Roter Stern Leipzig

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Roter Stern Leipzig
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Voller Name Roter Stern Leipzig
Ort Leipzig
Gegründet 1. Februar 1999
Vereinsfarben schwarz-rot
Stadion Sportpark Dölitz
Plätze 1.200
Liga Landesklasse Nord
2014/15 1. Platz (Stadtliga)
Heim
Auswärts

Roter Stern Leipzig ’99 e. V. (RSL) ist ein Leipziger Sportverein aus dem Stadtteil Connewitz. Seine Bedeutung liegt weniger in seinen sportlichen Erfolgen als in seinem Selbstverständnis als „kultur-politisches Sportprojekt im Spannungsfeld zwischen normalem Fußballverein und linksradikaler Politik“, mit dem er sich deutlich von anderen Sportvereinen unterscheidet.

Spieler von Roter Stern Leipzig (2014)
Fankurve (2011)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roter Stern Leipzig ’99 e. V. wurde am 1. Februar 1999 als Fußballverein von 20 alternativen Jugendlichen gegründet. Am 5. September 1999 bestritten die 1. und die 2. Herrenmannschaft ihr erstes Pflichtspiel im Spielbetrieb der 3. Kreisklasse, der untersten Liga im deutschen Fußball-Ligasystem (11. Liga). In den darauffolgenden Jahren gelang der ersten Mannschaft mehrere Aufstiege; in der Saison 2008/09 erreichte sie schließlich den Einzug in die Leipziger Bezirksklasse (8. Liga).

Am 24. Oktober 2009 kam es während eines Auswärtsspiels in Brandis zu Ausschreitungen mehrerer Dutzend Randalierer rechtsextremistischen Hintergrunds, in deren Folge Ermittlungen wegen des Tatverdachts des schweren Landfriedensbruchs und der gefährlichen Körperverletzung gegen Unbekannt eingeleitet wurden.[1] In den 12 Monaten danach wurden fünf Täter zu Haftstrafen zwischen zwei und drei Jahren verurteilt. 19 weitere Verfahren folgten.[2]

Am 22. Mai 2011 sicherten sich die Sterne fünf Spiele vor Saisonende durch ein torloses Unentschieden gegen die SG Rotation Leipzig vor 780 Zuschauern den Aufstieg in die Bezirksliga Leipzig Nord (7. Liga). Dort erreichte die Mannschaft in der Saison 2011/12 den 13. (und letzten) Platz und stieg damit in die neu geschaffene Stadtliga ab, welche die bisherigen Bezirksklasse-Staffeln ersetzte.

Zur Rückrunde der Saison 2013/14 stieg der britische Sportartikelhersteller Lonsdale als Trikotsponsor der 1. und 2. Herrenmannschaft ein. Zudem stellte das Unternehmen einen Bus mit Lautsprecheranlage bereit, der auch außerhalb des Platzes, etwa auf antifaschistischen Demonstrationen, zum Einsatz kommt.[3]

Die Spielzeit 2014/15 entwickelte sich zu einer sehr erfolgreichen: Außerhalb des Platzes wurde der Bau des 700.000 Euro teuren „Sozialtraktes“ umgesetzt. Hierbei wurde in eine alte leerstehende und unter Denkmalschutz stehende Turnhalle ein „neues“ Gebäude mit Umkleidekabinen und Duschen gebaut. Auf dem Platz lieferte sich die erste Mannschaft ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit VfK Blau-Weiß Leipzig und blieb 13 Spiele in Folge siegreich. Am letzten Spieltag kam es zu einer ungewöhnlichen Situation: Roter Stern Leipzig hatte einen Punkt Rückstand auf Tabellenführer Blau-Weiß Leipzig, beide Vereine trafen in ihrem Spiel auf vermeintlich leichte Gegner. 10 Minuten vor Ende der Partien führte Roter Stern in seinem Spiel mit 8:1, während Blau-Weiß in ihrer Partie mit 1:2 zurück lag. Aufsteiger wäre somit RSL. Dann zog ein Unwetter über Leipzig hinweg; nach kurzen Unterbrechungen konnten alle Partien zu Ende gespielt werden, ausgenommen jedoch jene von Blau-Weiß, welche abgebrochen wurde. Dabei konnte auch eine Paarung beim LSV Südwest, 500 Meter Luftlinie vom Blau-Weiß-Stadion entfernt, ordnungsgemäß zu Ende gespielt werden. Das Sportgericht entschied zehn Tage darauf, das Spiel mit 0:2 gegen Blau-Weiß zu werten. Somit wurden die Sterne Stadtmeister und stiegen in die Landesklasse Nord auf.[4]

Selbstverständnis und gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mitglieder des Vereins vertreten verschiedene vornehmlich politisch linke Positionen. In den Jahren nach der Gründung stieg die Mitgliederzahl des Vereins auf rund 900 aktive und passive Mitglieder an;[5] bei keinem anderen Leipziger Sportprojekt spielen so viele Menschen Fußball wie beim RSL.[6] Diese verteilen sich auf mehrere Mannschaften, darunter eine vollständige Jugendabteilung mit dreizehn Kinderteams, eine Frauen-, zwei Senioren- und fünf Herrenmannschaften, und weitere Sportarten wie Basketball, Handball, Volleyball, Turnen, Schach, Triathlon, Croquet, Tischtennis, Kletterm, Rad- und Laufsport. Es wurde und wird sich eindeutig gegen rassistische und diskriminierende Tendenzen abgegrenzt. Durch die jährliche Teilnahme von über hundert Mitgliedern des Vereins bei der Antirassistischen Weltmeisterschaft, organisiert von der deutsch-italienischen Organisation Istoreco/Progetto Ultra, wird vereinsintern für Toleranz, ein friedliches Miteinander und Weltoffenheit geworben. In den Jahren 2000 und 2007 organisierte der Verein das halb-jährlich stattfindende Bündnis-aktiver-Fußballfans-Treffen. Die von der Projektgruppe Flutlicht erstellte Ausstellung BallARBEIT – Szenen aus Migration und Fußball präsentierte der Verein im Oktober 2008 in der Universität Leipzig. Auf lokaler Ebene macht Roter Stern Leipzig durch Presseerklärungen und Publikationen auf rassistische und diskriminierende Tendenzen in Leipziger Fußballvereinen aufmerksam.

Über den Fußball hinaus sieht sich der Verein als politisches Kulturprojekt, bei dem neben dem Spielbetrieb verschiedener Sportteams auch Konzerte, Diskos, Demonstrationen oder ähnliches organisiert werden. Hierzu gehört auch die Veröffentlichungen der Benefiz-CDs More than soccer und der Fanzines Prasses Erben und Kiezkicker. Die sonst allgemein üblichen Vereinsstrukturen von Fußballvereinen, in denen gewählte Vorstände die Geschicke des Vereins lenken, werden abgelehnt und stattdessen den Verein betreffende Themen in einem wöchentlichen Plenum diskutiert und schließlich gemeinsam Entscheidungen getroffen.

Im Jahr 2009 startete der Verein die Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball (IVF). Neben dem Roten Stern Leipzig ist die Faninitiative Bunte Kurve Träger der IVF. Es wird im Bereich des Leipziger Fußballs, der vom Fußballverband Stadt Leipzig e. V. (FVSL) organisiert wird, antidiskriminierend, integrativ und gewaltpräventiv gearbeitet.

Am 11. Januar 2016 attackierten etwa 250 rechte Gewalttäter aus dem Umfeld der Legida-Demonstration rund zwanzig Läden in der Wolfgang-Heinze-Straße in Connewitz. Auch der Fischladen, die Bar des Vereins, wurde angegriffen. Laut Leipziger Polizei handelte es sich bei den Angreifern um rechtsextreme Fußball-Hooligans von Lok Leipzig und dem Halleschen FC.[7] In Reaktion darauf organisierte der RSL, in Zusammenarbeit mit der Amadeu Antonio Stiftung, dem UT Connewitz und vielen anderen Projekten, eine Spendenaktion, durch welche mehr als 50.000 Euro für die Geschädigten gesammelt werden konnten.[8]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. November 2009 wurde der Verein in der Dresdner Frauenkirche mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie ausgezeichnet. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert und „erfolge allein aufgrund des mutigen Engagements des Vereins“, so Jurymitglied Anetta Kahane.

Am 17. September 2010 wurde der Verein mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet; dieser Preis ist mit insgesamt 20.000 Euro dotiert. Der Deutsche Fußball-Bund ehrte Roter Stern Leipzig wegen seines Einsatzes gegen jede Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder sexueller Präferenz mit dem zweiten Platz.[9]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saison Level Liga Platz Tore Punkte Pokal Besonderheiten
1999/2000 11 3. Kreisklasse (Staffel 3) 1. 97:19 51 1. Runde 1. Spielabbruch aufgrund von Pyrotechnik
2000/2001 10 2. Kreisklasse (Staffel 2) 1. 100:28 62 2. Runde Verfassungsschutz beobachtet den Verein
2001/2002 09 1. Kreisklasse (Staffel 2) 3. 61:22 53 Finale 1300 Zuschauer im Pokalfinale
2002/2003 08 Stadtliga (Staffel 2) 5. 46.35 38 Halbfinale Frauenteam im Pokalfinale
2003/2004 08 Stadtliga (Staffel 2) 6. 45:39 41 Viertelfinale Freundschaftsspiel gegen Türkiyemspor Berlin
2004/2005 08 Stadtliga (Staffel 2) 2. 54:33 52 2. Runde
2005/2006 08 Stadtliga (Staffel 2) 7. 52:39 38 Achtelfinale Frauenteam im Pokalfinale
2006/2007 08 Stadtliga 3. 72:34 55 Halbfinale
2007/2008 08 Stadtliga 5. 62:36 53 Sieger
2008/2009 09 Stadtliga 1. 71:31 61 Sieger Frauenteam auch Pokalsieger
2009/2010 08 Bezirksklasse (Staffel 2) 6. 50:35 54 2. Runde Spielabbruch in Brandis und Mügeln
2010/2011 08 Bezirksklasse (Staffel 2) 1. 74:17 76 3. Runde Ungeschlagen, 1500 Zuschauer beim Vereinsfest
2011/2012 07 Bezirksliga Nord 13. 29:75 11 2. Runde Zuschauerschnitt bei Heimspielen: 430
2012/2013 08 Stadtliga 3. 85:53 63 2. Runde Freundschaftsspiel gegen Partizan Minsk
2013/2014 08 Stadtliga 8. 57:55 36 Halbfinale D-Jugend im Pokalfinale
2014/2015 08 Stadtliga 1. 94:37 75 Viertelfinale Orga und Bau eines Sozialtrakts für rund 700.000 Euro
2015/2016 07 Landesklasse Nord
Anmerkung: Grün unterlegt = Aufstieg, Rot unterlegt = Abstieg.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKurzinformation über wichtige Ereignisse und Aktivitäten extremistischer Organisationen im Monat Oktober 2009. Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen, 24. November 2009, abgerufen am 3. Januar 2010 (PDF; 176 kB).
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatFrank Müller: Schleppende Arbeit der Justiz: Knapp ein Jahr nach Brandis erst fünf Täter verurteilt. In: Leipziger Volkszeitung. 4. November 2009, abgerufen am 30. Oktober 2014.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBenjamin Romberg: Lonsdale spielt über links. In: Süddeutsche Zeitung. 11. März 2014, abgerufen am 30. Oktober 2014 (Lonsdale steigt als Sponsor bei rsl ein).
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKonstantin Keller: als-mannschaft-gewachsen. In: Fanreport. 28. Juni 2015, abgerufen am 9. Juli 2015 (als mannschaft gewachsen).
  5. Benjamin Schmidt: Roter Stern Leipzig baut Haus in Haus. In: Leipziger Volkszeitung. 11. September 2014, abgerufen am 30. Oktober 2014.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJohn Hennig: Post-Punk. In: 11 Freunde. 25. März 2014, abgerufen am 30. Oktober 2014 (rsl verein mit den meisten fußballern leipzigs).
  7. http://www.mdr.de/sachsen/lichterkette-legida-leipzig-100_zc-f1f179a7_zs-9f2fcd56.html
  8. http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/TOP-THEMA/In-Connewitz-ist-alles-politisch-artikel9481758.php
  9. DFB vergibt Julius Hirsch Preis nach Brandenburg. DFB, 29. Juli 2010, abgerufen am 30. Oktober 2014.