Roth (Weimar)

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Roth
Gemeinde Weimar (Lahn)
Koordinaten: 50° 43′ 43″ N, 8° 43′ 37″ O
Höhe: 171 m ü. NHN
Fläche: 4,19 km²[1]
Einwohner: 805 (31. Dez. 2012)
Bevölkerungsdichte: 192 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 35096
Vorwahl: 06426
Roth aus südlicher Richtung
Roth aus südlicher Richtung

Roth ist der etwa 170 m ü. NN hoch gelegene, mit rund 800 Einwohnern drittgrößte Ortsteil der Gemeinde Weimar (Lahn) im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Der Ort liegt beiderseits der Lahn, wobei das alte Kerndorf westlich des Flusses liegt und durch diesen vom neueren Dorf getrennt wird. Im Westen wird das alte Dorf vom Mündungsarm Par-Allna eingerahmt, der unweit des Orts den Wenkbach und den Walgerbach aufnimmt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste überlieferte urkundliche Erwähnung Roths (als "Rade"; später auch "Rotha") – gemeinsam mit dem Nachbarort Wenkbach – stammt aus dem Jahr 1302.[1] Das Dorf lag im Schenkisch Eigen (Roth, Wenkbach, Argenstein), benannt nach den Schenken zu Schweinsberg. Es gehörte zum Besitz des Stiftes Essen und unterstand ursprünglich dem Fronhof in Fronhausen (Lahn). Später wurde es vom Stift Essen als besonderes Lehen an die Vögte von Fronhausen und damit an die Schenken zu Schweinsberg gegeben. Die Einwohner waren Leibeigene. Nach dem ersten bekannten Einkommensverzeichnis des Frauenstiftes Essen bestanden damals in Rothe bereits 15 abgabepflichtige Anwesen, darunter eine Mühle. 1616 wurde Roth Gerichtsort des Schenkisch Eigen.

Der alte Ortskern lag im Überschwemmungsbereich der Lahn. In der Anfangszeit war der Ort eine reine Arbeitersiedlung und wurde daher nach der Ernte und über die Wintermonate abgesiedelt und erst im Frühjahr nach der Schneeschmelze wieder bezogen. Erst zwischen 1928 und 1931 wurde Roth mit einem Deich vor den regelmäßig auftretenden Hochwassern geschützt. Am Fuße des Geiersberges entstand 1996 ein modernes Bürgerhaus mit Kegelbahn und Gaststätte. 2007 drohte nach dem Bruch eines der Dämme bei einem Lahnhochwasser die Überflutung der historischen Ortsmitte. Ab der Einstiegsstelle Roth bieten mehrere Kanuanbieter Kanus zur Leihe mit Rücktransport für den landschaftlich reizvollen Lahnabschnitt an.

Im Dorf gab es einen starken jüdischen Bevölkerungsanteil. Für 1594/95 liegen erste Belege über die Anwesenheit von Juden im Schenkisch Eigen vor. 1737 lebten in Roth 13 jüdische Familien mit 54 Personen, das entsprach etwa 16 % der Gesamtbevölkerung. Seit 1738 gab es in Roth eine erste jüdische Schule. Es gab eine Synagoge. Sie wurde 1833 durch ein größeres Gebäude ersetzt, nachdem 1832 ein Brand den Vorgängerbau zerstört hatte. Im 19. Jahrhundert war Roth der Hauptsitz der Synagogengemeinde Roth-Fronhausen-Lohra. 1933 lebten noch sechs jüdische Familien mit insgesamt 32 Personen in Roth. Am 9. November 1938 wurde die Synagoge verwüstet, dann bis in die 1980er Jahre als Kornspeicher genutzt und schließlich Anfang/Mitte der 1990er Jahre wieder instand gesetzt. In den Jahren nach 1938 wurden elf Angehörige der Minderheit ins Ausland vertrieben und 15 in den nationalsozialistischen Lagern ermordet. Der alte jüdische Friedhof, auf der Anhöhe des Geiersberges gelegen, ist gut erhalten und wird heute noch von Angehörigen der einstigen Einwohner Roths besucht.

Das heutige Dorf Roth mit etwa 900 Einwohnern gehört seit der Gebietsreform in Hessen, die am 1. Juli 1972 in Kraft trat, zur Gemeinde Weimar (Verwaltungssitz Niederweimar), die insgesamt etwa 7.000 Einwohnern hat.[2]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten im Überblick, denen Roth nacheinander unterstand:[3][1]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun oblag Justizämtern die erstinstanzliche Rechtsprechung, die Verwaltung Landkreisen. Im Falle Roths war der Kreis Marburg für die Verwaltung zuständig, das Justizamt Fronhausen erstinstanzliches Gericht, das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen die zweite Instanz und das Oberappellationsgericht in Kassel das Oberste Gericht.[7]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt Rauschenberg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Fronhausen. Im Juni 1867 ordnete eine königliche Verordnung die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu. Die bisherigen Gerichtsbehörden wurden aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt.[8] Im Zuge dessen wurde am 1. September 1867 das bisherigen Justizamt umbenannt zum Amtsgericht Fronhausen. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren nun das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[9]

Das selbständige Amtsgericht Fronhausen wurde 1943 geschlossen; es wurde zunächst als Zweigstelle des Amtsgerichts Marburg weitergeführt und 1948 endgültig aufgelöst. Der Gerichtsbezirk wurde dem Amtsgericht Marburg zugeschlagen.

In der Bundesrepublik Deutschland sind dessen übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie als letzte Instanz der Bundesgerichtshof.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[1]

um 1550: 26 Hausgesesse
1577: 45 Hausgesesse
1747: 68 Haushalte
1838: 516 Einwohner, davon 75 nutzungsberechtigte, 12 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 8 Beisassen. Familien: 42 Ackerbau, 20 Gewerbe, 13 Tagelöhner.
1861: 472 evangelisch-lutherisch, 1 römisch-katholisch, 43 jüdische Einwohner, 30 Mitglieder abweichender Sekten.
1961: 643 evangelisch, 32 römisch-katholische Einwohner. Erwerbspersonen: 121 Land- und Forstwirtschaft, 130 Produzierendes Gewerbe, 53 Handel und Verkehr, 35 Dienstleistungen und Sonstiges.
Roth: Einwohnerzahlen von 1812 bis 1967
Jahr  Einwohner
1812
  
402
1834
  
435
1840
  
482
1846
  
552
1852
  
523
1858
  
540
1864
  
548
1871
  
559
1875
  
511
1885
  
494
1895
  
526
1905
  
595
1910
  
570
1925
  
576
1939
  
545
1946
  
725
1950
  
773
1956
  
691
1961
  
675
1967
  
721
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Sehenswürdigkeiten Roths zählen die ab 1716 erbaute Kirche der lutherisch-protestantischen Gemeinde mit ihrem Wehrturm im historischen Kern des Ortes sowie die Mühle an der Lahn und die in den 1990er Jahren renovierte und als Gedenk- und Lernort dienende Landsynagoge in Roth.

Das im Sommer 2011 als Ausgleichsmaßnahme geschaffene Biotop Par-Allna mit seinen feuchten Offenlandflächen ist Rastplatz solches Milieu liebender Vogelarten und dient der Naherholung.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roth hat verschiedene Sport- und Kulturvereine. Der 1945 gegründete Sportclub (SC) Roth/Argenstein hat derzeit nur noch eine Gymnastikabteilung. Die Fußballabteilung hat sich nach einigen Jahren als Spielgemeinschaft mit der SG Niederwalgern/Wenkbach zum neuen Fußballverein FSG Südkreis zusammengetan. Es gibt einen Wanderverein, einen Posaunenchor, die Burschen- & Mädchenschaft Roth, den Feuerwehrverein, den Arbeitskreis Landsynagoge, den Taubenverein und den Karnevalsverein Wasserhähne Roth.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jährlich veranstalten die Mitglieder der Burschen- & Mädchenschaft ein Pfingstfest, eine Kirmes im Juni oder am zweiten Augustwochenende und ein Oktoberfest. Andere Vereine Roths halten kleinere Feste und Veranstaltungen ab. Der Karnevalsverein veranstaltet am Faschingswochenende eine Karnevalsveranstaltung und einen Kinderkarneval am Faschingssonntag.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Roth, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 27. März 2017). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 403.
  3. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  4. Georg Landau: Beschreibung des kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 385 (online bei HathiTrust’s digital library).
  5. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 112 (online bei Google Books).
  6. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223–224.
  7. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  8. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  9. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roth. In: Historisches Ortslexikon Marburg. Ehemaliger Landkreis und kreisfreie Stadt. Bearb. von Ulrich Reuling. Marburg 1979 (Historisches Ortslexikon des Landes Hessen, 3), ISBN 3-7708-0678-6, S. 258f.
  • Herbert Kosog: Die Juden von Roth. Leicht gekürzte und um eine Nachbemerkung von Dietmar Haubfleisch erw. Fassung des zuerst in: Heimatwelt. Aus Vergangenheit und Gegenwart. Hrsg. von der Gemeindeverwaltung Weimar, 5. Heft, Weimar 1979, S. 11–21 erschienenen Aufsatzes: Marburg 1998: http://archiv.ub.uni-marburg.de/sonst/1998/0012.html.
  • 700 Jahre Roth. Dorfgeschichte in Texten und Bildern. 1302–2002. Hrsg. vom Festausschuß 700 Jahre Roth, Marburg 2002.
  • Reinhard Neebe: Privilegien, Pogrome, Emanzipation: Deutsch-jüdische Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart: Das Beispiel Roth (Krs. Marburg-Biedenkopf): Sozialer und wirtschaftlicher Strukturwandel im ländlichen Raum im 19. Jh., Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie / Abteilung Geschichte Universität Bielefeld, WS 2011/2012, OCLC 873549036 (Online archiviert 2013, z. Z. nicht mehr abrufbar).
  • Literatur über Roth in der Hessischen Bibliographie
  • Suche nach Roth (Weimar) im Archivportal-D der Deutschen Digitalen Bibliothek

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Roth (Lahn) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien