Roth (Eschenburg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Roth
Gemeinde Eschenburg
Wappen von Roth
Koordinaten: 50° 50′ 40″ N, 8° 22′ 2″ O
Höhe: 446 m ü. NHN
Fläche: 7,83 km²[1]
Einwohner: 602 (30. Jun. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 77 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35713
Vorwahl: 02774
Roth
Roth

Roth ist der kleinste Ortsteil der Gemeinde Eschenburg im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roth erreicht man über eine Abzweigung der Bundesstraße 253, ca. 17 Kilometer östlich von Dillenburg entfernt. Der Ort grenzt unmittelbar an die Ortschaften Steinbrücken, Mandeln, Achenbach, Oberdieten, Oberhörlen, Simmersbach und Eibelshausen. Die Ortschaft liegt ca. 450 m ü. NN, der höchste Berg Stiete hat eine Höhe von 545 m ü. NN.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roth wird im Jahr 1232 in Zusammenhang mit den Wunderheilungen rund um das Grab der heiligen Elisabeth in Marburg zum ersten Mal geschichtlich erwähnt. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde im Umfeld des Heiligen Berges (518 m ü. NN) die Burg Hessenwalt erbaut. Sie diente in der Dernbacher Fehde zur Verteidigung des Breidenbacher Grunds, zu dem Roth bis zur Gebietsreform 1974 gehörte. Die Burg wurde aber noch im selben Krieg zerstört. Historisch hat Roth Stadtrechte erworben (belegt 1758) und ein eigenes Gericht besessen. Bekannt ist Roth auch durch sein Silbervorkommen (Ende des 17. Jahrhunderts entdeckt), welches zur Prägung eines Silbertalers führte (1696). Bis in das 20. Jahrhundert hinein wurde in der Grube Gottesgabe Silber gewonnen.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Roth:

„Roth (L. Bez. Gladenbach) evangel. Filialdorf; liegt 4 St. von Gladenbach, und gehört dem Freiherrn von Breidenstein, hat 50 Häuser und 305 Einwohner, die außer 2 Katholiken evangelisch sind. Man findet 1 Kirche, die von Holz erbaut ist, 1 Mahl- und Oelmühle, und in der Gemarkung eine verlassene Kupfergrube. – Der Ort kommt früher unter dem Namen Roden vor. Das Bergwerk wurde 1695 entdeckt. Im Jahr 1773 hat das Dorf die Erlaubniß erhalten, einen Markt auf Bartholomäus halten zu dürfen, und es sollte, wenn er gut ausfalle, das Privilegium darüber ausgefertigt werden. Hier bestand ein besonderes Gericht, das nur diesen einzigen Ort umfaßte.“[2]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roth war bis zur Gebietsreform in Hessen selbstständig und gehörte zum Landkreis Biedenkopf. Im Zuge der Gebietsreform erfolgte die Gründung der Gemeinde Eschenburg am 1. Oktober 1971 durch den freiwilligen Zusammenschluss der Gemeinden Eibelshausen, Eiershausen und Wissenbach.[3] Kraft Landesgesetz wurden dann die Gemeinden Eschenburg, Hirzenhain sowie Simmersbach und Roth des ehemaligen Landkreises Biedenkopf zur erweiterten Großgemeinde Eschenburg zusammengeschlossen.[4] Die Inkraftsetzung erfolgte zum 1. Juli 1974 durch den Regierungspräsidenten in Darmstadt.[5][3] Für alle sechs Ortsteile wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher errichtet.

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Roth unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[6]

  • Roden, in [Urkundenbuch Hanau II Nr. 10]
  • Rodgyn, zu dem (1386)
  • Roede, zum (1413)
  • Roda (1577)
  • Roith (1630)
  • Rodt (1677)

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Roth lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[6][7][8]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[6]

• 1577: 028 Hausgesesse
• 1630: 024 Hausgesesse (22 einspännige Ackerländer, 2  ), 2 Einläuftige
• 1677: 027 Männer, 2 Witwen, 1 Jungmannschaft, 13 ledige Mannschaften.
• 1742: 036 Haushalte
• 1791: 257 Einwohner[14]
• 1800: 261 Einwohner[15]
• 1806: 272 Einwohner, 48 Häuser[12]
• 1829: 305 Einwohner, 50 Häuser[2]
Roth: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2019
Jahr  Einwohner
1791
  
257
1800
  
261
1806
  
272
1829
  
305
1834
  
319
1840
  
331
1846
  
335
1852
  
313
1858
  
305
1864
  
280
1871
  
268
1875
  
304
1885
  
336
1895
  
331
1905
  
372
1910
  
387
1925
  
412
1939
  
394
1946
  
575
1950
  
524
1956
  
467
1961
  
447
1967
  
450
1970
  
482
1974
  
504
1980
  
499
1990
  
530
2000
  
588
2011
  
558
2015
  
587
2019
  
602
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [6]; nach 1970: Gemeinde Eschenburg; Zensus 2011[16]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[6]

• 1829: 303 evangelische 2 katholische Einwohner.[2]
• 1885: 334 evangelische, 2 katholische Einwohner
• 1961: 426 evangelische (= 95,30 %), 21 römisch-katholische (= 4,67 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[6]

• 1867: Erwerbspersonen: 172 Landwirtschaft, 2 Forstwirtschaft, 3 Bergbau und Hüttenwesen, 14 Gewerbe und Industrie, 3 Verkehr, 1 Gesundheitspflege, 1 Gemeindeverwaltung.
• 1838: Familien: 39 Ackerbau, 43 Gewerbe, 10 Tagelöhner.
• 1961: Erwerbspersonen: 157 Land- und Forstwirtschaft, 116 produzierendes Gewerbe, 17 Handel und Verkehr, 7 Dienstleistungen und sonstiges.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Roth gibt es zurzeit keinen Ortsbeirat.[17]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rother Wappen wurde von Albert Wagner entworfen. Es enthält im oberen Teil eine aufgehende Sonne und im unteren Teil eine Waage als Zeichen für die Gerichtsbarkeit. Die Waage weist auf ein eigenes Gericht hin, das Roth in der Vergangenheit besaß. Die aufgehende Sonne findet sich auch als Motiv auf dem Rother Silbertaler wieder und soll an diesen erinnern.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das kulturelle Leben in Roth ist vorwiegend durch die am Ort ansässigen Vereine geprägt.

Zu den Vereinen gehören

  • der Männergesangverein 1856 Harmonie Roth
  • die Freiwillige Feuerwehr (gegründet 1907)
  • der Naturschutz- und Heimatverein (gegründet 1969)
  • der Fußballclub FC Roth (seit 1976)
  • die Laienspielgruppe „Die Herrjelshinkelcher“ (seit 1980); Herrjelshinkelcher ist ein Begriff des Rother Dialekts und bedeutet „Marienkäfer“.
  • der Jugendclub (seit 1997).

Weiterhin gibt es noch die Forstbetriebsvereinigung, die sich um die Interessen der Privatwaldbesitzer kümmert und den Interessentenwald, der die im Siegerland und nördlichen Lahn-Dill-Kreis verbreitete Haubergswirtschaft betreibt. Während die Landwirtschaft bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg das Dorfleben prägte, gibt es mittlerweile fast ausschließlich Nebenerwerbsbetriebe. Am Ort gab es einen eigenen Kindergarten Rothkäppchen sowie eine eigene Schule, beide existieren nicht mehr. Die Kinder besuchen die Grundschule im benachbarten Simmersbach und die weiterführende Schulen in Eibelshausen, Dillenburg und Bad Laasphe.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die drei Rother Dorfchroniken des Naturschutz- und Heimatvereins.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statistische Daten. In: Webauftritt. Gemeinde Eschenburg, abgerufen im März 2020.
  2. a b c Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt August 1830, OCLC 312528126, S. 147 (Online bei google books).
  3. a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 356–357.
  4. Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen (GVBl. II 330–28) vom 13. Mai 1974. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 17, S. 237, § 27 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  5. Benennung von Gemeindeteilen im Dillkreis vom 21. November 1974. In: Der Regierungspräsident (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1974 Nr. 49, S. 2257, Punkt 1663 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 7,7 MB]).
  6. a b c d e f Roth, Lahn-Dill-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 22. Januar 2020). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 12 ff. (Online bei google books).
  9. Die Zugehörigkeit des Amtes Blankenstein anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  10. a b Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 27 ff., § 40 Punkt 6c) (Online bei google books).
  11. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, OCLC 165696316, S. 7, 430 (Online bei google books).
  12. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 247 (Online in der HathiTrust digital library).
  13. Neuste Länder und Völkerkunde, Band 22, S. 416, Weimar 1821
  14. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 190 (Online in der HathiTrust digital library).
  15. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 204 (Online in der HathiTrust digital library).
  16. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  17. Ortsbeiräte der Gemeinde Eschenburg, abgerufen im April 2019.