zweiten Weltkrieges überquerten amerikanische Truppen in den ersten Stunden des 26. März 1945 südlich von Worms den Rhein und nahmen noch in der Nacht die Ortschaft Rosengarten in Besitz. In den frühen Morgenstunden marschierte sie in Bürstadt ein und rückten auf der B47 in Richtung Lorsch vor. Am 27. März standen die amerikanischen Einheiten in Lorsch, Bensheim und Heppenheim und einen Tag später waren Aschaffenburg am Main sowie der westliche und nördlichen Teil des Odenwaldes besetzt.[7]

Mit der Neueinteilung der Bundesländer durch die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs nach 1945 kam Rheinhessen westlich des Rheins zunächst zur Französischen Besatzungszone und dann zum neu gebildeten Bundesland Rheinland-Pfalz. Die rechtsrheinischen Gebiete der Stadt Worms und des Landkreises Worms, die nun in der Amerikanischen Besatzungszone lagen, wurden in den Kreis Bergstraße im Bundesland Hessen umgegliedert. Rosengarten kam dabei unter die Verwaltung von Lampertheim.

Ab 1955 bildete Rosengarten eine selbständige Gemeinde, die am 1. Oktober 1971 im Zuge Gebietsreform in Hessen in die Stadt Lampertheim eingemeindet wurde. Dort bildet Rosengarten heute einen Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher.[8]

Im Jahr 1961 wurde die Gemarkungsgröße mit 745 ha angegeben, davon waren 3 ha Wald.[1]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgenden Einwohnerzahlen sind dokumentiert:[1]

  • 1939: 117 Einwohner
  • 1961: 321 Einwohner
  • 1970: 398 Einwohner
Rosengarten: Einwohnerzahlen von 1939 bis 1967
Jahr     Einwohner
1939
  
280
1946
  
398
1950
  
263
1956
  
285
1961
  
321
1967
  
469
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ernst-Ludwig-Brücke auf einer Postkarte von 1902; Ansicht von Osten

Die Ernst-Ludwig-Brücke (heute Nibelungenbrücke genannt) war die ab 1897 erbaute und am 26. März 1900 eingeweihte, nach dem Großherzog von Hessen-Darmstadt als Landesherrn benannte Straßenbrücke über den Rhein nach Worms. Sie besaß drei Bögen aus Eisenfachwerk mit aufgeständerter Fahrbahn, die von dem MAN-Werk in Gustavsburg gebaut wurden.

Im Dezember 1900 wurde die Eisenbahnbrücke Rheinbrücke Worms über den Rhein nach Worms eröffnet. Damit war eine durchgehende Zugverbindung erreicht. Der bisherige Endpunkt der Riedbahn im Bahnhof Rosengarten und die Rheinüberquerung mittels Trajekt wurden überflüssig.

Der Hessische Radfernweg R6 führt durch Rosengarten.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rosengarten ist Standort einer 380-kV-Umspannanlage der RWE AG, die am 4. Oktober 1957 im Zuge der Inbetriebnahme der ersten deutschen 380-kV-Leitung, der Leitung Rommerskirchen-Bürstadt-Hoheneck, als eine der ersten dieser Leistungsklasse in Deutschland in Betrieb genommen wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H.F. Karb: Der Bahnhof Rosengarten. In: Stadt Lampertheim (Hg.) (1977); Rosengarten. Beiträge zur Geschichte der Gemeinde Rosengarten.
  • Fritz Heck: Chronik von Sandhofen, Scharhof, Sandtorf und Kirschgartshausen nebst Gemarkungs-Plan und den Eingemeindungs-Bedingungen. Mannheim 1976
  • Paulus Weissenberger: Geschichte des Klosters Kirschgarten in Worms Wormsgau Beih.6 (Worms 1937)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lampertheim – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Rosengarten, Landkreis Bergstraße. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 27. September 2016)
  2. Georg W. Weber: Oktober 1829: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1, Seite 206 (online bei google books)
  3. Johann Friedrich Kratzsch: Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten, E. Zimmermann, Naumburg 1854, (online bei google books)
  4. Gossherzoglische Centralstelle für die Landesstatistik: Statistik des Großherzogthum Hessen Band 2, Darmstadt 1864, Seite 67 (online bei google books)
  5. Stadt Worms / Gerold Bönnen (Hrsg.): Geschichte der Stadt Worms. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1679-7, S. 592.
  6. Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“. Die Entstehung des Kreises Bergstraße. 2007, S. 109, archiviert vom Original am 20. Dezember 2014, abgerufen am 9. Februar 2015 (PDF; 9,0 MB).
  7. Artikelserie des Bergsträßer Anzeigers aus dem Jahr 2005 über das Kriegsende an der Bergstraße. Bergstraße. Bergsträßer Anzeiger, archiviert vom Original am 20. Dezember 2014, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 348.