Rossijskije schelesnyje dorogi

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Rossijskije schelesnyje dorogi (RŽD)
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Rechtsform Aktiengesellschaft (OAO)
Gründung 1. Oktober 2003
Sitz Moskau, RusslandRussland Russland
Leitung Oleg Belosjorow[1] (Präsident)
Mitarbeiter 835.800 (2014)
Umsatz 1.991 Mrd. Rubel (28,6 Mrd. Euro)[2]
Branche Transport/Logistik
Website www.rzd.ru
Stand: 31. Dezember 2015 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2015
Elektrische Gleichstromlokomotive VL10 der Regionalabteilung Süd-Ural

Die Rossijskije schelesnyje dorogi (russisch Российские железные дороги; kurz: РЖД; deutsch: Russische Eisenbahnen, kurz: RŽD oder RZhD) sind die staatliche Bahngesellschaft der Russischen Föderation

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigsten Strecken der RŽD
Nahverkehrszug ED4M des Herstellers Transmaschholding, an dem die RŽD beteiligt ist

Die RŽD ist als offene Aktiengesellschaft (russisch Открытое акционерное общество, Otkrytoje akzionernoje obschtschestwo, Abkürzung OAO) organisiert. Sie ist in regionale Eisenbahnbetriebe unterteilt und betreibt ein Streckennetz mit einer Gesamtlänge von etwa 85.200 Kilometern mit der Spurweite 1520 mm.[3] Davon sind 22.000 Kilometer mit Wechselspannung 25.000 V (50 Hz) und 18.800 Kilometer mit Gleichspannung 3000 V elektrifiziert. Der Hauptsitz befindet sich in Moskau. Sie betreibt außerdem das Allrussische Forschungsinstitut für Schienenverkehr mit der Teststrecke bei Schtscherbinka südlich von Moskau.

Weiter betreibt die RŽD seit dem 1. Juni 2008 für zunächst 30 Jahre die Eisenbahn in Armenien unter dem Namen Harawkowkasjan Jerkatughi (Russisch: Juschno-kawkaskaja schelesnaja doroga), nachdem sie eine entsprechende Ausschreibung gewonnen hatte. Während dieses Zeitraums sollen mindestens 570 Millionen USD investiert werden, 70 Prozent davon in die Infrastruktur.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die RŽD übernahm den in Russland gelegenen Teil der Eisenbahninfrastruktur und der Fahrzeuge der Sowjetischen Eisenbahnen.

Die Verflechtung staatlicher und unternehmerischer Aufgaben, die Quersubventionierung defizitärer Unternehmensbereiche sowie die niedrige technische Qualität und der geringe Komfort für Fahrgäste waren Anlass für eine Eisenbahnstrukturreform. In der ersten Etappe 2001 bis 2002 wurden staatliche und unternehmerische Aufgaben getrennt. Am 1. Oktober 2003 wurde die Umwandlung der Bahngesellschaft in eine Aktiengesellschaft eingeleitet.[5] Dabei gingen die unternehmerischen Aufgaben in einer sogenannten offenen Aktiengesellschaft auf. Sie wurde aus dem ehemaligen Eisenbahnministerium (Ministerstwo Putej Soobschenija, Министерство путей сообщения) ausgegliedert. Dabei übernahm die Aktiengesellschaft das gesamte Eisenbahnvermögen.

Die zweite Etappe 2003 bis 2005 hatte die Förderung des Wettbewerbs im Güterverkehr, die Effizienzsteigerung in der Verwaltung und die Verringerung der Quersubventionierung des Personenverkehrs zum Ziel. Zahlreiche Tochtergesellschaften wurden gegründet und ein neues Tarifsystem eingeführt. Seit 2004 bilanziert jeder Geschäftsbereich separat.

In der dritten Etappe 2006 bis 2010 (Investitionsphase) wurde eine Holding für zwei Güterverkehrs- und eine Personenverkehrsgesellschaft gebildet.[6] Der damalige Ministerpräsident von Russland, Wladimir Putin, kündigte 2008 ein umfangreiches Eisenbahnentwicklungsprogramm bis 2030 mit Investitionen von 380 Milliarden Euro an. Mit diesen Mitteln sollen neue Lokomotiven und Wagen angeschafft sowie 20.000 km Bahnstrecke gebaut werden. Damit sollen auch abgelegene Regionen einen Bahnanschluss erhalten.[7]

Regionale Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die RŽD bestehen aus 16 regionalen Eisenbahnen:

Region Primorje, Region Chabarowsk, Jüdische Autonome Oblast, Oblast Amur (teilweise), Jakutien, Sachalin
Oblast Wladimir, Oblast Nischni Nowgorod, Oblast Kirow, Mari El, Tschuwaschien, Udmurtien, Tatarstan (teilweise), Mordwinien (teilweise), Baschkortostan (teilweise), Region Perm (teilweise), Oblast Swerdlowsk (teilweise)
Oblast Kaliningrad
Region Krasnojarsk, Oblast Irkutsk (teilweise), Oblast Kemerowo (teilweise)
Region Transbaikalien, Oblast Amur (teilweise)
Oblast Omsk, Oblast Tomsk, Oblast Nowosibirsk, Region Altai, Oblast Kemerowo (teilweise)
Burjatien, Oblast Irkutsk, Region Transbaikalien (teilweise)
RŽD-Elektrotriebzug ED4MKM

Geplante oder in Bau befindliche Strecken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Personenkilometer (in Mrd.)

Das Anlagevermögen der RŽD lag 2016 bei 3 Mrd. Euro und 285 Mio. Euro wurden in diesem Jahr investiert.[11]

2016 leistete die RŽD 88 Milliarden Personenkilometer[12] und 2015 wurden 2954,9 Mrd. Tonnenkilometer gefahren. Dabei nutzten 114,8 Mio. Fahrgäste 2015 den Fernverkehr und 877,6 Mio. den Nahverkehr.[13] Dafür standen 20.600 Personenwagen (2016) zur Verfügung.[14]

2015 wurden 1241,6 Mio. Tonnen Fracht transportiert.[15]

Personenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auslandsverbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

RŽD-Schlafwagen WLABmee in Berlin

Da die Strecken in Russland die Breitspur von 1520 mm aufweisen, die Eisenbahnnetze Mittel- und Westeuropas sowie Chinas jedoch Normalspur von 1435 mm, müssen die Wagen internationaler Züge in der Regel an diesen Grenzen umgespurt werden. Eine Ausnahme sind Züge nach Finnland, dessen Bahn ebenfalls auf Breitspur verkehrt. Seit 2006 existiert ein Joint Venture mit der Finnischen Staatsbahn mit Namen Karelian Trains, das seit 2010 den Verkehr zwischen Helsinki und Sankt Petersburg mit Hochgeschwindigkeitszügen betreibt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich musste deshalb an den Grenzbahnhöfen umgestiegen werden. Die ersten Spurwechselschlafwagen wurden 1953 beschafft, waren jedoch noch nicht RIC-fähig. Erste RIC-Schlafwagen mit Schürze wurden ab 1959 geliefert. Ab 1967 folgten die ersten 24,5 m langen Schlafwagen nach dem Standard UIC-Y, die erstmals mit Klimaanlage ausgerüstet waren. Die ab 1972 gelieferten Wagen hatten eine Druckbelüftungsanlage. Ab 1978 folgte die letzte UIC-Y-Serie, wieder mit Klimaanlage. All diese in ganz Mittel- und Westeuropa einsetzbaren spurwechselfähigen Schlafwagen der RŽD wurden im 20. Jahrhundert vom Waggonbau Görlitz entwickelt und gebaut.

Ab 1994 wurden 80 moderne 26,4 m lange UIC-Z-Schlafwagen (WLABmee) mit Klimaanlage geliefert, deren Drehgestelle GP200 eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h ermöglichen. Die Schlafwagen haben im Allgemeinen Dreibettabteile für universelle Belegung mit ein bis drei Reisenden. Einige der 1994 gebauten Wagen wurden in Luxusschlafwagen (WLSRmee) umgebaut und haben nun vier große Zweibettabteile mit eigenem Bad sowie eine Bar. Diese werden auf der Strecke Moskau – Berlin – Paris und Moskau – Nizza eingesetzt.

Bis ca. 2012 kamen auch Wagen mit Vierbettabteilen und dem größeren russischen Fahrzeugumgrenzungsprofil nach Bulgarien und Polen, früher auch in die DDR, zum Einsatz. Sie wurden von 1948 bis 1998 in den Waggonbauwerken Ammendorf, Görlitz und Bautzen gefertigt. Diese Wagen liefen als Lademaßüberschreitung und konnten im Normalspurnetz nur auf bestimmten Strecken eingesetzt werden. Seit 2014 gehen 200 neue RIC-Schlafwagen mit Vierbettabteilen (WLABmz) in Betrieb, die von Siemens Rail Systems entwickelt wurden. Die Wagen werden im Siemens-Werk Wien-Simmering gefertigt, die Normalspurdrehgestelle in Graz und die Breitspurdrehgestelle im Waggonbauwerk Twer der Transmashholding.[16] Sie haben inzwischen die meisten älteren Typen für den Übergang ins europäische Normalspurnetz abgelöst.

Alle im Normalspurnetz eingesetzten Wagen der RŽD sind Schlafwagen. Bei all diesen Fahrzeugen wird im Grenzbahnhof beim Übergang zur anderen Spurweite der Wagenkasten von den Drehgestellen abgehoben und Drehgestelle der anderen Spurweite unter geschoben.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Fahrplanwechsel am 17. Dezember 2016 verkehren zwischen Moskau und Berlin erstmals Züge mit verstellbaren Radsätzen, die im Bahnhof Brest Zentralny eine Umspuranlage durchlaufen, ohne dass die Radsätze getauscht werden müssen. Es sind Talgo-Züge, die von der RŽD betrieben werden. Sie verkehren unter dem Markennamen „STRIZH“.[17] Insgesamt aber ist der internationale Verkehr der RŽD stark rückläufig. Deshalb wurden zum Fahrplanwechsel am 17. Dezember 2016 die meisten Kurse auf den Balkan eingestellt. Weitere Einstellungen werden erwogen.[18]

Reisende im internationalen Verkehr der RŽD[19]
Jahr 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Reisende (in Mio.) 20 20 20 20 11 7 5,4[Anm. 1]

Während früher Schlafwagenverbindungen von Moskau in nahezu alle Hauptstädte Mittel- und Osteuropas bestanden, wurden diese Verbindungen in den letzten Jahren stark reduziert. Folgende Verbindungen ins Ausland bestanden 2016/2017[20]:

Güterverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Güterverkehr wurden 2007 die Tochter Perwaja Gruzowaja Kompanija (PGK, Freight One), die etwa 244.000 Güterwagen (ein Viertel des Gesamtbestands) erhielt, und 2010 eine zweite Tochter, Wtoraja Gruzowaja Kompanija (WGK, Freight Second), die 156.000 Güterwagen erhielt, gegründet. Im Oktober 2011 wurden fast 75 Prozent der Aktien der PGK an die UCL-Holding des Milliardärs Wladimir Lissin verkauft.[21]

Die am 26. August 2010 gegründete Gesellschaft JSC Federal Freight ist nach eigenen Angaben einer der größten Cargo-Betreiber Russlands.[22]

Im März 2008 wurde zur Vermarktung des geplanten Containerzuges Trans-Eurasia-Express das Joint Venture Trans Eurasia Logistics GmbH (TEL) zwischen der RŽD und der DB AG gegründet. Diese Gesellschaft hat das Ziel, den Trans-Eurasia-Express als Blockzug zwischen Europa, Russland und China schrittweise aufzubauen und übernimmt die Koordination zwischen den beteiligten Eisenbahngesellschaften.[23]

Auslandsaktivitäten im Infrastrukturbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Nordkorea beteiligt sich die RŽD an Ausbau und Betrieb der grenzüberschreitenden Strecke vom russischen Chassan nach Rajin und am Bau eines Containerterminals in Rajin.

Hauptartikel: Bahnstrecke Chassan–Rajin

In Libyen baute eine Tochtergesellschaft der RŽD seit 2008 die Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke Sirt–Bengasi. Mit dem Beginn des Aufstandes in Libyen wurden die Bauarbeiten eingestellt.

Die RŽD hat im Mai 2009 zusammen mit der ukrainischen und slowakischen Eisenbahn sowie der ÖBB ein Joint Venture gegründet, um die Möglichkeit einer Verlängerung der breitspurigen Bahnstrecke Uschhorod–Košice um 600 Kilometer nach Wien zu prüfen. Dazu wird die Breitspur Planungs GmbH in Österreich gegründet, an der die vier Eisenbahngesellschaften zu gleichen Anteilen beteiligt sind.[24]

Andere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2009 wurde mit dem österreichischen Baukonzern Alpine Holding die Tochtergesellschaft Alpine-RZDstroy GmbH gegründet, um gemeinsam Infrastrukturvorhaben, wie zum Beispiel Neubauten für Sotschi 2014, durchzuführen.[25][26]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oleg Nikitin: Activities of FPC JSC for the Developement of International Railway Passenger Traffic. In: OSJD Bulletin 1-2 (2017), S. 10-13.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Russische Eisenbahnen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schätzung

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Benjamin Triebe: Entschuldigen Sie, fährt noch der Sonderzug aus Moskau? nzz.ch, 22. August 2015, abgerufen am 22. August 2015
  2. Geschäftsbericht 2015 (englisch)
  3. The Company
  4. Eurailpress: „RŽD: Start des Bahngeschäfts in Armenien“, 4. Juni 2008
  5. Bahnreform auch in Russland. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 12/2003, S. 542 f.
  6. Vgl. Andrej Solotnitzki, Besonderheiten der Eisenbahnreform in Russland, in: Bahn-Report, Heft 1/2009, S.10, Herausgeber: Interessengemeinschaft Schienenverkehr e.V., Rohr
  7. Eurailpress: „Große Investitionen bei der Russischen Eisenbahn“
  8. Russisches Militär baut bis August neue Eisenbahn für Umgehung der Ukraine. In: sputniknews.com. 20. April 2016, abgerufen am 23. Juli 2016.
  9. Quer durch Donbass geht es nicht mehr: Russland verschiebt Schienen. In: sputniknews.com. 25. April 2015, abgerufen am 23. Juli 2016.
  10. BELKOMUR Project
  11. Nikitin: Activities, S. 10.
  12. Nikitin: Activities, S. 10.
  13. Übersicht über die Kennzahlen
  14. Nikitin: Activities, S. 10.
  15. Übersicht über die Kennzahlen
  16. Schlafwagen für die Russische Eisenbahn AG (RZD), Siemens AG, 28. Juni 2012
  17. NN: The “Strizh” train has made its maiden trip from Moscow to Berlin . In: OSShD News Archive, abgerufen am 15. Juli 2017.
  18. Nikitin: Activities, S. 12.
  19. Angaben nach Nikitin: Activities, S. 12.
  20. Angaben nach Nikitin: Activities, S. 11.
  21. Vgl. Igor Belov, Russische Güterbahnen im Aufbruch, in: Güterbahnen, Heft 4/2011, S.42f, Herausgeber: Alba Fachverlag, Düsseldorf, ISSN 1610-5273
  22. JSC (engl.)
  23. Trans Eurasia Logistics Firmeninfo
  24. André Ballin, Bahn frei für neues Breitspur-Gleis bis Wien, in: Russland-Aktuell, 28. Mai 2009
  25. OTS.at: ALPINE Bau GmbH und RZDstroy gründen Infrastruktur-Joint Venture (29. Januar 2010)
  26. ALPINE-RZDstroy erhält 100 Mio. Rubel-Auftrag (31. Mai 2010)