Rosneft

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Rosneft (ОАО НК «Роснефть»)
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Rechtsform Offene Aktiengesellschaft
Aktiengesellschaft (Russland)
ISIN RU000A0J2Q06
US67812M2070 (GDR)
Gründung 1993
Sitz Moskau, RusslandRussland Russland
Leitung Igor Setschin
Mitarbeiter 261.500[1]
Umsatz 5,15 Bio. Rubel (81 Mrd. Euro)[1]
Branche Erdöl, Erdgas
Website rosneft.com
Stand: 31. Dezember 2015 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2015
Die Zentrale von Rosneft am Ufer der Moskwa

Rosneft (russisch Роснефть) ist ein russisches Mineralölunternehmen mit Stammsitz in Moskau. Das Unternehmen ist seit 2006 an der Börse notiert. Geschäftsführer des Ölkonzerns ist Igor Setschin,[2] ehemaliger stellvertretender Leiter der russischen Präsidialadministration unter Wladimir Putin.

Besitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrheitseigner von Rosneft ist der russische Staat mit etwa 70 % der Anteile. Ein weiterer Großaktionär ist British Petroleum mit einem Anteil von 19,75 % des Aktienkapitals (Stand 2015).[3]

2016 erwarben der Schweizer Rohstoffhändler Glencore und die Qatar Investment Authority Anteile.[4][5]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rosneft erforscht Öl- und Gasvorkommen und betreibt Bohranlagen auf Sachalin, in Sibirien, im Timan-Petschora-Becken (Autonomer Kreis der Nenzen) und in Südrussland. Rosneft besitzt und betreibt zwei Raffinerien. Die Anlage in Tuapse (Westrussland) raffiniert Schweröl aus Westsibirien, die Anlage in Komsomolsk am Amur ist die östlichste Ölraffinerie in Russland. 2005 förderte das Unternehmen fast 78 Millionen Tonnen Öl. Rosneft besitzt zudem Speditions-, Pipeline- und Marketingunternehmen.

Im Jahr 2004 beschloss das Unternehmen den Zusammenschluss mit dem russischen und weltweit größten Erdgasförderunternehmen Gazprom. Die Unternehmenszentralen befinden sich in Moskau, in unmittelbarer Nähe des Kremls.

Am 22. Dezember 2004 übernahm Rosneft die wenige Tage zuvor gegründete Briefkastenfirma Baikal Finans. Am 19. Dezember hatte die Baikal Finans die Produktionsgesellschaft Juganskneftegas, die wichtigste Tochter des russischen Energiekonzerns Jukos (ehemaliger Vorstandsvorsitzender Michail Chodorkowski), für sieben Milliarden Euro (9,4 Milliarden US-Dollar), weit unter Wert, ersteigert, nachdem russische Finanzbehörden Jukos mit Steuernachforderungen von rund 28 Milliarden US-Dollar zum Verkauf gezwungen hatten. Über Rosneft ist es dem russischen Staat gelungen, die Kontrolle über den größten Teil von Jukos zu übernehmen.

Die Produktion von Rosneft, der einzigen Ölproduktionsgesellschaft, die nach der weitgehenden Privatisierung der Ölproduktionsgesellschaften völlig in staatlicher Hand verblieben ist, rangierte 2004 noch weit hinter der der führenden Ölproduzenten Jukos und Lukoil. Nach der Zerschlagung des Jukoskonzerns machte Rosneft durch die Übernahme der größten Produktionsgesellschaft des Jukoskonzerns 2005 in der Rangliste der russischen Ölproduzenten einen großen Sprung nach oben und gehörte zu den drei größten russischen Ölproduzenten.

Am 2. März 2005 wurde die von der Staatsführung gewollte Fusion des Gasproduzenten Gazprom mit dem staatlichen Ölunternehmen Rosneft genehmigt. Das Sträuben des Rosneft-Managements dagegen war vergebens. Durch Aktientausch erlangte Rosneft die Anteilsmehrheit an der Gazprom.[6]

Am 21. August 2009 eröffnete Wladimir Putin symbolisch die Förderanlage Wankor, die heute zu den zehn größten Abbauanlagen von Erdöl und Erdgas zählt.

Am 22. Oktober 2012 gab Rosneft die Übernahme der drittgrößten russischen Ölfirma TNK-BP für rund 55 Milliarden US-Dollar bekannt. TNK-BP gehörte je zur Hälfte der britischen BP und vier russischen Milliardären. Rosneft erwarb den 50-prozentigen Anteil von BP für rund 28 Milliarden US-Dollar. BP erhielt 17 Mrd. US-Dollar in bar und erhöhte seine Beteiligung an Rosneft auf knapp 20 Prozent. Die Firma AAR der russischen Oligarchen erhielt wie BP für ihren 50-prozentigen Anteil ebenfalls rund 28 Mrd. US-Dollar.[7]

Im Juli 2014 verhängte die US-Regierung Sanktionen gegen das Unternehmen. Die EU erweiterte im September 2014 ihre Sanktionen auf Rosneft und weitere russische Erdölkonzerne infolge des Krieges in der Ostukraine.[8]

Im Juni 2015 verkaufte Rosneft zwanzig Prozent der sibirischen Lagerstätte Srednebotubinskoje, die 20.000 Barrel pro Tag produziert, an das britische Unternehmen BP. Die beiden Unternehmen unterzeichneten außerdem Abkommen zur gemeinsamen Erkundung von zwei Vorkommen in Westsibirien und zur Verdopplung der Beteiligung von Rosneft an vier gemeinsam betriebenen Raffinerien in Deutschland.[9]

Rosneft beschäftigte im Jahr 2014 weltweit 106.000 Mitarbeiter[10] und konnte einen Jahresumsatz von 92,7 Milliarden US-Dollar[11] erzielen.

Im 2016 förderte Rosneft 3,7 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, was einem Drittel der russischen Produktion entsprach.[12]

Aktie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Börsengang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. Juli 2006 führte Rosneft den größten Börsengang in der russischen Geschichte durch. Der Konzern nahm nach eigenen Angaben 10,6 Milliarden US-Dollar ein. Russland sollte Mehrheitseigner bleiben, sodass maximal 49 % der Papiere platziert wurden. Der größte Teil wurde an der Londoner Börse angeboten, kleinere Teile an russischen Börsen. Die Aktie ist im RTS-Index gelistet und wird auch im US-amerikanischen elektronischen Handelssystem NASDAQ über das OTC Bulletin Board angeboten. Aktienzertifikate werden an der Londoner Börse und im XETRA gehandelt.

Kapitalerhöhung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte Dezember 2014 positionierte Rosneft frische Aktien im Wert von damals rund 625 Mrd. Rubel an der Börse. Spekulationen, die Russische Zentralbank habe den Verkauf der Papiere unterstützt, wies Igor Setschin scharf zurück.[13][14]

Teilverkauf an Glencore mit QIA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2016 wurden 19,5 Prozent der Rosneft-Aktien an ein Konsortium der Schweizer Rohstoff- und Ölhandelsfirma Glencore und des Katarer Investmentfonds Qatar Investment Authority (QIA) verkauft. Laut der russischen Tageszeitung Wedomosti habe zunächst die russische Staatsbank VTB, dann die staatliche Holding Rosneftegaz das benötigte Kapital von mehr als 10 Mrd. Dollar an die Investoren verliehen; es wird auch vermutet, der Verkauf sei eine Täuschung und das Aktienpaket tatsächlich bei russischen Institutionen unter der Kontrolle von Igor Setschin gelandet.[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rosneft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Geschäftsbericht 2015. (Memento vom 8. Juni 2016 im Internet Archive).
  2. a b Stefan Scholl: Putins Schattenmann. In: badische-zeitung.de. 27. Januar 2017.
  3. Rosneft verhilft BP zu hohem operativem Gewinn. In: NZZ.ch. 3. Februar 2015.
  4. Milliardendeal ist perfekt. Katar und Glencore steigen bei Rosneft ein. In: n-tv.de. 7. Dezember 2016, abgerufen am 8. Dezember 2016.
  5. Gesine Dornblüth: Russland. Setschins Macht. In: Deutschlandfunk.de. 12. Dezember 2012.
  6. Das Datum. In: Augsburger Allgemeine. 2. März 2010.
  7. Rosneft wird größter Ölkonzern – 55-Mrd-Dollar-Zukauf. In: Reuters.com. 22. Oktober 2012.
  8. EU plant Sanktionen gegen russische Erdölkonzerne. In: FAZ.net. 5. September 2014.
  9. Rosneft verkauft Anteile an sibirischer Lagerstätte an BP. In: Zeit.de. 19. Juni 2015.
  10. Top 20 Largest Oil & Gas Employers. (Memento vom 8. Juni 2016 im Internet Archive). In: oilgaspost.com. 25. April 2013, abgerufen am 11. April 2013.
  11. Umsatz des Erdölkonzerns Rosneft in den Jahren 2008 bis 2015 (in Milliarden US-Dollar). In: Statista.com. Abgerufen am 11. April 2016.
  12. Bashneft-Privatisierung. Wer bekommt Russlands Schwarze Perle? In: NZZ.ch. 31. August 2016, S. 25.
  13. Andrew Kramer: Russia’s Steep Rate Increase Fails to Stem Ruble’s Decline. In: nytimes.com. 16. Dezember 2014, abgerufen am 16. Dezember 2014.
  14. E. Mazneva, E. Shatalova: Rosneft Denies Role in Ruble’s Rout After Record Bond Sale. In: Bloomberg.com. 17. Dezember 2014, abgerufen am 17. Dezember 2014.

Koordinaten: 55° 44′ 52″ N, 37° 37′ 12″ O