Roswitha Doerig

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Roswitha Doerig in der Kunsthalle Ziegelhütte Appenzell, April 2016, vor ihrem Bild Trio 2015

Roswitha Doerig (* 25. August 1929 in Appenzell; † 27. Februar 2017 in Paris[1]) war eine Schweizer Kunstmalerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doerig wuchs mit sieben weiteren Geschwistern in Appenzell auf. Sie besuchte Schulen in Appenzell und im katholischen Internat Ste-Agnès in Fribourg. Schon als Kind hatte sie Kontakt mit der Familie des Malers und Architekten Johannes Hugentobler. Es folgte ein erster Auslandaufenthalt in England, zuerst in einer Klosterschule in Mittelengland und dann an der Kunstschule Heatherley Art School in London, wo vor ihr auch Franz Kline tätig gewesen war. Wieder in die Schweiz zurückgekehrt, besuchte sie kurz die Kunstgewerbeschule in St. Gallen. Der in der kirchlichen Malerei Bedeutung erlangende Maler Ferdinand Gehr war einer ihrer Onkel mütterlicherseits.[2] Er beeinflusste sie früh durch die Farbwahl und Reinflächigkeit seiner Bilder.

Doerig glaubte, dass eine Ausbildung als Kinderbetreuerin den Broterwerb sichern und ihr das Malen erlauben werde. Sie machte deshalb eine entsprechende Schulung in Fribourg und arbeitete anschliessend in einer Kinderkrippe in Genf. Als zweiter Auslandaufenthalt folgte ab 1955 eine kurze Tätigkeit im Haushalt der Familie der Brauereidynastie Busch in Saint Louis, USA. Später besuchte sie an der Columbia University in New York City Kurse für Theaterdekoration und Bühnenbilder. Dort lernte sie auch den abstrakten Expressionismus von Franz Kline kennen. Es folgte das Studium an der École nationale supérieure des beaux-arts in Paris ab 1957 während sieben Jahren. In Paris nahm sie dauerhaft Wohnsitz und heiratete 1965 Serge Lemeslif, einen bretonischen Architekten. Zusammen hatten sie die Tochter Maidonneli Bantle-Lemeslif, welche in der Nähe von Appenzell lebt.

Wirken als Künstlerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Techniken lernte Doerig als Autodidaktin. Das handwerkliche Können wurde Basis ihrer Malerei, sei es für Aquarelle, Ölmalerei, Kalligraphie mit Tuschmalerei oder Collagen. Dazu lernte sie auf formalere Art Lithographie, Freskotechnik und Glasmalerei an der Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts. An dieser Kunstschule lehrte Raymond Legueult, welcher seiner Studentin Doerig Anerkennung zuteil kommen liess.

Doerigs frühes Schaffen bis etwa 1967 war noch vorwiegend gegenständlich geprägt. Ihre Arbeiten an Glasfenstern für die Kirche Saint-Paul in Nanterre (Frankreich) führten sie zur Bevorzugung des Ungegenständlichen. Sie suchte seither Ausdruck in Form, Farbe und Kombination in abstrakter Gestaltung als gestische Farbmalerin. Man kann ihr späteres Schaffen der Informellen Kunst zuordnen. Die Verhüllungsaktion von Christo und Jeanne-Claude Wrapped Pont Neuf in Paris beeindruckte Doerig, welche durch dieses Projekt dieses Künstlerpaar gut kennenlernte.[3] Das Ehepaar Christo war zu dieser Zeit Gast von Lemeslif-Doerig auf deren zum Wohn- und Partyschiff umgebauten Lastkahn auf der Seine.[4]

Sie wagte danach auch grossflächig zu malen (Werkserie Bogota ab 1990). Die grössten Werke als Planen messen bis zu 180 Quadratmeter.[5] Seit 1992 arbeitete sie im ehemaligen Atelier des Fotografen Man Ray im Quartier Saint-Germain-des-Prés.[6] Doerig scheute sich nicht, grosszügig die Farbe Schwarz einzusetzen. Sie erkannte darin keine Trauerfarbe. Kunst am Bau mit grossflächigen Wandmalereien und Teppichen wurde zu einem bevorzugten Tätigkeitsfeld von Roswitha Doerig. Auch temporäre künstlerische Verhüllung von Baufassaden mit Planen gehörte dazu (in Paris und in Vincennes).[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chur: Galerie Obertor, 2016/2017[8]
  • Appenzell: Kunsthalle Ziegelhütte, 2016[9]
  • Frauenfeld: Bernerhaus, Kulturstiftung des Kantons Thurgau, 2014
  • Paris: Schweizer Botschaft, 2011
  • Edlibach ZG: Lassalle-Haus, 2008/2009
  • Garches, Frankreich: Roswitha Doerig, Peintures recentes, Hôtel de Ville, 2000
  • Appenzell: Museum Appenzell, 1996
  • Paris: L‘Orangerie du Sénat, 1997
  • Fribourg: Ehrenhalle der Universität Fribourg, 1994

Werke im öffentlichen Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aarburg: Bürogebäude Franke Holding, 4x8 Meter Wandbild, 2000
  • Appenzell: 18 Meter langer Wandteppich in der Schalterhalle der Appenzeller Kantonalbank
  • Appenzell: zwei Wandteppiche im Schulhaus Hofwiese
  • Stuttgart: Staatsgalerie, Kunst am Bau, 1995
  • Nanterre: Gestaltung der Glasfenster in der katholischen Kirche Saint-Paul, 1968

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roland Scotti: Roswitha Doerig … älter werde ich später. Heinrich Gebert Kulturstiftung, Appenzell 2016, ISBN 978-3-906966-40-3.
  • Susi Hofmann: Ein Hauch Paris, ein bisschen Appenzell. In: Zürcher Oberländer, 30. Oktober 2004, S. 22
  • Daniela S. Herman: Bilder voller innerer Kraft. In: St. Galler Tagblatt, 8. September 2004, S. 48
  • Daniela S. Herman: Die Magie der Farbe auskosten. In: St. Galler Tagblatt, 8. Mai 2000, S. 49

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Roswitha Doerig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Appenzeller Künstlerin Roswitha Doerig verstorben. St. Galler Tagblatt, 2. März 2017, abgerufen am 2. März 2017
  2. Roswitha Doerig und Hermann Bischofberger: Kunstmaler Ferdinand Gehr und Appenzell Innerrhoden. In: Innerrhoder Geschichtsfreund, Band 39, 1998.
  3. Roswitha Doerig: Christo gibt mir Mut auch zu wagen. In: Appenzeller Volksfreund, 15. Juli 1995.
  4. Max Triet: Roswitha Doerig – eine Innerrhoder Künstlerin zwischen Paris und Appenzell. In: Appenzeller Poscht, April 2016, Nr. 90, S. 35–41.
  5. Rolf Rechsteiner: Eine der interessantesten Künstlerinnen. In: Appenzeller Volksfreund, 18. Juli 2000, S. 4.
  6. Anne Kerner: Roswitha Doerig. In: Muséart, No. 42, Juli/August 1994.
  7. Une Appenzelloise à Paris. In: 24 heures, 1997, La Dernière.
  8. Galerie Obertor: Ausstellung Roswitta Doerig.
  9. Brigitte Schmid-Gugler: Elemente von Zeit und Ewigkeit. Tagblatt online, 8. Februar 2016